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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendgesicht bis tugendgrille (Bd. 22, Sp. 1643 bis 1645)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendgesicht, n., vom gesicht oder von der ganzen person gesagt: si ist ... ein tugendgesicht! und weit mehr griechisch als die obristinn J. T. Hermes für eltern u. ehelustige (1789) 2, 247; aber das tugendgesicht, das sie hier zu lande annimmt, das hasz' ich Fontane vor dem sturm 8513. —
 
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tugendgesinnung, f., auf tugend gerichtete innere gesinnung des menschen: einer dein ganzes thun und lassen regierenden tugendgesinnung fähig Bürger s. w. 400a Bohtz; der erste von den zwei sätzen, dasz das bestreben nach glückseligkeit einen grund tugendhafter gesinnung hervorbringe, ist schlechterdings falsch; der zweite aber, dasz tugendgesinnung nothwendig glückseligkeit hervorbringe, ist nicht schlechterdings, sondern nur so fern sie als die form der causalität in der sinnenwelt betrachtet wird Kant 5, 114 akad.; in der reinherzigen tugendgesinnung sei

[Bd. 22, Sp. 1644]


auch die eine, ganze glückseligkeit, oder vielmehr seligkeit, gegeben K. Chr. F. Krause vorlesg. über d. grundwahrh. d. wissensch. (1829) 269. —
 
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tugendgewand, n., bildlicher ausdruck für das nach mittelalterlicher ansicht die seele kleidende tugendgehaben, s. väterbuch v. 40796 Reissenberger und vgl. DWB tugend als 'habitus, kleid der seele' unter tugend III B 1 u. 2; anders, 'äuszerer tugendhafter schein': übertünchte gräber waren sie (d. Pharisäer) in allem schmuck ihres gleisznerischen tugendgewandes Bernh. Weisz leben Jesu (41902) 2, 470. —
 
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tugendgeziert, part. adj., ausdruck der barocksprache: eine tugendgezierte jungfrau Butschky hochdtsche kanzelley (1659) 582; die kunst- und tugendgezierte Macarie, das ist: historischer kunst- und tugend-wandel ... titel eines romans von Heinr. Arnold Stockfleth (Nürnberg 1669); ich will nicht gedencken, dasz die schrifft tugend-gezierte weibsbilder denen kostbaren perlen vergleichet J. D. Ernst liebesgesch. (1693) 7; vereinzelt später: meine tugendgezierte frau L. Holberg dän. schaubühne (1743) 1, 149.
 
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tugendglanz, m., geläufiges auszeichnendes wort der barocksprache:

die liebe siht, sie siht auch nicht; sie sihet meistens nicht
auff tugend-glantz der stets besteht: siht auff vergänglich licht
Logau sinnged. (1654) 3, 245;

sei nicht dahin nur bedacht, wie dein leib mit schönheit prange,
sondern auch wie dein gemüht einen tugendglantz erlange
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 3, 53;

solcher majestäten ... soviel tugend glanzes haben, damit andre von ihnen angeschienen und erwärmet werden S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657), )( 6b;

so erfüllt die erden auch
tugendglantz und lasterrauch
Schupp schr. (1663) titelbl. b;

eurer hochgräfl. gn. hoch-lohende ehren-flamme und weitleuchtender tugend-glantz E. Francisci lufftkreis (1680) )( 2b;

wer deine wunder-tracht galantes kind erblicket,
desselben hertze wird ins liebes-garn gerücket;
nimmt ihn der tugend-glantz nun oder schönheit ein?
J. G. Gressel Celanders verliebte ged. (1716) 335;

doch macht dein tugend-glantz und deine trefflichkeit,
dasz wir ein schatten-bild von deinem ruhme setzen
J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 424.

infolge des wandels der tugendauffassung später seltener:

Marianens tugendglanz
windet mir den unschuldskranz
J. Chr. Günther s. w. 1, 264 lit. ver.,

sein tugendglanz ist schrecklich verfinstert Herder 24, 111 S.;

doch namen (= worte) können dir's nicht sagen,
wie sie (gräfin Adelheid) gestrahlt im tugendglanz
und in der schönheit vollem kranz
N. Lenau s. w. 599 Barthel;

man weisz ja, wie sie es treiben, die braven, die es nur dann für sich zu einem tugendglanze bringen, wenn ihnen gegenüber ein von amtswegen armer sünder steht P. Rosegger schr. (1895) I 1, 345. —
 
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tugendglut, f., 'eifer für die tugend':

er meidet schand' und laster.
wirckt guts, und brennt von tugend-glut,
und wäschet sich, in Christi blut,
so weisz, wie alabaster
E. Francisci d. letzte rechenschafft (1681) 327;

des vaters helden-art, der mutter tugend-glut,
hat sich genau in dir, du groszer prinz, verbunden
Ziegler asiat. Banise (1689) widm. 3.


 
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tugendgold, n., häufige poetische umschreibung für tugend im 17. u. 18. jh.: er lebt inzwischen der ungezweifelten zuversicht, er werde nicht anders als ein herrlicher magnet lauter geprüftes tugendgold an sich gezogen haben Chr. Weise polit. redner (1677) 730; dein reines tugend-gold ... und deiner schönheit macht Ziegler asiat. Banise (1689) 311; flitter-gold statt gutes tugendgold

[Bd. 22, Sp. 1645]


M. S. v. Kuntsch ged. (1720) 273. —
 
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tugendgönner, m.: der berühmte tugendgönner und der musen schutzher Neumark neuspr. teutsche palmbaum (1668) 348. —
 
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tugendgott, m.: worüber die tugendgötter die hochlöbliche fruchtbringende gesellschafter ... also anreden Neumark palmbaum (1668) 80. —
 
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tugendgottheit, f.: die sittenlehre ... erwekket desto gröszere begirde, um die tugendgottheit verehrend anzubeten Qu. Kuhlmann lehr-hoff (1672) 393. —
 
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tugendgrille, f.: wenn ihr eine närrin bleiben, und eure tugendgrillen nicht aufgeben wollet, so erbarmet euch doch wenigstens eures kindes Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 13, 27. —

 

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