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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
triester bis triezelrolle (Bd. 22, Sp. 489 bis 491)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) triester, n., pl., nhd. nebenform von trester, s. oben sp. 178. als nachtrag zu dem dort gebrachten beleg von Luther: etliche lieszen ihnen (den wein) das jhar uber ligen und auff die zukompfftige wienernde durch die triester lauffen, das er etwas besser ward dan vor zu trincken (um 1460) H. Cammermeister chronik 217 Reiche.
 
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triesze, f., übersetzt lat. veruca: dar nach so sind die fiesz des stammes (beim rebstock) z besechen, das nit der pletterig lobstock in geporen sy, oder das die bly gelich der triessen (verucae similis) daran verlaussen werd (um 1490) H. Österreicher Columella 1, 262 lit. ver.
 
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trieszler, m., s. DWB treszler, oben sp. 180.
 
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trieszwurz, f.: nim trieszwurz und mische darunter salz und brod und stosz es zusammen, das nimpt das zucken, daruber gestrichen Pallatides 24; vgl.droszwurz rhiz. polypodii Arends arzneimittel, drogen, heilkräuter (1930) 62. vgl. unten trüszwurz, ferner drüswurz, teil 2, 1463.
 
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triet (triét), m., f., n., auch triget, schleck- oder arzneipulver; leckere schnitte; ein aus obd. quellen seit dem frühnhd. bezeugtes wort. in seinen bedeutungen wird es gebraucht wie tresenei, trisinet, triset u. s. f. (s. oben sp. 166) und wechselt mit diesen formen selbst innerhalb éiner quelle. aus gr.-lat. tragemata, traiemata (vgl. tragea, tragema tresereye, treset, trisinet, trge Diefenbach gloss. 591c)? (ist vielleicht auch der pflanzenname drieide cidus, sucus, s. ahd. gl. 3, 487, 17 Steinm.-Siev., heranzuziehen?). vgl. auch driet in teil 2, 1409. zur form: triget hat der Tübinger druck von Gäbelkovers artzneybuch (1595), z. b. 1, 56, 215, 216 (Eisleben [1595] 29b: trisineth). vereinzelt: troyet cgm. 170 bei Schmeller-Fr. 1, 680. mundartlich: dreiét Tobler appenzell. 151; trät(-schnitte) Staub-Tobler 9, 1364; mit anderem anlaut, wohl durch dissimilierung entstanden: cryet Stalder schweiz. 1, 298. der plural ist selten belegt, schwach bei Hohberg: trieten georg. curiosa (1682) 1, 206a. das genus schwankt oft innerhalb éiner quelle, z. b.: ein grobs triget Gäbelkover a. a. o. 1, 215, zu einer triet 1, 216; guter magentriet Hohberg a. a. o. 1, 248, treffliches magentriet 3, 1, 197; das masc. scheint mehr bair.-öst. zu sein, z. b. Hohberg (s. o.), Schmeller-Fr. 1, 680; Unger-Khull steir. 172; Castelli österr. 115; hingegen das fem. eher alemannisch, z. b. quelle v. j. 1518 bei Schmid schwäb. wb. 139; Tabernämontanus kräuterb. (1664) 1307; Gäbelkover (s. o.); Tunius (dessen deutsche vocabeln auf alem. basis ruhen) nomencl. (1629) 50. die obd. mundarten haben das wort z. t. bewahrt, vgl. die schon genannten mundartlichen wörterbücher, dazu Stalder schweiz. 1, 298; Nicolai österr. 137; Hügel Wien 50.
1) gestoszenes pulver aus verschiedenen vegetabilischen stoffen (s. tresenei A 1 a und 2).
a) als naschwerk wurde das gesüszte, grobe pulver auf gebäck gestreut oder für sich, als dragée, genossen: ein gepatz (gebähtes) prot mit einem troyet (cgm. 170, 15. jh.)

