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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tuffenmacher bis tuffsteinhöhle (Bd. 22, Sp. 1550 bis 1552)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuffenmacher, m., handwerkerliche berufsbezeichnung für den hersteller von tüffen (s. o. tüffe); sonst auch kleinbinder (s. teil 5, sp. 1105) oder weiszbinder (s. teil 14, 1, sp. 1201) genannt: Stentzler, Hans, tuffenmacher und torwechter im hohen tor (1615) bürgerb. v. Angermünde 26 Gebhardt; vgl. ebda 10; tüffenmacher in einer aufzählung handwerkerlicher berufe aus dem jahre 1623 bei Ch. O. Mylius corpus constit. Marchic. (1737) 5, 2, 617; Moller, Merten, tuffenmacher. Lehmann, Andres, tuffenmacher (1529) älteste Berl. bürgerb. 75 Gebhardt; ferner ebda 1589; 1591; 1612; 1628; in anderen formen Rucker, Merten, kleinbinder oder tufmacher (1577) ebda 112; Moller, David, ein burgers sohn und tueffemacher (1600) ebda 154; 1647 als tüffmacher ebda 215; 1656 als tüffenmacher ebda 223. in den bürgerbüchern Berlins aus d. zeit nach 1700 erscheint nur noch die bezeichnung kleinbinder, s. bürgerbücher Berlins von 1701-1750 E. Kaeber.
 
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tuffer, m., s. DWB tufer.
 
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tüffke, f., kartoffel, für gewöhnlich nur im plural; verkürzung der nd. verkleinerungsform tüffelke (vgl. oben, sp. 1548) zu 3tüffel 'kartoffel' durch ausstoszung der unbetonten mittelsilbe. vornehmlich in östl. maa. verbreitet, vgl. die pauskarte zu Teuthonista 2 (1925) 64-67 und Frischbier pr. wb. 2, 414b. früher langte die verbreitung dieser form weiter nach westen aus: in Mecklenburg ist sie bezeugt für die gegend um Gadebusch bei Ernst Krüger in: arch. d. ver. d. freunde d. naturgesch. i. Meckl. 71 (1917) 80, für Rostock:

nu hett dat mit de arwten tit,
mit tüffken und mit sommerkurn
J. Brinckman plattdt. w. 1, 67;

keenen druppen tüffkensnaps ebda 3, 15. in diesem gebiet anscheinend durch tüfte (s. d.) jetzt vollständig verdrängt.
 
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tuffler, tüffler, m., 'pantoffelmacher', nomen agentis zu 1tuffel, tüffel; aufs nd. beschränkt: tüffler, tüffelmaker ein pantoffelmacher, deren in Greifswald ein besonderes handwerk und amt ist Dähnert vorpomm.-rüg. (1781) 497a. doch offenbar nur gelegentlich neben üblicherem tüffelmacher (s. d.).
 
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tuffstein, m., dass. wie 1tuff (sp. 1544). von lat. tōfus (in glossen auch tufus), das früh ins dt. entlehnt und verdeutlichend mit stein zusammengesetzt wurde (vgl. analoge bildungen wie bimsstein; walfisch; waisenkind: rentier). in hd. glossaren ab 11. jh. reichlich in schwankender wiedergabe begegnend als tofstein ahd. gl. 2, 480, 51; 4, 103, 17; topstein 4, 103, 30; tufstein 2, 430, 26; 2, 633, 4; 2, 654, 65; 2, 722, 4; 4, 103, 17; dufstein 3, 718, 41; tuphstein 2, 458, 36; tubstein 2, 479, 27; 2, 543, 51; 2, 505, 8; 2, 633, 4; 2, 673, 28; 2, 688, 50; 3, 262, 15; 4, 103, 17; dubstein 4, 209, 59; tupstein 2, 402, 58; 2, 430, 26; 2, 708, 6; 4, 103, 17. formen mit gutturalem stammauslaut s. unter DWB tugstein. nur selten tritt kompositionsfugenvokal auf (vgl. Gröger kompositionsfuge 50) in tubisteinna ahd. gl. 2, 535, 49; tubistein 3, 607, 29. ursprüngliche vokallänge aufgrund der lat. form (vgl. 1tuff) beweisen in Vergilgl. tuupstein ahd. gl. 2, 697, 64 und wohl auch jene schreibungen, in denen nach diphthongierung die stammschlieszende konsonanz verklungen ist: tuosteine ahd. gl. 2, 644, 72; duuostein 2, 700, 22; duuanstein 2, 717, 34 (vgl. ferner unten). auch in nhd. zeit laufen diese verschiedenen formen bis ins 18. jh. nebeneinander

[Bd. 22, Sp. 1551]


her: es schreiben tuffstein Kramer dt.-ital. 2 (1702) 949; Kirsch cornucopiae (1718) 296b; Kramer hd.-nd. (1719) 1, 74 c usw.; duffstein Henisch (1616) 762, 33; Kramer hd.-nd. (1719) 1, 74c; toffstein Faber thes. (1587) 874a; topffstein Frischlin nomencl. (1616) 58, tofstein Calepinus (1605) 1471; Henisch (1616) 762, 33; Stieler stammb. (1691) 2140; 2347; Kramer dt.-ital. 2 (1702) 1098b; Rädlein (1711) 880; topfstein Kirsch cornucop. (1718) 1087; toffstein Weismann germ.-lat. (1698) 376; dofstein Kramer dt.-ital. 2 (1702) 949c; tobstein Maaler (1561) 404; Henisch (1616) 762; topstein Faber thes. (1587) 874a.
auslautendes -b statt lat. ital. -f ist als deutsche entsprechung des romanischen -v anzusehen Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. conson. (1933) 204, -p als deren auslautverhärtung aufzufassen. die beziehungslose fremdheit des bestimmungsworts hat zu verschiedenen volksetymologischen anknüpfungen an deutsches sprachgut geführt, sodasz sich die geschichte des worts als auszerordentlich verwickelt erweist (vgl. Lessiak a. a. o.): 1) das bestimmungswort wird im blick auf die wolkige lockerheit des porösen gesteins auf mhd. frühnhd. tuft, duft 'reif, nebel, dunst, feiner nieaerschlag' bezogen: tufftstein, dufftstein Diefenbach gloss. 587c (1487, 1516); Maaler (1561) 93; Schönsleder (1647) l 7a; tufftstein noch bei Hohberg georgica cur. 1 (1687) 106 und in ollapatrida (1711) 90 ndr., toftstein bei Brockes ird. vergn. 9, 47 (vgl. unten); vgl. 2tuft, sp. 1553. 2) die ursprüngliche länge des stammvokals führt zur spätmhd. diphthongierung als taufstein (teil 11, 1, 1, 194), wobei die klangähnlichkeit zwischen ital. tufo 'tuff' und ital. tuffo 'das eintauchen' den vermeintlichen zusammenhang mit taufen befördert haben mag; vgl. DWB tugstein. 3) ursprüngliches ō stellt lautgleichheit mit nd. dōf 'taub' her und führt mit rücksicht auf die unfruchtbarkeit des vulkanischen gesteins zur deutung seiner bezeichnung als taubstein. 4) die kürzung des alten ō läszt das wort als nd. entsprechung des hd. topfstein (teil 11, 1, 1, 863) erscheinen: Corvinus (1646) 890; Pomey (1720) 91; Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 1, 56. naturgemäsz halten sich diese umdeutungen und nebenformen am nachdrücklichsten in den maa.: tuftstein Schmeller-Fr. bair. 1, 590; Hunziker Aargau 64; Lenz Handschuhsheim 72; duftstein Fischer schwäb. 2, 106 s. v. tauchstein; bad. wb. 1, 588; Mensing schlesw.-holst. 1, 898; duffstein Gutzeit spr. Livlands 204; doch wird schriftdt. tuffstein immer allgemeiner; s. Fischer 2, 106; schweiz. id. 11, 898; so allein gebucht luxembg. ma. 445; Doornkaat-Koolman ostfr. 1, 354.
als wiedergabe von tofus (das ahd. gl. 2, 688, 50 als 'lapis asperrimus' erläutert wird), pumice oder murice, vereinzelt von silex ahd. gl. 2, 633, 4; cylindro 2, 700, 22; scaber 3, 607, 29 wird das wort synonym mit bimsstein verwandt. in älter-nhd. zeit herrscht die dem lat. wort entsprechende form mit o vor; sie behauptet sich bis zum ausgang des 18. jhs.: derowegen denn ein gantz heilsamer brunnen, so ausz einem groszen felsen und tofstein entspringt, durch lange hltzerne rinnen in das stttlin wird geleitet Peter Uffenbach atlas minor (1609) 267; oft findet man pisoliten, welche noch eine äuszere rinde von toffstein haben allg. dt. bibl. (1765) 20, 362; die geschichte von dem famosen stein, der den herzog seit 8 tagen so glücklich gemacht hat, wiewohl es nur ein armer toffstein von höchstens 50 centnern ist (1782) Wieland an J. H. Merck, in: s. br. 341 Wagner; dann hat sich unter dem einflusz des ende des 17. jhs. neu entlehnten einfachen tuff das bis dahin nur gelegentlich begegnende u des italienischen durchgesetzt: auch findet man unferne von Nickelspurg in Mähren den tufftstein in einem hohlen berge, so allenthalben in die gärten, zu den grotten gebraucht wird Hohberg georg. cur. 1 (1687) 106; die zunächst an der stadt Weimar, nicht weniger in der umgegend, besonders im tuffstein sich findenden fossilen knochen Göthe II 8, 245 W.; tuffstein kommt in ziemlicher höhe, besonders aber in der fläche unterhalb Tennstädt vor ebda 13, 359;

[Bd. 22, Sp. 1552]


so ist es zugegangen,
das neu ich auferstand.
der tuffstein zum basalte —
so stieg ich schroff und rauh;
mit risz und mauerspalte
beherrsch ich neu den gau
Freiligrath ges. dicht. (1870) 2, 48;

als thon rieth ich die farbe eines nicht gar alten sandsteines oder tufsteines Stifter s. w. 14 (1901) 259; ihre mauern bestehen nicht aus plumpen granitblöcken, sondern aus einem leberbraunen, sehr porösen tuffstein H. Allmers marschenb. (31900) 321; stelen aus obermoseler kalkstein, die in einen sockel aus vulkanischem tuffstein eingelassen sind forschg. u. fortschr. 9 (1933) 18; gern wird der tuffstein für künstliche anlagen in gärten und parks verwendet:

musz, um wasser wohl zu fassen,
sich der rauhe toftstein nicht gebrauchen lassen?
Brockes ird. vergnügen 9, 47;

eine ebenfalls natürlich zusammengestellte pyramide von tufstein J. G. Jacobi s. w. (1807) 6, 120; auch ist ein kleiner altar von runder form aus tuffstein vorhanden Schelling w. (1856) I 9, 144; herr Kortüm stieg mühsam von seinem tuffstein (vor dem hause) und trat ein paar astern nieder Kluge Kortüm (1938) 40; und besonders beliebt sind künstlich getürmte tuffstein grotten: die alten weiber, deren stirn dergestalt durchgraben mit falten, dasz sie wie ein brach-acker aussehen, die wangen beederseits wie eine grotta von tufft-stein (1711) ollapatr. 90 Wiener ndr.; marmorbilder lauschen aus der myrthenhecke, die nymphe aus der von tuffstein gethürmten grotte Gaudy s. w. (1844) 6, 59; zwischen den drei fliederbüschen erhob sich ein felsen aus tuffstein gemauert ... in gefahr, mit der nase in den zackigen tuffstein zu fallen G. Freytag ges. w. 6 (1887) 26.
dazu: tuffsteinart Göthe I 47, 61 W.;
 
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-bolck Kluge Kortüm (1938) 39;
 
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-bruch Göthe I 36, 113; III 5, 260; IV 27, 130 W.;
 
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-felsen J. G. Jacobi s. w. (1807) 6, 120;
 
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-gebirge Ina Seidel kindh. u. jugend (1935) 32;
 
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-halle Ritter erdkde (1822) 17, 527;
 
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-höhle Matthisson schr. (1825) 1, 97;

 

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