Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendgefühl bis tugendglut (Bd. 22, Sp. 1643 bis 1644)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendgefühl, n., ausdruck vor allem der empfindsamen zeit zur bezeichnung der ausrichtung der seele und des herzens auf tugend und tugendwerte: alles tugendgefühl im menschen welch ein stral der ... gottheit! Herder 6, 251 S.;

wenn des tugendgefühls hohe begeisterung
dann die leier mir reicht
K. G. v. Brinkmann ged. (1789) 1, 41;

kann durch einen lebendigen glauben an gott, vorsehung und unsterblichkeit unser tugendgefühl erweckt und gestärkt ... werden? Fichte s. w. (1845) 5, 320. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgehalt, m., 'gehalt eines menschen an tugendhaftigkeit': der feinste probierstein des tugendgehalts meiner mitbürgerinnen Thümmel reisen (1791) 3, 158; (der) tugendgehalt Lianens Jean Paul w. 15/18, 93 Hempel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgeist, m., das der tugend hingegebene wesen des menschen; bezeichnender ausdruck für die verbindung von verstandes- und tugendleben:

niemand gleichet seiner zier,
niemand seinem tugendgeist
Harsdörffer Diana (1661) 2, 126;

denn das ist der rechte wagen, auf dem unser tugendgeist,
wenn der körper wird verscharret, sich der sterblichkeit entreiszt
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 156.

auch vom wesen einer gemeinschaft: ihr (der beiden prediger) tiefer, liebevoller friede, ihr heitres betragen etc. ... hat einen tugendgeist in diese noch vor zwanzig jahren so rohe und berüchtigte stadt verbreitet, den man beinahe in jedem hause sichtbar herschen sicht J. T. Hermes manch hermäon (1788) 1, 364. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgesang, m.:

deines herzensgesprächs werd' ich ...
dann begehren ...
deines tugendgesangs
Hölty ged. (1869) 93 Halm;

die hüte auf dem kopf sprachen sie (die hainbündler bei der Klopstockfeier 1773) von freiheit, Deutschland und tugendgesang K. Weinhold Boie (1868) 52. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgesetz, n., von gott oder dem sittlichen bewusztsein gesetzte vorschrift tugendhaften seins und handelns: es möchte doch ein iedweder ... bedacht seyn, dasz die himmlischen tugendgesetze erfüllet ... werden Chr. Weise polit. redner (1677) 45; das neue testament enthält forderungen, tugendgesetze, die für alle menschheit höchstes interesse haben Joh. Mich. Sailer pastoraltheologie 1 (1812) 112; seit Kant nun meint man ... das sittengesetz sei ein gattungsbegriff, unter welchem die arten stehen: rechtsgesetz und tugendgesetz Herbart w. 8, 263 v. Hartenstein; das dem menschen innewohnende zur tugend verpflichtende sittliche bewusztsein (Kants moralisches gesetz in uns): der erste unterricht in der gottesfurcht ist nur ein allmäliges klarmachen und anwenden des inneren tugendgesetzes Wilh. Harnisch leben d. Felix Kaskorbi (1817) 1, 290. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgesicht, n., vom gesicht oder von der ganzen person gesagt: si ist ... ein tugendgesicht! und weit mehr griechisch als die obristinn J. T. Hermes für eltern u. ehelustige (1789) 2, 247; aber das tugendgesicht, das sie hier zu lande annimmt, das hasz' ich Fontane vor dem sturm 8513. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgesinnung, f., auf tugend gerichtete innere gesinnung des menschen: einer dein ganzes thun und lassen regierenden tugendgesinnung fähig Bürger s. w. 400a Bohtz; der erste von den zwei sätzen, dasz das bestreben nach glückseligkeit einen grund tugendhafter gesinnung hervorbringe, ist schlechterdings falsch; der zweite aber, dasz tugendgesinnung nothwendig glückseligkeit hervorbringe, ist nicht schlechterdings, sondern nur so fern sie als die form der causalität in der sinnenwelt betrachtet wird Kant 5, 114 akad.; in der reinherzigen tugendgesinnung sei

