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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendprunk bis tugendruhm (Bd. 22, Sp. 1677 bis 1680)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendprunk, m., 'falscher schein der tugendhaftigkeit':

(Rosamunde)
triumph! kein tugendprunk wird künftig mehr uns blenden
Kotzebue s. dram. w. (1827) 40, 270;

die folgen der prahlerischen starrgeisterei und des falschen tugendprunks verfolgte er durch die ganze reihe ihrer unheilvollen wirkungen Köpke Ludwig Tieck (1855) 1, 205;

traut nicht, wenn manche gleich in tugendprunke schimmern!
zwei klassen weiber gibts: die schlimmen und die schlimmern
Grillparzer s. w. 10, 261 Sauer.


 
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tugendpurpur, m.:

tugendpurpur, ehrensammt, glück und alter soll dich zieren,
bisz du ewger herrligkeit schönen osterschmuck wirst führen
Abschatz himmelschlüssel (1704) 112.

[Bd. 22, Sp. 1678]



 
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tugendredner, m.: so musz er (der fürst) endlich, wenn er die tugendredner für ihr bekenntnisz doch gar zu sonderbar handeln sieht Klinger w. (1809) 12, 92.
 
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tugendregel, f., 'regel, vorschrift zu einem tugendhaften leben': und scheine es, als hab er sich den David zu einem präzeptor gehalten, der ihm solche tugendregel vorschrieb Abr. a s. Clara w. 1, 7 Strigl; autorität ... (gibt den) tugendregeln das stärkste ... gewicht allg. dt. bibl. (1765) 4, 169; aus sinnlichen schwachheiten (sind) ... tugendregeln entstanden Herder 32, 104 S.
 
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tugendregister, n.: des Anselms poetische tugendregister Pustkuchen Wilh. Meisters wanderj. (1913) 3, 98.
 
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tugendreich, adj. , mhd. tugentrîch, zunächst unverbunden tugende rîch; nhd. tugendreich. nicht so reich belegt wie tugendhaft, -lich, -sam; im wesentlichen mit den genannten ableitungen in gebrauch und bedeutung übereinstimmend; die geringere bezeugung läszt die bedeutungsgliederung nicht so deutlich erkennen wie bei jenen, die hier immer zu vergleichen sind.
1) 'voll kraft, mächtig' (s. DWB tugend I):

der ander (edelstein) ist so tugentreich:
gott der geb euch sein himmelreich!
der dritt stein ist so tugenthaft:
gott bht euch ewer junkfrawschaft! (um 1530) dt. leben i. volkslied 187 Liliencr.


2) mhd. zunächst höfisch, edel, gesittet, ritterlich (s. DWB tugendhaft B 1):

dô sprach diu tugentrîche (Kriemhild)sô sol ez sîn getân Nibelungen 521, 3 L.;

Marke der tugende riche
der gewarp vil tugentliche ...
er bat besunder unde gebot ...
daz si dem vremedem kinde
guot unde genædic wæren
Gottfried v. Straszburg Tristan 3383 R.;

er was sô reine, daz man giht,
und alsô tugentrîch gemuot
daz er die kapellâne guot
liep hæte sam daz leben sîn
Konrad v. Würzburg Silvester 1361.

unter christlichem einflusz ins ethische übergehend:

set, uz den worten volget daz:
...
gotes recht nicht wol wesen glich
by Job, wan er waz tugende rich Hiob 7524 Karsten;

ein biderbe man
swie tugent riche er werden kan,
daz hilfet lutzel und frumet
swenne er zu bsen leuten chumet mhd. erz. nr. 169, 88 Rosenhagen;

war suln die tugentrichen
den valschen denne entwichen? ebda nr. 169, 107;

und der salden lichter schin
ist der tugentrichen lon
und by disem lebene schon Hiob 7927 Karsten;

