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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schmelzwerker bis schmerbaum (Bd. 15, Sp. 1030 bis 1033)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schmelzwerker, m. encaustes Stieler 1877. 2559, emailleur, vgl. schmelzarbeiter Campe.
 
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schmelzwerkerei, f. encaustice Stieler 2559.
 
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schmelzwerkwald, m.: was sich für verbrechungen in den wäld- und hölzern zuetragen, es sei in perk- und schmelz-werchs-wälden, oder die zu haiden bevolchen und konftigelich zum perk- und schmelzwerch gebraucht werden mügen. tirol. weisth. 1, 39, 13.
 
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schmelzzahn, m. zahn, dessen krone ganz mit schmelz überzogen ist, wie die schneide- und eckzähne der fleischfressenden thiere Oken 4, 417.
 
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schmelzzeug, n.
1) sammelausdruck für alle gerätschaften und werkzeuge, die zum schmelzen der erze und metalle nötig sind Campe.
2) bei den feuerwerkern eine mischung von 3 theilen schwefel, 2 theilen salpeter und 4 theilen mehlpulver Jacobsson 7, 254a.
3) schmeltzzeug, tignum mobile Agricola bergwerkb. reg. (—?).
 
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schmenne, f. name einer art enten auf der insel Föhr. Nemnich.
 
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schmer, n. m. adeps. ahd. smero, smer, mhd. smer, altsächs. smero, mnd. mnl. smere; adeps dat smere Dief. 12b, arvina smer, smere, smerre, smeer, schmeer, schmerb 52b, axungia smero, smere, smer, schmer 64a, pingwedo smer 435c, sagimen smer 507a; weiter entspricht ags. smeoru, smeoro, smero (dativ smeoruue, smerwe Wright-Wülcker 39, 25. 498, 14), später smere, altfries. smere, altnord. smjör, hier in der bedeutung butter. das wort ist als -wa-stamm ursprünglich altes neutrales adjectiv, einer wortreihe angehörig, deren glieder ihre eigenbedeutung auf dem grundbegriffe des fetten, salbenartigen und klebenden entfalten, und zu der goth. smaír-þr fett, mit anderer ablautstufe goth. smar-na kot, sowie das urverwandte litt. smarsas fett gehören; zur sippe wird weiter herangezogen ahd. marawi, muruwi mürbe, und lat. merda kot Noreen abrisz d. urgerman. lautl. 207. das innere w der alten deutschen form tritt mundartlich bisweilen als b auf, vgl. oben schmerb aus Dief. und Schm.2 2, 544, auch die form schmirben unter schmieren. das neutrale geschlecht des wortes ist erst im späteren nhd. zum theil durch das masculine abgelöst worden: was für eine abnahme soll über den schmeer, was für eine niederlage über die schweinslenden kommen! Lessing 3, 70; aus Tirol wird das fem. die schmer bezeugt Schöpf 630, ebenso aus Windsheim in Mittelfranken Frommann 6, 123, 13, jedenfalls unter einwirkung des fem. schmiere (s. d.), mit dem sich schmer auch der bedeutung nach berührt (vgl. unten 3). die ältere schreibung schmär reflectiert den tiefen stammlaut des wortes. es bezeichnet
1) das von thieren gewonnene weiche und linde fett, besonders das des schweines, unterschieden von talg (theil 11, 98), und unschlitt (ich gibe iu sô vil oder sus vil wînes oder kornes oder smer oder unslit. Br. Berthold 1, 438, 18); ausdrücklich bezeichnet als mhd. swînin smer, später in der zusammensetzung als schweineschmer (s. d.); sepum schwyne schmeer Dief. 528c; vergl. auch ags. arvina, vel adeps, vel axungia, vel abdomen, hrysel, vel gelend, vel swind, vel swines smere Wright-Wülcker

[Bd. 15, Sp. 1031]