[Bd. 22, Sp. 1644]


auch die eine, ganze glückseligkeit, oder vielmehr seligkeit, gegeben K. Chr. F. Krause vorlesg. über d. grundwahrh. d. wissensch. (1829) 269. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgewand, n., bildlicher ausdruck für das nach mittelalterlicher ansicht die seele kleidende tugendgehaben, s. väterbuch v. 40796 Reissenberger und vgl. DWB tugend als 'habitus, kleid der seele' unter tugend III B 1 u. 2; anders, 'äuszerer tugendhafter schein': übertünchte gräber waren sie (d. Pharisäer) in allem schmuck ihres gleisznerischen tugendgewandes Bernh. Weisz leben Jesu (41902) 2, 470. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendgeziert, part. adj., ausdruck der barocksprache: eine tugendgezierte jungfrau Butschky hochdtsche kanzelley (1659) 582; die kunst- und tugendgezierte Macarie, das ist: historischer kunst- und tugend-wandel ... titel eines romans von Heinr. Arnold Stockfleth (Nürnberg 1669); ich will nicht gedencken, dasz die schrifft tugend-gezierte weibsbilder denen kostbaren perlen vergleichet J. D. Ernst liebesgesch. (1693) 7; vereinzelt später: meine tugendgezierte frau L. Holberg dän. schaubühne (1743) 1, 149.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendglanz, m., geläufiges auszeichnendes wort der barocksprache:

die liebe siht, sie siht auch nicht; sie sihet meistens nicht
auff tugend-glantz der stets besteht: siht auff vergänglich licht
Logau sinnged. (1654) 3, 245;

sei nicht dahin nur bedacht, wie dein leib mit schönheit prange,
sondern auch wie dein gemüht einen tugendglantz erlange
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 3, 53;

solcher majestäten ... soviel tugend glanzes haben, damit andre von ihnen angeschienen und erwärmet werden S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657), )( 6b;

so erfüllt die erden auch
tugendglantz und lasterrauch
Schupp schr. (1663) titelbl. b;

eurer hochgräfl. gn. hoch-lohende ehren-flamme und weitleuchtender tugend-glantz E. Francisci lufftkreis (1680) )( 2b;

wer deine wunder-tracht galantes kind erblicket,
desselben hertze wird ins liebes-garn gerücket;
nimmt ihn der tugend-glantz nun oder schönheit ein?
J. G. Gressel Celanders verliebte ged. (1716) 335;

doch macht dein tugend-glantz und deine trefflichkeit,
dasz wir ein schatten-bild von deinem ruhme setzen
J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 424.

infolge des wandels der tugendauffassung später seltener:

Marianens tugendglanz
windet mir den unschuldskranz
J. Chr. Günther s. w. 1, 264 lit. ver.,

sein tugendglanz ist schrecklich verfinstert Herder 24, 111 S.;

doch namen (= worte) können dir's nicht sagen,
wie sie (gräfin Adelheid) gestrahlt im tugendglanz
und in der schönheit vollem kranz
N. Lenau s. w. 599 Barthel;

man weisz ja, wie sie es treiben, die braven, die es nur dann für sich zu einem tugendglanze bringen, wenn ihnen gegenüber ein von amtswegen armer sünder steht P. Rosegger schr. (1895) I 1, 345. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tugendglut, f., 'eifer für die tugend':

er meidet schand' und laster.
wirckt guts, und brennt von tugend-glut,
und wäschet sich, in Christi blut,
so weisz, wie alabaster
E. Francisci d. letzte rechenschafft (1681) 327;

des vaters helden-art, der mutter tugend-glut,
hat sich genau in dir, du groszer prinz, verbunden
Ziegler asiat. Banise (1689) widm. 3.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: