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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trugnatter bis trugredner (Bd. 22, Sp. 1307 bis 1312)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trugnatter, f.: (die) sogenannten trugnattern, eine bis zu gewissem grade giftige schlangengruppe Brehm tierleben 7, 109 P.-L.; trugnattern dipsadinae ebda 7, 325; eine mächtige amerikanische trugnatter, die in prächtigem tiefrot und schwarz glänzt völk. beob. Berlin 6. juli 1939.
 
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trügner, m. , betrüger, heuchler, falscher mensch.
ahd. truganari, truginari (Graff 5, 509); mhd. trügenære; mnd. drogenere; mnl. drogenare. ursprünglich nomen agentis zu dem vb. ahd. truganon, truginon fingere, mentiri (Graff ebda), früh auf das grundwort trügen, vb., bezogen und so neben trüger, m. (s. oben sp. 1278) gleichberechtigt und ohne unterschied der bedeutung. im nhd. lebt das wort nur vereinzelt über das 16. jh. hinaus.
1) betrüger.
a) der betrügerisch handelt: truginari impostor ahd. gl. 2, 256, 4; 728, 1; 731, 49; truganari praestigiator ebda 2, 419, 40;

ich rîte eim trügenære nâch:
von dem sagt man mir mære,
ez sî ein valschære (falschmünzer)
Wolfram Parzival 363, 14;

du schuohewürke, du brennest die solen ... und sprichest: 'seht wie dicke!', sô sie herte sint. sô er sie danne tragen wirt, sô get er kûme eine wochen dar ûffe! dû trügener! Berthold v. Regensburg 1, 17 Pfeiffer; ir gelt unwissent uff den lychtverigen trugner bewenden Riederer spiegel d. waren rhetorik (1493) 106a;

mich gedunckht, du seist ain trügner,
das du mir wolst kauffn fleisch und prot Sterzinger spiele 15, 173 Raber;

zal mir mein garn, du falscher trügner,
das du fert hast verkauffet mir
Hans Sachs 17, 310 K.-G.;

trügner so vil practic suchen ders. 3, 101 K.;

[Bd. 22, Sp. 1308]


der trügner gieng heimlich z dem boum und nam das silber alles und trg das heim in sinen gewalt A. v. Pforr buch d. beispiele 57 lit. ver.; endtlich ... ward der betrug lautbar vnd der trugner (mit den vorgetäuschten wundmalen) ... verbrennt Stumpf Schweizerchron. (1606) 751b.
b) der mit worten betrügt, lügner:

nu haben die valschen trügenære
mich im (Marke) gemachet gar ungemære
Heinr. v. Freiberg Tristan 3491;

und sprach: nu seht, der trugener
mit worten kumt daher,
daz er mich velschlichen bite passional 464, 43 Köpke;

wan si sein rechte trügner
und haben mir zu gesagt valsche mer Egerer fronleichnamsspiel 82 Milchsack;

antwürt aber der trugner (scil. ain liegender liebkaller): die sint dyn ritter Steinhöwel Äsop 181 Österley.
c) gern vom falschen prätendenten: daruf sich ain trugner des namens hatt angnomen und was anfangs z Nüsz in der stat Joachim v. Watt dt. schr. 1, 367; so quam anno domini 1285 ein drogener, van wesen ind persoenen gestalt gelich keiser Frederich städtechron. 14, 642 (Cöln 1499); do nam sich einer an, der ein trugener waz, und sprach, er were keiser Fridrich städtechron. 8, 45 (Straszburg 1362); zur zeit Rudolffi warff sich ein abentewrer unnd geschwinder trügener auff, gab für, er were kaiser Friderich Seb. Franck Germ. chron. (1538) 188a; da bracht es der trügner bei dem böfel in kurtz dahin, das schier niemandt wiszt, wen man für ein keyser halten solt, dissen trügner oder den erwelten Rudolfum ebda 201b; diser zeit entstuond ein falscher trügner, gab für, er wäre keiser Heinrich Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 65; ähnlich 1, 183; altertümelnd:

und wo verweilt er, sagt man, dieser trugner,
der sich für unsern sohn zu geben wagt?
Schiller 15, 2, 495 G. (Demetrius), ebenso 492; 519.


d) irrlehrer, volksverführer, von Christus und seinen aposteln, in der geistlichen dichtung seinen feinden in den mund gelegt: dat widerspraken der Joden herren unde versoken dat he icht ein heilere were, wane en drogenere, unde verkerde dat volc gemene, darumme were he an en cruce gehangen sächs. weltchron. 91, 14 Weiland;

dich smehten sie und lugen dich an:
du werest nit ein rehter man,
din zeichen weren nit mit got,
du werst dez valandes bot
und ein trgenere
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2247 Singer;

... wir haben dar nach
der wort die der trugnaer sprach
Jesus, do er noch lept
Gundacker v. Judenburg Christi hort 2210 Jaschke;

du wilt uns un die werlt verkêren
mit dînen zwelf trügenæren
bruder Philipp Marienleben 9051 Rückert;

stereotyp im passionsspiel:

her Caipha, das ist der trugner,
der valsch prophet und lugner,
der uns so vil unrue hat gemacht
und in mue und arbet pracht altdt. passionssp. 312 Wackernell;

Caiphas, mer sin komen her
und brengen der Jhesum den trogener Alsfelder passionssp. 3537;

er was ein trogenere
und wolde mit siner lere
vorkeren unser gebot ebda 5051 u. öfter;

du alter trügner und verkerer, wiltu leben, so opfer unserm abgott d. heiligen leben sommerteil (1472) 94a;

Jesus Christus eur got
hat mit euch getriben seinn spot,
er was ein rechter trügner fastnachtssp. 598 Keller;

die juden schryen mit grossem hohn:
ja lästu diesen trügner gahn (1625)
Comer bei
Kehrein kirchenl. 1, 456;

waz sagez du, ungetruwe losere und gotez drugenere? heil. regel 26, 2 Priebsch; und dirre (St. Johannes) ist ein trgenere dt. pred. 79, 24 Leyser; (er) vant da zwene trgenere, Hermogenem unde Phyletum. die hatten alle

[Bd. 22, Sp. 1309]


die vorkart, die von den aposteln warn geloubich worden altdt. pred. 1, 339 Schönbach; do sprach Symon der zouberere: herre keiser von Rom, dise zwene (Petrus und Paulus) sint trgenere ebda 1, 204; nû enwelle got, ob etelîche in geistlîchem schîne niht wol gerâten sint, daz dar umbe alle geistlîche liute trügenære sîn unde glîchsenære mystiker 1, 336 Pfeiffer.
2) heuchler.
truganari hypocrita ahd. gl. 1, 710. 47 (Matth. 6, 2); 2, 282. 24; kerstu dich zuo got, so sprechen sy, du seiest unsinnig, dir sey dein haubt kranck, du habest sunderlich siten und seyst ain trügner Tauler sermones (1508) 103a; nit bis ein trügner in dem angesicht der menschen (ne fueris hypocrita in conspectu hominis Sir. 1, 37) bibel (Nürnberg 1483) 319a; trugener (hypocrita), zum ersten zeuch aus den tram von deim augen (Matth. 7, 5) erste dt. bibel 1, 25 Kurrelm.; als die trugner thunt (sicut hypocritae) in den synagogen und in den gassen das sy werdent geert von den leuten (Matth. 6, 2) ebda 1, 22.
3) falscher, schlechter mensch überhaupt, besonders in aufzählungen und schimpfreden:

lugnar, trugnar und spottar
sind mir nit vast unmær teufels netz 13359 Barack;

meide und nunnen trügener,
ketzer, velscher und glîchsener
Hugo v. Trimberg renner 8264 Ehrism.;

oft bei Hans Sachs:

all kauffer, schwetzer, ehrabschneyder,
all schmeychler, zudütler und drügner,
all orenplaser, pladerer, lügner 3, 344 K.;

mörder, rauber, schälck und die dieb,
tyrannen, auffrürer und drügner 2, 172 K.;

trügner, rauber, mörder und dieb 21, 223 K.-G.; ähnl. 22, 245;

auch die finantzer und die trügner,
die popitzer, felscher und lügner 9, 147 K.;

und der unschedliche wirt ersten wider den trigner, und der gerecht wirt halten seinen weg erste dt. bibel 7, 183 Kurrelm.; allsust seind die weg aller der die do vergessent gottes: und die zuoversicht des trügners verdirbt ebda 7, 164; wann unser herre bei den predigern der warheit zu allen stunden bleibt und sichert sie vor allen trügnern Joh. v. Neumarkt Hieronymus 69 Klapper; so sige ouch wüssentlich, dasz diser (papst) Hildebrand ein stoltzer, verruchter trügner sig Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 28. — dazu trügnerin, f., vereinzelt in älterer sprache:

daz lât mir sîn,
sprach der man, ir trügnerîn
Hugo v. Trimberg renner 12931 Ehrism.;

du pösse trugnerin altdsch. passionsspiele 152 Wackernell.
 