1, 159, 7; in ähnlicher näherer angabe: axungia verkens smeer off vett Dief. 64b; sepum smeer van verkene, l. ruet 528b;

das eselschmaltz unmüssig ist,
mit bergem schmär ist es vermyscht (mit schmer vom eber, in einem bilde).
Brant narrensch. 72, 59;

ohne solche, als nahrungsmittel oder handelsartikel:

vil winvat unte tunnen,
swa se dhe sine wunnen,
mit smere her se vullen leyʒ (liesz). d. chron. 2, 2, 561 (Braunschw. reimchron. 8264);

grad glich, als ob gott ein grempler wär,
und verkouft eim für ein krützer schmer,
dem andern kümich und blawen faden.
N. Manuel 83, 1381 Bächtold.

schmer anderer thiere: rindsschmär, sebum bubulum, gänseschmär, arvina anserina Stieler 1882;

er wil nicht rindern fleisch, noch feister böcke schmer.
Opitz 4, 321 (Hugo Grotius' wahrh. 2);

in alter sprache auch von der butter: ahd. ancsmero, kuosmer, butyrum Graff 6, 833; mhd. die cigeren (buttiren, anchsmere) vone dere sueige. Haupts zeitschr. 8, 131; altniederfränk. kuosmeer butirum gloss. Lips. 196.
2) bei menschen, ursprünglich wol nur in scherzhafter übertragung, welche später vielfach verblaszt erscheint, von dem fett um die gedärme, bauchfett: das schmär, feiszte, der bauch desz menschen bey dem nabel, da alle eyngeweyd ligend, abdomen, arvina. Maaler 357c; man sagt, er sei ein grosz, feist man gewesen und hab user rath der gelehrten und chirurgen lassen im etlich pfundt schmer oder fette uszer dem geöffneten leib ablesen und abschneiden, damit er desto ringer seie. Zimm. chron. 4, 88, 36; der beutel eines reichen pächters .. der von gold strotzte wie der bauch seines besitzers von schmeer. Musäus 1, 66;

gehst du dem schleckwerck nach, bist fressens halben gast,
so schläfst du selten wol, der wanst wird überschoppet,
wirst irgend auch mit schmär beschwehrlich ausgestoppet.
Rompler 213;

in festen verbindungen und redensarten: er hat noch ziemlich schmär auf dem leibe, satis opimus, saginatus est Stieler 1882; im scherz oder spott sagt man von einer dicken persohn: schmer auf dem leibe haben, pinguem, obesum esse Frisch 2, 206a;

wer ich ins bad nit kommen her
im schmer ich noch ersticket wär.
H. Sachs fastn. sp. 3, 26, 322;

abnahme des schmers bei arbeit und sorge:

dâ bî wuohs mir ninder smer,
dô si vor mir sprungen (ich verzehrte mich vor ärger).
Neidhart 79, 4;

macht einem oft das köpflin schwer,
den beutel lehr,und schmal das schmer. Garg. (1590) 90;

ich hab gedanken mancherlei,
und wächst mir ja kein schmer dabei.
Liebholdt com. von einem gottfürchtigen kaufmann B iiij;

davon wird er keinen schmer legen, das wird ihn nicht fett, nicht reich machen Campe als landschaftl. ausdruck; in Leipzig: das soll dir nicht zu schmer gedeihen, wenig nutzen bringen, übel bekommen, drohung, besonders bei unrechtlichem erwerbe Albrecht 203b; das schmer rege machen, sich in bewegung setzen: eir (ehe) der margraff sein schmer rege macht. herz. Georg v. Sachsen an kurf. Friedr. v. Sachsen vom 24. mai 1519 (im Weimarschen archiv); einen sticht das schmer, im gelüsten:

Brunen deme stak sêr dat smer,
na honnige stunt al sîn beger. Reinke de Vos 581;

in einem spottverse:

morgenröt kan nicht liegen,
magde bauch kan nicht betriegen,
ists kein regen, so ists ein windt,
ist kein schmär, so ists ein kindt.
Andreae Gartneri dicteria proverbialia (1598) 21b.


3) schmer im arzneilichen und technischen gebrauche: das schmeer dient zur artztney, adeps aptus est medicaminibus Steinbach 2, 461; heilsalbe: man müszt gar lang die dicken köpff schmieren und schmirwen, ee das schmär darin ging. Keisersberg postill 3, 10; für augenkranke: liesz das weyb in ein gar finster kammer legen, salbet jr täglich mit einem schmer die augen. Kirchhof wendunm. 1, 144 Österley; gegen wunden:

Thisbe. was mach ich indessen mit dem pfeil?
Piram. steckt ihn in schmer in schneller eil,
so geschwillet nicht die wunde mein.
A. Gryphius (1698) 1, 740;

wie schmiere (s. d.), zum salben der räder eines wagens: das wagenschmer Adelung als landschaftliches wort;

[Bd. 15, Sp. 1032]


ettlicher dâ ergrain
recht als ain alter karren,
der nie kain smer empfangen hêt.
Osw. v. Wolkenstein 14, 4, 17;

zum fetten der haare: die haarlocken von schmeer trieffend. Lessing 6, 518 (Laokoon 25); des leders, der stiefel: nim aber hie das schmär .. dasz du die stiffeln damit salbest. Kirchhof wendunm. 1, 400 Österley; schuehschmer bairisch Schm.2 2, 554;

du solt werden ein schuster,
dich neren mit leder und schmer,
und solt das leder mit den zenen
grosz, weit und breit hin und her denen,
darausz machen den menschen schu.
H. Sachs fastn. sp. 5, 26, 304.


4) schmer in vergleichen, bildern, sprichwörtlichen redensarten: jr hertz ist dick wie schmehr, ich aber habe lust an deinem gesetze. ps. 119, 70; izzo brennet das dach ohne smeer, und es wil alles zu grunde gehen. Butschky hd. kanzl. 226; so werden jr die süsze diser holdseligen büchlein von innerlicher dicker fette, und merklichem markhafftem schmär viler lehren gespickt, fülen und hoch zilen. Garg. (1590) 33; ich werde dadurch unverhofft auf den kanonischen schmeer gebracht .. ich wünsche, dasz einiges, was ich von dem kirchentalg der katholischen mönche sage, auch auf unsre passe. J. Paul erklär. der holzschnitte 98;

gleich wie die pfaffen han betrogen,
die armen bawren auszgesogen,
müssen oft wider halten her,
begossen mit jrm eigen schmer,
mit der masz, wie sie ausz gemessen,
ist jr oft wider nit vergessen.
B. Waldis Esop 4, 9, 32;

schmutz mit schmer vertreiben. Keisersberg irrig schaf 30; der katz das schmer abkauffen, das, was man aus der ersten hand wolfeil haben könnte, von einem dritten, dem man groszen gewinn läszt, kaufen. Schm.2 2, 554; das heiszt schmer von der katze kaufen. Simrock sprichw. 291; schickest die katzen nach dem schmer, ovem lupo committitis Aventin werke 1, 504, 27;

und wer sein schmer für katzen setzt,
würt offt benaschet und verletzt.
Schwartzenberg 123b;

gehst naschen nach verbotnem schmeer.
Ringwald laut. wahrh. 141.

die bedeutung eines mittels zur bestechung fuszt auf der vorstellung der salbe, mit dem der wagen der gerechtigkeit geschmiert wird, damit er laufe und nicht stocke (vgl. auch schmiere und schmieren): hat der client einen gerechten handel, warumb ertheilt ihm dann der burgermeister nicht ex officio sein recht ohne verehrung? hat er aber unrecht, warumb nimmt man dann schmer an? Simpl. 3, 407 Kurz;

es ist jetzt in der welt ein sitt,
wer nit wol schmiert, der fehrt auch nit.
warumb bleibt mancher dhinten fer?
im mangelt advocaten schmer.
Kirchhof wendunm. 128b;

mein sach wär längst zum end geführt,
wenn ich hätt schmer, damit man schmiert.
G. Mauricius Haman B v.


5) schmer von schmerähnlichem.
a) schleimige masse in den augen (vgl. DWB augenbutter theil 1, 805):

die thorheit hat den staar, doch tappte sie voran ...
vom auge sah man schmeer an statt der thränen rinnen.
Günther 494.


b) schmer, das poröse gewebe eines löcherschwammes Nemnich 5, 512.
6) schmer, in einem bairischen kinderspiele schmerbickeln auf lockerem boden: nachdem ein jeder an seinem platze eine grube in den boden gemacht und die dabey ausgestochene erde, die nun das schmer heiszt, darneben gelegt hat, suchen sie, der reihe nach, jeder einen spitzen stecken (bickel) an einem bestimmten punkte des weichen bodens (dem bickelplatze) durch einen wurf einzusenken. wessen stecken nicht haftet, oder unter dem wurf des nachfolgers umfällt, wird von diesem so weit als möglich fortgeworfen. während ihn nun der eigenthümer wieder her holt, machen sich die andern über dessen grube her und nehmen ihm so viel schmer, als sie können, um es sich selber zuzulegen: denn am ende des spieles kommt es darauf an, seine grube wieder gehörig ausfüllen zu können. Schm.2 2, 554.
 
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schmerapfel, m. eine sorte winteräpfel von mittlerer grösze, schmierig im anfühlen Nemnich 5, 512.
 
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schmerbauch, m.
1) benennung des unterleibes, weil sich daselbst das schmer oder fett am ersten und stärksten anzulegen pflegt Adelung; abdomen, der schmerbauch, unterbauch, wanst Kirsch cornuc.

[Bd. 15, Sp. 1033]



2) von vielem schmer oder fett dicker bauch: schmärbauch, aqualiculus, venter collativus Stieler 1882; ein groszer auffgeblasener schnauffender schmerbauch. Garg. (1590) 216; das wamms ist für einen schmeerbauch, bringt mir eins, das genauer auf den leib paszt. Musäus 2, 67; gefühllose dummheit auf den stirnen der mönche, die hinter ihren schmerbäuchen hertrabten. Thümmel 6, 75;

komt zu mir in mein wildbad!
solt jr ein monat bey mir bleiben,
wil euch den schmerbauch wol vertreiben.
H. Sachs fastn. sp. 3, 20, 154;

wie vollmond glänzte sein feistes gesicht.
drei männer umspannten den schmerbauch ihm nicht.
Bürger 66a.


3) träger, inhaber eines solchen: schmärbauch, büchle, der ein groszen auszgelasznen bauch hat, ventriosus, ventrosus Maaler 357c; (es) hette ein solcher schmerbauch in der flucht vor dem feind nicht salviren können. Ol. Variscus ethogr. mundi 1, 104;

der schmerbauch mit der kahlen platte!
Göthe 12, 107;

in der form schmierbauch: (es verlautet) dasz daselbst (in Spanien) neben dem gülden vliesz ein neuer orden, nehmlich das gülden mundstück aufkommen, wann mans anlegt einem .. rathsherrischen schmierbauch, verdorbenen schultheiszen, meineidigen burger, .. so könne man ihr jeden satteln, zäumen und reiten, wie man wolle. Opel-Cohn 387.
 
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schmerbauchig, mit einem schmerbauch versehen: du fetter schmeerbauchiger lümmel. Fr. Müller 1, 166.
 
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schmerbaum, m. fruchttragender (schweinemast gebender) baum, eiche, buche oder sonstiger wilder obstbaum Schm.2 2, 554: item markpaum (grenzbaum) oder schmerbpaum hat es ein besundere puesz, dan von einem schmerbpaum nider zu schlagen ist die buesz dem selben die hand auf den stock zu legen und abschlagen .. und desgleichen ist umb den markpaum auch die buesz. weisth. 6, 203 (Baiern, 15./16. jh.). nach dem glossar zu den östreichischen weisthümern rührt die bezeichnung daher, weil der stock des baumes, wenn er freventlich gefällt wurde, vom frevler in jedem dritten jahre bis zum verfaulen zur strafe mit schmer zwei finger dick zu belegen war; indes ist diese symbolische handlung (bezeugt östr. weisth. 1, 37, 16) wol nur die folge des namens, nicht die veranlassung.

 

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