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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schalen bis schalenmehl (Bd. 14, Sp. 2064 bis 2066)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schalen, verb. 1) cortice tegere Stieler 1719, mit einer schale belegen, z. b. die messer (vgl. DWB beschalen). 2) etwas mit schalbrettern bekleiden Jacobsson 3, 533, ein dach, ein ufer, einen mast. gewöhnlicher hierfür ist verschalen. Frischbier 2, 255. 3) das part. geschalt wird in der verbindung hochgeschalt von dem wild gebraucht, wenn dasselbe hohe schalen an den hufen hat. Adelung.
 
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schälen, verb. , mhd. scheln, ahd. scelen aus scaljan (Graff 6, 474), mnd. schellen, schwed. skala, engl. scale, confricare, enucleare.
1) von der schale befreien, die rinde abnehmen Frisch 2, 159a sowol transitiv als reflexiv.
a) eigentlich.
α) von früchten, bäumen, eiern u. s. w.: Jacob aber nam stebe von grünen papelnbawn, haseln, und castaneen, und schelet weisse streiffe daran, das an den steben das weisse blos ward. 1 Mos. 30, 37; einen baum schellen, die rinden abziehen, delibrare Maaler 349b; die rinden abschellen, gluberare, decorticare ebenda; grütz, geschelte gersten, erbsen. Kirchhof disc. mil. 30; die eichen, so geschelet werden sollen,

[Bd. 14, Sp. 2065]


sind im april und zu anfange des maji zu hauen. Döbel jägerpr. 3, 70b; aus dem schmetterling, den der mai aus der hülse schälte. J. Paul Hesp. 3, 207; sie faszte einen apfel und reichte ihn dem heranwachsenden abenteurer über den tisch hinüber; dieser, hastig zugreifend, fing sogleich zu schälen an. Göthe 21, 71;

darzuo möcht zu der selben stundt
das obs sich all zumal verlieren,
weil du die öpffel schölst und bieren. Grobianus 107 neudruck.

reflexiv: sich von der rinden schellen, die rinden lassen, librum remittere dicitur arbor. Maaler 349b;

freude hat mir gott gegeben!
sehet! wie ein goldner stern
aus der hülse, blank und eben
schält sich der metallne kern.
Schiller 11, 318.


β) die haut des körpers, oder das gesicht schält sich, wenn die haut sich wie eine schale ablöst: wenn ein scherer einem wil ein zan usbrechen, so schelt und scheidet er vor das fleisch von dem zan. Keisersberg brösaml. 2, 71b.
γ) vom gestein, zerbröckeln, spalten: er (der serpentin) schelet, zertheilet und spaltet sich leichtlich. Sandrart akad. der edlen bau-, bild- u. malereikünste 1, 1, 1.
b) bildlich.
α) jemanden von seiner äuszeren hülle befreien: überhaupt schälte ihn der romanschreiber eifrig aus seiner militärischen hülse. J. Paul uns. loge 2, 49.
β) sich aus einer angelegenheit glücklich herausziehn: wend das scharpf schwert ab, das ist, schöl dich ausz gefärlichen geschäfften. S. Franck chron. 1531 27b; jedoch schelet er sich fein allgemach drauss und lasst sie sein wie sie gern sein wollen. Fischart bienenk. 229b.
γ) wie aus dem ei geschält, d. h. so glatt und sauber wie ein aus der schale geschältes ei: ist sie (die jungfrau) klar, als hette man sie von einem ei geschelet. Mathesius Sir. 1, 170a; übrigens lagen hier in W. die sämtlichen preuszischen garden, prächtige, aus dem ey geschälte leute, werth, die schönste königin zu bewachen. Fernow in Böttigers litt. zuständen 2, 264;

doch, kerl, du bist dir ja, der teufel hole, schön,
gehst du beständig so, wie aus dem ey geschälet,
und sind die haare stets in dem toppee gezehlet?
Zachariä renomm. 3, 293.


δ) ausziehen, rupfen, prellen: jemand schälen, um sein geld bringen, mit spielen, schmausen, betrügen. Spreng bei Seiler 251b; jetzt wollen wir zusammen die kammerdiener und laquaien schälen, während die herren von unsern chefs gemacht werden. Klinger 1, 113.
c) in technischen ausdrücken. α) den rasen von der erde abnehmen, um das land urbar zu machen. Campe. schälen der stoppelfelder, leichtes umackern. β) es schälen sich die splitter, woraus die stäbe oder dauben einer tonne bestehn, wenn sie aus einander gehn. Jacobsson 3, 546b. γ) das papier schälen, das geleimte und getrocknete papier bogenweise von einander ziehn, um zusammenkleben zu verhindern. Jacobsson 3, 547a.
2) anderes, jedenfalls im stamme verschiedenes schälen, spülen, hin- und herschwenken, wogen. Campe. Frischbier 2, 255a. a) von dem wogen der wellen: ein glas ausschälen, es ausspülen; aber auch das getreide schält, wogt wie ein meer. da risz und schält man den wein ausz potten. Garg. 83b. b) die wäsche schälen, sie durch hin- und herschwenken im wasser reinigen. c) schnell flieszen: das wasser schält man (nur) so. Frischbier a. a. o. d) übertragen, schlottrig, unordentlich gekleidet gehn. Campe.
3) nd. wort mit falscher hd. schreibung schälen, verschieden, uneinig sein, mnd. schelen, schellen, schelden Schiller-Lübben 4, 63a, mnld. schellen, schillen Kilian, ags. scilian, engl. skill, altnord. schwed. skilja. in den alten dialekten heiszt es vorwiegend: unterschied machen, discernere, jetzt aber
a) verschieden sein, discrepare: dat schelet veel, das ist ein groszer unterschied, dat schelet as dag un nagt, das ist wie tag und nacht verschieden. Campe. brem. wb. 4, 628. b) zanken, im streit sein, in Hamburg schwatzen. c) fehlen, gebrechen, mangeln: wat schelet di, was fehlt dir? daar schelet nig veel an, es fehlt nicht viel daran u. s. w.
4) schälen in beschälen, s. d. th. 1, 1544, vgl. auch schälhengst.
 
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schalenassel, f. abart der asseln. Oken 5, 618.
 
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schalenblende, f. eine kiesart. Oken 1, 443.
 
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schalenförmig, adj. und adv. von der form einer schale.
 
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schalenfrucht, schalfrucht, f. eine von einer schale umgebene frucht, nux, acrodrya. Stieler 573.

[Bd. 14, Sp. 2066]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schalengehäuse, n. schale die einem thiere, z. b. einer schnecke, als gehäuse dient, testa, cochlea, concha, crusta Nemnich: dasz der sichtbare (kopf) noch da bleibt, schadet wenig; er ist blos das futteral oder das schalengehäuse oder der geschäftsträger des weggeschafften. J. Paul aus des teuf. pap. 1, 21.
 
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schalengeschöpf, n. schalthier: das brennbare der luft beförderte vielleicht den kiesel zur kalkerde, und in dieser organisierten sich die ersten lebendigen des meeres, die schalengeschöpfe. Herder z. phil. u. gesch. 4, 48.
 
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schalengerüst, n. die gesamtheit der den körper eines schalthieres zusammenhaltenden schalen.
 
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schalenlos, auch schalelos, ohne schale, ohne hülle.
a) eigentlich: weiche sitten, nachgebende grundsätze, würden vom anfange an alles haben zerflieszen lassen, wie ein schaleloser saft zerflieszt. Herder z. phil. u. gesch. 7, 99;

minn ist ein sache hæle
alsam ein schaleloseʒ ei. Reinfrid von Braunschweig 10811.


b) bildlich: es wird daher gut sein, wenn du vermuthest, dasz die schalenlosen damen heimliche jesuitinnen und freimäurerinnen sind, weil in beiden orden die mysterien und verhüllungen mit entblöszung anfangen. J. Paul Hesp. 1, xvi.
 
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schalenmehl, n. mehl, welches noch in der kleie zurückgeblieben ist und herausgebeutelt wird. Jacobsson 3, 535a.

 

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