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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendfertigkeit bis tugendfromm (Bd. 22, Sp. 1640 bis 1642)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendfertigkeit, f.: und da ... die galligen und schwarzfinstern leidenschaften einen bösen einflusz ... auf den ... körper haben: und nichts als eine geübte tugendfertigkeit diese leidenschaften ordentlich beherrschen und der vernunft unterthan machen kann J. J. Chr. Bode Tristram Schandi (1774) 4, 225.
 
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tugendfest, adj., 'standhaft, ausdauernd in der tugend'; seit dem mhd.:

ûf êre leite sînen vlîz
der selbe tugentveste
und was der aller beste
von den Sarrazînen
Konrad v. Würzburg Partonopier 14493 B.;

in bekort gelust, nit noch zorn,
der tuvel noch armutes last,
wen wirt der mensche tugentvast,
her blibet unvorwunden
Heinrich v. Hesler apokal. 5926 H.;

der römische keiser Maximinianus ... hat diese tugendvehste jungfrau befohlen umbzubringen W. Bütner epitome histor. (1596) 78a; das tugendfeste und sundenscheue gemüt ist wie glas Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 407.
 
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tugendfeuer, n., wie tugendeifer (s. d.): das seiner edlen seele eingegossene tugend-feuer Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) lobschrift c 5a;

wen diesz exempel nicht bewegt, ...
der fühlt in ihm kein tugendfeuer
Simon Dach 922 Österley;

so könte die belohnung, welche die nahrung des tugendfeuers ist, in gewiszen andern ehren- oder gnaden-zeichen bestehen Heräus ged. u. inschr. (1721) 271. auf die sprache übertragen:

ich (die deutsche sprache) hege tugendfeuer,
dadurch ich brand kan legen
in die gemüter selbst
Schottel haubtspr. (1669) 1004.


 
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tugendflamme, f. , dichterischer ausdruck vor allem des 17. jhs.
1) anschaulich als tugendfeuer (s. d.), 'brennende, leuchtende tugend, glut der tugend, tugendhaftigkeit':

der schein der frömmigkeit läszt sich von aussen sehn;
ob aber mag das hertz in tugend-flammen stehn,
dran zweiffelt jedermann: der schein kann nicht bestehn,
wann nicht zugleich das licht des fromm-seyns wird gesehn
Knittel kurtz-ged. (1674) 34;

mancher ist von edlem stamm,
hat auch eltern edler sinnen
doch kan keine tugend-flamm
sein gemühte lieb gewinnen ders. poet. sinnenfr. (1677) 44;

er war ein freund von meinem stamme,
und wo des einen tugendflamme
den andern auch in feuer setzt anmuthige gelehrsamk. (1751) 3, 261 Gottsched.


2) vom menschen gesagt:

krone von dem Sachsenstamme,
tapfre männin Thelesis
strahlenreiche tugendflamme ...
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 213;

[Bd. 22, Sp. 1641]


doch hell vor allen — eine tugendflamme,
vollkommen bis zum letzten othemzug
strahlt er
G. Regis verliebter Roland (1840) 313.


 
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tugendflammend, part. adj., zum vorigen: derowegen wil ich ... dieser hinweggenommenen tugendflammenden princessinnen ein unsterbliches gedächtnüss und lobschallendes denkmahl aufzurichten meine schlechte feder hiemit angesetzet haben Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 32. —
 
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tugendflämmlein, n., wie tugendflamme 1: seine angeborne igniculos virtutis oder tugendflämmlein W. Bütner epitome histor. (1596) 464b; manche fromme hertzen, ... die noch ein tugendflämlein in ihnen hegen J. Helwig Ormund (1666) vorrede.
 
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tugendfleisz, m., ähnlich wie tugendübung, 'eifrige ausübung der tugend', 'übung in der tugend'; seit dem mhd.: unde klagen dâ wider niht an andern dingen swaz wir dâ mit müe lîden, daz verre unnützer ist und ofte müelîcher denne tugentvlîz David v. Augsburg in: dtsche mystiker 1, 309, 17 Pfeiffer; sie wurden gelobt von einfältiger gottesfurcht, tugend-fleisz, zuchtliebe Dannhawer catechismus-milch (1657) 6, 243;

man sol den tugendfleisz nicht in das alter sparen
J. Grob dichter. versuchgabe 127 lit. ver.;

ohne innigen schmertz über die sünde und deren folgen sei rückkehr, vergebung, gewissensruh, tugendfleis, mit einem wort christlichs glück nicht möglich J. T. Hermes für töchter edler herkunft (1787) 1, 182; ernstliche betrachtung der sterblichkeit des menschen kan ... zur immerwährenden furcht gottes und ernstlichem tugendfleisz auffmuntern J. D. Frisch neuklingende harpfe Davids (1719) 806.
 
