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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
steinöl bis steinpfad (Bd. 18, Sp. 2133 bis 2136)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) steinöl, n.: steinöle, peteröle heiszet griechisch naphtha ... und in den apotheken petroleum und oleum petrae Wirsung artzneybuch (1588) reg.; doch hat

[Bd. 18, Sp. 2134]


sich steinöl neben dem internationalen petroleum nicht durchgesetzt. 1) wesen und gewinnung: st., catharinenöl, petraglio, oglio di petra Kramer 2 (1702) 158b; öl, so aus felsen rinnet, petroleum Ludwig 1854; ein dunkelbraunes, flieszendes, dickes bergfett, welches wie terpentin riechet, leicht feuer fängt und schwerer ist als naphta und das gold aus dem königswasser ausziehet bergmänn. wb. (1778) 523; Jacobsson 7, 443a; erfahrene landleute ... ziehen aus dem im Achenthale befindlichen stinkstein das ... st. Zschokke s. ausg. schr. 1, 102; Steub drei somm. 1, 228; das st. ... gehört gleichfalls zu den verbindungen des kohlen- und wasserstoffes Sprengel chem. f. landw. 1, 291; st. ... ist ein produkt der zersetzung organischer substanzen im innern der erde Mothes 4, 267. 2) nutzen und verwendung. a) von der älteren medizin geschätzt zur bereitung von heilmitteln, salben u. s. w.: nime dann oleum terpentini 1 fyerling, das usz dem terpentin gedistilliertt ist, und das oleum benedictum oder das st. und losz das under einander erwallenn Gersdorf wundarzn. (1517) 27b; Wirsung artzneyb. (1588) reg.; Welser bayrische geschicht (1604) 178; durch ... einreiben der ... camphorirten salbe mit steinöhl ... wurde diese geschwulst ... geheilt allg. dtsche bibl. anh. zu 53-86, 381. auch für thiere: vier brotlaib für die woche soll dir der alpmeister auch mitgeben und ein flaschl voll st. fürs kranke kalbele Schönherr merkbuch (1911) 43. daher ein mittel zum einbalsamieren: die alten Egypter verwendeten das st. zum einbalsamiren ihrer todten Karmarsch-Heeren 6, 614. b) im gartenbau: gute obstsorten musz man vor ihm (dem steinmarder) schützen ... dadurch, dasz man ... den stamm mit ... st. bestreicht Brehm thierl.3 1, 595; jetzt öffnet man (beim wespenfang) vorsichtig das ... flugloch, um sich von den ... wirkungen des steinöls zu überzeugen ebda 9, 131; das st. halte ich für verdächtig, weil es zwar die maucken (blattläuse) vertreiben, hingegen aber das gantze gewächs verderben kan v. Hohberg georg. cur. 1, 478. c) zur herstellung von feuerwerk: wir bereiten ein anzündendes kunstfeuer aus salpeter und andren sachen, von öl, steinöl und andren materialien E. Francisci lufftkreis (1680) 649; v. Fleming teutsche sold. 363a. wegen seiner leichten entzündbarkeit erhöht es die geschoszwirkung: hernach nimmt ein mit st. angeschmiert futter, umleget damit die kugel und thut noch ein wenig campher darauf Stahl gewehrger. jäg. 226. d) in der technik: st. ... ist diejenige fettige ... substanz, welche in den lampen kann verwendet werden Zappe min. handlex. 1, 300; der asphalt verdankt seine entstehung ... einer allmäligen oxydation von st. Karmarsch-Heeren 1, 212; 4, 584; das in st. lösliche harz (copaïvaharz) bleibt beim verdunsten der lösung ... zurück Muspratt-Stohmann 4, 11; 5, 764; 6, 377. —
 
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-ölisch, adj., steinölhaltig: das bergwachs wirdt aus steinölischen wassern ... oder aus den dingen so mit bergwachs vermischt Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 481. —
 
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-ölquelle, f.: in neuer zeit sind im canton Genf ... ergiebige steinölquellen aufgefunden worden Oken 1, 319; die steinölquellen von Rangoon Karmarsch-Heeren 6, 614; Th. Mann königl. hoh. 214. —
 
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-opfer, n., ein opfer, das darin besteht, dasz steine auf gräber hingelegt oder geworfen werden: so finden wir denn auch die verehrung namhaft gemachter götter und dämonen durch st. der genannten art Germania 22, 26.
 
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steinpalast, m., aus steinen errichtetes prächtiges gebäude. da stein hier ein affectvoller zusatz istein palast kann nicht gut anders als aus stein gebaut sein —, ist das wort häufiger in der poesie als in der prosa: der könig ... bewohnte einen quadratisch gebauten st. Ritter erdk. 1, 482;

massa, du bist sehr reich! wenn unter den agaven
der vogt zusammenruft die menge deiner sklaven,
so faszt sie kaum der platz vor deinem steinpalast
Freiligrath ges. dicht. 1, 99;

von auszen sieht die stadt aus wie der prächtige st. eines riesenkönigs G. Freytag ges. w. 19, 123. als gegensatz zum haus oder zur hütte des bauern:

[Bd. 18, Sp. 2135]


ob schaubendach, ob steinpalast,
dem sohn des krieges galt es gleich
Gaudy s. w. 4, 16;

und wir wurden matt und wir fanden rast
an des landmanns gesims und am steinpalast
Freiligrath ges. dicht. 5, 91.

mit betonung der kalten, herzlosen pracht solcher bauten: in den düstern steinpalästen dieser ... Ghibellinennester Justi Winckelmann 2, 1, 269;

sie (eine strasze) lag wie tot. die steinpaläste schwiegen
D. v. Liliencron s. w. 9, 23.

mit einem gewissen humoristischen nebenton von einem besonders geräumigen gebäude:

er sang von einem steinpalast,
der kaum die actenstösze faszt
Gaudy s. w. 1, 117.


