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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendfackel bis tugendflammend (Bd. 22, Sp. 1639 bis 1641)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendfackel, f., 'wegweiser zur tugend': solte aber ... ein funcken der schönheit ... an mir zu erblicken sein: so ist solcher vielmehr von den göttern als eine tugendfackel, nicht aber als ein irrwisch geiler lüste angezündet worden H. A. Ziegler asiat. Banise (1689) 584; tugendfakkel dieser stadt (von einer frau gesagt) Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 331.
 
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tugendfähig, adj., 'zur tugend fähig, geschickt': die tugendfähigen gemüter F. Arber Ignatius Loiola (1591) 20; ich wil ... etlicher tugendfähigen weibspersonen tugendmessige verrichtungen und löbliche thaten ... zeigen Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 25; darum ist eben hieran am allermeisten gelegen, wie diese bei allen menschen sich hervorgegebene hertzneigungen ... an sich untadelhaft und tugendfähig gemacht werden Schottel ethica (1669) 135. —
 
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tugendfähigkeit, f., zum vorigen: Lavater physiogn. fragmente (1775) 3, 232.
 
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tugendfarbe, f. 1) etwa wie schamröte 'das erröten aus tugendhaftigkeit': zum andern ist der jungfrauen schmuck die schöne rote farbe im angesicht, wenn man ihr zuredet, das ist tinctura virtutis, die rechte tugendfarbe V. Herberger jungfrau kräntzlein (1610) c 8b; welches christen gewissen mus nicht roht werden, dafern es nur nicht alle tugend-farbe schon verloren Butschky rosen-thal (1679) 10. 2) 'schein der tugendhaftigkeit': der erste betrug ist, dasz sie ... dieselben (sünden) mit schönen tugendfarben anstreichen J. Dyke nox in te ipsum (1638) 266;

ich will nicht ...
die laster der gotlosen reichen
mit tugentfarben überstreichen
Weckherlin ged. 2, 233 lit.-ver.;

auch die aller untugendhaffteste (suchen) sich mit einer tugendfarbe zu schmincken E. Francisci weh der ewigkeit (1686) 996.

[Bd. 22, Sp. 1640]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendfeind, m., im allgemeinen von personen: ein tugenfeindt wird zum schalck und buben W. Bütner dialectica teutsch (1588) 94b; dasz du um deszwillen den tadel der unverständigen, den spott der thoren oder den hasz der tugendfeinde auf dich laden ... möchtest Bürger s. w. 397b Bohtz;

kirchhof, werter mir als goldpaläste,
werter einem jeden menschenfreund,
birgest manches edlen überreste,
aber auch wohl manchen tugendfeind
Novalis schr. 1, 163 Minor.

vereinzelt auf sachliches bezogen:

fleisch und blut, die tugendfeinde, wehren sich bis in das grab
J. Grob versuchgabe 112 lit. ver.


 
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tugendfertig, adj., 'geschickt zur tugend': der menschliche verstand ist nicht von natur tugendfertig, sondern durch übung und gehörigen fleisz werden die tugenden dem menschlichen verstande beygebracht Schottel ethica (1669) 336. —
 
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tugendfertigkeit, f.: und da ... die galligen und schwarzfinstern leidenschaften einen bösen einflusz ... auf den ... körper haben: und nichts als eine geübte tugendfertigkeit diese leidenschaften ordentlich beherrschen und der vernunft unterthan machen kann J. J. Chr. Bode Tristram Schandi (1774) 4, 225.
 
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tugendfest, adj., 'standhaft, ausdauernd in der tugend'; seit dem mhd.:

ûf êre leite sînen vlîz
der selbe tugentveste
und was der aller beste
von den Sarrazînen
Konrad v. Würzburg Partonopier 14493 B.;

in bekort gelust, nit noch zorn,
der tuvel noch armutes last,
wen wirt der mensche tugentvast,
her blibet unvorwunden
Heinrich v. Hesler apokal. 5926 H.;

der römische keiser Maximinianus ... hat diese tugendvehste jungfrau befohlen umbzubringen W. Bütner epitome histor. (1596) 78a; das tugendfeste und sundenscheue gemüt ist wie glas Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 407.
 
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tugendfeuer, n., wie tugendeifer (s. d.): das seiner edlen seele eingegossene tugend-feuer Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) lobschrift c 5a;

wen diesz exempel nicht bewegt, ...
der fühlt in ihm kein tugendfeuer
Simon Dach 922 Österley;

so könte die belohnung, welche die nahrung des tugendfeuers ist, in gewiszen andern ehren- oder gnaden-zeichen bestehen Heräus ged. u. inschr. (1721) 271. auf die sprache übertragen:

ich (die deutsche sprache) hege tugendfeuer,
dadurch ich brand kan legen
in die gemüter selbst
Schottel haubtspr. (1669) 1004.


 
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tugendflamme, f. , dichterischer ausdruck vor allem des 17. jhs.
1) anschaulich als tugendfeuer (s. d.), 'brennende, leuchtende tugend, glut der tugend, tugendhaftigkeit':

der schein der frömmigkeit läszt sich von aussen sehn;
ob aber mag das hertz in tugend-flammen stehn,
dran zweiffelt jedermann: der schein kann nicht bestehn,
wann nicht zugleich das licht des fromm-seyns wird gesehn
Knittel kurtz-ged. (1674) 34;

mancher ist von edlem stamm,
hat auch eltern edler sinnen
doch kan keine tugend-flamm
sein gemühte lieb gewinnen ders. poet. sinnenfr. (1677) 44;

er war ein freund von meinem stamme,
und wo des einen tugendflamme
den andern auch in feuer setzt anmuthige gelehrsamk. (1751) 3, 261 Gottsched.


2) vom menschen gesagt:

krone von dem Sachsenstamme,
tapfre männin Thelesis
strahlenreiche tugendflamme ...
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 213;

[Bd. 22, Sp. 1641]


doch hell vor allen — eine tugendflamme,
vollkommen bis zum letzten othemzug
strahlt er
G. Regis verliebter Roland (1840) 313.


 
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tugendflammend, part. adj., zum vorigen: derowegen wil ich ... dieser hinweggenommenen tugendflammenden princessinnen ein unsterbliches gedächtnüss und lobschallendes denkmahl aufzurichten meine schlechte feder hiemit angesetzet haben Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 32. —

 

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