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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendehre bis tugendfertig (Bd. 22, Sp. 1638 bis 1640)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendehre, f., 'durch tugend erworbene ehre': tugendehr debitus virtuti honor Schottel haubtsprache (1663) 444; ein phlegmatiker ist ein rechter honnét homme, und trachtet in allen der wahren tugend-ehre Chr. Thomasius v. d. kunst vernünfft. u. tugendhafft zu lieben (1692) a 5a;

konntest du beflecken alter tugendehre glanz?
Fr. Schlegel s. w. (1846) 9, 224.


 
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tugendeifer, m., 'begeisterung, eifer für die tugend': so wurde die princessin durch innerlichen tugend-eyffer dergestalt zu hefftigem zorne bewegt, dasz sie solches unverschämte ansinnen mit diesen harten worten beantwortete Ziegler asiat. Banise (1689) 696; (er) behauptete, dasz er mit dem ruf seiner bosheit viel weniger schädlich sey, als ich es durch diesen tugendeifer gewesen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1731) 2, 14; ich sehe auch wohl, dasz diese übermenschliche höhe der tugend eine kraft

[Bd. 22, Sp. 1639]


der seele erfordert, die sich ohne das glühen des tugendeifers, ohne einen hohen grad von inbrunst der menschenliebe nicht denken läszt J. A. Eberhard Amyntor (1782) 228. der bedeutung 'tugendstolz' sich nähernd: o, die erde trägt immer noch mehr gute menschen, als wirs uns in unserm zweydeutigen tugendeifer einzubilden pflegen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 2, 186. —
 
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tugendeifrig, adj., zum vorigen: (unsere voreltern haben) auffrichtiger, redlicher, sittsamer und tugendeifferiger unter einander gelebt, als die Römer und Griechen J. W. Zinkgref apophthegmata (1628) vorr. 2a; die tugend-eifrige Felisane Ph. v. Zesen Ibrahim (1645) vorr. 5a; dem von allen löblichen und tugendeiferigen gemütern hochgeliebten und hochgelobten gemeinen nutzen Harsdörffer t. secretarius (1656) 1, a 3a; in der tat machte sich Karl manchmal insgeheim den vorwurf, dasz er den tugendeifrigen Edmund wohl gnädig, nicht aber freundlich genug behandle W. H. Riehl gesch. aus alter zeit (1863) 2, 127.
 
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tugenderbe, m., 'erbe, nachahmer der tugend früher lebender menschen': worzu dienet der vorfahren titul, wann wir nit zugleich ihre tugend-erben seyn? der älteste und beste adel ist die tugend G. Ph. Harsdörffer t. secretarius 2 (1659) vorrede ):( ):( 6a;

musz deine Rahel sterben,
so lebt ihr ebenbild in ihren tugenderben
J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 711.


 
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tugendergeben, part. adj., attribut für tugendhafte menschen: dan einer tugendergebenen frauen wird gewisz das dantzen erleyden, wann sie mit der geometri oder erdmessung und auszirklung des weltkreyses umbgehet J. Fischart w. 3, 178 Hauffen; durch ein- und annehmung vieler vornehmen und tugendergebenen gemühter, wahrer liebhaber guter satzungen, vornehmlich aber unserer teutschen sprache Neumark neuspr. t. palmbaum (1668) 32;

achtet, ihr tugend-ergebenen sinnen,
miszgunst nur flüchtigen, nichtigen tand
C. Knittel poet. sinnenfr. (1677) 32.


 
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tugendfackel, f., 'wegweiser zur tugend': solte aber ... ein funcken der schönheit ... an mir zu erblicken sein: so ist solcher vielmehr von den göttern als eine tugendfackel, nicht aber als ein irrwisch geiler lüste angezündet worden H. A. Ziegler asiat. Banise (1689) 584; tugendfakkel dieser stadt (von einer frau gesagt) Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 331.
 
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tugendfähig, adj., 'zur tugend fähig, geschickt': die tugendfähigen gemüter F. Arber Ignatius Loiola (1591) 20; ich wil ... etlicher tugendfähigen weibspersonen tugendmessige verrichtungen und löbliche thaten ... zeigen Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 25; darum ist eben hieran am allermeisten gelegen, wie diese bei allen menschen sich hervorgegebene hertzneigungen ... an sich untadelhaft und tugendfähig gemacht werden Schottel ethica (1669) 135. —
 
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tugendfähigkeit, f., zum vorigen: Lavater physiogn. fragmente (1775) 3, 232.
 
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tugendfarbe, f. 1) etwa wie schamröte 'das erröten aus tugendhaftigkeit': zum andern ist der jungfrauen schmuck die schöne rote farbe im angesicht, wenn man ihr zuredet, das ist tinctura virtutis, die rechte tugendfarbe V. Herberger jungfrau kräntzlein (1610) c 8b; welches christen gewissen mus nicht roht werden, dafern es nur nicht alle tugend-farbe schon verloren Butschky rosen-thal (1679) 10. 2) 'schein der tugendhaftigkeit': der erste betrug ist, dasz sie ... dieselben (sünden) mit schönen tugendfarben anstreichen J. Dyke nox in te ipsum (1638) 266;

ich will nicht ...
die laster der gotlosen reichen
mit tugentfarben überstreichen
Weckherlin ged. 2, 233 lit.-ver.;

auch die aller untugendhaffteste (suchen) sich mit einer tugendfarbe zu schmincken E. Francisci weh der ewigkeit (1686) 996.

[Bd. 22, Sp. 1640]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendfeind, m., im allgemeinen von personen: ein tugenfeindt wird zum schalck und buben W. Bütner dialectica teutsch (1588) 94b; dasz du um deszwillen den tadel der unverständigen, den spott der thoren oder den hasz der tugendfeinde auf dich laden ... möchtest Bürger s. w. 397b Bohtz;

kirchhof, werter mir als goldpaläste,
werter einem jeden menschenfreund,
birgest manches edlen überreste,
aber auch wohl manchen tugendfeind
Novalis schr. 1, 163 Minor.

vereinzelt auf sachliches bezogen:

fleisch und blut, die tugendfeinde, wehren sich bis in das grab
J. Grob versuchgabe 112 lit. ver.


 
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tugendfertig, adj., 'geschickt zur tugend': der menschliche verstand ist nicht von natur tugendfertig, sondern durch übung und gehörigen fleisz werden die tugenden dem menschlichen verstande beygebracht Schottel ethica (1669) 336. —

 

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