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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
speisig bis speiviel (Bd. 16, Sp. 2127 bis 2129)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) speisig, adj.
1) esculentus essig, speissig, vol spysz, spysen, van spysen. Dief. gloss. 210b. so bair. neben speisen, adj. (s. das.), grob, gewöhnlich. Schm. 2, 687.
2) sonst nur als bergwerkswort.
a) speise (s. das. 5, c) enthaltend: 'speisige erze, welche sehr kobaltisch sind und daher im ausschmelzen viele speise geben. ein speisiger bleystein, welcher von solchen speisigen bleyerzen fällt.' Adelung (1), vgl. Jacobsson 4, 205a; 'speisig erz, fr. mine dormant speise, erz, was kiesig ist, und speise machet.' 'speisiger bleystein, ein bleystein, welcher viel eisenhaftes und arsenikalisches wesen bey sich hat.' 'speisig, fr. ardoise cuivreuse melée de pyrite werden die kupferschiefer genannt, darinn viel kupferkiesz eingesprenget ist.' ebenda; wir können mit keinem ertz ausz unsern hütten kommen, das nicht acht lot und drüber helt, weil bey uns solche arme ertz offtmals speissig, heiszgretig (strengflüssig und schlackenreich) sein. Mathesius Sar. 28a; da .. fehet man an ertz zu pochen, das gute und güldig ertz von dem geringen und speisigen zu scheiden. 64b; alle grobe wiszmudt ertz, die man auch speissige ertz nennet, deszgleichen die klein speissigen wiszmudt ertz, von denen beyden im schmeltzen die grobe speisz her kumpt, die seind gemeiniglich vor sich allein sehr arm an silber. Ercker ertzt- u. bergkwercksarten 4b.
b) speisig 'wenn ein erz auf dem bruche körnig ist, so dasz auch würflichte theile darunter verstanden werden. ein grobspeisiger bleyglanz, welcher auf dem bruche grosze würfel zeiget, zum unterschiede von den kleinspeisigen'. Jacobsson 4, 205a, vgl. Adelung (2).
 
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speiskraut, n., s. speisekraut.
 
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speislein, n., seltnes deminutiv: speiszlein, n. vivandetta, vivandina, mangiaretto, manicaretto. Kramer dict. 2, 856c; der ritter ... z ir sprach: fraw, wie hat euch dasz speiszlin gefallen? die frawe z im sprach: wärlich, herre, die speise ist gte gewesen. decamer. 298, 21 Keller (4, 9). so noch schweizerisch für eine fleischspeise: der arme mann! ob der auch emal spieszli kriegt oder salwinli (ein gebäck) oder so öppis urchigs? Ilse Frapan arbeit 174. — schwäb. speisle, speisekammer Birlinger 407a, vgl. speise 2, b.
 
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speislich, adj., s. Lexer handwb. 2, 1099: dapsilis milde, .. spise-, spiszlich. Dief. gloss. 166a; dazu: dapsilitas ... spysz-, speislicheit. ebenda.
 
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speisung, f. , mhd. spîsunge, cibatio Lexer handwb. 2, 1101. nachtr. 368; nhd. speisung, weidung, pastio, proprie ad bruta pertinet. Dasyppdius; speysung (die), cibatus ... esca. Maaler 380a; speisung, f. cibamento, alimentatione, nutritione, pascimento. Kramer dict. 2, 855b; speisung, die, et das speisen, cibatus, nutricatus, nutrimen, alimentum, alimonia, it. res cibaria. gemeine speisung, epulum paganum, plebejum. stattliche speisung, epulum exquisitius. Stieler 2079; das speisen, oder die speisung, cibatio. Frisch 2, 296c.
1) handlung des speisens, versehung mit speise, bewirtung u. s. w.: besonders ist die fuszwaschung und die speisung der pilger nur durch groszes drängen und drücken zu erkaufen. Göthe 29, 301. von gott (als subj.): wir danken dir, wie für tränkung und speisung, — so für lenkung und unterweisung. Rückert (1882) 11, 224 (Hariri's vorw.). das essen, mahlzeiten (zu speisen 8?): einen solchen herrn, der in allen dingen, und sonderlich auch mit der tafel und speisung gute ordnung hält. Schuppius 105; an verschiedenen teutschen höfen ist vor diesem gar keine zeit und ordnung in der speisung in acht genommen. die herrn ... haben biszweilen ausz dem tage die nacht ... gemacht. ebenda. so schon in demselben sinne, von dem reflexiven speisen (3) ausgehend: ettlich lüte in India, ... di speisten sich allain von vogel airen ..., umb des willen wenn si der vogel aire geszent, dar usze sunst ander vogel wurden, das