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trugnetz, n., mhd. trügenetz.

der übeln geiste lâgunge
sâ die frouwen schunde,
daz sie die trügenetze
für in wolde setzen,
daz er mit sünden liefe
in die gruobe tiefe
Otto v. Freising Barlaam 12636 Perdisch;

der allen trugsnetzen auszuweichen geschickt ist, musz noch gebohren werden Höhn betrugslex. (21721) vorr. 6b;

des rätsels ganzes trugnetz zu zerreiszen
H. v. Kleist 1, 287 E. Schmidt;

die wahrheit dringt nicht durch das trugnetz, das er flicht
Rückert ges. poet. w. (1867 ff.) 11, 238;

was wir dann noch schauen,
hoch überm bunten trugnetz aller scheine,
glänzt uns mit urglanz an
Carossa ged. (1912) 67;

konkreter:

du fingst im lieblichen trugnetz der haare die ganze welt
Platen w. 1, 623 Redlich;

der spinne trugnetz Cl. Brentano ges. schr. (1852 ff.) 6, 82; zwei graue fischer saszen am gemäuer ... und flochten still vor sich hin ein trugnetz von binsen, den fisch zu umgarnen Gregorovius wanderjahre in Italien (1892) 1, 154.

[Bd. 22, Sp. 1310]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trügnis, f. , betrug, betrügerische gesinnung; blendwerk, erscheinung, gespenst. alte abstraktbildung neben trügen, vb. ahd. einmal trochnussi ahd. gl. 1, 579, 55 (s. unten 2 b). mhd. trügenisse, mnd. mnl. drogenisse. nhd. nur bis ins 16. jh. lebendig. am anfang des 19. jhs. vereinzelt neu belebt (s. 1 schlusz). der kurze umgelautete vokal der stammsilbe fällt im frühneuhochdt. vielfach mit dem alten diphthongen, den das vb. trügen hat, zusammen; daher dann auch bisweilen treugnus (s. unten 2 b und c).
1) betrug.
trugnisse subtela, id est deceptio vel fraus (15. jh.) Diefenbach gloss. 562a; nd. drochnisse fraus nov. gloss. 181b; fallacia seu dolus trügnusz, ränck, triegerey Schöpper synonyma (1550) b 4d; hye ... vahet nun an das annder capitel ... unnd ist das capitel von trügnusz und von untrüw A. v. Pforr buch d. beispiele 21 lit. ver.; und kaiser Julianus ... hat sich zu vast geben auf ... die schwarzen kunst und dergleichen narrenwerk, so lauter trugnus und püeberei ist Turmair 4, 1065 bair. akad.; da sie ihm mit gwalt nicht mochten obligen, understunden sie das mit büberein und trügnus zu wegen zu bringen Adelphus Barbarossa (1535) 25a; mit trügnus ist soviel wie 'hinterlistig': do er in den tempel kam mit drügnysse, do beroubete er den tempel städtechron. 8, 313 (Straszburg ca. 1400); lasz dich betriegen mit trügnus durch den knecht Boltz Terenz (1539) 71b;

wie der wütrich Antiochus
mit falschen dücken und trücknuss -..
einnamb Jerusalem die stadt
Hans Sachs 11, 97 Keller;

da kam aber Demetrius,
seins vatters bruder, mit trügnus
und trieb sein vettern ausz dem reich ebda 8, 485.

trügnis selbst ist dann geradezu 'list': astus trognisse (13. jh.?) Diefenbach gloss. 57a;

mit seiner trügnus und argen list,
der gar mannigfaltig in im ist altdeutsche passionssp. 72 Wackernell;

und in deyner zungen sang er trügnusz (var. sang er die list lingua tua concinnabat dolos ps. 49, 19) erste dt. bibel 4, 249 Kurrelm.; das du verstandest, das z dem dickern mal vil menschen in iren eignen trügnussen verlistiget werden A. v. Pforr buch d. beisp. 58 lit. ver.
umfassender 'betrügerische gesinnung, falsch': selig ist der mensch, dem got nit sunde zurechnet, und yn seym geyste nit triegnis ist Luther 1, 166 W.; (der geist) musz von new gemacht werden und eyngegossen von got yn das ynnerste unszer hertzen, das nit ein trignisz sey yn unserm geiste ders. 1, 191 W.; inn denselbigen tagen kamen etliche von dem jungen könig ... unnd wendeten alle schult auff die listigkeyt und trügnusz der von Carthago Carbach Livius (1551) 204b; diese bedeutung besonders ausgeprägt in der verneinung: unn sol wesen an alle triugenisse unn an allen valsch des herzen unn des muotis bîhtebuoch 21 Oberlin;

ein richtig antwort on trügnusz
ist wie ein gantz lieblicher kusz
Hans Sachs 19, 335 K.-G.

zu anfang des 19. jhs. archaisierend aufgefrischt, zum teil mit neuer bedeutungsabwandlung innerhalb der bedeutung 1:

dem wilden vogel musz ich mich vergleichen
der lang in freiheit wald und feld durchstrichen.
zuletzt musz sie des klobens trügnisz weichen
W. Wackernagel ged. d. fahr. schülers (1828) 55;

im plural soviel wie 'sophismen': sich mit redekünsten und hell schimmernden trügnissen zu waffnen Tieck der junge tischlermeister (1836) 2, 291; ihr (der jesuiten) wisztum bestand ... in einem wust . . von spitzfindigkeiten und allen trügnissen wortkünstlerischen doppenspiels Fr. L. Jahn w. 2, 553 Euler. vgl. hierzu schon sophisma trognis (Mainz 1414), triegnuz (ebda 1440), trugnus, drogniz Diefenbach gloss. 542c, was aber, viel eingeschränkter, sophisma als terminus der schullogik, als trugschlusz (vgl. unten sp. 1313), meinen wird.

[Bd. 22, Sp. 1311]



2) gespenst, erscheinung, spuk.
a) die körperlich vorgestellte erscheinung, das gespenst, meist vom teufel ausgehend:

der tûfel aldâ vor in quam
in einre forme grûwesam
im offinlîch irschînende
und vreislîch kegn im grînende ...
dî trugnisse kegn im treit
der tûvil wol ein ganziz jâr
Nicolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinlant 18925; ähnl 4086;

mit trügenüss (verwandlungen) alsô manicvalt
fuor dô der tievel durch den walt,
dâmit wolt er schrecken
den ellenden recken
Otto v. Freising Barlaam 15498 Perdisch;

ob der teuffel mit seinem gespenst und trügnusz die menslin müg geraitzen und laitten zu bösen oder güten dingen Joh. Hartlieb buch aller verbot. kunst (1456) 5; da verstuond der guot man wol, das er vorchte, er waer ein truogknuss und ein gespenste, und fuor pald zuo in Brandan 191, 4 C. Schröder; oft bei der übersetzung von Marc. 6, 49 für phantasma (gespenst Luther): sie wanden, ez were ein drugnisse bei Schönbach mitt. aus altdt. hss. 6 (1898) 142; si sachen in gen auf dem meer, si wurden betrubt, sagent: wan es ist ein trugnusz codex Teplensis 1, 20 Huttler; erste dt. bibel 1, 57 Kurrelm.; ebda 1, 144; etlich meynten, es (die schiffe) weren gespenst, fantasmata und trügnisz Seb. Franck weltbuch (1534) 213b; sie ... entsetzen sich nicht ab den gespensten und trügnüssen ders. mor. encom. 64, 16 Götzinger; sie haben niemant gesehen dann ein gestalt eines weybs ..., haben es für ein triegnus geacht ders. chronica, zeitbuch (1536) 1, 296a;

wart, das ein trügnusz aber (ader?) gspenst
dich hab betrogn bey dem durstbrunnen!
der gleich hat sich vor oft ersunnen,
das man das weibsbild hat gesehen:
wenn man im denn hat wöllen nehen,
sind sie im augenblick verschwunden
Hans Sachs 12, 535 K. (Melusina);

