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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
philosophei bis phu (Bd. 13, Sp. 1830 bis 1835)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) philosophei, philosophie,f. , mhd. philosophîe, filosofî aus griech.-lat. philosophia, lebensweisheit, als lehre und system an sich oder als richtschnur und regel des handelns: sehet zu, das euch niemand beraube durch die philosophia (διὰ τῆς φιλοσοφίας, durch die weltliche weisheit cod. Tepl.) und lose verfrung. Kol. 2, 8.
a) philosophei, entsprechend dem mhd. philosophîe, philosophî ('durch diese endung ey glaubte man den griech. wörtern das recht der bürgerschaft zu geben'. Lessing 5, 335): mhd. philosophîe Teichner handschrift A 223c, filosofî minnesing. 3, 468k; nhd. philosophei (nun veraltet) Petr. 212b. Hedio Josephus wider Apion 169b. Roth dict. (1571) M 6a;

und der könig fragt die ersten drei (weisen),
was in durch die philosophei
am aller-besten gefiel auf erden.
H. Sachs 7, 290, 25;

was recht und unrecht sei, wie jederman allhier
mit leuten umb sol gehn, und leben nach gebühr,
das kan die göttliche philosophei uns weisen.
Opitz (1645) 3, 311;

Hinz. bist auch für die philosophei?
Kunz. was ist sie denn? so sags dabei.
Hinz. sie ist die lehr, dasz Hinz nicht Kunz und Kunz nicht Hinze sei.
Kunz. bin nicht für die philosophei.
Claudius (1775) 1, 207.


b) philosophie, aus franz. philosophie ('die neuere endung ist aus der franz. endung solcher wörter entstanden' Lessing

[Bd. 13, Sp. 1831]


5, 335): philosophy Hedio a. a. o. 152a; von der philosophi ... hat in (Nero) sein mtter gezogen. Polychorius Suet. 66b; die philosophi und ein guter freund seien eine erleichterung .. desz lebens. Zinkgref 1, 166; philosophie ist vernunfterkenntnisz aus blosen begriffen .., das ist der schulbegriff von dieser wissenschaft. nach dem weltbegriffe ist sie die wissenschaft von den letzten zwecken der menschlichen vernunft. Kant 1, 346; philosophie ist die idee einer vollkommenen weisheit, die uns die letzten zwecke der menschlichen vernunft zeigt. 347; philosophie als weisheitslehre 3, 401. 465, als lehre des wissens 407; philosophie ... schlieszt gleichsam den wissenschaftlichen zirkel und durch sie erhalten sodann erst die wissenschaften ordnung und zusammenhang. 1, 349; man kann alle philosophie, sofern sie sich auf gründe der erfahrung fuszt, empirische, die aber, so lediglich aus principien a priori ihre lehren vorträgt, reine philosophie nennen. 4, 4; aus blosem verstande kömmt keine philosophie; denn philosophie ist mehr, denn nur die beschränkte erkenntnisz des vorhandenen. aus bloser vernunft kömmt keine philosophie; denn philosophie ist mehr, denn blinde forderung eines nie zu erreichenden fortschritts in vereinigung und unterscheidung eines möglichen stoffs. Hölderlin Hyper. 1, 148; die philosophie ist gut, und die leute haben unrecht die ihr so gar hohn sprechen; aber offenbarung verhält sich nicht zur philosophie wie viel zu wenig, sondern wie himmel und erde, oben und unten! Claudius (1775) 3, 188; dieser so seltene zustand der seele (genügsamkeit und freiheit), in dem man sagen kann, ich habe genug, ist die höchste philosophie des lebens. Zimmermann über die einsamkeit 4, 131;

auch lernt' er gern ...
die reitzende filosofie,
die, was natur und schicksal uns gewährt,
vergnügt genieszt, und gern den rest entbehrt;
die dinge dieser welt gern von der schönen seite
betrachtet u. s. w.
Wieland 9, 99;

die wichtigste epoche der griechischen philosophie hebt mit Socrates an. Kant 1, 353; speculative philosophie (des Aristoteles, der stoiker). ebenda; platonische filosofie Wieland 36, 224; das, was man seine eigene filosofie nennen kann, stellt er (Aristipp) weniger in ... unterweisungen als in seinem leben dar. 352; unter die gröszten reformatoren der philosophie zu unsern zeiten ist Leibnitz und Locke zu rechnen. Kant 1, 356; die philosophie ist die wahre, die, dasz sie die wahre bleibe, nicht nöthig hat, eine andere lügen zu strafen. Börne 2, 23; jedem alter des menschen antwortet eine gewisse philosophie; das kind erscheint als realist, denn es findet sich so überzeugt von dem dasein der birnen und äpfel als von dem seinigen, der jüngling von inneren leidenschaften bestürmt, musz auf sich selbst merken, sich vorfühlen, er wird zum idealisten umgewandelt. dagegen ein skeptiker zu werden hat der mann alle ursache; er thut wohl zu zweifeln, ob das mittel, das er zum zwecke gewählt hat, auch das rechte sei .. der greis jedoch wird sich immer zum mysticismus bekennen. Göthe 56, 139 f.; unsere philosophie, lange die königin der welt, ist fast zur hure geworden, mit der sich iedes magisterlein sträflich begattet. Schubart, Strausz 2, 395; geschichte der philosophie. Kant 1, 350; philosophie der geschichte des menschlichen geschlechtes. Herder ideen 1, 3 (vergl. Kant 4, 311 ff.); Schellings ideen zu einer philosophie der natur. Göthe an Schiller 399 (4, 6); bei ihm (Jul. Cäsar) kann man recht die philosophie des kriegs studiren. Heinse Hildeg. (1857) 143; wir mögen eine raserei gern mit ein wenig philosophie (vernünftelei) bemänteln. Lessing 7, 76; ihre philosophie (ihr philosophieren), mein herr, bringt sie um den athem. 1, 311; verschonen sie sich mit ihrer philosophie. Leisewitz Jul. v. T. 1, 1; ich sehe, wir haben mit der philosophie der lieben kleinen frau langeweile gemacht. Siegfried von Lindenb.2 1, 198; plural:

welche wohl bleibt von allen den philosophien (philosophischen
systemen)? ich weisz nicht,
aber die philosophie, hoff ich, soll immer bestehn.
Schiller 11, 172;

auch erziehungsschriften .. hat man reichlich angeschafft ..
nebst philosophien (philosophischen lehrbüchern) für kinder.
Platen 4, 91;

scherzhaft abergläubischer weiber pfülosevieh. rockenphil. 761 (5, 41).
 
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philosophieren, verb., im 16. jahrh. (s. Gombert im anzeiger 4, 180 und Germania 29, 389) entlehnt aus franz. philosopher, lat. philosophari, als philosoph oder in der weise eines

[Bd. 13, Sp. 1832]


philosophen tief nachdenkend und methodisch schlieszen und verhandeln, auch blosz durch begriffe vernünfteln, klügeln, nachgrübeln: die magi oder caldei ... philosophirten durch alles leben. Frank weltb. 141a, vergl. chron. (1538) 21b. 251b;

ein weiser fürst ..
der hat gelehrte leut sehr lieb ..
auf das er mit in conversiert,
der weiszheit nach philosophiert.
H. Sachs 7, 290, 12;

hir hört man von nichts, als trawerige sachen ..., leutte, so die ihrige beweinen, ... andere, so trawerig philosophiren. Elis. Charl. (1867) 464; philosophiren heiszt sterben lernen. Bode Montaigne 1, 118; da ... der verfasser durchgängig aus Wolffischen grundsätzen philosophiret. Lessing 9, 416; wenn man uns das geständnisz, falsch philosophirt zu haben, abgewinnt. 7, 76;

Spartacus. sollte sich der mensch nicht einer freiheit schämen,
die es verlangt, dasz er menschen zu sklaven habe?
der consul. ich höre, du philosophirst, Spartacus. 2, 525;

übung im selbstdenken oder philosophiren. Kant 1, 349; es kann sich überhaupt keiner einen philosophen nennen, der nicht philosophiren kann. philosophiren läszt sich aber nur durch übung und selbsteigenen gebrauch der vernunft lernen. 348; unter allen völkern haben die Griechen erst angefangen zu philosophiren. 350; die methode des kritischen philosophirens. 356; übrigens ist das philosophiren, ohne darum eben philosoph zu sein, auch ein mittel der abwehrung mancher unangenehmer gefühle. 304; sobald sie (die processierenden parteien) anfangen zu philosophiren, sind beide halb verloren. Möser 3, 354; philosophiren in der gesellschaft heiszt sich über unauflösliche probleme lebhaft unterhalten. Göthe 31, 172; meine heilsame neigung zu philosophiren. Börne 4, 75;

don Juan zu Diego. auch reinlichkeit ist eines weisen pflicht.
du aber, freund, philosophirst in zoten.
Lenau (1880) 2, 297;

philosophieren von, über: nachlängs thate er von den tributen und anderem mannlich philosophiren. Schuppius 722; es war also die mathematik, über welche Pythagoras sowohl als Plato philosophirten. Kant 1, 179; das philosophiren über die natur. Göthe 54, 106.
 
