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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugendbund bis tugendehre (Bd. 22, Sp. 1637 bis 1638)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugendbund, m.
1) allgemein, bund tugendfester menschen:

kann des ernsten tugendbundes gleiten
ach! für liebende wohl strafbar sein?
Haugwitz poet. versuche (1793) 28;

noch hochgestimmt zur feier des tugendbunds
soll dir (d. liebe) sie (d. harfe) danken!
Clodius ged. (1794) 241;

in einklang kopf und herz und mund,
klar, warm und wahr ein ein'ger kranz,
das ist der rechte tugendbund,
das ist die heiligste allianz
A. Grün ges. w. (1877) 2, 163;

wenn alle guten menschen nur ernstlich wollten, wären alle bösen nicht im stande, ihnen den frieden zu verkümmern. das wäre der wahre echte tugendbund W. Alexis Isegrim (1854) 3, 15. mit negativem sinn (vgl. DWB tugend, III B 5): Ferdinand verzog das gesicht und rümpfte die nase; er witterte so etwas von 'tugendbund' Holtei erz. schr. (1862) 16, 187;

trotz aller reisenden christlichen tugendbünde
ist hier noch raum für einige heitre sünde
R. Dehmel ges. w. (1906) 3, 125.


2) im besonderen nachträgliche bezeichnung für den 1808 in Königsberg vornehmlich von offizieren, beamten und gelehrten gegründeten 'tugendverein', auch 'gesellschaft zur übung öffentlicher tugenden' oder 'der sittlich-wissenschaftliche verein' genannt. in ihm schlossen sich die preuszischen gegner Napoleons und vaterlandsfreunde zur pflege vaterländischer gesinnung zusammen. tugend meint hier sittliche strenge mit dem nebensinn des dem vaterland nützlichen und sich für Deutsche gehörenden, s. unter DWB tugend III B 3 e; auszer der dort genannten literatur vgl. noch Treitschke histor. u. polit. aufsätze 53, 148; Meinecke Boyen (1896) 1, 200: tugendbund hat der verein sich selbst niemals genannt. jedoch ist die benennung späterhin gang und gäbe geworden und auch als der historische name festgehalten worden Aug. Lehmann d. tugendbund (1867) 4; dasz der gedanke an eine solche halb im dunkel stehende verbindung ... auch den gedanken an ein besserwerden im volke aufrecht erhielt ... und dasz die beynahe ans komische gräntzende furcht, welche die französischen behörden fortdauernd gegen den tugendbund ... aussprechen, eigentlich die schönste lobrede über die damahlige nützlichkeit des vereines ist Herm. v. Boyen erinnerg. 1, 324 Nippold; auch mehre Deutsche von stande riefen dem vorübergeeilten tugendbunde nach: 'ihr tugendthoren ...' Jean Paul w. 45/47, 366 Hempel; der tugendbund unter Napoleon wurde nicht gestiftet, um Deutschland diese oder jene verfassungsform zu geben ... sondern nur um diejenige erinnerung zu erzeugen, die von selbst auf die vaterlandsliebe ... führte K. Gutzkow ritter v. geiste (1850) 6, 334; ja, die titanische ketten, welche viele unsrer offiziere nach ihrer rückkehr aus Preuszen halb verborgen auf der brust trugen, galten lange in Berlin für ein erkennungszeichen des tugendbundes Sophie Schwerin-Dönhoff erinnerungen (1909) 224. —
 
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tugendbündelei, f., zu tugendbund 2: er (Yorck) that seine schuldigkeit, aber er that sie im schärfsten gegensatz gegen die Steinschen ideen, in noch schärferem vielleicht gegen die tugendbündeleien Wilh. Baur gesch.- u. lebensbilder (1865) 1, 82. —
 
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tugendbünder, m.: ich glaube nicht, dasz er sich einen solchen tugendbünder, einen solchen weltverbesserer und demagogen zum schwiegersohn wählen wird Hauff s. w. (1890) 5, 387. —
 
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tugendbündler, m., zu tugendbund: Hase

[Bd. 22, Sp. 1638]


ist ein alter tugendbündler und coätane von mir A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 1, 386; märtyrer des liberalismus waren nicht ... die unglücklichen tugendbündler und 'demagogen' in Deutschland Gutzkow ges. w. (1872) 8, 64. —
 
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tugendbündner, m., zu tugendbund 2: mit dem tugendbund habe ich zu keiner zeit in verbindung gestanden, es hat auch niemals jemand zu mir gesagt, dasz er ein tugendbündner sei Jahn briefe (1815) 64; Bülow wurzelte stärker als Boyen in den überlieferungen des fridericianischen staates, er sollte nicht zu den modernen theoretikern und tugendbündnern gehören Fr. Meinecke Boyen (1896) 1, 306. —
 
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tugendbündnis, n.: eine gebürliche demut, lernwillige bezeigung, freund- und höflichkeit im reden und gebärden ... müsse ... sich vereinigen und eine löbliche tugendbündnisz eingehen Schottel ethica (1669) 479.
 
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tugenddrache, m., von frauen und männern, 'moralisch engstirniger sittenrichter': das traurige darin (in Kotzebues Ubaldo) ist ein alter feldherr und erzieher des jungen königs (ein rechter tugenddrache), der am ende des letzten actes sich ohne noth ersticht Zelter in: Göthe u. Zelter briefwechsel (1833) 1, 364; graf Ulrich ... nahm sich vor, von dem alten tugend-drachen keine nähere explikation zu erzwingen Holtei erzähl. schr. (1861) 8, 213; sie ist ein wahrer tugenddrache B. Auerbach landhaus am Rhein (1871) 2, 97. —
 
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tugenddragoner, m., wie tugenddrache:

die tugenddragoner, die aus kreischenden kehlen
nur immer auf ihre keuschheit pochen,
und meinen, sie dürfen uns tüchtig quälen,
weil sie die treue nicht gebrochen
Kotzebue sämtl. dram. w. (1828) 25, 181;

es gibt tugenddragoner, die ... auf jeden autor einhauen, der leidenschaften schildert Holtei erz. schr. (1861) 22, 62.
 
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tugenddurstig, adj., 'nach tugend begierig': diser Arnolph war ein vierschröter wolgestalter mann ... fröudigs und tugenddurstiges gemüts Stumpf Schweizerchron. (1606) 241a; ich würde sogar ... jährlich ein einweihfest, ein vorfest der krönung ... begehen lassen, wo ihm die heiligkeit seiner zukunft ... vor das junge tugenddurstige auge träte J. Paul w. 55, 191 Hempel.
 
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tugendedel, adj., 'edel, gut durch tugend', auch in der anrede; 17. u. 18. jh.: hocherleuchtete, blut-, mut- und tugendedle helden J. Rist d. friedewünsch. Teutschld. (1648) 3; dein tugendädles ehgemahl Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 245;

das Teutsche fliesset linde,
und schärffet den verstand; es lehret, ehret, weist,
was tugend-edel ist, was man zu hofe preist
J. Helwig Ormund (1666) () () 5b;

angesehen es (das glück) ihn mit einem geschlecht- und tugendädlen ehschatz beschenket Q. Kuhlmann geschichtherold (1673) 384;

ein tugendedler geist wird erstlich aufgeweckt,
den kein geräusche mehr von seinen lusten schreckt
Chr. Fr. Hunold d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 221.


 
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tugendehre, f., 'durch tugend erworbene ehre': tugendehr debitus virtuti honor Schottel haubtsprache (1663) 444; ein phlegmatiker ist ein rechter honnét homme, und trachtet in allen der wahren tugend-ehre Chr. Thomasius v. d. kunst vernünfft. u. tugendhafft zu lieben (1692) a 5a;

konntest du beflecken alter tugendehre glanz?
Fr. Schlegel s. w. (1846) 9, 224.

 

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