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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendbünder bis tugendeifrig (Bd. 22, Sp. 1637 bis 1639)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendbünder, m.: ich glaube nicht, dasz er sich einen solchen tugendbünder, einen solchen weltverbesserer und demagogen zum schwiegersohn wählen wird Hauff s. w. (1890) 5, 387. —
 
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tugendbündler, m., zu tugendbund: Hase

[Bd. 22, Sp. 1638]


ist ein alter tugendbündler und coätane von mir A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 1, 386; märtyrer des liberalismus waren nicht ... die unglücklichen tugendbündler und 'demagogen' in Deutschland Gutzkow ges. w. (1872) 8, 64. —
 
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tugendbündner, m., zu tugendbund 2: mit dem tugendbund habe ich zu keiner zeit in verbindung gestanden, es hat auch niemals jemand zu mir gesagt, dasz er ein tugendbündner sei Jahn briefe (1815) 64; Bülow wurzelte stärker als Boyen in den überlieferungen des fridericianischen staates, er sollte nicht zu den modernen theoretikern und tugendbündnern gehören Fr. Meinecke Boyen (1896) 1, 306. —
 
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tugendbündnis, n.: eine gebürliche demut, lernwillige bezeigung, freund- und höflichkeit im reden und gebärden ... müsse ... sich vereinigen und eine löbliche tugendbündnisz eingehen Schottel ethica (1669) 479.
 
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tugenddrache, m., von frauen und männern, 'moralisch engstirniger sittenrichter': das traurige darin (in Kotzebues Ubaldo) ist ein alter feldherr und erzieher des jungen königs (ein rechter tugenddrache), der am ende des letzten actes sich ohne noth ersticht Zelter in: Göthe u. Zelter briefwechsel (1833) 1, 364; graf Ulrich ... nahm sich vor, von dem alten tugend-drachen keine nähere explikation zu erzwingen Holtei erzähl. schr. (1861) 8, 213; sie ist ein wahrer tugenddrache B. Auerbach landhaus am Rhein (1871) 2, 97. —
 
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tugenddragoner, m., wie tugenddrache:

die tugenddragoner, die aus kreischenden kehlen
nur immer auf ihre keuschheit pochen,
und meinen, sie dürfen uns tüchtig quälen,
weil sie die treue nicht gebrochen
Kotzebue sämtl. dram. w. (1828) 25, 181;

es gibt tugenddragoner, die ... auf jeden autor einhauen, der leidenschaften schildert Holtei erz. schr. (1861) 22, 62.
 
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tugenddurstig, adj., 'nach tugend begierig': diser Arnolph war ein vierschröter wolgestalter mann ... fröudigs und tugenddurstiges gemüts Stumpf Schweizerchron. (1606) 241a; ich würde sogar ... jährlich ein einweihfest, ein vorfest der krönung ... begehen lassen, wo ihm die heiligkeit seiner zukunft ... vor das junge tugenddurstige auge träte J. Paul w. 55, 191 Hempel.
 
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tugendedel, adj., 'edel, gut durch tugend', auch in der anrede; 17. u. 18. jh.: hocherleuchtete, blut-, mut- und tugendedle helden J. Rist d. friedewünsch. Teutschld. (1648) 3; dein tugendädles ehgemahl Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 245;

das Teutsche fliesset linde,
und schärffet den verstand; es lehret, ehret, weist,
was tugend-edel ist, was man zu hofe preist
J. Helwig Ormund (1666) () () 5b;

angesehen es (das glück) ihn mit einem geschlecht- und tugendädlen ehschatz beschenket Q. Kuhlmann geschichtherold (1673) 384;

ein tugendedler geist wird erstlich aufgeweckt,
den kein geräusche mehr von seinen lusten schreckt
Chr. Fr. Hunold d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 221.


 
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tugendehre, f., 'durch tugend erworbene ehre': tugendehr debitus virtuti honor Schottel haubtsprache (1663) 444; ein phlegmatiker ist ein rechter honnét homme, und trachtet in allen der wahren tugend-ehre Chr. Thomasius v. d. kunst vernünfft. u. tugendhafft zu lieben (1692) a 5a;

konntest du beflecken alter tugendehre glanz?
Fr. Schlegel s. w. (1846) 9, 224.


 
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tugendeifer, m., 'begeisterung, eifer für die tugend': so wurde die princessin durch innerlichen tugend-eyffer dergestalt zu hefftigem zorne bewegt, dasz sie solches unverschämte ansinnen mit diesen harten worten beantwortete Ziegler asiat. Banise (1689) 696; (er) behauptete, dasz er mit dem ruf seiner bosheit viel weniger schädlich sey, als ich es durch diesen tugendeifer gewesen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1731) 2, 14; ich sehe auch wohl, dasz diese übermenschliche höhe der tugend eine kraft

[Bd. 22, Sp. 1639]


der seele erfordert, die sich ohne das glühen des tugendeifers, ohne einen hohen grad von inbrunst der menschenliebe nicht denken läszt J. A. Eberhard Amyntor (1782) 228. der bedeutung 'tugendstolz' sich nähernd: o, die erde trägt immer noch mehr gute menschen, als wirs uns in unserm zweydeutigen tugendeifer einzubilden pflegen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 2, 186. —
 
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tugendeifrig, adj., zum vorigen: (unsere voreltern haben) auffrichtiger, redlicher, sittsamer und tugendeifferiger unter einander gelebt, als die Römer und Griechen J. W. Zinkgref apophthegmata (1628) vorr. 2a; die tugend-eifrige Felisane Ph. v. Zesen Ibrahim (1645) vorr. 5a; dem von allen löblichen und tugendeiferigen gemütern hochgeliebten und hochgelobten gemeinen nutzen Harsdörffer t. secretarius (1656) 1, a 3a; in der tat machte sich Karl manchmal insgeheim den vorwurf, dasz er den tugendeifrigen Edmund wohl gnädig, nicht aber freundlich genug behandle W. H. Riehl gesch. aus alter zeit (1863) 2, 127.

 

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