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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendmasz bis tugendmutter (Bd. 22, Sp. 1673 bis 1675)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendmasz, n., 'die menge der erworbenen oder ausgeübten tugend':

und was man heut wollbracht, das zeiget sich dann morgen
als der vortrefflichkeit erfülltes tugend-maasz
J. Chr. Männling poet. blumen-garten (1717) 293.


 
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tugendmäszig, adj., 'tugendhaft', 'der tugend gemäsz': ich wil ... etlicher tugendfähigen weibspersonen tugendmessige verrichtungen und löbliche thaten ... zeigen G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 25; der aber from und tugendmeszig sich verhält, hat es nit weniger seinem guten geflissenen vorsatze beizumessen J. G. Schottel ethica (1669) 22; warum solte ein edelman ... nicht auch dahin bedacht seyn, damit der leib ... mit allerhand schönen und tugendmäszigen qualitäten ausgerüstet werde Chr. Weise polit. redner (1677) 35; allerdings ist wohl nicht zu leugnen, dasz die lobpreisende erhebung solcher handlungen ... die menschen durch eitelkeit zu tugendmässigen handlungen lockt Joh. Friedr. Delbrück sinnverw. wörter (1796) 158.

[Bd. 22, Sp. 1674]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendmeer, n., barocker ausdruck für tugendfülle:

ich sah Asterien eur allerliebstes hertz,
dasz rechte tugendmeer; dasz weder lust noch schmertz
von eurer liebe reisst
J. Rist t. Parnass (1652) 564;

das unergründliche tugendmeer meines, ja gott lob, meines teuren Herkules ist mir nicht so gar unbekant A. H. Bucholtz Herkules und Valiska (1666) 1, 843;

aus seiner (des markgrafen) tugent quellen fliessen
so vil tugenten, das ihr zahl
(unzählich) macht sein land zumahl
ein sanftes tugent-möhr genüssen
G. R. Weckherlin ged. 1, 212 lit. ver.;

wiewohlen ich ein so grosses tugend-meer vor mir sehe, welches nit zu überfahren, noch weniger ... zu bebrücken anmuthige gelehrsamkeit (1751) 4, 704 Gottsched.
 
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tugendmensch, m., 'tugendhafter mensch':

doch schreib ich so, wie es der gute wille giebt,
den jeder tugendmensch und selber gott beliebt
G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 202;

Addison ist ein tugendmensch, der für sich sittlich war F. Chrysander Händel (1858) 1, 303. 'frömmler'; das tugendmensch, für eine weibliche person: was willst du das einfältige tugendmensch heiraten? Th. Storm s. w. (1920) 6, 346 Köster.
 
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tugendmild, adj., im sinne von 'sanft, freundlich' (s. DWB tugendhaft, tugendlich):

so sprach die tugentmilde Dietrichs erste ausfahrt (15 jh.) str. 555 lit. ver.;

ey schadt ist ie, das sol verderben
ein sollich adeliches bildt,
so holdtselig und tugendt-mildt
Hans Sachs 13, 441 lit. ver.


 
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tugendmittel, n., 'mittel, weg, wert, um zur tugend zu gelangen': wer nun das so löbliche end will, der musz nun den weg wehlen, der dahin führet, ich will sagen: wer nach ehren strebt, der musz die tugendmittel lieben, durch welche er zu ehren kommen kan G. Ph. Harsdörffer frauenz.-gesprächspiele 7 (1647) 20; die schrifften der alten berichten ..., dasz etliche heidnische und christliche vernunfft-lehrer fürtreffliche gaben von natur, grosse klugheit, weisheit, tapfferkeit und andre zierrathen besessen; jene aber solcher tugend-mittel gemiszbrauchet E. Francisci das eröffnete lusthaus (1676) 306; dasz in unserm fall rastlose arbeitsamkeit aus liebe und aus pflichtgefühl das allerstärkste tugendmittel ist J. T. Hermes für töchter edler herkunft (1789) 2, 35; glück für ihn, wenn er ... sein herz erwecken und zu einem gewissenhaftern gebrauche seiner kräfte und der ihm gegebenen tugendmittel antreiben läszt! Bürger s. w. 396a Bohtz; lug und trug wären doch ein seltsames tugendmittel Schopenhauer w. 5, 357 Gr.
 
