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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schlichkübel bis schlichte (Bd. 15, Sp. 665 bis 666)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schlichkübel, m. kübel zum wägen des schlichs. mineral. u. bergwerkslex. (1743) 490b. vgl. schlich 2.
 
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schlicht, m., nebenform zu schlich, mit unorganischem t: ausz dem schlicht, so in sumpffen oder schröten ausz dem gesiferten wasser gestehet. Mathesius Sarepta 79a; nicht das geringste stuck, einen acker gut zu machen, ist der mergel, schlicht oder schlier, wie er in Oesterreich genannt wird. Hohberg landl. 2, 19b.
 
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schlicht, f. ist als flurname verschiedentlich bezeugt, zum theil für schlucht (zunächst schlücht) Schm. 2, 504. Schröer 202a; aber auch wol für mhd. slihte, ebene. s. Schm. a. a. o. Kehrein 351.
 
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schlicht, adj. , ursprünglich völlig synonyme nebenform zu schlecht, die im stammvocal mit ahd. slihtî, f., slihten, verb. übereinstimmt, ist dem älteren hochd. fremd; Lexer mhd. handwb. 2, 978 verzeichnet als einzigen beleg:

von diseme vorgerihte
schrîbt Lucas der slihte.
H. v. Neustadt gotes zuokunft 7259.

diese quelle zeigt md. elemente (vgl. Strobls einl. x). in der stelle des O. v. Wolkenstein:

der tôd die leng vil sach richt slicht. 16, 4, 19,

wo der herausgeber slicht als adj. faszt, ist wol das wort als verbalform zu nehmen. schlicht hat sich in der hochd. schriftsprache verhältnismäszig spät eingebürgert und ist unter nd. md. einflusse eingedrungen. im mnd. ist es allgemein neben slecht gebräuchlich, s. Schiller-Lübben 4, 236a, mndl. slicht, engl. slight. Schottel 1400 verzeichnet schlicht neben schlecht, planus, dagegen fehlt es in den wörterbüchern von Stieler und Steinbach. Frisch 2, 198a führt es auf. Adelung bemerkt, dasz schlicht nur 'im gemeinen leben' üblich sei, 'obgleich einige neuere es in die edlere schreibart einzuführen versucht haben' (vgl. die stelle aus Kant unter 3). die einbürgerung des wortes wurde besonders durch die bedeutungsdifferenzierung von schlecht gefördert: auf schlicht gieng die sinnliche bedeutung 'eben, glatt, grade' so wie die davon zunächst abgeleiteten über, während schlecht sich immer mehr auf die zuletzt entwickelte von 'untüchtig, nicht dem zwecke entsprechend, moralisch unwert' einschränkte. den oberd. mundarten ist schlicht fremd geblieben, sonst aus der schriftsprache zugeführt (Hunziker 223). über die nd. mundarten s. das unter schlecht (zu anfang) angeführte und vgl. noch brem. wb. 4, 825. Dähnert 429b. Mi 80b. Schambach verzeichnet slecht, malus 193b und slicht, eben, gerade 194b; ähnlich bei ten Doornkaat Koolman 3, 194b und 197b; hier liegt also deutliche beeinflussung durch das hochd. vor.
1) in ursprünglicher, sinnlicher bedeutung 'grade, eben, glatt', s. oben schlecht 1—6, planus, slichtglat Dief. 440c, levis, slicht 326a; schlicht, planus, non crispatus, aequus, aequatus, glatt gemacht, nicht höckerig, nicht rauh. Frisch 2, 198a; schlichte fläche, glatte, ebene fläche Adelung. in dieser allgemeinen anwendung wird das wort nicht mehr gebraucht, nur wenn das glatte, ebene zugleich das einfachere, kunstlosere, weniger oder gar nicht geschmückte ist, z. b.: der architect wirkt in diesem raume durch ganz schlichte flächen und ähnl. vom haar: schlichte haare, coma non crispata sine cincinnis sive annulis Frisch 2, 198b (vgl. DWB schlecht 4); der zweyte .. war mit braunen und schlichten haaren geziert. Göthe 21, 5; die vom scheitel an schlichten, unterwärts aber sanft sich kräuselnden haare. 39, 128.
2) einfach, kunstlos, dem kostbaren oder reichgezierten entgegengesetzt (s. DWB schlecht 8, a). von kleidung, schmuck, auftreten, äuszerer lebenshaltung: schlichter anzug Campe; er trägt sich schlicht, geht schlicht einher; ein schlichtes haus bewohnen; ein schlichtes mahl, schlichte lebensweise u. ä. ein schlichter becher, ohne besondere verzierung; schlichter ring;

die, anspruchslos, in schlichter alltagshaube,
die niedern seegel gern vor stolzen flaggen streicht.
Gotter 1, 254;

jedoch recht schön (kleide dich), hörst du? schlicht, aber prächtig!
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 5, 12.

[Bd. 15, Sp. 666]



3) in weiterer übertragung. schlicht von der rede und sprachlichen darstellung, einfach, ungekünstelt: schlichter bericht, mit schlichten worten etwas sagen (vergl. DWB schlecht 9): Wilhelm erzählte die begebenheit ganz schlicht. Göthe 21, 67; schlichte prosa den versen vorziehen; ein schlichtes volkslied u. ä.; da, wo reine schlichte form alles ausmacht, da piept sie nach schminke und kräuselei. Bürger 351a; dieser eigenthümliche charakter des tragischen romans ist der verfasserin auf schlichtem wege sehr wohl gelungen. Göthe 45, 221. auch in bezug auf andere künste: einen vorgang auf einem gemälde in schlichter weise darstellen, schlichte harmonieen, eine schlichte melodie u. ä. von rang, stand, lebensstellung: es sind schlichte leute, ein schlichter handwerker, schlichtes herkommen (s. DWB schlecht 14):

ja, und der Friedländer selbst, sieht er,
unser hauptmann und hochgebietender herr,
der jetzt alles vermag und kann,
war erst nur ein schlichter edelmann.
Schiller Wallenst. lager 7.

von verstand, urtheil: der schlichte menschenverstand, der natürliche, durch schulgelehrsamkeit noch nicht verdorbene Adelung; (es ist) eine grosze gabe des himmels, einen geraden (oder wie man es neuerlich benannt hat, schlichten) menschenverstand zu besitzen. Kant 3, 169; ein schlichtes, kunstloses urtheil, das aber die sache richtig bezeichnet. von gesinnung, wesen, inneren eigenschaften, grade, aufrichtig, ohne hinterhalt, einfältig im guten sinne: schlichter sinn, character, einfach und schlicht in seinem wesen, schlichter glauben u. ä.:

dem schlichten glauben ist die that ein ärgernisz.
Gotter 1, 203;

drum schleicht in meinen schlichten sinn
kein blöder stolz sich ein. 239;

drum lasz uns fromm sein, treu und schlicht.
Eichendorff 1, 431;

und sind nicht deine männer
arbeitsam, redlich, schlicht.
Uhland ged. (1864) 89;

doch schön ist nach dem groszen
das schlichte heldenthum. 395.

statt schlecht und recht begegnet zuweilen auch schlicht und recht: schlicht und recht, von grund der seele. Fr. H. Jacobi Woldemar (1779) 228. wie geschlichtet, ausgeglichen:

und kan die sach nit machen schlecht,
so kum ich dann und machs so schlicht
das es würdt inn einr stunden gricht.
Wickram irr. reit. bilger 8a.

s. DWB schlecht 12.
4) bisweilen in dem sinne, wie auch blosz und einfach gebraucht werden, zur bezeichnung, dasz etwas an keine weiteren bedingungen geknüpft, nicht mit besonderen umständen verbunden ist: die schlichte unterwerfung machte allenthalben groszen eindruck. Claudius 8 (1812), 84. einen offizier mit schlichtem abschied entlassen, ohne dasz ihm irgend welcher dank für seine dienste abgestattet oder irgend eine sonst übliche ehrung zu theil wird.
 
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schlichtaxt, f. dolabra Frisch 1, 43c, das breitbeil, mit dem die zimmerleute arbeiten. vgl. DWB schlicht 1, schlichten 1.
 
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schlichtback, m. name eines walfisches (schlicht, glatt, nd. bak, rücken): schlichtback, von härte wegen seiner haut, 30. schritt lang, förchtet die menschen. Forer fischbuch 87b. s. schlichtrücken.
 
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schlichtbar, adj., bei Stieler 1849 glossiert mit blandus, assentatorius, deliniens, et concilians. thatsächlich wird in nd. gegenden schlichtbar in einem activen sinne gebraucht: kaufmann N. ist als schiffsmakler angestellt und schlichtbar gemacht. anzeige aus Leer (1858). hochdeutsch schlichtbar, was geschlichtet, entschieden werden kann: der streit ist nicht schlichtbar.
 
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schlichtbeil, n. wie schlichtaxt:

wie wenn ein meister in erz die holzaxt oder das schlichtbeil (πέλεκυν μέγαν ἠὲ σκέπαρνον)
taucht in kühlendes wasser.
Voss Odyss. 9, 391.


 
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schlichtbier, n. bier, das den 'wandkleibern' zum besten gegeben wird, wenn sie eine 'gekleibte' (mit lehm gedeckte) wand geschlichtet, glatt gestrichen haben. Jacobsson 3, 626b.
 
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schlichtbutt, m. glattbutt, pleuronectes rhombus Nemnich. s. schlicht 1.
 
