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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schraff(e) bis schräge (Bd. 15, Sp. 1618 bis 1620)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schraff(e), m.
1) felsspitze, zerklüfteter fels; seltene nebenform zu dem gewöhnlichen schroff(e), zu dem adj. schraff gehörig, s. diese und Noreen urgerm. lautl. 90. mhd. als starkes masc.:

ach waʒ ûf hertem schrafe
der edel Harre harret.
Hadamar v. Laber jagd 456.

daneben auch in andern bedeutungen (schneidende kälte, scharfer geruch, duft), s. Lexer handwb. 2, 783. nhd. selten: da sahe man hie und dort gewaltige schräffen viel meilwegs hoch in die höhe ragen. Simplic. (1685) 1, 513 (1, 5, 16, in den ältern ausgaben schröffen).
2) kobold (? vgl. schrat): sollten sich damals in dem selben (Deutschland) nicht wallrosse .. drachen, schlangen, goanen, medusen, waldteufel und schraffen etc. aufgehalten haben? erkl. über die ganze ästhetik in einer nusz (1755) 49.
 
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schraffel, m. gemeiner, schlechter mensch, elender wicht, lump, auch geizhals; schimpfwort, besonders ostfries. und brem., auch in der gaunersprache, s. Stürenburg 354b. ten Doornkaat Koolman 3, 143a. Avé-Lallemant 4, 604.
 
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schraffen, verb., s. DWB schröpfen.
 
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schraffieren, verb. dichte reihen paralleler oder auch gekreuzter linien ziehen, um die schatten auszudrücken, bei zeichnern und kupferstechern Jacobsson 4, 39a. Adelung; über niederl. schrafferen (clevisch schon 1475 bezeugt) aus dem ital. sgraffiare übernommen, s. Weigand 2, 635. Kluge5 336a: so hatte ich z. b. auf blaues papier einen blumenstrausz .. mit kreide .. sehr sorgfältig ausgeführt, und theils mit wischen, theils mit schraffiren das kleine bild hervorzuheben gesucht. Göthe 25, 156; Tischbein hat nämlich die grosze gabe götter- und heldengestalten .. mit der feder zu umreiszen. er schraffirt wenig hinein und legt mit einem breiten pinsel den schatten tüchtig an. 28, 50. — im ältern nhd. für schröpfen? bildlich:

die (ihre art) hand sie wol an dir probiert
und dich mit ganzem flisz gschraffiert.
N. Manuel s. 302, 16 Bächtold.


 
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schraffiermaschine, f. eine zum schraffieren verwendete guillochiermaschine Karmarsch-Heeren3 4, 176.
 
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schraffierung, f. bei zeichnern und kupferstechern, die gleichlaufenden oder gekreuzten schattenstriche, hachure, als einfache und gegen- oder kreuzschraffierung unterschieden Jacobsson 4, 39a: er beobachtete dabei nicht allein die gröszte reinlichkeit im umrisz, sondern ahmte auch die schraffirung des kupferstichs auf's genauste nach. Göthe 24, 183 (daneben mit fremder bildung: die schraffuren der holzschnitte und druckerstöcke. 25, 132); ich ahnte jetzt auch etwas dergleichen, als ich die schraffierung alter kupferstecherei .. erkannte. Keller 2, 81; diese fleiszigen schraffierungen sind schraffierungen an sich. 265.
 
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schraft ,
1) mhd. als masc., steingerölle, s. Lexer handwb. 2, 783 (unter schraf).
2) nhd. als fem., schramme, wunde: der ander wolt kein entschuldigung anhören und mit der läderfeilen herausz unnd hawet dem ein solche grosse schrafft, das man im ein eichenbret msz fürnageln .., das im das blt nit gar entgienge. Lindener Katzip. 265.
 
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schräg, adj. , in älterer form schräge, von der geraden oder senkrechten richtung abweichend, schief, obliquus. schräg gehört zunächst mit dem subst. schragen (s. das.) zusammen. weiterhin wird man schrank, schranke, schränken dazu stellen wegen der engverwandten bedeutung. der abweichende wurzelauslaut macht zwar schwierigkeiten, doch sind bei Noreen urgerm. lautl. 183 f. zahlreiche beispiele für einen wechsel zwischen indogerm. k und g beigebracht, von denen wol einige als sicher gelten können. schwieriger ist die frage zu entscheiden, ob diese gruppe mit ags. scrincan, forscrincan einschrumpfen, sich zusammenziehen (Bosworth-Toller 316b. 842a), engl. shrink und den verwandten wörtern (wozu wol auch die deutschen schrumpfen, krank, krampf gehören, s. theil 5, 2023) zusammenhängen, vgl. Skeat 551a. bei aller lautlichen übereinstimmung macht die vermittelung der bedeutung grosze schwierigkeiten; doch würden diese nicht unübersteiglich sein, wenn man sich die bedeutungsreihe etwa so vorstellt: schief seinsich krümmensich zusammenziehen beim welken oder austrocknen, falten zieheneinschrumpfen. vgl. dazu z. b. engl. crinkle, das sowol 'sich schlängeln, krumm gehen' wie 'falten, runzeln' bedeutet. andererseits ist die grosze zahl der

[Bd. 15, Sp. 1619]


wörter mit gleichem anlaut, aber abweichendem wurzelauslaut zu beachten, die sich in ganz derselben bedeutung finden, s. DWB schrad und DWB schräm. sie geben der vermutung raum, dasz alle diese verschiedenen formen nur verschiedene erweiterungen derselben wurzel sind. eine ähnliche reihe bilden wiederum schief—schieg, schiech — schel. und selbst zwischen diesen beiden hauptgruppen fehlt es nicht an übergängen. neben hessisch schick, schicks, schräg (th. 8, 2644 und 2659) steht nd. schrick Frommann 4, 29, in Aachen schreks, schricks Müller-Weitz 223. ebenso verhält sich zu dän. skraa, das grammatischen wechsel zu schräg aufweist, norw. skaa Aasen 664b, altisl. ská, s. Noreen urgerm. lautlehre 220. ferner (mitteld.) schank neben schrank, s. theil 8, 2160. — schräg ist im hd. erst im 16. jh. bezeugt, vgl. indes schräge, f. und schrägen. von den wörterbüchern ist es erst spät aufgenommen: schreeg (adj. comparat. schreeger, superl. am schreegsten, pro schef) obliquus Steinbach 2, 503 (als vulgär); schrag, schreg oblique Wachter 1462; schräg, adj. obliquus, das weder nach der bley - wag noch nach der wasser - wag gerad ist, aber doch nicht gebogen oder gekrümmt. Frisch 2, 222a. mundartlich weit verbreitet, so schweiz. schreg Hunziker 231. Seiler 264a, bair.-österr. Höfer 3, 114. Schm. 2, 600, thür.-obers. für 'betrunken' Hertel sprachschatz 220. Albrecht 206b, nd. schrag schräg, knapp, sparsam Mi 76b. sonst werden im nd. (und fränk.) meist andere bildungen angewandt. auch holl. schraag ist wenig gebräuchlich. vgl. zum ganzen Kluge5 336a. Weigand 2, 635. Franck 863.
verwendung.
1) adjectivisch: eine schräge linie von einem ecke in das gegenüberstehende, linea diagonalis Frisch 2, 222a; er (der sturm) schleuderte das wasser der wolken in schrägen linien an die fensterscheiben. Freytag soll u. haben 2, 216;

seht den trunkenbold in schrägen
linien durch die gassen wanken.
Chamisso 1, 293 Koch.

was in schiefer linie steht oder angeordnet ist:

sein schräges aug liesz der Plattkire blinken.
A. W. Schlegel bei
Wackernagel leseb. 2, 1290, 40.

schräge schrift, die gewöhnliche schreibschrift, deren striche nicht senkrecht auf der linie stehen Campe; schräges gewölbe in der baukunst, dessen seitenmauern und wiederlagen nicht gleich lang und rechtwinklig sind Jacobsson 4, 39b. von bewegungen in schiefer, nicht senkrechter richtung: wie werden nun die Leibnitzianer die kraft des körpers m, der durch den druck der federn die schiefe fläche ac herunter getrieben wird, am ende dieses schrägen falles in c schätzen? Kant 11, 53. von lichtstrahlen, blicken u. ähnl.:

aber matt auf unsre zonen
fällt der sonne schräges licht.
Schiller 11, 388;

denn lange war er feindlich mir gesinnt,
und schosz mit senkrecht- oder schräger strahlung,
bald im gevierten bald im doppelschein
die rothen blitze meinen sternen zu. 12, 208 (Wallensteins tod 1, 1);