[Bd. 22, Sp. 490]


bei Schmeller-Fr. 1, 680; triet, strizelen, zeltl Hailbrunner badbeschr., ebda; sal condimentarius, qui aromatis aut odiferis seminibus irritandae gulae gratia conditur, ein driet alias tragea Tunius nomencl. (1629) 50; tragematotheca ein stattel z einer driet ebda; mundartlich: dreiet die gewürzhafte tragee Tobler appenzell. 151.
b) häufiger bedeutet triet (gesüsztes) arzneipulver von wechselnder mischung, ursprünglich wohl magenpulver, dann aber auch mittel gegen andere krankheiten, vgl. DWB triet, triseny oder treseney heiszet griechisch tragema, ... bey unseren artzten tragea. und wiewol die lustspeisen, die man zum beschlusz desz essens oder aber zum schlafftrunck auffzutragen und fürzusetzen pfleget, bey den alten tragemata genannt werden, so ist doch das zu jetziger zeit bey unseren artzten also in brauch kommen, dasz man die vermischte pulver mit zucker, die wir treseneyen nennen, tragemata heiszet Wirsung artzneybuch (1588) register m 2b: item ain tryett, nim zimatrozlin, 1 lott negilin, eins calmus, rot rosenbletter, itlichs 1 quentlin, zucker 8 lott (2. h. d. 15. jh.) bei Steinhausen privatbriefe d. mittelalters 2, 58; so aber die fraw die triet ist sie davon kranck worden ... er hat mir die triet überantwurt, die ich probiert hab und nicht für gerecht triet erkennen kan brief a. d. j. 1518 bei Schmid schwäb. wb. 139; (der bisem ist gut) wo der monatflusz den weyberen von keltin wägen verstanden oder wo sy der selben halb unbärhafft und inen bisem sampt dem groszen triet, so man triferam magnam heiszt und überal in den apotheken im brauch ist, undergeschoben wirt Forer Gesners thierbuch (1563) 30b; man mag auch folgendts triet als bewehrt brauchen, wie denn vielen mit geholffen ist Wirsung artzneybuch (1588) 87; ein pulver für den schlag: nim süszholtz 2 lot, weisze senffkörnlin, hanffkörnlin, jedes 1 lot, cubeblin 1 lot und 4 lot zucker. stosz alles klein und mache ein triget darausz O. Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 56; (nimm) galgant, negelin, weiszen imber, muscatnus, paradiszholtz, muscatblüt ..., stosz jedes besonder wol, dan mischs durch einander zu einer triget ebda 1, 216; wer mit dem schwindel geplagt wird, der mach ihm eine solche triet: nimm muscatnusz, coriander, zucker ... Tabernämontanus kräuterbuch (1664) 1307 (in ähnl. stellen meist treseney); (es werden) mancherley syrupen, conserven, latwergen, trieten und species in der apotheken daraus (aus zucker) gemacht, auch in vielen zuständen in die clystieren vermischt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 206a; ein triet, der zur sonderlichen hertz- und kräfftenstärckung gebraucht wird 247; ein guter magentriet 248; triet zum kopf und hertzen ebda; purgiertriet ebda; triet oder trisenet für den schwindel 3 (1715) 1, 197b; noch bei Mörike: selle nacht aber ist es mir wampel gewesen, mag leicht sein, hat mirs traumt vom güldnen magentriet, so allein der könig in Persia hat schriften (1878) 2, 183.
2) von 1 a weitergebildet, ist triet dann eine gebähte, mit wein übergossene, leckere gebäckschnitte, s. tresenei A 1 b: triet, a tribus ingredientibus: gebähte semmel, guter malvasier und zucker bei Schmeller-Fr. 1, 680; triet panis escharites imbutus, maceratus, tinctus falerno vino, moscatell, cretico, malvasier Schönsleder promtuar. (1647) K k k 1a; in österreichischen mundarten erhalten: triet gebähte semmelschnitte oder zwieback mit wein übergossen Unger-Khull steir. 172; der dried eine speise aus gezuckertem wein mit zimmt, worin zwieback getaucht ist Castelli österr. 115; driet zwiebackschnitten, mit heiszem wein übergossen Hügel Wien 50.
3) zusammensetzungen. trietpulver ein pulver aus zucker und zimt Staub-Tobler 9, 1364; vgl. träsentpulver als magenmittel verwendetes gewürz, tragea arom. 4, 1207, zu tresenei, trisenet; -schnitte: triét-, dreiét-, trätschnitt gebackene brot- oder semmelschnitten, mit trietpulver bestreut; soll gut sein für schwache mägen Staub-Tobler 9, 1364; 'gebähte weckschnitte' Fischer schwäb. 2, 381.
 
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trieter, m.?: doch soll jetzvermelte ordnung der gebraucht und etlich tag wie aine kindbötterin gessen,

[Bd. 22, Sp. 491]


statt Costantz auszerhalb obermelten articuln anderer ordnungen, die sie in irem trieter hat, sonst in ander weg onschädlich sein (1589) schwäb. rechte 2, 607 Geier (im register: trieter, tritel fischgebiet).
 
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trieter, m., trauben-, obstspalier, s. DWB trüter.
 
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trietze, f., s. trieze.
 
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triezblock, m., dass. wie trieze 1; auch tris(se)block, nl. treisblok (a. d. j. 1681), s. Kluge seemannspr. 796: 6 s. dem vlaschendreier vor einen groten tryssenblock thom wintasse (1538) bei Schiller-Lübben 4, 613; aus dem gibell ist ein tritzeblock gehengt ebda; dryseblock, blockrulle kloben, scheibe, trochlea Richey id. Hamborg. 41; trieblock, driseblokk blockrolle brem.-ns. wb. 6, 376; triizblokk Dähnert altmärk. 495.
 
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trieze, f. , auch trietze, tritze winde, blockrolle. zugrunde liegt mnd. tritze mit seinen nebenformen trisse, triste, das als sachbezeichnung von gewerken in das nhd. und darüber hinaus in die benachbarten germanischen sprachen gedrungen ist, vgl. mnl. trise, trijs, nl. trijs, m.; mittelengl. trīse, engl. tríse; an. triza, dän. tridse, schwed. trissa, neuisl. tríssa. die herkunft des wortes ist ungeklärt, verwandtschaft mit triesel, trieseln (s. o. sp. 488) ist lautlich schwer zu rechtfertigen. auch die anknüpfung an ein mlat. tricia 'windung' < lat. tricae 'ränke', wie Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 2, 1567; Hellquist svensk etym. ordb. 1006; Heggstad gamalnorsk ordb. 706 erwägen, ist zu abliegend und wird den formen nicht gerecht. s. auch Torp nynorsk etym. ordb. 806. auf mnd. trisse geht auch mod. seemänn. trisse (s. d.) zurück, ferner die el-ableitung trissel 'heberolle' Danneil altmärk. 227; Köppen Dortmund 60. — in neuerer mundart mit articulationsänderung des dentalen reibelauts trietsch Mensing schlesw.-holst. 5, 160; Henking ostseefischerei 34 (für Kiel). stritze Lueger 1, 8 ist wohl falsch verselbständigt aus aals-tritze aalzugnetz, ebda (s. unten 2).
1) windeblock, flaschenzug, scheibe, rad, rolle mit durchlaufendem tau zum heben von lasten Mensing 5, 160, ähnlich Adelung (s. v. trietze) und unter der nhd. form trieze Schrader dtsch.-frz. 2(1784) 1382; Voigt handwb. (1807) 2, 513: vor keden, spanne, trysen, mengherleye ander doent thohope 100 und 20 mrc. (a. d. j. 1423) liv-, est- u. curländ. urkundenb. 7, 51; tom ersten 1 schip, 2 tryssen, 1 bigät bei Schiller-Lübben 4, 613; unde enen tryste to eneme armborste ebda; paley, wynde, trijsse tensorium, trochea v. d. Schueren 293 Verdam; spanhaick, trijss of wynde tensorium ebda 367; eine butterwinde, i. e. eine am boden bevestigte tritze, woran nach proportion der grösze des butterfaszes und der scheibe 4, 8 und mehr personen mit stricken ziehen (1755) bei Mensing 5, 161; in ähnlicher anwendung wohl: tritze winde, rolle vom webstuhl Sallmann Estland 51.
2) in der ostseefischerei ein durch winden herangezogenes zugnetz: am häufigsten bedient man sich an den küsten, bes. Dänemarks und Schleswig-Holsteins zum aalfang der aalwaade (aalwade, aaldrehwade, aalstritze, auch stritze, und trietze oder tritze genannt), d. h. eines groszen sacknetzes Lueger lex. d. ges. technik 1, 8; unter den Niendorfer fanggeräten sei noch besonders die trietze für den buttfang erwähnt ... im Kieler gebiet wird ein derartiges netz die trietsch ... genannt H. Henking d. ostseefischerei (1929) 34.
3) im plural triezen 'keile, zum antreiben der steifen mittels einer erdlade' Mothes baulex. 4, 371; triezen gebraucht der zimmermann, wenn er gegen steifen, die er schräg unter eine last gesetzt hat, schlägt und so dieselbe in die höhe bringt Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 373.
 
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triezelrolle, f., eine art flaschenzug, s. DWB trieze 1: und ungeseumet rüstet er (bei der belagerung des schlosses) alle ding zu, verordnete dritzelrollen auf den berg und mit menniglichs verwunderung zog er mit winden an seilen das geschütz hinauff G. Klee Pauli Jovii berümter leut leben (1589) 1, 332.

 

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