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schlichte, f. , ahd. slihtî Graff 6, 788, mhd. slihte mhd. wb. 2, 2, 395b. Lexer mhd. handwb. 2, 978, daneben schon althochd. slehtî, vgl. oben schlechte, f. sp. 540.
1) diese alte femininalbildung schlieszt sich der bedeutungsentwicklung von schlecht, wie sie in älterer sprache vorliegt,

[Bd. 15, Sp. 667]


an; 'glätte, ebenheit', in ursprünglicher sinnlicher bedeutung (s. DWB schlecht 3):

ich wæne er wênic schiuhe
slihte oder riuhe,
ebene, berg oder tal. zeitschr. für deutsches alterthum 8, 161, 6;

ain klain verdackt der stirn slicht
mit ainem slairlîn gemait.
Osw. v. Wolkenstein 72, 1, 3.

vgl. Schm. 2, 503. freier, von der ebenmäszigkeit, dem glatten gefüge der sprache (vgl. DWB schlecht 5):

ist iʒ prosun slihti:thaʒ drenkit thih in rihti;
odo metres kleini:theist gouma filu reini.
Otfrid 1, 1, 19.

vom gefüge der reime:

deich iuch tihte
in rehter rime slihte.
Wackernagel leseb.2 608, 3.

ahd. slihtî glossiert superficies, daher woroltslihti, weltfläche:

er quam in girihtiin thesa woroltslihti,
in thiʒ lant breita.
Otfrid 2, 2, 18;

vgl. veldslihti, ubarslihti, obeslihti bei Graff 6, 789. gradheit, z. b. des weges, daher mhd. slihte im sinne von grader weg, grade richtung (s. DWB schlecht 1):

doch reit er wênec irre,
wan die slihte an der virre
kom er des tages von Grâharz
in das künecrîch ze Brôbarz. Parz. 180, 16;

s. die belege im mhd. wb. und bei Lexer a. a. o. besonders gern wird in diesem sinne die slihte der krümbe (vgl. DWB schlecht 2) gegenüber gestellt:

er machte ûʒ einer krumbe
ein rihtige slihte. Tristan 173, 1 Maszmann;

des slîch ich nâ den liuten bî,
mit slihte unt mit der krümbe. minnes. 2, 222b Hagen;

swie verre er (der apfel) von dem stamme walgert in slihte und in krümbe. 3, 86b;

daʒ waʒʒer het niht slihte
und het gar manige krumb.
Cl. Hätzlerin 2, 45, 4;

die slihte krumm machen:

solt ich iu die slihte machen krump. Lohengrin 3292;

schlichte in dieser alten bedeutung begegnet vereinzelt noch in nhd. zeit:

got ist bericht
nach schnres schlicht
all unser gschicht.
Schade sat. u. pasqu. 2, 162, 176.

übertragen, gradheit, aufrichtigkeit, gerechtigkeit, billigkeit (sieh schlecht 11 und 15):

nu sich, wie gotes gerichte
sich ubet in ganzer slichte. pass. 660, 70 Köpke;

hülf man dem fürsten rihten
nâch den rehten slihten. Seifr. Helbling 2, 138;

vrou Wârheit, mit der Slihte
hebt iuch dar enrihte. 7, 563;

daʒ er durch aller triwen slihte
sich enthielt mit deme gerihte.
Ottokar reimchron. 3505;

die krümbe gêt vür die slihte (im rechtsleben).
Suchenwirt 21, 129 (vgl. DWB schlecht 2).

acc. die slihte, in adverbialem sinne, gradezu (vgl. DWB schlecht 13):

dô riet man im die slihte,
er sold inʒ gebieten.
Ottokar reimchron. 95953.


2) das nhd., nur wenig gebräuchliche, fem. schlichte, gradheit, einfachheit ist als neubildung zu schlicht aufzufassen: schlichte, simplicitas Steinbach 2, 440. Frisch und Adelung verzeichnen es in dieser bedeutung nicht. schlichte, die schlichtheit Campe;

in einfalt und in edler schlichte.
Freiligrath 3, 38.


3) in besonderer anwendung:
a) schlichten heiszen die beiden schamseiten, leisten, weichen am menschlichen leibe Schm. 2, 504: um den leib und schligten vom haupt bis auf die füsz. Conbadinus ungerisch sucht (1574) 45; unden in den schlichten am dünnen, neben der scham. Paracelsus (1616) 1, 326 B; bede seiten und schlichten hinabwerts usque ad membrum muliebre. Hohberg landl. 1, 240b.
b) schlichte, bei den webern die masse, mit der sie die kettenfäden glatt machen (s. schlichten 9, a). Jacobsson 3, 626b; schlichte, so die wäber brauchend, colla Maaler 356b (vgl. Scherz-Oberlin 2, 1510); die schlichte auswaschen, lavando auferre collam e texto Frisch 2, 198b. der ausdruck ist durch ganz Deutschland verbreitet, vgl. Schmeller 2, 503. Schöpf 621. Hintner 219. Lexer 220. Hügel 139a. Vilmar 355. Hertel Salzunger wb. 40. Kleemann 19a. Dähnert 430a. Woeste 240a; in gleichem sinne werden sonst gebraucht mäsel (th. 6, sp. 1699), schmeiche, schmitte, schmitze.

[Bd. 15, Sp. 668]



c) bei den gieszarbeiten ist schlichte oder anstrich die masse, mit der die form vor dem gusse bestrichen wird, damit das metall beim gieszen sich nicht ansetze. Jacobsson 7, 234b; die bezeichnung ist offenbar nach der schlichte der weber gebildet.
d) die holzschlicht ist ein platz, wo holz aufgestellt (aufgeschlichtet) wird Schm. 2, 504. vgl. schlichten 7.

 

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