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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schafzüchter bis schäkerhaft (Bd. 14, Sp. 2054 bis 2055)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schafzüchter, m. der schafzucht treibt.
 
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schafzunge, f. 1) zunge eines schafes. 2) pflanzenname, plantago maior und plantago media Nemnich 4, 1001. 1003: schoffzung, plantago Brunfels herbarum vivae eicones (1530) 25.
 
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schakal, m. canis aureus, schakall, tschakal Nemnich, der capische schakal, canis mesomelas ebenda. das wort, das vielleicht durch vermittelung des franz. zu uns gekommen ist (chacal), entstammt wie das damit bezeichnete thier dem orient. es ist das pers. ṣaghal, dem skr. çṛgâlá entspricht Fick4 1, 212. Kluge4 294a. die flexion ist die starke, betonung schákal und schakál, plur. in deutscher form schakale und in fremder schakals: ich erkor eine der verborgensten (höhlen), die zugleich geräumig, bequem und den schakalen unzugänglich war, zu meinem künftigen aufenthalte. Chamisso 2, 329 Koch;

Troer an unseren schiffen so nahe nun! welche vordem ja
gleich den hindinnen waren, den flüchtigen, die in den wäldern
zehrung sind für schakal' und reiszende pardel und wölfe.
Voss Ilias 13, 103;

beiden macht' ich was zurechte,
rupfte gleich die jüngsten tauben;
weil er von schakals geschlechte,
legt' ich bei geschwollne trauben.
Göthe 3, 186;

der teufel wollte einen mörder schaffen
und nahm dazu den stoff von manchem thiere:
wolf, fuchs und schakal gaben her das ihre;
nur eins vergasz der ehrenmann: den muth.
da drückt' er ihm die nase ein voll wuth
er rief: lump', werd' ein jud' — und recensire!
Grillparzer 1, 132;

im bilde:

judenvolk, ihr seid hyänen,
wölfe, schakals, die in gräbern
wühlen, um der toten leichnam'
blutfraszgierig aufzustöbern.
H. Heine 1, 469 Elster.


 
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schake, f.
1) glied einer kette, das aus einem an beiden seiten umgebogenen draht besteht. Jacobsson 7, 181, dann auch eine aus solchen gliedern bestehende kette. Adelung. das wort ist eigentlich nd., schake, schak bedeutet hier glied einer uhrkette. Frischbier 2, 254b, und kettenglied schlechthin Mi 74b. die regelrechte hd. entsprechung wäre schache, vgl. das folgende.
2) nd. und md. ist schake ferner bein, fusz, schenkel brem. wb. 4, 596. Kehrein 1, 339, śgoáken Frommanns zeitschr. 4, 139, 6, schaf- oder kuhfusz Jecht 92a: sine langen schaken in teen, die beine nicht so weit ausstrecken. brem. wb. 4, 597; de schaken vort teen, hurtig zu gehen ebenda, de śgoáken smeiten, die beine werfen Frommann 4, 139, 6. dasselbe wort ist augenscheinlich das rheinfränk. schochen (bein) 2, 552, 56. 6, 280, 59, fürderschochen, vorderfüsze 3, 48, 18. verwandte bedeutungen im nd. schoken, knochen Firmenich völkerstimmen 1, 421, 99. 42, 129, schaken, glieder 175, 14.
3) schake, landschaftlich, 'alter oder schlechter schuh' Kehrein 1, 339. Jecht 92a, schôken Vilmar 365. Schm. 2, 366 vergleicht nürnb. schack, altes buch. weiteres s. beim folgenden.
 
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schakel, m. f.
1) kettenring, in nautischer sprache Campe. Bobrik naut. wb. 580b, ein nd. wort ten Doornkaat Koolman 3, 89a, verwandt mit dem vorigen 1, dessen hd. entsprechung schachel in gleicher bedeutung im hess. vorkommt. Kehrein 1, 338. Pfister 244. dasselbe bedeuten auch holl. schakel und engl. shackle.
2) nd. ist schakkel weiter ein holzklotz, der dem pferde um einen oder beide vorderfüsze befestigt wird, damit es nicht von der weide wegläuft. Schütze 4, 19. ten Doornkaat Koolman 3, 89a.
3) formell entsprechen ags. sceacel, das columbar und plectrum glossiert. Bosworth-Toller 820, altn. skökull, deichsel Cleasby-Vigfusson 565a, schwed. skakel, gleicher bedeutung, dän. skagle, zugstrang am pferdegeschirr. ob eine gemeinsame grundbedeutung anzunehmen ist, ob verwandtschaft mit dem verb. schachen, ags. scacan, im sinne von 'sich bewegen' besteht, ist bis jetzt nicht sicher auszumachen. Schmeller 2, 366 vermutet zusammenhang von schake mit schenkel.
 
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schaken, verb., s. DWB schachen.
 
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schakenholz, n. holzklotz, der zur anfertigung von schaken, kettengliedern, dient. Jacobsson 7, 181b (vgl. DWB schake 1).
 
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schakenkette, f. kette, die aus schaken besteht Jacobsson 7, 181b (vgl. DWB schake 1).
 
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schäker, m.
1) vom menschen, meist im guten sinne von schalk, schelm, der kurzweil oder mutwillen treibt, scherzt, lacht,

[Bd. 14, Sp. 2055]


kost, tändelt. Adelung. Dähnert 399a. in älterer zeit auch schäcker und schöcker (s. die belege und schäkerei, schäkern): du kleiner, loser schäker! Campe; der schäker, .. dem immer sein system zu gebote steht, sah die überraschung nur zu gut voraus, die er mir und meinem lehrmeister zubereitete. Thümnel reise 6, 62; der schäker, merkt man leicht, will nur mich und den leser gern mit hasenschwänzen behängen. J. Paul Hesp. 1, 86; (zu jauchzenden kindern) seht nur her, schäker! jubelsen. 185;

einst durfte wohl der schäker aus Certaldo (Boccaccio)
von damen, herren, mönchen, nonnen schwatzen, ...
doch seiner zeiten freiheit ist gewichen.
Immermann 13, 274 Boxberger.

vom thiere, dem menschliche eigenschaften beigelegt werden:

ich setze meine kappe
an eure krone, herr, wofern der schäker (der hahn) nicht
noch diese nehmliche nacht uns ins gehäge bricht.
Wieland 4, 50 (Amadis 2, 38).

aber auch wie schalk, schelm im bösen sinne, tückischer, hinterlistiger mensch, so im hessischen Vilmar 340. in den Ostseeprovinzen ist schäker ein mensch, der sein versprechen nicht erfüllt u. dergl. m. Hupel 201; ähnlich:

herr schäker, fällt Amadis ein, ich hätte grosze lust
ihm durch den kürzesten weg, den uns Euclides weiset,
die ohren zu stutzen.
Wieland 4, 147 (Amadis 7, 3);

hab' ich ihm schnabel und schädel,
den ich im munde gefühlt, nicht unbeschädigt entlassen?
hat mir der schäcker nicht schmerzen gemacht? (der wolf vom kranich, der ihm den knochen aus dem rachen zog).
Göthe 40, 177.

in verblaszterer bedeutung, armer schäker wie armer schelm, tropf: und meistens schlägt obendrein noch das unglück dazu, dasz der arme matte schäker, von dem sich ein solcher irdischer engel .. durchaus nicht will anbeten lassen, selten noch die kräfte auftreibt, um zum engel zu sagen: 'hebe dich weg von mir'! J. Paul Hesp. 2, 8.
2) schäkerei, scherz Campe: seinen schäker mit jemand haben. ebenda.
3) hessisch ist schäker auch ein bissiger hund. Vilmar 340.
4) ein schlechtes pferd Adelung (meiszn. schäker oder schächer). Nemnich. Hupel 201.
5) Vilmar (id. 340) ist geneigt, das wort in seiner gewöhnlichen bedeutung 'kurzweiliger, mutwilliger mensch' (s. 1) als die nd. form von schächer anzusehen. Höfer vergleicht 3, 65, unter schacksel, das östr. possenreiszer bedeutet, krain. shakati, springen. beachtung verdient auch der von Frisch 2, 156a gegebene hinweis auf niederl. schachen, cachinnari. so schon bei Kilian, auch im niederd. ist schachern laut lachen. brem. wb. 4, 392. directer zusammenhang ist hier jedoch lautlicher schwierigkeiten wegen kaum möglich. mehr wahrscheinlichkeit hat die annahme einer entlehnung aus hebr. scheker () lüge, trugrede, lügner, von schâkar () lügen, täuschen, jüdisch-deutsch schakren, in der gaunersprache schäker, schäkern. Weigand 2, 542. beeinflussung durch schächer scheint aber, wie die verbindung armer schäker vermuten läszt (vgl. 1 und schächer), doch auch vorzuliegen. unsicherer noch ist die entstehung der bedeutungen 3 und 4, vgl. Adelung und Vilmar 340.
 
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schäkerei, f. das schäkern, getändel, mutwille, scherz. Adelung. in älterer zeit auch schökerei, schöckerei (vgl. DWB schäker und schäkern): der graf heurathet sie einmal nicht, und zur schökerey dünkt sich unser einer zu gut. Weisze kom. op. 3 (1771), 30 (ausg. von 1777 s. 14 schöckerei); Don Pedro gestand ihr willig ein, das es (die feenmärchen) schäkereien seyen. Wieland 11, 18; die starken geister, witzlinge und philosophen .. pflegten aus übermuth, oder um ihre herzhaftigkeit zu beweisen, den geist (Rübezahl) oft zu citieren, aus schäkerei bei seinem ekelnamen zu rufen und auf ihn zu schimpfen. Musäus volksm. 1, 21 Hempel; natürlich gerieth sie auf den wahn, das sei eine abgeredete sache, und der herr von Riesenthal würde der schäkerei dadurch ein ende machen, dasz er unvermuthet selbst zum vorschein käme. 71; ich habe eure einwilligung, und wegen der schäkerey wollen wir —. Göthe 11, 113;

drum weg mit schäkerein!
Bürger 23b.

seltener concret, von scherzgegenständen, süszigkeit: da wir ihn um arzney plagten und er wohl sah dasz uns nichts fehlte, gab er doch jeder eine dose wohlriechender und wohlschmeckender schäkereyen. Göthe 11, 45.
 
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schäkerhaft, adj. nach art eines schäkers, scherzend, mutwillig. Campe: wie eine gluckhenne, wenn der weih hoch über dem dache in den lüften schwebt oder der schäkerhafte spitz

[Bd. 14, Sp. 2056]


auf dem hofe hetzt, mit ängstlichem glucksen vorerst ihre küchlein in den sichern hühnerkorb lockt, dann ihr gefieder emporsträubt, die flügel ausbreitet und mit dem stärkeren feinde einen ungleichen kampf beginnt. Musäus volksm. 1, 44.

 

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