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tugendmuster, n., von personen gesagt, 'vorbild, muster an tugend', oder auch einfach 'tugendhafter mensch'; in neuerer zeit gern abschätzig: Christus würde sie schwerlich so hoch gelobet und uns zu einem tugendmuster fürgestellet haben Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 1215; Octavia, das römische tugendmuster A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, x 4a;

euren (der eltern) söhnen wirds nicht fehlen,
wenn sie nur in allem thun
euch zum tugendmuster wählen,
und in gottes fügung ruhn
Gottsched ged. (1751) 1, 200;

es ist ungewisz, ob er ... das verdienst Jesu in einem vollkommenen tugendmuster gesucht habe J. v. Müller s. w. (1810) 10, 28; (Theodor) versuchte ... mir deutlich zu machen, dasz unser zusammenwohnen seinem rufe als tugendmuster schaden müsse Holtei erz. schr. (1861) 11, 219; es giebt richter, welche ... an den christlichen grundsatz ... sich halten: wer viel liebt, dem wird viel vergeben werden. so kommt das mensch (eine magd) denn endlich dahin, dasz es sich selbst für ein tugendmuster hält J. Gotthelf ges. schr. (1856) 3, 148; ich sah so viel, er

[Bd. 22, Sp. 1675]


war schon satt von seinem tugendmuster und schätzte sie am höchsten, wenn sie schlief Th. Storm s. w. (1920) 6, 351 Köster; (die pharisäer) diese heuchlerischen tugendmuster B. Weisz leben Jesu (41902) 1, 514.
 
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tugendmut, m., 'tugendhafter sinn':

dargegen ist manch reich an gut,
die kein ehr hat, noch tugentsmut
Seb. Brant Freidanck (1539) 20;

deutschgesinnter tugendmut
ist das reich- und gleichste gut
G. Ph. Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 6 (1646) )( )( )( )( )( )( )( 3a;

wie hitzig ist er da gewesen
zu fassen was ein tugend-muht
hält für sein bestes eigen-gut
Simon Dach ged. 4, 224 Ziesemer;

du,
der nimmer in tugendmuth erkaltende,
nimmer in jugendgluth altende
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 6, 110.

stärker betont 'mut zur tugend', von jemandem, der sich zur tugend bekennt: mit diesem tugendmuthe wagt es der nach wahren und edeln grundsätzen gebildete jüngling, bei seinem eintritte in die gröszere welt, der thorheit und dem laster den kampf anzukündigen, und, von den vorurtheilen und den verderblichen beispielen seiner zeit unabhängig, unter der leitung einer aufgeklärten vernunft, den gang der weisheit und der tugend für sich zu wandeln Bürger s. w. 395b B.
 
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tugendmütig, adj., 'tugendhaft gesinnt': (damit) aber ire bürger ab solchem exempel trefflicher, tugentmütiger und behertzter wurden G. Rivius Vitruv (1575) 7a; weil aber ein jedes tugendmühtiges herz sich in des himmels schickung gerne findet, so tragen wir zu eurem unerschrockenen hertzen das vertrauen A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 742. —
 
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tugendmutsamkeit, f., wie tugendmut:

deszhalben ruff ich hie nur an,
das mir hie treulich bei wöll stahn
die alt teutsch tugendmutsamkeyt,
welche zur tugent mut bereyt
Fischart w. 1, 268 Hauffen.


 
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tugendmutter, f., 'erzeugerin der tugend': die gröszte tugendmutter ist der glaube K. F. Paullini zeitkürzende erbauliche lust (1695) 673; not ist die grosze tugendmutter der völker H. Zschokke sämtl. ausg. schr. (1824) 32, 239.

 

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