Augustinus sprichet: sich si reht an, die tugentrichen vrowen (Maria) ... so ist nihtz an ir gebresten: gutes noch sälges noch tugentliches, si hab es alles St. Georgener pred. 154, 16. häufig als formelhaftes beiwort für personen (im nhd. fortgesetzt): daz tugentrîche wîp der Nibelunge not 925, 1 Bartsch; der tugend riche helde Göttweiger Trojanerkrieg 8099 Kopp.; die frouwe dugentriche hl. Elisabeth 2981 Rieger; diu tugentrichiv mæit Wernher Maria 188, 19 Wesle; bi der tugentrichen Marien St. Georgener pred. 159, 25.
3) nhd. vortrefflich, vollkommen.
a) formelhaftes beiwort für personen. in der verbindung mit fürstlichen personen ist die herkunft aus höfischem brauch erkennbar (s. oben unter 2): der edlen, tugentreichen frawen Dorothea Jergerin, ... edle tugentreiche fraw! Luther br. 8, 87 W.; ein tugentreicher fürst und fromer auffrichtiger man war (1545) Luther 54, 341 W.; ein ehrlich und tugendreich kind hat billich ein vortheil für der, die der ehr nicht hat wöllen erwarten Petri d. Teutschen weiszh. (1605) t 2b; Sara, das weyb tugentreich Hans Sachs 1, 436

[Bd. 22, Sp. 1679]


Keller; nit dasz ich hiemit den frommen und tugentreychen adel einigs wegs wölle verkleinern Stumpf Schweizerchron. (1606) 311a; mannich eeren-weib ist tugentreich bei Weller dichtungen d. 16. jhs. 79; frawen und jungfrawen ... fromm und tugendreich Fröreisen bei Dähnhardt griech. dramen 2, 249; die tugendreiche Sylvia Weichmann poesie d. Niedersachsen (1781) 1, 163; sie (d. mutter d. Odysseus) erzog mich selbst mit Ktimene, ihrer geschmückten tugendreichen tochter J. H. Voss Odyssee 282 Bernays;

ein weib ...
schön und klug und tugendreich
Stolberg ged. (1821) 1, 29;

ein urtheil (Siegfrieds) gegen seine fromme tugendreiche gemahlin maler Müller w. (1811) 3, 242.
b) 'sittlich vollkommen, edel, gut'; daneben auch weniger wertvoll bis zu 'brav, bieder, fromm'. häufig formelhaft. genauere unterscheidungen siehe unter tugendhaft C 2 b und tugendlich:

frewet euch heut alle gleich
o ihr Christen tugentreich
Bäumker kath. kirchenl. (1886) 1, 523;

denn sie haben gehöret, das Christen sollen ein heilig, friedsam, eintrechtig, freundlich, tugentreich volck sein Luther deutsche bibel 7, 419 W.; wer bald aller laster wölte abkommen, vnd tugenreich werden, der müszt im grund anfahen Keisersberg predigen teütsch (1508) 109d; wie übel es (die trunkenheit) jnen (den frauen) ansteht, wie vil mehr solte sich das mannsvolck dafür schämen? welches ye solt vernünfftiger und tugentreicher sein Luther 47, 761 W.;

denn wird man tugendreich darvon,
auch lieb und werth bey iederman
Hans Sachs 21, 113 lit. ver.;

ein tugentreicher man ist höher zu achten, dann ein weiser Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) k 2a; nun weisz ich gahr wol, dasz sich bald etliche nichtes würdige spötter werden finden (denn verständige und tugendreiche leute deuten alles zum besten) Rist Parnass (1652) vorbericht b 5a;

sie ist so sitt und tugendreich
und etwas schnippisch doch zugleich
Göthe I 39, 252 W.


4) vereinzelt 'vortrefflich, kostbar, kunstreich' (zu tugend als 'vortrefflichkeit, tüchtigkeit'):

die freunde liessen seiner leich,
ein schön begrebnis tugentreich,
mit sonder pracht bestellen
Ringwaldt evangelia (1581) X 4b;

machte diese wundersame und tugendreiche schule, die freundin des wahren und guten, mehr als hundert sonette, und jeder wetteiferte, wer etwas besseres darüber sagen könnte Göthe I 44, 193 W.
5) als beiwort zu sachlichen substantiven, leben, wandel, sitte, alter usw. (s. auch tugendhaft, adj., D):

swâ tugentrîchiu herzen sîn,
...
die sulen mîn
dur got ze gote gedenken Marienpreis 8, 1 Wolff;

gnuogen machet er (gottes geist) bereit
mit triuwen tugende rîche site
Rudolf v. Ems Barlaam 3, 23a Pf.;

von wägen seines tugendreychen wandels Frisius dict. (1556) 1230b; seine aygen tugentreich übungen Keisersberg granatapfel (1510) J 5a; item fast das du die andere tugent überkummest, wan der anfang eins tugentreichen lebens ist fasten Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 155a; item ler sie (die kinder) betten, fasten vnd andere tugentreiche werck, die irem alter zu gehören ebda 180a; mit frölichem antlit lies sy erschynen ir tugend rych messigkait Niclas v. Wyle translat. 23, 22 Keller; sein geistlich, ewig ... heilig vnd tugendreich wesen Mathesius Sarepta (1571) 179a; daran vnd vmb söll auch ein jeder ... christliche gottesdienst tugentreiche zucht ... fördern Fronsperger kriegsb. 1 (1578) e 1a;

[Bd. 22, Sp. 1680]


ein tugendreiches alter,
ist desz regiments erhalter
Lehman floril. polit. (1662) 1, 15;

du bist sehr tugentreicher art
Spreng Äneis (1610) 9b;

erkennt er seine schuld? bemüht er sich durch bitt
zu lindern ein verletzt, doch tugendreich gemütt?
Gryphius trauersp. 574 lit. ver.


 
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tugendrichter, m.:

weh dir, seufzt' ich, wenn dich dein ehrenamt
zum tugendrichter todter frauen
an diesen pfahl verdammt!
Thümmel reise 10 (1805) 155


 
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tugendrose, f., vgl. DWB tugendblüte: der laster unkraut blümt mit tugendrosen sich Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 12; die rose ist schön im lentzen, hie die schönste tugendrosz mitten unter den creutzdornen Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 793. —
 
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tugendröselein, n.:

der schöpffer aller ding allein
hat jhn gezieret feine
mit manchem tugentröselein,
etlich sind grosz vnd kleine ...
die eine heiszet pietas,
das ander humilitas bei
Wackernagel dt. kirchenlied (1864) 5, 349.


 
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tugendruf, m., das ansehen tugendhaften lebens:

zahlt der von Gregersdorff dem tode pflicht und rechte;
so pflantzt der tugendruf hier stammbaum und geschlechte
Logau zeitvertreib (1725) 68;

... einen unbefleckten tugendruf,
den sie, leichtsinnig buhlend, von sich warf
Schiller 12, 484 G.


 
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tugendruhm, m., wie tugendehre, tugendlob, durch tugend erworbener ruhm, preis: doch so fern ihr nur dero tugendruhm zu verwundern, und ihren verstand zu erforschen, sie sprechen wollet, will ich mich eussersten bemühen Stockfleth Macarie (1669) 67; welche (Deutschen) ohne alle wissenschafft daherpralen, und fressen und sauffen für ihren tugendruhm achten Harsdörffer Diana (1661) 1, 114b; alle diese ihm gelegte fallstricke aber schlagen zu seinem tugend- und ehrenruhm aus Lohenstein Arminius (1689) 1, 1168; so kan auch der hohe tugendruhm gottesfürchtiger regenten nimmermehr vergehen Christhold andachten (1729) 529; da erweiset er seine mahlerische kunst ... in einer prächtigen herausstreichung des erhabenen und bewährten tugendruhmes Breitinger crit. dichtkunst in: Wackernagel dt. lesebuch 2 (1843) 14; der tugendruhm dieses hauses hatte etwas drückendes für ihn gehabt B. Auerbach landhaus am Rhein (1871) 2, 108.

 

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