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philosophin, f. durch motion gebildet aus philosoph: eine reizend schöne philosophin von zwanzig jahren sagte mir einst in Bern: ich fürchte weit weniger die nachtheile der einsamkeit als die nachtheile der groszen welt. Zimmermann über die einsamkeit 4, 361.
 
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philosophisch, adj. und adv. , im 16. jahrh. gebildet nach lat. philosophicus, franz. philosophique.
1) adj. Hedio Josephus wider Apion 147a. 171a (s. Gombert im anz. 4, 180); philosophisch ezuchtbüchlein von Fischart (1578);

(sie) mischten under die göttlich worheit
ir eitel philosophisch thorheit. die gelehrten die verkehrten 337 Kurz;

die christlich lehr vermummet wart
in philosophisch gedanken zart. 377;

und theten alle christlich lehren
in philosophisch tand verkehren. 729;

philosophische subtiligkeit. Ayrer proc. 2, 11; jeder philosophische denker baut, so zu sagen, auf den trümmern eines andern sein werk. Kant 1, 348; philosophische erkenntnisz ist speculative erkenntnisz der vernunft. 350; philosophische vernunftwahrheiten. 398; ein philosophischer kopf ist ja noch lange nicht ein philosoph. Lessing 11, 462; der arzt ... ein philosophischer kopf aus der schule des Hippokrates. Heinse Hildeg. (1857) 122; philosophischer (philosophische probleme behandelnder) roman. Schiller 11, 139;

es fehlt der sinn für das höhere,
der unsre zeit so philosophisch macht.
Platen 3, 45;

philosophische zeichen nennen die sterndeuter den steinbock und wassermann, weil sie durch ihren einflusz den menschen zur weltweisheit geschickt machen sollen. mathem. lex. 1, 1008; lasz dir sagen, dasz mein volk keinen glauben an deinen goldmacher hat, dasz seinem filosofischen golde nicht traut. Wieland 31, 24; gib diesz geld nicht frevelhaft weg; es ist philosophisches (von einem adepten gemachtes) gold. es bringt segen! Göthe 14, 138 (Groszkophtha 1, 5), vergl. DWB goldkünstler, goldmacher; philosophische facultät (einer universität). Kant 1, 211 ff.; scherzhaft pfylosoviehische facultät der superklugen weiber. rockenphil. 35 (1, 24).
2) adverb:

laszt uns unverdrüszlich leben
recht auf gut philosophisch (mit gleichmut, gelassen wie ein philosoph).
Weckherlin 72 Gödeke;

[Bd. 13, Sp. 1833]



ein höflicher satyr (Canitz), der philosophisch dachte
und höflich lebete.
Bodmer krit. ged. 19 (1, 488) neudruck;

desz spott ich, der es (mein lied) unbegeistert,
richterisch und philosophisch (kalt logisch klügelnd) hört.
Klopstock Wingolf (1798) 1, 5

(ders mit klüglingsblicken
höret und kalt von der glosse triefet. werke 1, 6);

ich bin desto gelassener ... desto philosophischer gesinnt. Lessing 1, 260;

der leser an den dichter. lerne lieber prosa sprechen,
denn wir reden philosopisch.
Platen 1, 192.


 
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phiole, f., ahd. fialâ (Graff 3, 495), aus griech. φιάλη, mhd. viole aus mlat. fiola (trinkschale), franz. fiole, kugelförmige glasflasche mit langem halse:

ich grüsze dich, du einzige phiole!
die ich mit andacht nun herunterhole.
Göthe 12, 42;

rasch wurden .. teste, phiolen und andere zubehör angeschafft. Siegfr. von Lindenberg2 2, 223; (man fand bei ihm) lebendigen merkur in phiolen. Schiller 4, 220.
 