[Bd. 16, Sp. 2128]


der vogel dester minder umb si würden, und ie minder ir würde, ie e und basz sie sich durch solich speisunge ir erwereten. herz. Ernst 278, 8. in specieller anwendung auf das abendmahl: speisung etiam per excellentiam est sacra communio, sive coena dominica. Stieler 2079 (vgl. speisen 5, a). in bezug auf thiere, so als jägerwort: visceratio, ... item die speisung, der jägerhund nach gehaltener jagt. Corvinus fons lat. 739b.
2) oft geht speisung aus der abstracten in die concrete bedeutung 'speise' über, ohne dasz sich eine scharfe grenze ziehen liesze; vgl.: cibatus, speisung, speisz. Dentzler 1, 139b; nota die speisung, so meines herrn gnad auf acht tage geschafft hat. item zum ersten auf 6 pferde einen eimer weines und 1 . brod. baierische landtagshandl. 4, 35 (kriegsrüstung v. 1434); und Salomo muste teglich zur speissung haben dreissig cor semelmelb, sechzig cor ander melh. 1 kön. 4, 22. in ähnlicher verbindung, von speise geschieden: nempt darnach speis und tranck in unser künftige speisung: die tragent on verziehen in die schiffe. herz. Ernst 258, 1. geradezu im sinne von proviant: doch mag man in herferten und ein offen reisen futer und ander speizunge nemen, der man danne zu not bedarf, an geverde. monum. boica 41, 413 (Würzb. landfr. v. 1349); eyn yder der da pfleg gerüst im harnasch zuziehen, derselbig solt z liechtmesz negstkünftig kommen, mit proviant und speisung auf sieben jar lang sich versehen. Aimon k 6a (dafür vorher: mit proviandt und anderer notturfft); Reynhard ging durchs schlosz Hoff, er fand proviand eyn uberflusz, die jnen sein vatter hinein het thn werffen, .. und sprach: .. jr sehent .. wie sich unser vatter uber uns erbarmet, er thet die speisung an sichere plätz legen. y 1a.
3) freiere gebrauchsweisen.
a) auf geistiges übertragen: und aber dartzwüschend nymt sein geyst ab, und verkommt von mangel der geystlichen speyszungenn, wölliche speiszungen des geystes on arbeit nitt gehabt mag werden. Keisersberg seelenpar. 186a (das folgende s. speise 3, f); und als er sah ihre dichte umkreisung — und ihr verlangen nach seines wortes tränkung und speisung, — schwang er sich auf eine klippe — und erschlosz mit räuspern die lippe. Rückert (1882) 11, 415 (25. mak.);

deu speisung doch nicht anders ist
wenn nur der anplick Jêsu Christ. quelle (15. jahrh.) bei
Lexer nachtr. 368.


b) in technischer anwendung, vgl. DWB speisen 6, c: die aufmerksamkeit unserer 'maman' war durch eine pumpe erregt worden, welche unweit des eingangs in dem kleinen teiche stand; und während der alte herr ... ihr die speisung und bedeutung dieses süszwasserbehälters der insel zu erklären begann u. s. w. Storm 4, 17; diese quelle hat gutes wasser während des ganzen jahres, aber nicht sehr viel; es wird zur speisung einiger felder um Elghuntur benutzt. E. Sachau reise in Syr. u. Mesopot. 51.
 
