Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
triesch bis triester (Bd. 22, Sp. 487 bis 489)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) triesch, m., 'mit drei oder vier treten (tritt am handwebstuhl) gewobenes, ein einfaches bild werfendes baumwollentuch' Hunziker Aargau 59. dazu: trieschenröckli frauenrock aus triesch, kattunröckchen Staub-Tobler 6, 840. fraglich, ob hierher gehörig: trieschertuch in einem steir. tuchhändlerinventar von 1568 unter tuchgattungen aufgezählt, s. Unger-Khull 173.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triesch, adj., brach, unangebaut, s. driesch teil 2, 1408; dtsch. rechtswb. 2, 1108. mit t-anlaut: de acker liegt trosch

[Bd. 22, Sp. 488]


Strodtmann id. Osnabrug. (1755) 42; triesch liegen öde Stocker dipl. erkl. (1798) 245.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triesche, triesch, f., eine fischgattung, 'aalraupe', s. DWB treusche, sp. 386.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triese, f., so geschrieben für drüse; in teil 2, 1458 fehlen für diese form belege: glans triese (15. jh., nd.) bei Diefenbach 641; toles triesen (1512) ebda 586; apostema tries (voc. alph.) ebda 41; als so ein menschen anstiesz die triesen (16. jh.) Pflaumius calendarium bei Scherz-Oberlin 1662; da von kumpt triesen, geschwer, blattern und das fieber ebda; gut für geschwulst des zanfleisches, der kinbacken, triesz und geschwer der kelen ebda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triesel, m. , ein vornehmlich niederdeutsches wort, das in der bedeutung 'kreisel' von Berlin aus in teilen Norddeutschlands umgangssprachlich geworden ist. wohl rückbildung aus trieseln wie taumel, schwindel u. s. w., vgl. Wilmanns 2, § 146. neben mnd. triselen 'rollen, kollern', nl. dial. trijzelen, rhein. drizeln, westf. triəzl (Holthausen Soester ma. § 62), die auf germ. trĭs- zurückzuführen sind, steht nl. treuzelen 'trödeln', nd.-ostfr. trüsel, trüssel, westf. truseln 'langsam rollen, sich im kreise drehen, tanzen', die auf germ. trus- weisen. tris- und trus- sind wahrscheinlich verschiedene erweiterungen der idg. wurzel der- 'laufen', s. Walde-Pokorny 1, 796. vgl. auch driesel teil 2, 1408.
1) wirbel, drehung: trisel ein wirbel, alles was sich herum drehet, vortex brem.-ns. wb. 5, 111; im trisel mit voort reten werden ebda; schon Adelung belegt: driesel wirbel im meere. dann 'schwindel', 'taumel', ders.: he het enen trisel im koppe 'er taumelt von trunkenheit, er hat einen tummel' brem.-ns. wb. 5, 111; trs(s)el taumel, schwindel, kleiner rausch Doornkaat-Koolman 3, 439; driesel gelinder rausch Müller - Fraureuth obersächs. u. erzgeb. ma. 1, 249; redensartlich: er hat 'n triesel er ist verdreht Meyer d. richt. Berliner 179.
2) 'kinderkreisel', 'brummkreisel', über die synonymische verbreitung s. Kretschmer wortgeogr. d. hochd. umgangsspr. 27: driesel, triesel turbo puerilis, trochus, qui flagello circumagitur, s. Frisch 1, 206 und 2, 387; triesel oder kreysel ein spielwerk der kinder Kindleben studentenlex. (1781) 211; in den mundarten ist die bedeutung belegt für Berlin, Waldeck, Bremen, Kleve, zusammengesetzt als brummtriesel auch für das obersächs., s. Müller-Fraureuth 1, 161. bildlich: (von einer Französin) ein triesel und eine rakete, sage ich ihnen, so schossen witze und blicke W. Alexis Isegrim (1854) 1, 283. — hierher auch trizel karussel rhein. wb. 1, 1498 und triszel 'drehkäfig': (bezahlung) bei pfön (pön) des rahtskellers (arrests) oder triszels (1692) stadtr. d. grafsch. Mark 3, 56.
3) triezel person, die sich vor jeder arbeit scheut rhein. wb. 1, 1498; vgl. driesel groszer starker mensch mit eckigen bewegungen Müller-Fraureuth 1, 249.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
trieselbeere, f., bezeichnung für die traubenkirsche, prunus padus L., s. Mattuschka flora Siles. (1776) 1, 426; Reusz dict. bot. (1781) 1, 287; Holl 282b. dazu trieselbeerbaum (prunus avium?): in der braunschweigischen waldordnung a. 1590 sollen die triesselbeerbäume abgehauen werden, cerasus silvestris Frisch 2, 387.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
trieseln, vb., herkunft s. unter DWB triesel. componiert bei v. d. Schueren: todinus die lichtlick vellet off umbtryselt als eyn rat Theutonista 256 Verdam; mnd. triselen: eyn mensche offt eyn sunder ... sal sick duncken laten, dat he anders nicht verdeynt en hebbe myt synen sunden, dan dat ene Jhesus myt dem vote van sick stote, dat he umme trisele went int afgrunt van der helle (15. jh.) Johannes Veghe 64 Jostes; in nd. mundarten: triseln 'herumlaufen, circumagi, torkeln, taumeln, schwindeln' brem.-ns. wb. 5, 111; he kreeg enen slag, dat he rund triselde; triseln as een kesel (kreisel); to 'r eerden triseln ebda; triseln, trüseln 'stolpern, schwankend gehen' u. ä., s. Doornkaat-Koolman 3, 439; drizeln '(sich) drehen, rund jagen', intrans. 'rund laufen, herabkollern', dann 'langsam gehen', 'faulenzen' rhein. wb. 1, 1498; trüseln

[Bd. 22, Sp. 489]


'drehen', 'sich aufdrehen' Weinhold schles. 100; meist im anschlusz an triesel 2, 'den kreisel drehen': auch das murmeln, das trieseln und das fasseln — ein spiel mit bohnen oder kleinen steinen — haben auf dem bürgersteige ... überhand genommen tägl. rundschau (1901) nr. 253; vgl. noch Brendicke Berl. wortschatz 185; Frederking Hahlen b. Minden 32; Bauer-Collitz 105b. s. drieseln teil 2, 1408.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triesenet, n., s. tresenei oben sp. 166.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triesler, m., s. DWB treszler, oben sp. 180.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triest, m.?, bodensatz bei der weinkelterung; steht neben trest (s. oben sp. 178) wie triester neben trester: weil wir auch berichtet worden, dasz die wintzer im weinauspressen groszen vortheil suchen, und keinen kuchen über zwey oder drey mal verhauen, daraus uns mercklicher schaden erfolget, und der wein ein groszes theil im triest gelassen wird, so wollen und befehlen wir hiermit ernstlich, dasz hinführo kein kuchen abgeworfen werde (kursächs. weingebirgsordn. v. j. 1588) im allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 691.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
triester, n., pl., nhd. nebenform von trester, s. oben sp. 178. als nachtrag zu dem dort gebrachten beleg von Luther: etliche lieszen ihnen (den wein) das jhar uber ligen und auff die zukompfftige wienernde durch die triester lauffen, das er etwas besser ward dan vor zu trincken (um 1460) H. Cammermeister chronik 217 Reiche.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: