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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pickeln bis pickieren (Bd. 13, Sp. 1840 bis 1842)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pickeln, verb., s. bickeln th. 1, 1809; iterativ zu picken (vergl. pickern) Stieler 117: das vorgefühl der erwachten natur pickelte mir an die geschlosznen augenlieder. Thümmel reise 6, 316.
 
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pickelspiel, n. was bickelspiel. Fischart Garg. 165a.
 
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pickelstein, m. steinhart (pickelhart) gefrorner erdklosz. Schambach 154b. Danneil 154b.
 
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pickelstock, m. was pickel 1. Rädlein 703b.
 
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picken, s. pichen.
 
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picken, verb. , früher wie noch mundartlich auch pecken, was bicken, becken th. 1, 1809. 1216, mhd. bicken und bëcken (Lexer 1, 265 u. nachtr. 83), nnl. pikken, pekken; die jetzt herrschende schreibung ist picken.
1) mit der schnabelspitze hacken, zufahrend widerstoszen, rostro ferire, tundere, pungere Stieler 117: der hahn pickt die henne. Ludwig 1405;

(der papagei versucht) mit unbescheidnem picken
das niemahls ruhige gewand
von ihrem weiszen hals .. wegzurücken.
Wieland Idris 3, 50;

der pickende specht (der baumhacker). Freytag ahnen 1, 3;

(ich lausche) ihm auch, der seitwärts pickt, dem specht.
Voss ged. 6, 218;

chor der vögel. pickt und kratzt und krammt und hacket ..
den verfluchten vogelstellern
ungesäumt die augen aus.
Göthe 14, 96;

picken an, in:

(der zeisig) pickt nur leis am kleinen .. bauer.
Langbein (1854) 1, 190;

der specht pickt an, in die rinde u. dergl.; übertragen: darnach nennet er (Fischart) sich pickkart .., der graussam hart picken, pecken und stechen werdt. J. Nas examen (1581) 373; picken an, in:

eifersucht an seinem herzen pickt.
Uhland (1879) 2, 283;

sie schosz neugierig wie eine elster zu der gruppe ... sie pickte in das gespräch hinein. Freytag handschrift 1, 379.
2) mit der schnabelspitze hackend nahrung suchen und aufnehmen, aufpicken: picken oder pecken, fressen wie die kleinen vögelein. Kramer hoch-nidert. wb. 161b;

es picken und hacken
hundert schnäbel am mosichten zweig, und suchen sich nahrung.
Zachariä (1767) 4, 55;

da gehts (beim füttern des geflügels) an ein picken,
an ein schlürfen, an ein hacken.
Göthe 2, 91;

düngerstätten, auf denen kleines federvieh pickte. Freytag handschrift 1, 59; picken nach: das gezänk der sperlinge, welche nach dem körnlein am boden pickten. ahnen 3, 154; transitiv: wenn sie (schwalbe) schleunig hinschwebt, ihr ... mahl zu picken. J. Tobler Thomsons ged. (1765) 1, 49;

der jäger will uns (vögel) tödten,
dem früchte wir pickten.
F. Schlegel ged. 14;

o dasz ein süszes korn ich wäre
und du der vogel, der es pickte, wärest.
Rückert 4, 152;

o halte (zugvogel poesie) deinen flug
von meer und stürmen fern,
die sehnsucht ist betrug,
hier picke deinen kern.
Lenau (1880) 1, 248;

waldvögel, die da ihr futter pickten. Keller Seldw.4 2, 151; picken aus:

küchlein .. pickten der jungfrau
brot aus der hand.
Voss Luise 1, 11;

(die taube) picket krumen und erbsen,
picket körner ihm aus der hand.
Hölty 114 Halm;

aus meiner hand pickt er (hahn) sein futter. Kotzebue dramat. sp. 1, 289.
3) mit den fingerspitzen stoszen, tupfen:

auf diesem wagen auch ein hauffen lose huren, ...
die eine peckt ihn hier, die andre zupft ihn dar.
D. v. d. Werder Ariost 17, 117, 4;

nichts ist gefährlicher, als wenn wir nur mit zwei, drei fingern an ein frauenzimmer picken .., mit dem ganzen arm sie anzupacken ist ohne gefahr. J. Paul uns. loge 2, 70; ich höre immer lieber rasch, rein, richtig, deutlich, rund und klar spielen (auf dem fortepiano) als das ewige drücken, picken und nicken als den ausdruck von nichts zu nichts, den sie gefühl nennen. Zelter an Göthe 3, 36.
4) mit einem spitzigen werkzeuge (picke) hacken, behauen: einen mühlstein picken Ludwig 1405: wenn nun endlich nach

