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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tuffsteinnütscher bis tüftelei (Bd. 22, Sp. 1552 bis 1554)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -nütscher schweiz. id. 4, 878;
 
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-quader forsch. u. fortschr. 9 (1933) 17;
 
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-springbrunnen H. W. Seidel Krüsemann (1935) 222;
 
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-zacke Rehfues br. aus Italien (1809) 2, 224.
 
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tuft, m., 'dunst, nebel, dampf, reif, tau'; wie an. dupt n. 'staub', norw. duft f. 'staub, gran, dunst', aschwed. dopt, dupt 'staub', schwed. doft, n., 'staub, pulver', gen. rei 'dunst, duft', dän. duft 'duft' (mit aus dem dt. übernommener bedeutung) zur idg. wurzel dheubh- 'wirbeln, wallen, blasen', wozu griech. τῦφος 'rauh', nhd. taub und taube oder zu dheup- in aind. dhūpa 'rauch, räucherwerk'. Walde-Pokorny 1, 840 f. der anlaut ist im mhd. gewöhnlich t; im frühnhd. setzt sich wie in dumm, dunst und zahlreichen andern wörtern (Paul dt. gr. 1, 332 f.) d durch und verdrängt t bald vollständig; vgl. DWB duft 1, 2 in teil 2, sp. 1500/01; tuften; tuftig. reiche mhd. belege: mhd. wb. 3, 127a; Lexer 2, 1558; Schmeller-Fr. 1, 491. dazu etwa noch:

über den glouben gie ein tuft,
sam sô den heiteren luft
der trüebe nebel irret
unt als den sterren wirret
diu wolken diu vor swebent
Heinrich v. Veldeke Servatius v. 645 Haupt;

sie (die helden) enmochten sich gehalden nicht
an den himel noch an die luft.
des touwes risel und sîn tuft
mochte sie des nicht gehaben wider,
sie enmüesten zu der erden nider
vallen sunder iren danc
Heinrich v. Freiberg v. 1766 Bernt;

her dringt die zeit auss kaltem tuft,
das spür ich wol an mangem luft,
der mich berüert mit swärem traum
Oswald v. Wolkenstein ged. 75 Schatz; vgl. ebda 69.

[Bd. 22, Sp. 1553]


im nhd. zeitraum literarisch nur noch selten greifbar: wo solliche blutbrunnen entspringen, sey nichts anders dann ein feuchter dampff, der durch irrdischen tufft und feuwrige hitz errote Seb. Franck bei Fischer schwäb. 2, 444, heute noch im oberamt Marbach, s. ebda; bei Wickram stets als reimwort:

er hat auch geschaffen, dasz vom lufft
kummen solten reiffen und tufft,
darz die werme und die kelt
Wickram w. 7, 12 Bolte;

Juno eyn dicken schwartzen lufft,
gleich wers eyns finstern regens tufft,
von gifft rhab uff die erden liesz ebda 7, 329.

lexikalisch verhältnismäszig spät belegt: tufft, f., dufft, dunst, nebel Rädlein (1711) 895. ob tüffi patina Diefenbach nov. gl. 282b für tüfft verlesen ist und als 'niederschlag (auf metall)' hierher gehört? in dieser alten bedeutung ist das wort heute den verschiedensten maa. bekannt: der tuft feuchter dunst, dampf, nebel Schöpf Tirol 773; duft oder tuft verzeichnet Hunziker Aargau (1877) 64; sonst erscheint ausnahmslos der typisch nhd. anlaut d: 'gefrorne winterliche feuchtigkeit der luft, reif' Unger-Khull steir. 181; Stalder schweiz. id. 1, 324; 'anflug von reif' Hunziker a. a. o.; 'nebel, verhüllender dampf in der luft, tau' Fischer schwäb. 2, 444; bad. wb. 1, 587; rauhreif, rauhfrost; feuchter beschlag der wände infolge der kälte Martin-Lienhart elsäss. 2, 658; aufsteigender dunst aus dem erdboden, leichter dunst über flur und feld, wenn es heisz wird, für gewöhnl. also nicht = nebel; rauhreif, zumal an den bäumen; kleiner rausch rhein. wb. 1, 1543; nebel; ein kleiner rausch Heinzerling-Reuter Siegerl. wb. 50; frostnebel, der bei kälte sich an bäume und andere körper anhängende gefrorene dunst Crecelius oberhess. 309; kleiner rausch Spiess Henneberg 47; ganz feiner und spärlicher niederschlag im sommer Damköhler Nordharz 47b; 'trübe luft', 'nebel' Mensing schlesw.-holst. 1, 897; tuft, m., Meisinger Rappenau 216.
 
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tuft, m., auch n., dass. wie 1tuff, m., (s. d.); wohl entstanden durch kürzung der im älteren deutsch geläufigen verdeutlichenden zusammensetzung tuffstein (s. d., sp. 1550), die wegen der wolkig lockeren erscheinungsform des porösen gesteins volksetymologisch an 1tuft angelehnt worden ist. nur mhd. und mundartlich nhd.:

nû erfunden die heiden daz,
daz si fuorten dâhin
holz und stûdach darin,
darûf tuft und stein,
unden grôz, oben klein,
hiezen si zuo fullen
und daz mit erden hullen
Ottokar österr. reimchron. v. 49075 S.

bis in die gegenwart lebendig geblieben im deutsch der Alpenländer, wo allerdings auch entlehnung aus it. tuffo mit rein lautlichem t-antritt wie in huft, hüfte vorliegen kann; als masc. Schöpf Tirol 773; als n. Hunziker Aargau 64.
 
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tuft, m., büschel, s. 2tuff, m., sp. 1545/6.
 
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tüfte. f., kartoffel, für gewöhnlich nur pluralisch gebraucht; nach auskunft von H. Brömse entweder als angleichung der silbenanlaute der aus tüffelke verkürzten verkleinerungsform tüffke (s. d., sp. 1550) oder als ihre vereinfachung zu fassen, bei der sich als zwischenstufe ein gleitlaut-t nachträglich zwischen f und k (tüftke) entwickelt hätte (vgl. zs. f. dt. maa. 1912, 160ff.; A. Lasch mnd. gramm. § 309 anm.). nach B. Martin handelt es sich bei tüfte um eine mit altem nd. diminutivsuffix -te gebildete form. wortgeographische aufnahme zeigt es dicht gestreut in Mecklenburg und den östlich angrenzenden maa., ferner in der nördl. Mark Brandenburg; im übrigen nd. westen und osten nur vereinzelt, s. teuthonista 2 (1925) 64-67 mit pauskarte; für Niedersachsen bezeugt es Th. Imme soldatensprache 109; für Mecklenburg Pritzel-Jessen 382b; an mundartenwbb. verzeichnen es Mensing schlesw.-holst. 5, 198; Mi Mecklenb. 95a und umlautlos Frischbier

[Bd. 22, Sp. 1554]


pr. wb. 2, 414b. literarisch nur in nd. mundartdichtung oder zur kennzeichnung landschaftlicher gebundenheit in schriftsprachlicher umgebung: dat sei vör annere lüd dor nützlich gewächs tög, minentwegen kohl un räuben un tüften Fr. Reuter w. 6, 29 S.; as mamsell nu mit den schönsten apptit ehr fisch un tüften tau bost slahn hadd ebda 7, 155; vgl. 1, 55; 7, 115 (daneben gelegentlich tüffeln; s. d.); wer ihm seine tüften stecken und den weizen mähen und dreschen mag W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 61; sprichwörtlich: de dummsten lüd bugen de meisten tüften; ick hadd also dat grote glück, Aurelia'n allein tau drapen Fr. Reuter w. 4, 416 S.; vgl. 4, 476. als zweites glied von zusammensetzungen unter schriftsprachlichem einflusz: un att meckelbörgsch pölltüften Fr. Reuter w. 3, 282 S.; en biwstück mit bradtüften ebda 4, 257. — zusammensetzungen: -feld ebda 3, 420; -land ebda 4, 476.
 
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tüftelei, f. , in der ersten hälfte des 19. jhs. von tüfteln (s. d.; sp. 1555 ff.) gebildet; wie dies anfänglich mit schwankender schreibung zwischen d und t wie zwischen i und ü.
1) von besonderem handfertigkeitsgeschick: eine ins einzelne gehende, auf feinheit und genauigkeit im kleinen gerichtete, äuszerste sorgfalt erfordernde tätigkeit der hand: es war dies überaus schwierig, da ich meinen faunen lebensgrosz mache, und also kräftig ohne diftelei daran gezeichnet werden musz (1845) Anselm Feuerbach br. an s. mutter 1 (1911) 29. in dieser verwendung wie tüfteln 1 sehr rasch durch die übertragung ins geistige verdrängt.
2) übertragen auf angestrengte gedankliche arbeit: schwierige, ins einzelne gehende, genaue überlegung, untersuchung; wie 1 zunächst durchaus zu sachlicher feststellung, meist im bereich von kunst und wissenschaft: nach den langweiligen tifteleien Petrarcas sehne ich mich keineswegs zurück Joh. Scherr Schiller (1855) 1, 130; der wissenschaft ist aber hier die subtilste tüftelei nicht blosz erlaubt, sondern pflicht (1865) H. Rückert kl. schr. 1, 163 Sohr-R. in der begriffsbestimmung unklar verschwimmend: ich füge diesmal diese tüftelei noch hinzu: 'hi au ha! fiel dumpf der chor ein!' welcher vers (Freiligraths) mir immer aufmunternd in den ohren klingt (1857) G. Keller br. u. tageb. 2, 440 Erm. bald verbindet sich mit der anwendung des wortes ein abschätziges werturteil: die art der überlegung wird als übergenau, gekünstelt und verstiegen empfunden; sie verstöszt gegen die natürlichkeit gesunden menschenverstandes, hat allzu rasch den boden der tatsachen unter den füszen verloren: die tüftelei moderner kommentatoren hat freilich zur verdunkelung ihrer ursprünglichen bedeutung beigetragen (1905) W. Schulze kl. schr. (1933) 500, anm. 1; um ein beispiel für die überhandnahme der tüftelei zu geben, möge eine auslegung aus der kabbala hier wiedergegeben werden Max Schlesinger gesch. d. symbols (1912) 298; darzutun, dasz die da capo-form nicht ein ergebnis meistersingerischer tüftelei, sondern ein wichtiges formprinzip des ganzen minnesangs ist G. Müller in: dt. viertelj. schr. 1 (1923) 102. das wort gewinnt langsam gegenüber älterem klügelei an boden: 'das ist tüftelei, lieber amtsbruder', verwies er ihn Bernhard Faust d. liebesgarten 24; er reklamiert Gabriele mit der ihm eigenen sucht zur tüftelei E. M. Mungenast d. pedant (1939) 140. trotz seiner jugend hat es eingang in niederrhein. maa. gefunden: tiftelei Elberf. ma. 163a; 'grübelei, kleinliches wesen' Rovenhagen Aachen 145.

 

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