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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schubsack bis schubut (Bd. 15, Sp. 1822 bis 1823)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schubsack, m. sack, allerhand hinein zu schieben, weite tasche in einem kleidungsstück, funda Dentzler 2, 256a, schieb- ò schubsack, scarcella, saccoccia, tasca, gaglioffa Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 513c, marsupium in latere tibialium Frisch 2, 230b. Adelung (als vornehmlich oberdeutsch bezeichnet) Bernd 276, auch in der form schubesack bezeugt (die stelle s. unten). vgl. schiebsack oben th. 8, 2674: jener hofmann wolt einsmals menagiren, und befahl dem hofschneider er solle den pagen und lacqueyen nur einen schubsack in die hosen machen, das übrige könne man sparen. Schuppius 31; sie schlosz ihn (den brief) nicht in die büchse, sondern steckte ihn in den schubsack. A. Gryphius (1698) 1, 786; sie (die finger eines mädchens) sind ja so subtil, so lang, so gelenck, so geschmeidig und so geschicklich gemacht, natürlich wie zügeunerinnen neulich hatten, damit sie einem in schubsack greiffen, wann sie fischen wollen. Simpl. 1, 144, 15 Kurz; da ihm die pfeiffe unversehens aus dem schubsack ins wasser gefallen. Jucundiss. 99; (er) zohe .. ein stück geld aus dem schubsack. gespenst 238; ich halte dafür, dasz ich von den concepte noch etwas bey mir habe (greifft in schubesack). Chr. Reuter lustsp. 99 neudruck (der frau Schlampampe tod scene 6); sie haben gantze schubsäcke voll ducaten bey sich. graf Ehrenfried (1700) 48; weil ein jeder unter uns mehr als 12. thlr. geld im schubsacke hatte. Felsenburg 2, 364; ob er auch gleich seine frau beständig bey sich im schubsack herum trüge. irrgarten 308; er zog 4 beutel, jeden mit 1000 ducaten, aus seinen schubsäcken. Pierot 2, 381; merkt er, dasz einer von ihnen nüsse, oder äpfel im schubsacke hat, so stellt er ihm so lange nach, bis er ihn auf einem versehen ertappt. Rabener sat. (1764) 4, 132; damit sie sehen, dasz ich ein ehrlicher kerl bin, so will ich meine schubsäcke selber umwenden. Lessing 1, 330; Odoardo .. (an alle schubsäcke fühlend, als etwas suchend). 2, 174; Odoardo .. (fährt schnell nach dem schubsacke, in welchem er den dolch hat). 183; unglücklicher weise für diese würdige kammerjungfer hatte sich ein briefchen des don Fernand, welches sie, anstatt es zu verbrennen, in ihrem unterröckchen wohl verwahrt zu haben glaubte, man weisz nicht wie, in Pedrillos kammer aus ihrem schubsacke verloren. Wieland 12, 142; heute früh, als ich mich in meinen neuen rock warf .., entdeckte ich einen verborgenen schubsack. Thümmel reise 6 (1794), 44; eure unordnung, eure plaudereyen und eure doppelten schubsäcke sind den teufel nicht werth. 47; das schwarze genie zog demnach ein dickes paket aus dem schubsack. Müller Siegfr. von Lindenb. 1 (2), 232; sachets oder riechsäcke liesz er füllen und mit diesen die schubsäcke. J. Paul Tit. 3, 87; und eh' er sich noch besinnt, hat der bursch auch schon der torte das dach eingeschlagen und schiebt sie zur flasche in den schubsack. Eichendorff (1864) 3, 385;

der schubsack ist dir nicht vergebens angeschmieret.
Scherffer Grob. 20 (bei
Drechsler W. Scherffer 238).

der unthätige steckt die hände in den schubsack, in die tasche: wir haben ja auch hände, die wir nicht in den schubsack stecken werden. Pierot 2, 150. scherzhaft: ha! ha! herr taschenspieler! sie haben ihre hände doch nicht zum schubsacke gebraucht? Lessing 1, 478. in sonstigen freieren und bildlichen wendungen:

was gehn ihn von Vauclüse
die dürren kreidefelsen an?
ihn, der sein feld und seine wiese
im schubsack trägt, und irdisch zugemüse
bey götterkost entbehren kann?
Thümmel reise 4 (1794), 152;

noch mus ich euch meinen schubsak von zeitungen (nachrichten) stürzen. Schiller Fiesko 3, 4. redensart: das hat seine schubsäcke, seine besonderen gründe, umstände, schwierigkeiten,

[Bd. 15, Sp. 1823]


seinen hinterhalt, auch seine geweisten schubsäcke Albrecht 55, 206, wo geweisten als part. prät. von weisen erklärt wird, ebenso bei Borchardt-Wustmann sprichw. redensarten (1894) 427. für diese auffassung spricht die variante gewuszten Wander 4, 347. ebenda wird daneben gewichsten, gewitzten angeführt und geweiszten geschrieben, dessen erklärung der zu anfang des 18. jahrh. betriebene schmuggel sächsischer porzellanerde in weiten rocktaschen bieten soll.
 
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schubsackfeger, m. als schelte gebräuchlich, wol eigentlich taschendieb.
 
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schubschlitten, m. schlitten, der geschoben wird, niederd. schûfslede, -slê, -sl, schûsl ten Doornkaat Koolman 3, 154a.
 
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schubschreiber, m. expeditor appellationum in regimine. quelle von 1747 bei Schm.2 2, 360. Adelung. vgl. DWB schubamt.
 
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schubstein, m.
1) bergmännisch, mhd. schubestein, fortgeflözter stein, geschiebe, dessen vorkommen die nähe eines ganges anzeigt Pfeiffer erklär. zum märe vom feldbauer in sr. Germ. 1, 355. vgl. unten steinfall:

die schubesteine hânt die kraft
daʒ si sint des erzes vorboten. feldbauer 391.


2) hess. schubstein, wetzstein gröszerer art, worauf schwerere messer, besonders aber äxte und ähnliche werkzeuge gewetzt werden Vilmar 371: dan er eben den schubstein uffn banck gesetzt und das meszer daruf geschuben. qu. von 1688 ebenda.
 
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schubstück, n. verschiebbares stück einer bühnendecoration, coulisse: das sinnbild unten, ware, ein reichsapfel mit einem auge, und über demselben ein perspectiv mit etlichen vielen schubstücken. Birken ostl. lorbeerhayn 230.
 
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schubstuhl, m. in der weberei der bandmacherstuhl. Karmarsch - Heeren3 8, 50.
 
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schubthür, f. thür, die durch schieben geöffnet wird Campe (unter schosz, m.), vgl. schiebthür, schiebethür oben th. 8, 2675, nd. schûfdör ten Doornkaat Koolman 3, 153a.
 
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schubtisch, m. tisch mit einem oder mehreren schüben, auszügen Campe. vgl. DWB schub 2, b, α.
 
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schubtruhe, f., schweiz. schubtruke, schublade Hunziker 231, im bilde: einer leicht verirren kann, wenn er ganze schubtrucken voll eide auf sich hat. Pestalozzi 12, 398.
 
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schubut, m., s. DWB schufut.

 

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