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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pieraas bis pietist (Bd. 13, Sp. 1844 bis 1845)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pieraas, n. m., mnd. pîrâs, regenwurm als köder (aas) an der angel Schiller-Lübben 3, 332b: die plötzen-angel bedeckt man mit pyras oder regenwürmern. Colerus hausbuch 497;

[Bd. 13, Sp. 1845]


pieraas Nemnich 2, 459; so wärs mir lieb, wenn sie ihr nez auswürfe oder ihren angel; den pihras, der darauf steken mus, will ich besorgen. Hermes Soph. (1776) 6, 405.
 
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piere, f. oder maipiere, pierling, die elrize Brehm thierl. 5, 673.
 
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pieren, verb., ostfries. mit würmern (s. pier) fischen. Stürenburg 175b; mnl. pieren, regenwürmer fangen. Kilian 401b.
 
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pierling, m., s. piere.
 
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pierutsch, s. pirutsch.
 
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piesemen, verb. was biesen, bisen th. 1, 3. 46: was aber hin und wieder piesemet, alle jahr vier dienste haben mus. Mathesius Syr. 3, 22a.
 
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piet, n., s. biet 3 (in Zürich piett Th. Platter 50 B., in Berner piet 114).
 
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pietanz, f. die tägliche, besonders die reichlichere portion eines klostergeistlichen an brot und wein. Schm.2 1, 414 f. (15. u. 16. jahrh.). Basler chron. 1, 336. A. Tucher hausbuch 188a; mhd. pitanz, pitanze, pietanz, mnd. pitancic aus mlat. pitantia, it. pietanza, pitanza, franz. pitance, worüber Diez4 246.
 
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pietät, f. wie it. pietà aus dem ablativ des lat. pietas frömmigkeit, die kindliche ehrfurchtsvolle liebe, das liebe- und ehrfurchtsvolle gefühl vor etwas höherem, heiligem: der glaube der pietät (wie Speners anhänger den pietismus zuweilen nannten). Freytag bilder (1867) 4, 14; die nicht der pietät folgten. 19; pietät, ein im deutschen bis jetzt jungfräulich keusches wort, da es unsere reiniger abgelehnt und als ein fremdes glücklicher weise bei seite gebracht haben. Göthe 46, 97; diesen quellpunkt (eine angeborne güte, rechtlichkeit und besonders eine neigung zur ehrfurcht), wenn er, im menschen cultivirt, zur thätigkeit, ins leben, zur öffentlichkeit gelangt, nennen wir pietät, wie die alten. 98; die pietät der weimarischen kunstfreunde gegen alte heiligenbilder. 32, 104; diese blätter .. enthalten das heiligthum von Göthes pietät, aus der sein unendlicher genius hervorgegangen war. Bettine tageb. 219;

der Deutsche wird die majestät
behandeln stets mit pietät.
H. Heine suppl. 119.


 
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pietismus, m. das neulat. pietismus, franz. pietisme frömmelei, frömmlerglaube; das wort ist zunächst von den gegnern Ph. J. Speners gebraucht worden, um die von ihm seit 1670 vertretene und in den collegia pietatis (gottesdienstliche hausandachten) gelehrte evangelische glaubensrichtung spöttisch zu bezeichnen, s. Spener pietismus (1710). Hettner gesch. d. d. litt. im 18. jahrh. 1, 53 ff. Freytag bilder (1867) 4, 14 ff. und Schmid geschichte des pietismus (1863). vergl. pietisterei.
 
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pietist, m. das franz. pietiste aus einem neulat. pietista, frömmler, andächtler Ludwig 1405; zunächst spottweise für die anhänger Speners gebraucht ('zuerst kam dieser name der pietisten in umlauf als 1689 einige studirende in Leipzig sich zu auslegung der bibel vereinigten, deren werk Spener, damals hofprediger in Dresden, begünstigte'. Gervinus4 4, 26): hat man sie anfangs scherzweise auch pietisten genennet, das ist nach unsrer teutschen art gottseeligkeiter. Spener ebenbild der pietisterei (1692) 14;

es ist jetzt stadtbekant der nam der pietisten.
was ist ein pietist? der gottes wort studirt
und nach demselben auch ein heilig leben führt. pietismus (1716) 74;

wer mehrt der heuchler schwarm? die tummen pietisten.
Günther 545;

es ist ein glück, dasz des graffen bruder ein pietist geworden. Elis. Charl. (1867) 268 vom j. 1702; hir ist auch ein art pietisten, so man quietisten heist; sie seindt nicht so schlim, wie die ordinaire pietisten, so in Teutschlandt sein. 492; nach tische fieng der pietist (vorher frömmling) die betstunde an, mit der die reisenden heiligen, da wo sie einkehren, gemeiniglich ihre zeche zu bezahlen pflegen. Nicolai Seb. Nothanker 1, 18; er hatte ... einen solchen ansatz von frömmelei bekommen, dasz er ein pietist zu werden drohte. Hauff werke (1869) 2, 79;

die pietisten haben dir (dem verstande) Berlin verpönt
mit fug und recht.
Platen 4, 146.

 

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