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tugendfreude, f., 'freude, wie die tugend sie gibt':

nur aus der welt! der lasterwelt! ...
wo unschuld, zärtlichkeit und tugendfreude
längst flohen aus der lasterwelt
zum himmel auf
Herder 29, 345 S.;

doch die welt — bald streut sie ihre leiden
auch auf die zufrieden heitre bahn:
weil sie dem, der tugendfreuden kennet,
sein zufrieden herz nicht gönnet
Hölderlin s. w. 1, 9 H.


 
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tugendfreund, m., liebhaber der tugend in moralischem sinne, besonders als ideal aufgeklärten menschentums; seit dem 17. jh.:

den churfürsten ... tugendfreund
friedens-vater ... kriegesfeind
J. G. Schottel friedenssieg 72 ndr.;

es giebt aber so wenig tugendfreunde, dasz man in allen geschichten kaumlich zehen par findet Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 306; die vernünfftige liebe findet genug zu thun ... in erkiesung und erforschung, denn auch in gewinnung und erhaltung eines wahren tugendfreundes Chr. Thomasius v. d. artzeney wider d. unvernünfftige liebe (1692) 176; di tisch- und glüks-freunde in der zeit der trübsahl abweichen, di tugend-freunde aber beständig austauren Butschky hochdt. kanzelley (1666) 1, 81; wenn nicht wahrheithelden und tugendfreunde mit vereinter macht diese hyder (des aberglaubens) bekämpfen J. M. Afsprung reise durch einige cantone d. eidgenossensch. (1784) 179;

wie glücklich ist ein herr, der auch in solchen dingen,
wie du, o tugendfreund! kann seine neigung zwingen!
Neukirch ged. (1744) 197;

ein tugendfreund liegt lieber frey an ketten,
als sklavisch um des fürsten thron
Gellert s. schr. (1784) 1, 167;

lassen sie uns beide, den tugendfreund der vernunft und der religion (den philosophisch u. religiös tugendhaften), in eine stellung bringen. sie sind am ende ihres lebens und richten sich beide in der stunde des todes mit hoffnungen auf Gellert s. schr. (1784) 6, 102;

[Bd. 22, Sp. 1642]


helft ihr auch dem tugendfreund,
wann er hülflos vor euch weint?
Schubart s. ged. (1825) 1, 229;

ein fürstlich belohnter tugendfreund! welch eine aufmunterung für die welt! Hermes Sophiens reise (1769) 5, 501. — als titel einer 'moralischen wochenschrift' des 18. jhs. (in der 3. ausgabe, 1788, ist der tugendfreund durch der Deutsche ersetzt, 1, 152): hier redete man lange von den wochenschriften, und unsre gesellschafterin empfal auszer dem zuschauer und seines gleichen, vorzüglich die welt, den tugendfreund Hermes Sophiens reise (1770) 1, 130. —
 
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tugendfreundschaft, f., mehrfach bei Harsdörffer und von daher übernommen von Butschky; im sinne von 'tugendhafter freundschaft', 'freundschaft als tugend', 'edler freundschaft': die freundschaft ist eine tugend, welche dieser zeiten fast unbekandt ist ... solche tugend-freundschaft kan nicht bestehen, als zwischen zweyen, mit treu verbundenen hertzen Harsdörffer schauplatz lust- u. lehrreicher ged. (1651) 2, 58; fast wörtlich auch bei Butschky Pathmos (1677) 310; dasz die lust-liebe und weltgesellschaft für nichts zu halten gegen wahrer treue und tugend-freundschaft, durch die eigenschaft des spiegels gebildet Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 6, G g 1a; di löbliche tugend-freundschaft erfordert wahre treu, di kühnheit einen libwehrten freund vom bösen ab- und zum gutten anzumahnen Butschky hochdtsch. kanzelley (1659) 198. —
 
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tugendfromm,adj., 'tugendfest': der (Karl IV.) was gar ein wolgelert, krafftmächtig, tugendfrummer man Seb. Franck chron. zeytbuch (1531) 195a. —

 

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