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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendmacht bis tugendmittel (Bd. 22, Sp. 1673 bis 1674)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendmacht, f., 'kraft, fülle der tugend':

ja die statt ward so hoch geacht
vonwegen irer tugendmacht,
das sie den eydgnossen hat gfạllen
zu sein das erst ort under allen
Fischart glückh. schiff 122 ndr.


 
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tugendmann, m., eigenartige vereinzelte bildung statt tugendhafter mann:

ains tgent-mans trit, wo ær hin sl schreiten,
laitet der her, nt slches weg gefelt
dem hern ser wol
Schede-Melissus psalmen 138 ndr.;

der musen samt-befehl uns gnädig hat verliehen,
die seiden-zarte deck, die spielweisz wir jetz ziehen,
hie zwischen klügel-neid und diesem tugend-mann
G. Ph. Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 4 (1644) B 3a.


 
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tugendmantel, m., umschreibend für äuszeres tugendfestes gehaben, dem kein innerer wert entspricht: das laster brangt unter dem tugendtmantel A. Agricola gutes aug (1629) 164; kein laster ... ist bey jetziger verkehrten ... welt mehr zu finden, welches nicht mit einem ... schönen tugendsmantel könte verdecket werden Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 965; fast sei es, als liebe er (Johannes der täufer) mehr die wilden tiere denn die menschen, deren tugendmantel er hasse bei P. Rosegger schr. (1895). —
 
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tugendmaske, f., dasselbe wie tugendmantel: was ist heutzutage gewöhnlicher als ... eine in vortrefflichen tugendmasquen hinter dem berge haltende geile ... dame d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 61;

nie hüllt er seinen leib in der verführung kleid,
in tugendmasken ein; ihn deckt anständigkeit
H. G. Zeidler poesien (1785) 79.


 
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tugendmasz(e), f., 'tugendhafte mäszigkeit': durch die meszigkeit wird unsere lustbegier ... in allen ihren verrichtungen zu der tugendmaas gebracht J. G. Schottel ethica (1669) 332;

(anrede an die ratsherren von Hamburg:)
'ihr tapffre männer ihr, ... ihr werdet auch erfüllen
die wehrte tugendmaass', auf dasz die bürgerschaft ...
bewogen werd, euch stets zu fürchten und zu lieben
J. Rist t. Parnass (1652) 63.


 
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tugendmasz, n., 'die menge der erworbenen oder ausgeübten tugend':

und was man heut wollbracht, das zeiget sich dann morgen
als der vortrefflichkeit erfülltes tugend-maasz
J. Chr. Männling poet. blumen-garten (1717) 293.


 
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tugendmäszig, adj., 'tugendhaft', 'der tugend gemäsz': ich wil ... etlicher tugendfähigen weibspersonen tugendmessige verrichtungen und löbliche thaten ... zeigen G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 25; der aber from und tugendmeszig sich verhält, hat es nit weniger seinem guten geflissenen vorsatze beizumessen J. G. Schottel ethica (1669) 22; warum solte ein edelman ... nicht auch dahin bedacht seyn, damit der leib ... mit allerhand schönen und tugendmäszigen qualitäten ausgerüstet werde Chr. Weise polit. redner (1677) 35; allerdings ist wohl nicht zu leugnen, dasz die lobpreisende erhebung solcher handlungen ... die menschen durch eitelkeit zu tugendmässigen handlungen lockt Joh. Friedr. Delbrück sinnverw. wörter (1796) 158.

[Bd. 22, Sp. 1674]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendmeer, n., barocker ausdruck für tugendfülle:

ich sah Asterien eur allerliebstes hertz,
dasz rechte tugendmeer; dasz weder lust noch schmertz
von eurer liebe reisst
J. Rist t. Parnass (1652) 564;

das unergründliche tugendmeer meines, ja gott lob, meines teuren Herkules ist mir nicht so gar unbekant A. H. Bucholtz Herkules und Valiska (1666) 1, 843;

aus seiner (des markgrafen) tugent quellen fliessen
so vil tugenten, das ihr zahl
(unzählich) macht sein land zumahl
ein sanftes tugent-möhr genüssen
G. R. Weckherlin ged. 1, 212 lit. ver.;

wiewohlen ich ein so grosses tugend-meer vor mir sehe, welches nit zu überfahren, noch weniger ... zu bebrücken anmuthige gelehrsamkeit (1751) 4, 704 Gottsched.
 
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tugendmensch, m., 'tugendhafter mensch':

doch schreib ich so, wie es der gute wille giebt,
den jeder tugendmensch und selber gott beliebt
G. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 202;

Addison ist ein tugendmensch, der für sich sittlich war F. Chrysander Händel (1858) 1, 303. 'frömmler'; das tugendmensch, für eine weibliche person: was willst du das einfältige tugendmensch heiraten? Th. Storm s. w. (1920) 6, 346 Köster.
 
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tugendmild, adj., im sinne von 'sanft, freundlich' (s. DWB tugendhaft, tugendlich):

so sprach die tugentmilde Dietrichs erste ausfahrt (15 jh.) str. 555 lit. ver.;

ey schadt ist ie, das sol verderben
ein sollich adeliches bildt,
so holdtselig und tugendt-mildt
Hans Sachs 13, 441 lit. ver.


 
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tugendmittel, n., 'mittel, weg, wert, um zur tugend zu gelangen': wer nun das so löbliche end will, der musz nun den weg wehlen, der dahin führet, ich will sagen: wer nach ehren strebt, der musz die tugendmittel lieben, durch welche er zu ehren kommen kan G. Ph. Harsdörffer frauenz.-gesprächspiele 7 (1647) 20; die schrifften der alten berichten ..., dasz etliche heidnische und christliche vernunfft-lehrer fürtreffliche gaben von natur, grosse klugheit, weisheit, tapfferkeit und andre zierrathen besessen; jene aber solcher tugend-mittel gemiszbrauchet E. Francisci das eröffnete lusthaus (1676) 306; dasz in unserm fall rastlose arbeitsamkeit aus liebe und aus pflichtgefühl das allerstärkste tugendmittel ist J. T. Hermes für töchter edler herkunft (1789) 2, 35; glück für ihn, wenn er ... sein herz erwecken und zu einem gewissenhaftern gebrauche seiner kräfte und der ihm gegebenen tugendmittel antreiben läszt! Bürger s. w. 396a Bohtz; lug und trug wären doch ein seltsames tugendmittel Schopenhauer w. 5, 357 Gr.

 

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