 
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-papier, n. 1) (mineral) eine art asbest: 'st. (bergkork, bergleder) liège fossil' Mozin (1846) 2, 321c. 2) besonders starkes papier, das im feuer nicht brennt (oft = steinpappe, s. das folgende wort): 'st. ... hat die farbe des gewöhnlichen packpapiers und die dicke von 1 bis 2 linien. im feuer giebt es keine flamme, sondern widersteht demselben lange und fängt endlich an zu glühen und zuletzt zu kalk zu werden' Jacobsson 7, 443. herstellung: st. verfertigt man ... aus papierteig mit erdigen körpern vermischt Schedel waarenlex. 2, 512. 3) steindruckpapier: wer es bestellt, kann ein exemplar auf st. abgedruckt erhalten Lichtenberg aphor. 4, 9 L.
 
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-pappe, f. 1) dachpappe, in technischen werken aus der 1. hälfte des 19. jh. (z. b. Krünitz 172, 643; Gehler phys. wb. 10, 1, 303) auch steinpapier (s. das vorhergehende wort 2) genannt. als bezeichnung einer erfindung des schwedischen doctors Faxe i. j. 1785 ist das wort ziemlich jung: die neuerfundenen steinpappen fehlen im Adelungschen wörterbuch Kinderling reinigk. 428. verwendung: st. nennt man ein material, welches zur eindeckung der dächer häufig empfohlen ... wurde Helfft landbauk. 346; darunter (pappdach) versteht man die eindeckung mit ... st. Karmarsch-Heeren 2, 496; die dachpappe, auch ... st. genannt ... (kommt) gegen feuchtigkeit in gebäuden ... zur verwendung Lueger 6, 678. herstellung: die dazu bestimmte pappe wird ... in theer gesotten und ... mit sand bestreut Mothes 4, 267. 2) eine feinere abart von 1, die zu kunstgewerblichen arbeiten benutzt wird: st. (franz. carton pierre), masse aus aufgeweichtem und zerkleinertem papier mit sand, thon, kreide oder dgl. und mit leimwasser angemacht, zum formen von ornamenten, zur innendecoration von wänden, decken etc., zum nachbilden von metallgegenständen Bucher kunstgew. 381b; eine in gipsformen gedrückte knetbare masse aus schlämmkreide und leim Schönermark-Stüber 796. das fleisch, dachten viele, sei nur, wie die neue schwedische st., über die knochen aufgeschmiert Jean Paul 11/14, 431 H.; das hirschgeweih war aus gebrannter erde fabricirt, schild, helm und handschuhe aus st. Hackländer d. neue don Quixote 3, 174. oft geschmacklos verwendet: gekünstelte und unzweckmässige formen und verzierungen ..., wie mit der st. ... so vielfach geschehen L. Bucher bilder aus d. fremde 1, 317. durch dachpappe mehr und mehr verdrängt.
 
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-pech, n., ein mineral: bergpech Nemnich 570; st. ... heiszt ein pechähnliches fossil aus der classe brennbarer mineralkörper Zappe miner. handlex. 1, 301; erd- oder bergpech, eine art aus der erde, auch aus gesteinen etc. hervorquellenden pechs Krünitz 172, 656; das hartbech oder st. das st. heisset pix arida, concreta seu excocta Wirsung artzneyb. (1588) reg. s. v. bech. verwendet als eine art mörtel zum bau von häusern: ohn einiges zeichen, dasz sie (die gebäude) mit st., kalch oder ander dergleichen materi zusammengefüget seien Boterus allg. weltbeschr. (1596) 1, 230. —
 
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-peiszker, m., ein fisch: cobitis taenia, bartgrundel Nemnich 571, s. oben steinbeiszer. —
 
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-peterlein, n., älterer (für 1 heute noch volkstümlicher) name zweier pflanzen. 1) pimpinella saxifraga L., bockspetersilie, steinbibernelle Diefenbach 436b; Henisch (1616) 366, 45; Nemnich 570; Holl 39a; Pritzel-Jessen 277. 2) petersilie: petroselinon Alberus (1540) c c 3a; steinpeterlin

[Bd. 18, Sp. 2136]


Ryff confectb. c 4b. nebenform steinpeterling (für beide pflanzen) Aler 2, 1830a. —
 
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-pfad, m. 1) schmaler weg über felsiges oder steiniges gelände:

wo sich ein steinpfad
zwischen myrten zum tempelhain emporwand
Matthisson schr. (1825) 1, 102;

auf der höhe des buschigen steinpfades Fouqué zauberr. 2, 164;

wenn ich hinauf,
wo wild die rose um den steinpfad wuchs,
den warmen hügel ging
Hölderlin ges. dicht. 2, 202 L.;

dann schleuderte er den stecken hinweg und kroch zitternd den st. hinab Immermann 3, 91 B.; wir ... stiegen getrost den bröckelnden st. ... hinab G. Keller nachg. schr. 219. 2) strategium Diefenbach 555a. —

 

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