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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
truglicht bis trugnatter (Bd. 22, Sp. 1305 bis 1307)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) truglicht, n.
1) westdeutsch für irrlicht. nl. droglicht neben dem gewöhnlichen dwaallicht Sicherer-Akveld 1, 175a. drugliecht, jrrwisch Henisch (1616) 758. die formen in den maa. führen auf altes *drugiliht, *trugiliht als grundform (vgl. 11, 1, 1, 1436 traulicht): rhein. drullicht, drillicht rhein. wb. 1, 1523; hess. druwelicht, drüllicht Vilmar-Pf. 2, 57; Kehrein 1, 411; westf. droglecht Woeste 58b.
2) in der schriftsprache; hier nicht immer deutlich, ob die spezielle bedeutung 'irrlicht' vorliegt oder die umfassendere 'trügerisches licht', die jederzeit mit der zusammensetzung neu entstehen konnte. meist wird das zweite der fall sein: denn jetzt ist es kein truglicht, keine falsche dämmerung mehr, was an jenem ringsum glühenden horizonte leuchtete (1792) J. Baggensen an Fr. Christian v. Schleswig 140 H. Schulz; auf denn, o prediger und pastoren, entsagt dem truglichte vernunftmäsziger heiligung, dem gaukeldienst, und seid priester J. H. Voss antisymbolik 2, 378; zwei elemente gaben den geistesfunken zu diesem vorübergehenden und in sich zerplatzenden truglichte J. Venedey die wage (1849) 8, 5; die truglichter der rhetorik Ivo Bruns vortr. u. aufs. (1905) 15;

[Bd. 22, Sp. 1306]


gleich einem leitstern, welchen sie
als truglicht nie erkannten
Rückert ges. poet. w. (1867 ff.) 11, 542.


 
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truglist, f., mhd. trügelist und trugenlist:

sit nieman ir hælinc
unde ir trügeliste
niwan Brangæne wiste
Gottfried v. Straszburg Tristan 12697 R.;

der werlde minnen umbelouf,
daz ist ein falscher trugenlist Mariae himmelfahrt 1653 Weigand in: zs. f. dt. alt. 5, 559;

in welcher geschichte er (der despotische geist) durchblickt, schwärzt er das glänzendste mit dem schatten der eitelkeit, der truglist, der anmaaszung, der verschwendung Herder 18, 282 S.;

der dritte nationenruhm ist weisheit;
nicht schlaue truglist, schöne worte nicht ders. 18, 212;

als seine truglist nun weit erst
des königs söhne hat entfernt
Fr. Schlegel s. w. (1846) 10, 213.


 
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truglistig, adj. und adv.: subdolus truglistig, tückisch, heimlich, betriegig Calepinus (1598) 1397a; subdole truglistigklich, tückischer und betruglicher weisz ebda; wer will zweifflen, dasz der truglistige feind, so bald er sein hinderlist entdecket sein vermercket, die weite geben wirt C. Wurstisen Pauli Ämilii ... historien (1572) 1, 702; seine raubsüchtigen und truglistigen nachbarn Ritter erdkde (1822 ff.) 11, 638.
 
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truglos, adj. , zu trug. ohne trug, frei von trug (besonders im sinne von trug I 5 'unehrliche gesinnung', vgl. I 5 c oben sp. 1252, und von trug I 3 'lüge'). daneben die bedeutung 'arglos', 'ohne argwohn, misztrauen', wozu es unter trug keine entsprechung gibt. erst seit der mitte des 18. jhs. bezeugt.
1) ohne falsche, unehrliche gesinnung, 'unschuldig', 'harmlos': der truglose gesell betheuerte höchlich, dasz der fromme ordensmann ihm diesen verborgenen schatz vermuthlich als eine hochzeitssteuer verliehen habe Musäus volksmährchen 1, 31 Hempel; so truglosz, aufrichtig, engelrein die jungen lieblichen dirnen von auszen anzuschauen sind, ... so hat jede ... dennoch den schelm im nacken ders. physiognom. reisen (1778/9) 4, 219; der leichtlebige wie das schuld- und truglose kind, sie waren beide ... klug geworden Storm w. (1899) 6, 290;

lebt man doch (auf dem lande) in stolzer ruh ein trugloses leben
(nescia fallere vita)
Stilling Vergils georg. (1787) 2, 467:

von eigenschaften: diesz wundervolle aber in den reinen ursprünglichen sagen eines volks ist kein produkt der kunst; wer diesz behauptet, der kennt den geist trugloser einfalt nicht Schelling w. (1856) 1, 51; sonst ist dieser junge voll ... lebhaftigkeit und trug- und bosheitsloser wildheit Lavater physiognom. fragmente (1775 ff.) 4, 312;

wer deines hulderfüllten frohen auges
truglose treu nicht fühlt, dir nicht verzeiht,
was keines schiefsinns werk, nur zwang der krankheit ist,
hat keinen sinn fürs menschenangesicht ders. poesieen (1781) 2, 94.


2) 'arglos', 'ohne misztrauen, furcht vor trug':

denn es hat meinen truglosen geist
tiefverborgner betrug beschlichen
G. Chr. Tobler Sophokles (1789) 1, 185;

als gattin, mutter, geliebte und freundin wird ihr trugloses herz ewig hintergangen Susanne v. Bandemer zerstreute blätter (1821) 92; männereitelkeit ist ein häszlicher götze, dem schon manches truglose herz geopfert wurde Kotzebue s. dramat. w. (1827) 4, 126; ähnlich 5, 66.
3) 'wahr', 'richtig', 'ohne täuschung': da hoft ich, truglos werde Phoibos göttermund mir sein, der kunstreich weissagungen sprudelnde Schleiermacher Plato (1804 ff.) 3, 1, 164;

mich aber sendet Loxias trugloser spruch
Droysen Äschylus (1841) 111;

bei allen diesen tieren ist das auge wirklich der truglose spiegel des geistes Brehm tierleben 1, 20 P.-L.; vgl.

[Bd. 22, Sp. 1307]


trug I 3 d: sein buch heiszt daher in gewissen ausgaben eben sowohl der narrenspiegel; er (Seb. Brant) hält seiner zeit und sich selbst wie ein ächter freund den spiegel vor, der luglos und truglos die wahre gestalt zeigt Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 356;

erst wenn die ferne ihren duft gewoben
um alle, die zu einer zeit gelebt,
und sie gemeiner deutlichkeit entrückt,
läszt sich das hohe von dem niedern scheiden,
und truglos tritt das ragende hervor
M. Greif ges. w. (1895 ff.) 3, 4;

die männer von Uri stritten mit Glarus in alter zeit,
wo ihre flur sich scheide nach recht und billigkeit,
und da sie im gedinge nicht kamen überein,
ersannen sie ein mittel, das truglos möchte sein ders. ged.5 231.


 
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truglosigkeit, f., zu truglos, adj.: der christ ... hat sinn für alle einfalt, wahrheit, truglosigkeit in allen menschen herzen und allen menschenangesichtern Lavater pred. über d. br. Pauli 1 (1785) 438; welche güte, treue, truglosigkeit in diesem umrisse! ders. physiognom. fragm. (1775 ff.) 3, 216; er konnte nur stotternd im gefühle seiner truglosigkeit aufschreien Jean Paul w. 27/29, 183 Hempel.
 
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trugluder, n., trügerische lockspeise: das alles, was durch die zauberer geschehe, ... ein rechtes trugluder ist, die ... lehrbegirige gemüter an angel zu bringen Fischart Bodin (1591) 67a.
 
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trugmaul, n.: das grosze trugmaul ..., womit einige kaufleute ihre gleiszwaren anzupreisen pflegen Matthias Claudius Sethos (1778) 2, 133. —
 
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trugmeinung, f.: eingewurzelte trugmeynungen Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 426. —
 
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trugmeister, m.: Mazarin, ein durchtriebener, abgefeimter lug- und trugmeister Fr. L. Jahn w. 2, 643 Euler.
 
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trugnagel, m., bulla ein täffernagel oder trugnagel Frisius dict. (1556) 166b; Maaler (1561) 410c; Junius (1567) 330b; bulla, trugnagel, caput clavi umbellatum, in bullae modum fastigiatum Schönsleder prompt. (1647) Oo 4b; trugnaghel germ. sicamb. bulla: caput umbellatum clavi, in bullae modum fastigiatum, quo superbarum aedium fores configi solent. inferioribus Germanis deur-naghel et harnas-naghel dicitur Kilian etymol. (1605) 569a. —
 
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trugnatter, f.: (die) sogenannten trugnattern, eine bis zu gewissem grade giftige schlangengruppe Brehm tierleben 7, 109 P.-L.; trugnattern dipsadinae ebda 7, 325; eine mächtige amerikanische trugnatter, die in prächtigem tiefrot und schwarz glänzt völk. beob. Berlin 6. juli 1939.

 

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