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phlegma, flegma, n. das griech.-lat. phlegma,
1) wässerigkeit im geblt. Roth dict. (1571) M 6b, der (vermeintliche) schleim im blute, die schleimblütigkeit als grundlage des phlegmatischen temperaments, die natürliche trägheit: phlegma bedeutet affectlosigkeit, nicht trägheit (leblosigkeit), und darf man den mann, der viel phlegma hat, darum sofort nicht einen phlegmatiker oder ihn phlegmatisch nennen, und ihn unter diesem titel in die klasse der faullenzer setzen. Kant 10, 322; das mädchen ist ganz geschaffen, das phlegma eines überladenen gehirns durch das flüchtige salz ihres umgangs zu reitzen, aufzulösen und vor einer gänzlichen vertrocknung zu bewahren. Thümmel reise 3 (1794), 140; die knappen warfen ihm etliche dutzend kiesel in die rippen, das brachte ihn doch einigermaszen aus seinem phlegma. Siegfr. v. Lindenb.2 2, 201; das phlegma der erdkugel. J. Paul Kampanerthal 3; das phlegma, das wir in heiszen kampfestagen oft verwünschen, ist es doch wieder, was einzelmenschen und ganzen völkerschaften die kraft der ausdauer verleiht. Auerbach ges. schriften 15, 53; davon phlegmatisch (natur, temperament), phlegmatiker, s. oben Kant 10, 322.
2) in der chemie der wassergehalt einer geistigen flüssigkeit, die beim destitlieren zurückbleibt, eigentlich und übertragen:

(die kastraten sind) wie wein von einem chemikus
durch die retort getrieben,
zum teufel ist der spiritus,
das flegma ist geblieben.
Schiller 1, 269.

vergl. geist 12, a.
 
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phönix, m., das griech.-lat. phoenix, während mhd. fênix, fênis (Lexer 2, 64), frühnhd. phenix aus franz. phenix entlehnt ist: fênix ist ain vogel in dem land Arabia .. er hât die art, wenn in daʒ alter beswært, sô suocht er im .. den aller schœnsten paum auf den hœhsten pergen ob ainem aller lustigisten prunnen und machet im ain nest auf den paum von .. edeln würzen und kräutern, und wenn diu sunn ir hitz auf daʒ nest wirft, sô wæt der fênix zuo mit seinen vetachen, unz die pürd des edeln dings enprint. sô daʒ geschiht, sô legt er sich in daʒ feur und verprinnet, dar nâch über wênig tag wirt ain würmel auʒ dem aschen und gewint dar nâch flügel, dar nâch wirt dar auʒ ain vollkommener fênix. Megenberg 186, 16 ff., vergl. Heiden Plinius 351. Heuslin Gesners vogelb. 403; ein kleines sternbild am südlichen himmel. Frisch 2, 59a. mathem. lex. 1, 1008; oft übertragen in bezug auf etwas seltenes und einziges seiner art oder auf die wiedergeburt des wundervogels: also wirt zu jeder zeit etwo ein gelerter, der für ander von gott mit vil künsten begabt, ein phenix genent. Roth dict. (1571) M 6b; der helden phoenix. Weckherlin 632; der welt phönix und wunder. 666; o Haydn, phönix der instrumentalmusik! Heinse Hildeg. (1857) 210; dasz der zufall sie unverhofft .. in dieser gesellschaft (von schauspielern) einen wahren fönix, eine geistvolle und tugendhafte schauspielerin .. finden liesz. Wieland 12, 122; Adelheid. der ruf ... hatte euch so zahnarztmäszig herausgestrichen, dasz ich mich überreden liesz zu wünschen: möchtest du doch diese quintessenz des männlichen geschlechts, diesen phönix Weislingen zu gesichte kriegen! ich ward meines wunsches gewährt. Weislingen. und der phoenix ward zum ordinairen haushahn. d. j. Göthe 2, 101;

ihr seid vereinigt fürsten! Frankreich steigt
ein neu verjüngter phoenix aus der asche.
Schiller 13, 258 (jungfr. von Orl. 3, 3);

[Bd. 13, Sp. 1834]



du siehst die liebe aus des hasses flammen
wie einen neu verjüngten phoenix steigen. 14, 36 (braut von Mess. 1, 6).

zusammensetzungen: phoenixvogel Simpl. 1, 1006, 19; phoenixgleich Weckherlin 680; phoenixasche J. Paul Titan 3, 191; phoenixflug A. Grün ges. werke 4, 166.
 
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phosphor, m. , aus franz. phosphore, griech.-lat. phosphorus (lichtträger).
1) der morgenstern: mit dem hesper schleicht ein jüngling in deine grotte; wo liegt er, bis der phosphor kommt? F. Müller 1, 142; übertragen:

o, du mein phosphor, meine kerze,
du meine sonne, du mein licht!
Göthe 5, 184.


