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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendpolterer bis tugendregel (Bd. 22, Sp. 1676 bis 1678)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendpolterer, m.: er hat ... die höchste leitung des staates geführt, indes die deutschen tugendpolterer nur aus ihrer studierstube und vom katheder poltern Grillparzer s. w. 14, 98 Sauer.
 
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tugendpracht, f., 'tugendglanz':

ach weh! so muss ich dann des bruders leiche sehen?
des bruders, dessen tugendpracht
dem erdenkreis ein wunder zugedacht!
A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 903;

so ungemeinen witz, so wunderholde wangen
so reine tugend-pracht musz dessen arm erlangen,
der fast alleine nur derselben würdig war
Weichmann poesie d. Niedersachsen 5 (1738) 152;

vereinzelt masc., s. teil 2, sp. 283; 7, 2042:

hier liegt das ädle bild begraben,
der recht vollkomne tugendpracht,
der auszug aller treflichkeiten
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 329.

[Bd. 22, Sp. 1677]



 
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tugendprahler, m.:

die zeit für die so schweren seelen
der tugendprahler ist dahin
Rosenzweig-Schwannau Hafis (1858) 1, 271;

Rameau sei was er ist, ein glücklicher räuber unter reichen räubern, nicht aber ein tugendprahler oder ein tugendhafter, der sein krüstchen brot allein verzehrt Göthe I 45, 66 W.
 
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tugendprediger, m.: dasz er (Christus), der doch ein tugendprediger sein wollte, sich nicht scheute, durch die gemeinschaft mit so anrüchigen leuten sich zu beflecken B. Weisz leben Jesu (41902) 1, 483. —
 
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tugendpredigt, f.: probe der schönsten tugendpredigt Herder 7, 175 S.; alle moralische tugendpredigten unsrer finstern sittenrichter Rabener s. schr. (1777) 5, 167.
 
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tugendpreis, m.
1) durch tugend erlangte ehre: lode, pregio, vanto della virtù Kramer t.-ital. 2 (1702) 1160c; ebda 231b; s. DWB tugendlob, DWB tugendruhm: sein tugend-preisz bleibt nicht verborgen, sondern wird durch die gantze welt auszgebreitet Olearius persian. baumgarten (1696) vorr. )( 4a; der ahnen tugend-preis Weichmann poesie d. Niedersachsen 3 (1726) 92;

das ist Herkules tugendpreis,
nicht zu dienen wie Herkules
Herder 27, 177 S.

von da auch anrede für eine tugendhafte person:

du mein auserwehltes leben, und recht ädler tugendpreisz
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 321.


2) sachlich, eine für vorbildhaftes tun verliehene auszeichnung; in der besonderen form des von dem französ. philanthropen Montyon gestifteten prix de vertu der französ. akademie (oder allgemeiner in anlehnung an den ersten gebrauch) i. j. 1820; dazu vgl. Meyer konvers. lex. 510, 220b: den diesjährigen tugendpreis ... wird ihm (Guizot) niemand streitig machen Heine s. w. 6, 205 Elster; die rückkehr in die alte michelei, in der dem deutschen volk von den andern drauszen als entschädigung für seine politische jämmerlichkeit der tugendpreis als volk 'der dichter und denker' zuerkannt wurde! tägl. rundschau (1899) nr. 48; pflegen in eurem gesegneten lande der freien kunst die modelle um den tugendpreis zu concurrieren? P. Heyse ges. w. (1892) 13, 32.
3) die zu erwartende bedeutung 'lob der tugend', d. i. lob eines tugendhaften daseins ist wohl nur zufällig nicht belegt.
 
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tugendprobe, f., 'tugendhafte taten', 'tugendhaftes beispiel':

wünscht seinem leichnam ruh, folgt seinen tugendproben,
bleibt so wie er gethan, gott und dem kaiser treu (1707)
Stieff sammlung 1, 39;

dem laster zum behuf verübst du tugendproben
Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 211;

des nächsten glück, erfahrung, frömmigkeit
und wissenschaft und ächte tugendproben,
sind fehler, die kein kluger mensch verzeiht
E. v. Kleist s. w. (1771) 1, 135;

ist denn gar keine erlaubte möglichkeit vorhanden, wenigstens in der poesie, im roman den menschlichen martyrien zu entfliehen? den bösewichten, gleichwie den mustercharakteren, den tugendproben, den prüfungen? B. Goltz ein jugendleben (1852) 1, 9. —
 
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tugendprunk, m., 'falscher schein der tugendhaftigkeit':

(Rosamunde)
triumph! kein tugendprunk wird künftig mehr uns blenden
Kotzebue s. dram. w. (1827) 40, 270;

die folgen der prahlerischen starrgeisterei und des falschen tugendprunks verfolgte er durch die ganze reihe ihrer unheilvollen wirkungen Köpke Ludwig Tieck (1855) 1, 205;

traut nicht, wenn manche gleich in tugendprunke schimmern!
zwei klassen weiber gibts: die schlimmen und die schlimmern
Grillparzer s. w. 10, 261 Sauer.


 
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tugendpurpur, m.:

tugendpurpur, ehrensammt, glück und alter soll dich zieren,
bisz du ewger herrligkeit schönen osterschmuck wirst führen
Abschatz himmelschlüssel (1704) 112.

[Bd. 22, Sp. 1678]



 
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tugendredner, m.: so musz er (der fürst) endlich, wenn er die tugendredner für ihr bekenntnisz doch gar zu sonderbar handeln sieht Klinger w. (1809) 12, 92.
 
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tugendregel, f., 'regel, vorschrift zu einem tugendhaften leben': und scheine es, als hab er sich den David zu einem präzeptor gehalten, der ihm solche tugendregel vorschrieb Abr. a s. Clara w. 1, 7 Strigl; autorität ... (gibt den) tugendregeln das stärkste ... gewicht allg. dt. bibl. (1765) 4, 169; aus sinnlichen schwachheiten (sind) ... tugendregeln entstanden Herder 32, 104 S.

 

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