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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendhaftig bis tugendleer (Bd. 22, Sp. 1658 bis 1659)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendhaftig, adj., seit dem mhd.; weniger häufig als tugendhaft; in derselben bedeutung wie dieses; in neuerer zeit ungeläufig, vgl. virtuosus doginthafftig (15. jh. md.): tugendhafftig (Nürnberg 1482), daneben tugentsam, -lich Diefenbach gl. 622b; ebda 557c s. v. studiosus; studiosus tugenthafftiger 15. jh.; daneben fliszig, lerig, ernstlich studierend; ebda 48b s. v. ariopageta, ariopagus; ariopagita meister eins tugenthafftigen lebens 15. jh. obd.; lacertosus endlicher, tugendhafftiger oder starcker Nürnberg 1482; tugenthafftig placabilis Maaler teutsch spr. 411b; tugendhaftig (adj.) virtute praeditus Steinbach dt. wb. (1734) 2, 880:

uf daz her togunthaftig si und gerecht
und in zcucht sich halde harte,
sich hute vor der trunkinheit
J. Rothe ritterspiegel 1555 Neumann;

entflogen ist mir mein erenreicher valke, mein tugenthafte (var. tugenthafftige hss. 15. jh.) fraue Johann v. Tepl d. ackermann a. Böhmen 7, 7 Hammerich; von deme hoen

[Bd. 22, Sp. 1659]


lobe unde prise des hochgeborn toginthaftigen furstin, lantgravin Lodewigis Ködiz leb. d. hl. Ludwig 3, 18 (cf. 4, 17); eya, lieber Gtz, ich wil dir geben ain wolgestalte, fröliche, schimfliche, züchtige, stille, schamhaftige, weise, tugenthafftige junckfraw A. v. Eyb dt. schr. 2, 142, 1 Herrmann; sy (die jungfrau) ist aines auserwölten, hübschen, lautern anplicks und gter, tugenthafftiger sitten ebda 2, 141, 34; wann nun der allmächtige gott ein keiserthumb, königreich ... mit einem solchen tugenthafftigen herren ... begnadet, das selbe ist eine grosze wolthat M. v. Ossa prud. regnativa (1607) 80; der tugendhafftigste und geschickligste ausz den königlichen kindern Schupp schr. (1663) 83. —
 
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tugendhaftigkeit, f., seit dem nhd. 'tugendhaftes leben, sein': mit der tugenthaftigkeit trybt sy (die geduld) vsz den zorn Keisersberg bilgersch. (1512) b 1a; aber das ganze geheimnisz, bei dem man einige demuth lernen kann, liegt in der angebornen moralischen mitgabe und ausrüstung eines jeden und die ganze tugendhaftigkeit ist naturell, nicht entschlusz und opfer Jean Paul w. 59/60, 104 Hempel; so war ich denn auf dem lande, und muszte zum lohn meiner tugendhaftigkeit beim amtmeier zu Hündersen als informator dreier söhne auch die schwere arbeit lernen, als dreschen, holzhauen und auf die jagd gehen W. Raabe s. w. I 4, 450. —
 
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tugendhandlung, f., 'tugendhafte taten': wenn überhaupt bey tugendhandlungen reine achtung gegen das moralische gesetz selten zum grunde liegen mag, so ist es gewiss am seltensten bey dem, was man edelmuth und groszmuth nennt Delbrück sinnverw. wörter (1796) 159. —
 
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tugendheld, m.: dadurch sind Shakespeares tragödien so ewig wahr, dasz er durchaus keine tugendhelden vorbringt, nur züge der natur O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 67; Christus wurde von ihnen (den rationalisten) zum bloszen menschlichen tugendhelden gemacht E. E. Koch gesch. d. kirchenlieds 6 (1869) 192. als moviertes femininum: ich sehe also, dasz ich nicht so schlimm bin, wie ich dachte, da es eine solche empfindsame tugendheldin nicht besser gemacht hat als ich Wezel Wilhelmine Arend (1783) 2, 231. —
 
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tugendkampf, m.: (die) unmittelbare wirkung des leidens, des glaubens und tugendkampfes auf den, der solche zu bestehen hat Lavater nachgel. schr. (1801) 2, 53. —
 
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tugendkeim, m.: durch wort und beispiel jeglichen tugendkeim in den jugendlichen seelen fördernd B. Weber Tirol u. d. reform. (1841) 295. —
 
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tugendkrämer, m.: das sollte ihr Sokrates seyn? nein! ... dieser lächerliche weisheit- und tugendkrämer ... ist ein geschöpf neuerer zeit Herder 1, 307 S.
 
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tugendkranz, m.:

so trägt sie den tugendkrantz
und stralt solche wunderzeichen,
die bisz in die hertzen reichen
Harsdörffer Diana (1661) 1, 128;

drum flicht des himmels hand in ihren tugendkranz
die liebe zur musik, als recht was schönes, ein
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 119.

diminutiv tugendkränzlein Schottel friedenssieg (1648) 72. —
 
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tugendlarve, f., 'schein der tugend':

und wo die offne wund' entdeckt der schlange stich
hat's nicht so viel gefahr, als wo die boszheit sich
mit tugendlarven schmückt
Lohenstein Epicharis (1685) 66;

den Cäsar schützt das glück und Cato die besiegten,
doch fällt vielleicht auch hier die tugendlarve hin
Haller ged. (1882) 74.


 
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tugendleben, n., vita, conversatione virtuosa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1160c:

ich bin das licht, ich leucht euch für
mit heilgem tugend-leben bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 5, 403.


 
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tugendleer, adj.:

ir red zu allen orten,
synt falsch und tugentler
Jörg Schiller d. maien zeit 11 Zwick. facs. dr.;

nicht die hälfte eines körnchens
gibt der kalender
für das atlaskleid des mannes,
ist er tugendleer
Rosenzweig-Schwannau Hafis (1858) 1, 145.

 

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