ist er wider eben von dem gesichtsgespänst und trugknus erweckt und erschreckt worden Stephanus Vigilius de rebus memorandis (1541) 77b; ire gesandten ..., die uns von diser fart ... mit listen ... leyten wöllen wie die rechten irrwische oder trügnusz, so die leut in bergk verfüren Mathesius ausgew. w. 1, 59 Loesche; wer wolt nit ein solichen menschen wie ein mörwunder und trügnusz fliehen und scheuhen Seb. Franck moriae encom. 55, 6 Götzinger, vgl. monstrum trugnisse Diefenbach gloss. 367b (vgl. meerwunder, wunderlichs ding von gepurdt, eislic dyr ebda aus andern vocc.).
b) jede visuelle oder akustische beängstigung des menschen, der spuk. so der einzige ahd. beleg: fantasias trochnussi (cor tuum phantasias patitur Ecclesiasticus 34, 6) ahd. gl. 1, 579, 55 (hs. 12. jh.); do kam ain stim an ainer nacht und sprach z ir: ... die frow gedacht das es ain trúgnus wer, und kert sich nit daran Elsbeth Stagel leben d. schwestern z. Tösz 110, 5; als ich die (stimme) het gehört, hab ich mir vast gefürcht, vermeinnend, das es villeicht nit ein trügknusz were (reputans ne forte esset illusio) offenbarung d. hl. wittiben Birgitte (1502) a 5r; von der trücknusz er darnach wider geheilt ward (a qua illusione postmodum est curatus) W. Burleus de libera vita (1490) 94a. vom nachtmahr: adorastus (fantasma) trugnusz (sonst: der alp) Diefenbach gloss. 14a; ephialtes, id est incubus mare ist ein trugnusse des menschen und kumpt von seinem plut, lebern und lungen, wen im daz auf seinem hertzen ligt (Nürnberg 1482) ebda 205c; allgemeiner: fantasia trugnisse, eyn selb komende ynbildunge (var. elbisch betrugnisse) ebda 225a; von träumen und traumerscheinungen:

do sprach Ruben, ir man:
tu hin, es ist ein truchnis
des du gewar worden bis,
daz dich also betruget
unde dir mit troumen luget passional 313, 16 Hahn;

und sprach, daz kein weiser noch witziger man solt glauben haben an die treüme, wan esz nit wer dann ein treügnüsz histori v. d. künigl. statt Troia (1499) 70b.

[Bd. 22, Sp. 1312]



c) in pessimistischer betrachtung auf zeit und welt angewandt, soviel wie 'wahngebilde': was ist der mensch? ein gebogens gmüt, ein arbeitsame seel, ein bawfellige wonung einer kleinen zeit, ein empfengnüsz (gefängnis?) der seel, ein trügnüsz der zeit Seb. Franck chronica, zeytbuch (1531) 140a; da erschyn wol das alle ere und wirde diser welt nichtt anders ist dann eyn treügnusz Hartlieb d. histori v. d. groszen Alexander (1473) 169b.
 
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trugotter, f.: die berüchtigte schwarzotter, ... urbild der trugottern (pseudechis) mag als australischer vertreter ... an dieser stelle folgen Brehm tierleben 7, 376 Pechuel-Loesche.
 
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trugphilosophie, f.: nein! bleibe du ferne von mir, grausame trug- und afterphilosophie Frz. v. Baader tagebücher 136 v. Schaden.
 
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trugpfad, m.: gefährlich ist der weg, den er beschritten: trugpfade können ihn zur zügellosen ichsucht oder zur dumpfen resignation, zum verzicht führen Otto v. Leixner in: tägl. rundschau (1899) unterhaltungsbeil. 955c. —
 
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trugpolitik, f.: zu gunsten einer vorübergehenden trug- und augenblickspolitik Pestalozzi s. schr. (1819 ff.) 6, 250.
 
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trugprophet, m.: sein (Hesekiels) allegorisches gedicht wider die trugpropheten allg. dt. bibl. anhang z. bd. 37-52 (1771 ff.) 1639;

doch, troz den trugprofeten, sehet!
die hehre himmelssonne gehet
unwandelbar die grosze bahn
J. H. Voss s. ged. (1802) 6, 251;

falsche Christus, trugpropheten
ziehn mit wundern dann umher
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 361;

vive le roi! ... wie haben trugprofeten
mit diesem lügenwunsch ihn doch berauscht!
G. Herwegh ged. e. lebendigen (1841) 67.


 
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trugrede, f.: die menge der vorgeworfenen trugreden und fälschungen J. H. Voss antisymbolik (1824 ff.) 2, 293; lust an den trugreden Rückert Firdosis königsbuch 1, 23 Bayer. vgl. niederländ. drogreden, f., sophisma nl. woordenb. 3, 3411. —
 
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trugredner, m.: teuffel, . . der trugeredner Harsdörffer poet. trichter 3 (1653) 448. vgl. nl. drogredenaar neben dwaalredenaar sophist Sicherer-Akveld 1, 175a. —

 

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