2) ein im dunkeln längere oder kürzere zeit leuchtender, vorher dem tageslichte oder der glühhitze ausgesetzt gewesener körper Zedler 27, 2194 ff., im engern sinne die zuerst von Brand und Kunkel im jahre 1669 aus dem urin gezogene, hernach aus den thierischen knochen bereitete, im dunkeln leuchtende und leicht entzündliche substanz (Zedler 27, 2203), die nun vorzugsweise zu streichhölzchen verwendet wird. Schedel waarenlex. 2, 213; zusammensetzungen: phosphordampf, -salz, -säure, -glanz (Göthe 3, 153) u. a., davon phosphorisch adj. phosphorartig:

die schöne Klelia war eine von den seelen
der fosforischen art, die lauter flamme sind,
wie Amor sie berührt.
Wieland Klelia u. Sinib. 2, 198;

ein morscher baum liegt dir die welt,
vom ehernen zeitenflügel gefällt;
du rettest aus dem moderfeuchten
dir klug sein schön phosphorisch leuchten.
A. Grün ges. werke 4, 173;

phosphorescieren, phosphorartig leuchten, phosphorescierendes holz u. dergl.: desto mehr fing vor mir der blumengarten an zu phosphoresziren. J. Paul paling. 1, 8; im nothfalle wurden oft solche phosphoreszirende lichtputzer selber statt der gassen-reverberen aufgehangen oder aufgehenkt. jubelsen. 52.
 
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photograph, m. verfertiger von lichtbildern; photographie f., lichtbildnerei, dadurch erzeugtes lichtbild nach dem vom Engländer Fox Talbot 1839 erfundenen verfahren (engl. photography eigentlich lichtschrift, lichtzeichnung, von griech. φωτός, licht und γράφω, ich schreibe); davon photographieren, ein lichtbild wovon machen; photographisch adj., auf photographie bezüglich, photographisches papier, photographischer apparat, photographische anstalt u. s. w.
 
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phrase, f. im 17. jahrh. entlehnt aus franz. phrase vom griech.-lat. phrasis, rednerischer ausdruck, redewendung, (nichts sagende) redensart: narren und ignoranten, welche sich in ihren discursis und schreiben der lateinischen phrasen und wort gebrauchen, und dermaszen mit latein zuwerfen, als hetten sie stattlich studirt. Albertinus landstörzer (1615) 396; die antiquitet hat solche (seltzam gebrauchte lehrwörter) gleichsam geadelt, dasz der heute für einen tapfern philosaufaus gehalten und geehret wird, der mit Thoma de ... Aquino freie alte phrazen (so) an tag geben kan. Schuppius 535; solche frassen hört man hier nicht, man kans nicht ohne lachen lessen. Elis. Charl. (1871) 124; dem classischen stil nachgeahmte phrasen. J. Grimm kl. schriften 1, 234; die übersetzung (von Newtons optik ins lateinische) musz, um des lateinischen sprachgebrauchs willen, oft umschreiben und phrasen machen. Göthe 54, 108; wenn man's sich einbilden wollte, klangen sie (Lothario's französische briefe) warm und selbst leidenschaftlich; doch genau besehen, waren es phrasen, vermaledeite phrasen! 19, 240;

deiner phrasen leeres was
treibet mich davon. 5, 23;

bejahendes nicken,
gewundene phrasen. 41, 31;

Klopstock, der ist mein mann, der in neue phrasen gestoszen,
was er im höllischen pfuhle hohes und groszes vernahm.
Schiller 11, 115 u. anm.;

wie mancher dünkt sich virtuos ...,
der blosz als leere phrase drischt was Göthe sprach und Schiller.
Platen 4, 32;

er sieht das wort nicht vor lauter phrasen. 3, 14;

was wollen sie mit diesen geschraubten phrasen? 3, 97; ich kenne die verderbliche macht der phrase. Gutzkow ritter4 6, 165; du weiszt ja, dasz die vornehme welt alles zur lügnerischen phrase abnutzt. Auerbach ges. werke 15, 210. — zusammensetzungen: phrasenhafter mensch, phrasenhafte reden u. dergl.; phrasenhaftigkeit Auerbach zur guten stunde 2, 114; phrasenmacher Klinger betrachtungen 2, 432; phrasennebel H. Heine suppl. 164.

[Bd. 13, Sp. 1835]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) phu, interj., vgl. DWB puh: was das heisz macht! puh! ist mir, als trüg ich den Aetna im leibe. F. Müller 1, 162; phu! mein athem wie trocken ... phuh! dasz die welt nur in diesem einzigen hauch versengte! Faust 16, 30 neudruck; ein unausstehlicher geruch! — nicht zum bleiben! — phu! 62, 15.

 

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