[Bd. 13, Sp. 1841]


unzählbarem wiederholten picken (mit dem pickeisen) die vertiefungen aus dem gröbsten heraus gebracht worden (aus dem porphyr). Winkelmann 3, 134; das picken der steinhauer. Göthe 22, 159.
5) überhaupt hackend, mit kurzen streichen hauen: einem die haut mit dem stecken pecken. Ayrer 3089, 22; auf dem feuersteine mit dem stahle picken:

die zwietracht alsobald ihr staal herfür auch rückte
mit ihrem fewerstein, und nur ein wenig pickte:
den zunder auch zugleich die hoffart drunter strewt,
das fewer fängt.
D. v. d. Werder Ariost 18, 27, 2;

ablautend picken und packen: gewisz ist ein anzeig eines übelbestellten haushaltens, wann man eines lichts bedarf und fast eine stunde picken und packen musz, ehe der zunder, der so wenig nutz als die mägde, einmal fänget. Hohberg 3, 1, 134b.
6) einen dem picken (des spechtes, der spitzhaue) ähnlichen, spitz anschlagenden ton von sich geben, wie der holzwurm, die uhr (vergl. ticken), eigentlich und bildlich:

(er zählte) des holzwurms ebenmäsziges picken.
H. Heine 16, 173;

dann klopfte er leise an die wand wie ein holzwurm pickt. Freytag ahnen 1, 374; dieser wurm (des vorwurfes, gewissens) wollte nicht schweigen, er pickte immer lauter. Gotthelf Anne Bäbi (1859) 1, 147; ich hörte nichts als das picken meiner uhr. Thümmel reise 2 (1791), 79;

und es pickt die pendeluhr,
die eintönig mich (den kranken) bedeutet,
wie das leben weiter schreitet.
Lenau (1880) 1, 120;

seit Marie-Liesens elendigem ende pickte sie (uhr) mir wie eine todtenuhr in der mauer, und ich mochte ihr ticktack nimmermehr hören. Holtei Lammfell2 3, 215;

wer kann dem uhrwerk trauen,
das uns im herzen pickt?
Gökingk 1, 248.


 
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pickenick, picknick, m. n., im 18. jahrh. entlehnt aus engl. picknick, franz. piquenique, ein gesellschaftlicher schmaus, wozu jeder theilnehmer einen beitrag an speisen oder getränken mitbringt, eine derartige gesellige vereinigung: neulich war hier (in Hamburg) in einem gewissen öffentlichen hause ein pickenick. der koch, der die speisen zurichten sollte, ward unvermuthet krank u. s. w. unterhaltungen 9. bd., 1. stück (Hamburg 1770); so wollen wir bald wieder einen piknik geben. Schiller an Göthe 820 (6, 106); bei gelegenheit der pikniks dieser geschlossenen vereinigung, die in meinem hause, und unter meiner besorgung, von zeit zu zeit gefeiert wurden, entstanden mehrere nachher ins allgemeine verbreitete gesänge. Göthe 31, 128;

sie spricht mit ihm von ...
.. klubs und pickenicken.
J. A. Weppen, Matthissons lyr. anthol. 7, 68.

bildlich: jede zeitepoche, und so auch die unsrige, läszt sich mit einem pikenik vergleichen, wozu jeder das seinige ... beitragen will. Göthe an Meyer bei Riemer 83; es ist mit den deutschen köpfen wie mit den deutschen gesichtern, an keiner wirthtafel sitzt ein solches physionomisches pickenick und allerlei, als an einer deutschen. J. Paul nachdämmer. 72.
 
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picker, m. was bicker, einer der pickt, der steinhauer Stieler 117; pickender vogel:

des eichbaums picker, der grünspecht.
Voss, Aristoph. die vögel 482.

s. baum-, steinpicker Stieler, feigen-, fliegen-, nuszpicker (sp. 1015) Ludwig 1405.
 
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pickern, pikern, verb., im 18. jahrh. aufgenommen aus nd. pickern, bikkern, pikkern (Schambach 154b. Danneil 155a. brem. wb. 3, 313), wiederholt leise pochen, ticken; iterativ zu picken, vergl. pickeln: indem ich dieses schreibe, ist mir das pikern meiner uhr hochlästig! Hermes Soph. (1776) 3, 375; (er verkaufte die uhr,) so gewisz er wuszte, er könne ohne ihr pikkern auf seinem schreibtische nicht recht schreiben. J. Paul Siebenk. 3, 73;

seine schwestern hörten
bald die todtenuhr in der kammer pickern.
Hölty 43 Halm;

(da) hört ich es pickern
oben am quell, ganz leise, wie wenn mir ferne die hausuhr
pickerte, oder bei nacht im gebälk ein ämsiger wandschmied
hämmerte, todtenuhr in der graulichen sage der einfalt.
Voss Luise 2, 350;

diese grellen klimpertöne ohne natürliches verhallen .., dieses erzprosaische schollern und pickern, dieses fortepiano tödtet all unser denken und fühlen. H. Heine 11, 368.

[Bd. 13, Sp. 1842]



 
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pickieren, s. pikieren.

 

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