Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schäkerhaft bis schalaundecke (Bd. 14, Sp. 2055 bis 2059)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schäkerhaft, adj. nach art eines schäkers, scherzend, mutwillig. Campe: wie eine gluckhenne, wenn der weih hoch über dem dache in den lüften schwebt oder der schäkerhafte spitz

[Bd. 14, Sp. 2056]


auf dem hofe hetzt, mit ängstlichem glucksen vorerst ihre küchlein in den sichern hühnerkorb lockt, dann ihr gefieder emporsträubt, die flügel ausbreitet und mit dem stärkeren feinde einen ungleichen kampf beginnt. Musäus volksm. 1, 44.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schäkerin, f. zu schäker, älter auch schäckerinn (vergl. DWB schäker und schäkern): ihr seyd beide schäkerinnen. Lessing 1, 402; Franciska. sie wollte wohl; aber — wir können geschriebnes nicht gut lesen. v. Tellheim: schäckerinn! 559.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schäkerlaune, f.:

das kitzelding neckt mich zum halben faune.
ich glaube gar, es ist die schäkerlaune.
Bürger 336 Sauer.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schäkern, verb. kurzweil, mutwillen treiben, scherzen, tändeln Adelung. Frisch 2, 156a erklärt es als 'überlaut in gesellschaft lachen'. die schreibart des zuerst aus dem anfang des vorigen jahrhunderts belegten wortes schwankt in älterer zeit. neben schäkern findet sich scheckern, tscheckern. Rädlein bei Weigand 2, 542, schäckern, joculor Steinbach 2, 368, tschäckern Günther 238 neben schäckern 925, schökern Weisze kom. op. 3, 35, Göthe und Schiller bieten schäckern neben schäkern und noch Platen schreibt schäckern (die stellen s. unten). über die entstehung des worts vgl. DWB schäker 5: aber das sag' ich dir, Maritorne, mein täubchen! schäkre mir nicht mit ihm. Wieland 11, 203; da schäkerten wir noch eine gute weile mit einander. 212; da Pedrillo von dem vergnügen sie zu sehen und mit ihr zu schäkern (wie er es nannte) ... berauscht war. 12, 333; sie fangen an zu schäkern. Lenz 1, 280; übrigens schreien, schäkern und singen sie den ganzen tag, werfen und balgen sich, jauchzen und lachen unaufhörlich. Göthe 27, 73; wenn die grosze menge geputzter bauersleute, oft noch mit gebetbuch und rosenkranz aus der kirche kommend, die schanze füllten, sich umsahen, schwatzten und schäckerten. 30, 301; wenn er kam, murmelte er eins, zwei worte, streckte sich im sofa, ergriff etwa diese oder jene broschüre, warf sie weg, schäckerte mit seinem hund oder schlief zuletzt gar ein. Schiller 3, 536; daher lass' ich für die deutsche unbehülflichkeit auch nichts drucken, sondern werfe ganze bogen, die ich mit dergleichen schäkernden ideen-fischchen vollgelaicht, anstatt in den buchladen sogleich an den ort, wohin solche werke sonst .. erst im alter kommen. J. Paul Siebenk. 1, 146;

du (Amor) tschäckerst; diesz verbeut mein schmertz.
Günther 238;

wir schäkerten uns satt.
Hagedorn 3, 75;

zum liebsten sey ein kobold ihr beschert!
der mag mit ihr auf einem kreuzweg schäkern.
Göthe 12, 105;

meiner plane stolze pyramiden
trippelst du mit leichten zephyrtritten
schäkernd in den staub.
Schiller 1, 259;

Chloris, Doris, magre schäferinnen,
die ihr schäckertet im öden thal!
Platen 62b.

substantivierter infinitiv: ich weisz wohl, wenn ihr einmal im schökern seyd, so denkt ihr weder an vater, noch an zaun. Weisze kom. op. 3, 35 (1777 s. 18: wenn ihr einmal ins schökern kommt);

die stunde, worinnen umarmung und schmeicheln,
behägliches schäckern, empfindliches heucheln
und stärckender athem, und brünstiger wind,
und redliches schnäbeln verschwenderisch sind.
Günther 925.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schäkerteufel, m. schäkerhafter, mutwilliger teufel:

drum halt ich ihn nicht für gefährlich,
denn schäkerteufel schaden schwerlich.
Soltau bei
Campe.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schakwerk, n. die zusammensetzung der verschiedenen stücke, woraus grosze masten und raaen zusammengesetzt werden. Campe. Bobrik naut. wb. (1850) 580b. auch holl. schaakwerk. ob mit schake 1 und schakel 1, glied einer kette verwandt? der begriff des zusammenfügens ist gemeinsam.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schal, adj. insipidus, abgeschmackt Schottel 1392, exhaustus, insulsus, insipidus, insuavis Stieler 1716, mhd. einmal in gleicher form mit der bedeutung 'trübe' belegt (s. unten 1), nd. schaal brem. wb. 4, 598, mnd. aus einer quelle von 1424 in der gewöhnlichen sinnlichen anwendung nachgewiesen. Weigand 2, 542. ob das westerw. schal, school, trocken, dürr, leck, bei seiner so verschiedenen bedeutung hierher gehört, ist zweifelhaft. Schmidt 207. Pfister 244. verwandte bildungen sind schalen, verschalen, die im späteren mhd. und älteren nhd. begegnen. auch das niederl. bietet verschalen. die herkunft des wortes ist noch nicht sichergestellt. Weigand 2, 542 vermutet zusammengehörigkeit mit schale und setzt als grundbedeutung an 'in sich gesondert', d. h. 'aufgelöst, verdorben.'

[Bd. 14, Sp. 2057]



1) von getränken, die ihren frischen, angenehmen geschmack verloren haben, besonders von abgestandenem, mattem bier und wein: ranwein, quod vapescit, wirt seyger, hat kein geschmack mehr, ist schal. Alberus; schal bier, cerevisia fugiens, acescens, exhalata Stieler 1716; schaler wein, vappa, vinum exhaustum et attenuatum. ebenda. vom essig Schambach 180a. schäle milch, die dick geworden ist, ohne rahm abzuscheiden. Schmeller 2, 393 (Aschaffenburg); in Hessen schael von abgestandener milch, die nicht gerinnt und keinen rahm ansetzt. Vilmar 340. schale brühe (im bilde): sie (die liebe) ist eine so starke würze, dasz selbst schale und ekle brühen davon schmackhaft werden. Göthe 18, 86. verbindungen wie das mhd. schale ougen, trübe:

die liehten ougen (sint?) schal. altd. wälder 3, 165, 47

(vergl. schâlen, trübe werden Germ. 7, 494) sind der heutigen schriftsprache fremd. ähnlich heiszt es jedoch im nd. mit verinnerlichung der beziehung schaal uut seen, ein miszvergnügtes gesicht zeigen. brem. wb. 4, 598.
2) auf unsinnliches gebiet übertragen im sinne von reizlos, gehaltlos, abgeschmackt, matt, fade. so von worten mit bezug auf ihren inhalt: schale rede, oratio jejuna, languida, frigida, insuavis, sine viribus et nervis. Stieler 1716. schale verheiszungen, promissa vana, irrita, inania. ebenda. schale gründe, rationes infirmae, leves ratiunculae, argumenta nugatoria. ebenda. schale bossen, ineptiae, nugae. ebenda. schaler spasz, witz, spott, schale komplimente: schaler spott über so viele fehlgeschlagene versuche. Kant 2, 692; es ist doch viel schaaler witz darin. Lichtenberg 7, 184; wenn ich nicht besorgte, mir einige schale komplimente zuzuziehen. Wieland 6, 172; aber auch diese schalen späsze verloren bald ihren reiz. Göthe 24, 202;

bin ich der mann, den unsinn zu verdrängen,
der, von der Seine her, im strom der mode kömmt,
und unser Deutschland, ungehemmt,
mit wörterbüchern und romanen und gesängen,
voll schalen witzes, überschwemmt?
Gotter 1, 407;

ähnlich:

du nennest meinen rath ein schales sinngedicht?
Lessing 1, 19.

ein mensch, der schale worte spricht, heiszt schaler schwätzer: der schaalste schwätzer. Kant 3, 170. schaler reimer:

das schicksal stürzet, früh oder spät, das lied
des schalen reimers und des dichters
in der vergessenheit nacht hinunter.
Hölty 88 Halm.

so auch schaler mensch, geist, kopf und dergl.: ein schaler kerl, homo vilis, nullius pretii. Schottel 1716; ein vorwurf, der groszen männern ... von schalen köpfen gemacht wird. Kant 1, 367; er sprach von allem mit dieser leichtigkeit des witzes, welche über die gegenstände nur dahin glitscht; eine eigenschaft, wodurch sich oft die schalesten köpfe in der welt (auf einige zeit wenigstens) das ansehen, als ob sie verstand und einsichten hätten, zu geben wissen. Wieland 3, 28; denn um schaalen köpfen zu gefallen, musz man selbst ein schaaler kopf sein. Knigge umgang m. menschen 3, 61; hätte Jean Jaques Rousseau die werke, die ihn mit recht so berühmt gemacht, in früheren jahren geschrieben, er würde wahrscheinlich weniger thorheiten begangen, und die eigenliebe schwacher, schaaler geister dadurch weniger gekitzelt haben. Klinger 11, 208; in einen so schaalen jungen, den blosz sein weisz und roth, und höchstens die frische jugend empfehlen kann? Tieck novellenkranz 4, 216. schales leben, inhaltloses: dasz bei ihnen (den Deutschen) eigentlich das leben schaal und sorgenschwer und übervoll von kalter, stummer zwietracht ist. Hölderlin 2, 183 Köstlin;

der götterstand, herr sohn, um ihm sein recht zu geben,
ist (unter uns) beim Styx! ein schales leben.
Wieland 9, 151;

wie so schal dünkt mich diesz leben,
wie so schal und jämmerlich!
Grillparzer 6, 121.

im bilde der sinnlichen bedeutung genähert: wenn man blos daran zu denken gewohnt ist, wie viel grosze brauchen, um ihr schales leben einigermaszen abzusüszen — lumpenzucker, halbe baffern, groszmelis, kleinmelis .. — so erstaunt man freilich, wie unser paar mit dem matten zuckerwasser auskam. J. Paul leben Fibels 92. so weiter in manchen anderen fügungen: dünckt jemand dis (das vorher gesagte) zu schal oder zu faul zu sein, der gebe es besser, oder lasse die obgesagte meinunge gelten. Luther 3, 498a; die gewöhnlichen ... formeln enthalten eine schale weisheit, die gar keine bestimmten principien hat. Kant 5, 231; alles oder gar nichts! das schale mittelding, das sich so die hintere scene des menschlichen lebens durchschleppt — weder ruh' noch befriedigung

[Bd. 14, Sp. 2058]


da zu erjagen! Fr. Müller 2, 34; die ... freilich sich mit so viel kleinigkeiten abgeben muszte, dasz ihr herz und kopf oft wüste ward, dasz sie keine unterhaltende gesellschafterin war, dasz er mit der lebhaftigkeit seines geistes meinen umgang nothwendig schal finden muszte. Göthe 10, 168; wiedergeburt aus dumpfer dummheit, hohler narrheit, schalem glauben. Arnim schaub. 2, 111;

dann ernstlich, trawrig, wichtig sachen,
mögen die bursch nicht frölich machen.
drumb sag daher ein schalen schwanck. Grobian. 1330 neudruck;

so eine freude ist freylich etwas schal.
Wieland 4, 125 (n. Amadis 6, 8);

metafysik ist schaler zeitvertreib
für nymfen die in lauben wachend schlafen. 5, 257 (verkl. Amor 5, 197);

und wie man sonst ein theatralisch werk
mit trauung oder tod zu enden pflegt;
so fürcht' ich, unser schwärmend lustig leben
wird sich mit einer schalen ordnung schlieszen.
Göthe 10, 270;

wie nur dem kopf nicht alle hoffnung schwindet,
der immerfort an schalem zeuge klebt. 12, 39.