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speitäubling, m., name des giftigen blätterschwamms, agaricus emeticus: speytäubling Nemnich 1, 108 aus Oestreich ob der Ens.
 
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speiteufel, m.
1) speiender teufel; als brunnenfigur: kaum hatte ich die angenehme, einseitige wärme im gesicht gespürt, so war auch schon dem meister das ganze fasz mit ruszfarbe über den kopf, wie eine mütze, gestülpt, dasz der kerl über und über troff, wie der speiteufel auf dem springbrunnen zu Nürnberg. J. Mosen (1863) 7, 139.
2) name eines feuerwerkkörpers, aus zermalmtem, angefeuchtetem, zu einem teige gemachtem und zu einem kleinen kegel geformtem pulver bestehend. Campe (auch sprühteufel, s. d.): mit speiteufeln und musketenfeuer. J. Paul Hesp. 1, 87; weibliche unarten, über die schon millionen männliche speiteufel oder raketen, nämlich flüche in den himmel aufgefahren sind. Siebenkäs 2, 45; ich warf erstlich blosz speiteufel, dann schwärmer, und endlich fing ich an zu bombardiren. Lichtenberg 7, 15.
3) speiteufel, brechteufel, name des giftigen blätterschwamms. Nemnich 1, 108; kennst du, was man den speiteufel heiszt? ... es ist ein pilz, und es giebt deren blaue, rothe und auch grüne. Th. Storm ges. schr. 13 (1882), 137.
 
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speitopf, m. topf zur aufnahme von speichel oder erbrochenem. Campe; speytopf, dergleichen man auf den schiffen zur see bey sich hat, olla nauseantium. Frisch 2, 298c.
 
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speitrank, m. speiarznei. Campe.
 
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speiung, f. handlung des speiens, nach den verschiedenen bedeutungen des verbums. die form des substantivs, das nur der

[Bd. 16, Sp. 2129]


älteren sprache angehört, folgt in ihren verschiedenen schillerungen den formen von speien, über die oben sp. 2074 ff. berichtet worden ist. im eigentlichen sinne; nach speien II, 1: sputamen spiunge, spuwung, speuwung. Dief. 549b; nach speien II, 4. 5. 6: vomitus spyunge, speyunge, spuwunge, nd. spiginge, spuinge. 629a; vomitus speyginge nov. gloss. 385b; speyung, vomitus, vomitio, rejectio; screatus, oris excrementum et purgamentum. Stieler 2083, speihung, vomitio, vomitus, blutspeihung, exscreatio cruenta, exscreatio sanguinis. Steinbach 2, 625, schon in den beiden letztgenannten quellen ein bloszes wörterbuchswort, kaum in lebendigem gebrauche, da hier der substantive infinitiv das speien neben der bildung gespei (vgl. oben besonders unter speien II, 6 und gespei theil 41, 4138) gilt; am meisten in der übertragenen bedeutung des verbums als lästerung oder gespött (speien II, 7. 8, sp. 2081): dicacitas, speyung, spottred Dasypodius; scurrilitas schandliche speyung, schamper, leichtfertig in worten, narrende ding. ebenda; dicacitas ... spottred, speyung, schwätzung. Calepin. dict. (1579) 430a; die speyung, dicteria, schlötterle, dicacitas lächerige speyung und fatzung, lepida procacitas. Maaler 380a; aber auch in solcher nach dem 16. jahrh. untergegangen.
 
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speiviel, m. ersonnener imperativischer eigenname für einen der viel speit, d. i. lästert, höhnt; in appellativer verwendung: die procuratores, zungendrescher, speiviel, welche den leuten in bösen sachen pflegen zu dreuen. Mathesius Syr. 1, 22a; und was der tyriacmenner, speiviel, steinschneider, zaanbrecher, und landstreicher mehr sein. 2, 115a.

 

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