Edmund sah ihn mit einem schrägen blick an. Tieck Cev. 1, 53; im bilde: dasz ich meiner gesinnung gegen sie durch mein entweichen ohne abschied ein schräges licht gegeben. J. Paul lit. nachl. 4, 259; sonst übertragen, ein schräges, schiefes, falsches, urtheil:

weisz nicht, was sie denken und sagen,
wie schief ihr urteil und schräg.
Grillparzer5 2, 175.

ein schreger, ungünstiger, bescheid: dess beschweret sich der herr Jerg gegen den herzogen selbs, aber der herzog gab im was schregen beschaids. Zimm. chron.2 2, 252, 34.
2) adverbial: der tisch steht schräge, wenn die platte keine wagerechte lage hat Adelung; der weg läuft schräg am berge hinab, nicht senkrecht geneigt Campe;

auch nicht wähle die bahn durch fünf gradlaufende gürtel,
schlängelnd windet sich schräg' ein breitgebogener queerweg.
Voss Ovids verw. 7, 162;

zwischen den bäumen aber flog das erste halbe morgenlicht schon schräg über den luftigen rasen. Eichendorff2 3, 402; o siehe von deiner höhe nicht schräg — über dieses und das andere leben hinweg! Rückert (1882) 11, 352 (17. makame). neben andern adverbialen bestimmungen, besonders schräg gegenüber: schräge gegen jemanden über wohnen Adelung; abends bei tafel, wo wir schräg gegen einander über in ziemlicher entfernung saszen. Göthe 23, 87;

doch heute schreit' ich lieber
zum finstern bogenthor
am rathhaus schräg genüber.
Geibel 8, 24;

eine pforte zur treppe war schräg in der zierlichen mauer.
Voss Od. 22, 126.

[Bd. 15, Sp. 1620]


in der ältern sprache wird auch der genitiv schrägs als adverb gebraucht: derhalben, werden die erstlich nicht recht undersich, auch nicht ubersich, sunder also schregs oder schier schäel uber ortt .. getriben. Thurneisser infl. wirkungen 26.
 
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schrägdiele, f.?: schregtilli contignatio Dentzler 2, 255a.
 
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schrage, m., s. DWB schrae und DWB schragen.
 
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schräge, f. schräge beschaffenheit, schiefe lage oder richtung, obliquitas, vgl. DWB schräg: die schräge, linea obliqua Frisch 2, 222a; dafür im 15. jahrh. schreck: item des jars wardt der bau zu sant Marten mit nam vier capellen, zwen sagert (sacristeien) und der turn yber die erden etwas yber die schreck. deutsche städtechr. 15, 292, 11 (Landshuter rathschr. zu 1446). im 16. jh. als schreg: wann etwan ain büxen maister schieszen will nach der schreeg. feuerb. von 1591 bei Schm. 2, 600; besonders häufig etwas in die schräge setzen bei H. Sachs, auch bildlich, 'durchkreuzen', vereiteln u. ähnl.:

das gott menschlich anschleg
selbs setzet inn die schreg. 1, 396d;

jedoch unglück jm sein anschleg
setzt gar ungwisz und in die schreg. 427c;

als mein sach setzt du (das glück) in die schreg. 3, 3, 11d;

auff dasz unoffenbaret bleiben
jr fürnemen, oder rhatschläg
nicht werden versetzt in die schräg. 5, 277d;

wer trew und ehr setzt in die schreg,
dem komt endlich vil ungemachs. 404d.

in anderer verbindung:

so wird auch her uber die schreg
desz meers ungstümm wider sie wüten. 212c.

auch concret, etwas schräges, schräge fläche: dem steinmetz für hauung der schrög bei den fenstern. quelle bei Schm. 2, 600. in Österreich eine kleine dünne holzstange in einem zaun aus verschränkten latten Höfer 3, 114; auch eine einfriedigung aus solchen stangen, s. Schm. a. a. o. und schragen.

 

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