sogar die welt wird schal genannt:

was ist denn köstliches an dieser schalen welt!
Fr. Müller 2, 290;

ähnlich:

ich war doch sonst
in eben dieser welt nicht unzufrieden.
wie schaal ist alles nun und wie gemein!
Schiller Piccol. 3, 3.

mehr der älteren sprache gehören die folgenden wendungen an, in denen das wort von der bedeutung 'inhaltlos, leer' aus sich dem sinne von 'erfolglos, kümmerlich, elend' nähert. schal abziehen:

ansehn aber ist gottes gabe,
wer das nicht hat, der zeugt schahl abe.
Rollenhagen froschm. (1595) Ff 4a;

schal bestehn:

ey ey wie schal bestehn wir hie.
B. Ringwald evang. Ji 3b;

du wirst gar schal bestehen.
W. Spangenberg fangbriefe F 6a;

schaal und kahl bestehn. Schottel 1392. verbunden mit kahl findet sich schal auch sonst häufiger und noch in neuerer zeit: satt, matt, schal, kahl. J. Paul 34, 147, weitere belege unter kahl 5, th. 5, 29. schales getränk ist ekelerregend, unangenehm. auch in diesem sinne erscheint das wort daher in bildlicher anwendung:

doch will ich dir zu lieb hierher
etlich exempel ungefehr
von schalen, groben sitten setzen. Grobianus 3358 neudruck.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schalaster, f. und m. 1) mundartliche nebenform zu elster, wie dieses aus agalaster entstanden. so im anhaltischen Nemnich 1, 1246, in Schlesien Weinhold 80b, in Glatz und Groszglogau scholaster, schulaster Nemnich a. a. o., in Posen schagaster Bernd 247. elster, aglester, schalester. Colerus hausb. 478. 2) name des roten hollunders, sambucus racemosa, dessen beeren gern von vögeln, besonders drosseln, gefressen werden. Nemnich 2, 1219. Pritzel-Jessen 361b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schalasterstrauch, m. dass. wie das vorige 2. Pritzel-Jessen 361b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schalatzen, verb. schlendern, müszig gehen, spazieren, in älterer sprache:

wo geht er heut schallatzen umb?
H. Sachs bei
Schmeller 2, 393;

schalazen fahren und spacieren. ebenda;

erstlich müszen die reichen
die drei monat spaziern
in gerten und meiiern,
schalatzen, reitn und farn. ders. spruchged. s. 119, 1 Tittmann.

ähnlich: es het schier ein ieder under denen tomherren ein eigens schifflin; darmit liesen sie sich uf dem wasser darafter fueren, schalatzen. Zimm. chron. 3, 558; verboten, das niemand under derselben zeit (predigt) in oder auszer der stad vor den toren solte spazieren und schalazen gehen. quelle von 1595 bei Birlinger 390a. daneben schalanzen: faulentzen, schalantzen. Henisch 1017, 61, vagari liberius Frisch 2, 158c. mundartlich erhalten, so im bair. schalanzen, schallatzen Schm. 2, 393, kärnt. ist. schalaz˙n sich mit jemanden unterhalten. Lexer kärnt. wb. 213, im Defregger dialekt schellátz'n, mit dingen, an die aberglaube oder religion geknüpft sind, mutwillen treiben. Hintner 215. der ursprung des wortes ist nicht sicher. vielleicht darf

[Bd. 14, Sp. 2059]


man mit Henisch 1017, 61 an gr. σχολάζειν denken, wonach dies wort wie das sinnverwandte spazieren den klerikern seine entstehung danken würde. ist schlenzen verwandt?
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schalaundecke, f. feine wollene decke, schalaune (s. das folgende): hat der kranke ein fedder bett uber, so schneyde mans auff und nehme das inlath mit den feddern heraus, das er allein die ziechen uber behalt, ist sie zu dünne, so lege noch darüber eine schalaundecken, nicht eine peltzdecken. quelle in der zeitschr. f. d. phil. 17, 447.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: