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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pikant bis piket (Bd. 13, Sp. 1846 bis 1847)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pikant, adj. und adv. aus franz. piquant (und manchmal so geschrieben), spitzig treffend, den (sinnlichen oder geistigen) geschmack stark reizend, höchst anziehend:

gib, o schenke, mir getränke, aber fein pikantes.
Rückert 4, 158;

ach ich merke, freund, du möchtest
gern pikant dein süsz gedicht;
aber in der pfeffermühle
mahlt man keinen zucker nicht.
Mörike ged. 216;

pikante anekdoten. G. Keller Seldw.4 2, 95; unsere artigkeiten gegen ihn (Schröder) werden .. blosz dazu gebraucht werden, sein schmollen mit den Hamburgern desto pikanter zu machen. Schiller an Göthe 523 (4, 347); wenn ich höflich und pikant sein will. Hauff werke (1869) 2, 115;

die war ein ächtes hauptstadtkind,
ein wildfang, pikant, sehr weltlich gesinnt.
Scheffel waldeinsamkeit 3.

davon die pikanterie 'ein in Deutschland gemachtes französisch sein sollendes wort, welches personen von handwerksburschengeschmack häufig für feindschaft, oft auch für stichelei gebrauchen'. Heynatz 2, 322.
 
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pike, f., s. pick m.

[Bd. 13, Sp. 1847]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pike, picke, pieke, f. langer spiesz, lanze ohne fahne und knopf, infanterielanze (Schultz höf. leben 2, 178. Freytag bilder 3, 25), mit mnd. pêk, pêke (Schiller-Lübben 3, 313b), mnl. pieke, pike, pycke (s. Schultz a. a. o. Kilian 401b), nnl. piek entlehnt aus franz. pique, altfranz. picque, picke (vergl. pik); die schreibung pieke (Adelung, Campe, Voss antisymb. 2, 196) ist nl.:

der sprung, wie man denselben tut
an piken (pike als springstange) in dem Niderland. Teuerdank 31, 33 Gödeke;

in jedes (schiff) stunden dreisig man,
hatten piegen (so) und büchsen an.
Rollenhagen froschm. 3, 2, 4 (Vv 5a);

spüesz, stangen, bücken. S. Bürster 12; in der rechten hand (hielten sie) eine lange spiszruthe, gerade als eine picke. Philander (1650) 1, 168; die pike schwingen. Stieler 118;

was nutzet es, dasz ihr wol schwingt
den fahn und auch die picke.
Gryphius lyr. ged. 366 P.;

(bewaffnet) mit macedonischer pike.
Voss Ovids verw. 52, 262;

und wenn er mich nun mit der pike sieht
dastehn.
Schiller 12, 369 (Wallenst. tod 5, 2);

das unnütze feuerrohr macht dem schwert und der pike platz. 8, 288; der erste strahl der sonne spiegelte sich in ihren piken. d. j. Göthe 2, 132; das ist als wenn man durch die piken (vergl. spieszruthe) laufen müszte. werke 35, 116; sprichwörtlich, von der picke an, auf, von der untersten stufe an (Wander 3, 1345 f.):

bist von der picken an zum hauptmanns-stab gestiegen.
Mühlpforth leichenged. 227;

ich diente von der pike auf, was man so nennt. Auerbach ges. schriften 15, 210; welche die menschheit, wie man sagt, von der pike auf dienen lassen. Strausz streitschriften 2, 69. — auch die reiterlanze (der kosaken): wenn sie die pieke einlegten und ihre magern pferde mit lautem hurrah antrieben. Freytag bilder (1867) 4, 406; im schnellsten ritt drehten sie die pieke wirbelnd um den kopf. ebenda.
 
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pikenier, m., mnl. pykenier und pyckier (Kilian 401b), nach franz. piquier, pikenträger; auch pikenierer Stieler 118. Rädlein 703b. Schiller 9, 52. 73 und piquenirer Simpl. 2, 90, 25. 30, pikenir Hederich 1777, pickenier Kramer hoch-nidert. wb. 161b. Frisch 2, 59b: beim beginne des (dreiszigjährigen) krieges galt der pikenier für den schwersten infanteristen. Freytag bilder (1867) 3, 24. 26; eine trompetenschnecke, buccinum lanceatum. Nemnich 1, 100.
 
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pikenmann, m. mit der pike bewaffneter, pikenier Dahlmann gesch. d. franz. revol. 373 (pikenmannschaft 404). Becker weltgesch. 14, 327. Freytag ahnen 6, 297.
 
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pikenschwinger, m. jouëur de pique Rädlein 703b.
 
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pikenspiel, n. lusus sarissarius Stieler 2088.
 
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pikenstich, m.: ich hatte ... einen piken-stich in die rechte hüfte bekommen. Felsenb. 1, 58.
 
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pikenträger, m. was pikenier Kramer hoch-nidert. wb. 161b. Frisch 2, 59b. F. Müller Faust 65, 1. 74, 2 neudruck; scarabaeus lancifer Nemnich 3, 439.
 
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pikern, s. pickern.
 
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piket, n. aus franz. piquet (auch manchmal so geschrieben).
1) eine in lagern (franz. piquet lagerpflock) oder bivouaks hinter den feldwachen zur unterstützung derselben oder überhaupt zum ausrücken bereit gehaltene truppenabtheilung. Jacobsson 3, 253a; ein piket jäger Göthe 30, 34 (piquet 105).
2) ein kartenspiel unter zweien (mit piketkarten), wobei man auf hundert pics (augen) spielt. Adelung, vgl. piketspiel: so spielte der von Hannover den gantzen tag piquet mit Gibson. Elis. Charl. (1871) 508; offenherziges oder aufgelegtes piquet. Amaranthes frauenzimmerlex. 1354; die mutter .. foderte ihn zum piquet auf. Hermes Soph. (1776) 6, 204; das alte eingeschlafene piquet wurde daher hervorgesucht. Göthe 25, 243.

 

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