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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendmuster bis tugendpflänzchen (Bd. 22, Sp. 1674 bis 1676)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendmuster, n., von personen gesagt, 'vorbild, muster an tugend', oder auch einfach 'tugendhafter mensch'; in neuerer zeit gern abschätzig: Christus würde sie schwerlich so hoch gelobet und uns zu einem tugendmuster fürgestellet haben Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 1215; Octavia, das römische tugendmuster A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, x 4a;

euren (der eltern) söhnen wirds nicht fehlen,
wenn sie nur in allem thun
euch zum tugendmuster wählen,
und in gottes fügung ruhn
Gottsched ged. (1751) 1, 200;

es ist ungewisz, ob er ... das verdienst Jesu in einem vollkommenen tugendmuster gesucht habe J. v. Müller s. w. (1810) 10, 28; (Theodor) versuchte ... mir deutlich zu machen, dasz unser zusammenwohnen seinem rufe als tugendmuster schaden müsse Holtei erz. schr. (1861) 11, 219; es giebt richter, welche ... an den christlichen grundsatz ... sich halten: wer viel liebt, dem wird viel vergeben werden. so kommt das mensch (eine magd) denn endlich dahin, dasz es sich selbst für ein tugendmuster hält J. Gotthelf ges. schr. (1856) 3, 148; ich sah so viel, er

[Bd. 22, Sp. 1675]


war schon satt von seinem tugendmuster und schätzte sie am höchsten, wenn sie schlief Th. Storm s. w. (1920) 6, 351 Köster; (die pharisäer) diese heuchlerischen tugendmuster B. Weisz leben Jesu (41902) 1, 514.
 
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tugendmut, m., 'tugendhafter sinn':

dargegen ist manch reich an gut,
die kein ehr hat, noch tugentsmut
Seb. Brant Freidanck (1539) 20;

deutschgesinnter tugendmut
ist das reich- und gleichste gut
G. Ph. Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 6 (1646) )( )( )( )( )( )( )( 3a;

wie hitzig ist er da gewesen
zu fassen was ein tugend-muht
hält für sein bestes eigen-gut
Simon Dach ged. 4, 224 Ziesemer;

du,
der nimmer in tugendmuth erkaltende,
nimmer in jugendgluth altende
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 6, 110.

stärker betont 'mut zur tugend', von jemandem, der sich zur tugend bekennt: mit diesem tugendmuthe wagt es der nach wahren und edeln grundsätzen gebildete jüngling, bei seinem eintritte in die gröszere welt, der thorheit und dem laster den kampf anzukündigen, und, von den vorurtheilen und den verderblichen beispielen seiner zeit unabhängig, unter der leitung einer aufgeklärten vernunft, den gang der weisheit und der tugend für sich zu wandeln Bürger s. w. 395b B.
 
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tugendmütig, adj., 'tugendhaft gesinnt': (damit) aber ire bürger ab solchem exempel trefflicher, tugentmütiger und behertzter wurden G. Rivius Vitruv (1575) 7a; weil aber ein jedes tugendmühtiges herz sich in des himmels schickung gerne findet, so tragen wir zu eurem unerschrockenen hertzen das vertrauen A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 742. —
 
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tugendmutsamkeit, f., wie tugendmut:

deszhalben ruff ich hie nur an,
das mir hie treulich bei wöll stahn
die alt teutsch tugendmutsamkeyt,
welche zur tugent mut bereyt
Fischart w. 1, 268 Hauffen.


 
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tugendmutter, f., 'erzeugerin der tugend': die gröszte tugendmutter ist der glaube K. F. Paullini zeitkürzende erbauliche lust (1695) 673; not ist die grosze tugendmutter der völker H. Zschokke sämtl. ausg. schr. (1824) 32, 239.
 
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tugendname, m., 'tugendhafter ruf':

euer held- und tugendnahme
strekke sich von süd- ins norden
Neumark neuspr. t. palmb. (1668) 445;

(göttin vaterland:)

bist mehr als weiberlieb und mann- und vaterherz
und brudertreu und freundeschmerz,
bist kind- und weib- und mutterschall
und freundekreis! bist wie ein all
der erderuhms- und tugendnamen
und groszen mutter menschlichkeit
Herder 29, 331 S.;

gerade die gröszten schurkenstücke wissen sich die schönsten tugendnamen beizulegen P. Rosegger schr. (1895) II 11, 159. —
 
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tugendnarr, m., entwertend, 'ein auf die tugend versessener': dem alten tugendnarren seine menschenkenntnis und seine schiefgewickelten erziehungsideen einzutränken O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 503; tugendnarren sind unberechenbar wie andere narren auch Spielhagen s. w. (1877) 14, 3.
 
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tugendorden, m., 'stand tugendhafter menschen':

Ledens kinder sind durch dich (tugend)
götter und unsterblich worden,
weil sie embsich mühten sich
in dem schönen tugendorden
D. Schirmer singende rosen (1654) R 2b.

später in dem bestimmteren sinne eines organisierten bundes; für den preuszischen tugendverein, näheres s. unter DWB tugendbund, m.: der tugendorden ... verbreitete sich schnell vom norden Deutschlands in vielfachen verzweigungen H. Zschokke sämtl. ausg. schr. (1824) 7, 54. —
 
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tugendpaar, n., 'tugendhaftes ehepaar':

[Bd. 22, Sp. 1676]


der höchste send aus seiner höhe
den seegen über euer ehe,
ihr treugeliebtes tugendpaar
Ch. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 161.

'paar von tugenden': da man dieses tugendpaar (einsicht u. treue) einem jeden zuführt, der mehr als einen amtstitel hat Herder 30, 34 S.
 
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tugendpfad, m., 'weg der tugend', umschreibend für tugendhaftes leben; vgl. DWB tugendbahn, -weg u. ähnliches: handelt vernünfftig und beharret in dem tugendpfad, darinn ihr die zeit eures lebens gewandelt Grimmelshausen 2, 758 Keller; ist diss der tugendpfad, der deine ahnen führt? A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1007;

fahr du nur fort, im tugendpfad zu wandeln
D. W. Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 326;

beglückt, den dieses beyspiel rührt,
und von dem irrweg ab, zum tugendpfade führt anm. gelehrsamk. (1751) 6, 278 Gottsched;

so wie das leiden diese schicklichkeit hat, mich in mich hinein- und auf den tugendpfad zurückzuweisen J. M. Sailer glückseligkeitslehre 2 (1791) 395;

brauche sie, den frevler zu bestrafen,
der dich locken will vom tugendpfad
Schubart s. ged. (1825) 2, 191;

erzogen ist er gut,
streng wachten seine lehrer,
und auf dem tugendpfad
ward er kein gassenkehrer
Liliencron s. w. (1896) 9, 106.


 
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tugendpflänzchen, n.: kein tugendpflänzchen konnte sie, wie sie glaubte, in mir hervorbrechen sehn, ohne zu sagen, das sei keim des durch sie, lieber mann, gelegten satkorns Hermes f. eltern u. ehelustige (1789) 5, 409. —

 

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