Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
philologe bis phlegma (Bd. 13, Sp. 1829 bis 1833)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) philologe, philolog, m. im 16. jahrh. entlehnt aus franz. philologue vom griech.-lat. philologus (eigentlich die rede und gelehrtes gespräch liebend): Homer ... ein auszbund aller beredheitgirigen philologen. Fischart Garg. 23a; ein befliszner oder ein kenner der philologie, ein sprachgelehrter, sprachforscher: ein philolog und sprachkundiger. Kant 1, 371; der philolog sucht die werkzeuge der gelehrsamkeit bei den alten. ebenda; der philologe giebt klassische autoren heraus, sammelt lesearten und berichtigt varianten, ohne ein einzigsmal seine leser auf den geist der alten schriftsteller ... zu führen. Nicolai Seb. Nothanker 1, 130; die ältern philologen suchten den schülern blosz den buchstaben der alten autoren zu eröffnen. A. W. Schlegel vorles. 2, 55, 37 neudruck; classische philologen. J. Grimm kl. schriften 1, 235; man kann alle philologen, die es zu etwas gebracht haben, in solche theilen, welche die worte um der sachen, oder die sachen um der worte willen treiben. 1, 150; deutscher philolog s. th. 5 vorr. i anm.; ein halb hundert solche anmerkungen machen einen philologen. Lessing 1, 221; der philolog ist angewiesen auf die congruenz des geschriebenüberlieferten. Göthe 22, 233. 49, 33;

Chiron. wie war sie (Helena) reizend! jung, des alten lust!
Faust. erst sieben jahr! ...
Chiron. ich seh, die philologen
sie haben dich so wie sich selbst betrogen. 41, 131;

sprachwurzeln werden lärmend ausgehauen
von philologen.
Lenau (1880) 2, 278;

sie (sterne) sprechen eine sprache,
die ist so reich, so schön,
doch keiner der philologen
kann diese sprache verstehn.
H. Heine buch der lieder (1851) 110;

er ist ein philolog, studiert an einer universität philologie.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philologie, f. aus franz. philologie, griech.-lat. philologia, gelehrtes studium der (namentlich classischen) sprachen und literaturen, sprachwissenschaft (je nach der sprache classische, römische, griechische, indische, germanische u. s. w., vergleichende philologie): zum historischen wissen gehört ... die philologie, die eine kritische kenntnisz der bücher und sprachen in sich faszt. Kant 1, 371; dieser mann hatte gründliche kenntnisse der alten sprachen und alles dessen, was zur philologie gehört. Nicolai Seb. Nothanker 1, 81; die wiedergeburt der alterthumswissenschaft gehört den Deutschen an. es mögen andere völker wichtige vorarbeiten dazu geliefert haben; sollte aber die höhere philologie sich einst zu einem vollendeten ganzen ausbilden, so könnte eine solche palingenesie wohl nur in Deutschland stattfinden. Ouwaroff bei Göthe 45, 152; die philologie ist an sich ein liberales studium, weil es blosz auf übung und bildung des geistes im allgemeinen abzweckt. A. W. Schlegel vorles. 2, 55, 12 neudruck; keine unter allen wissenschaften ist hochmütiger, vornehmer, streitsüchtiger als die philologie und gegen fehler unbarmherziger. J. Grimm kl. schriften 1, 235.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philologisch, adj. und adv., aus mlat. philologicus, philologice:

er lehrte sie nicht thaten philologisch.
Bouterwek, Matthissons lyr. anthol. 16, 257;

philologische hülfsmittel. Börne 5, 300; philologische disciplinen. J. Grimm a. a. o. 1, 234; philologischer stolz. 235.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philomele, f. im 18. jahrh. entlehnt aus franz. philomèle, griech. φιλομήλα nachtigall:

philomele singt so in tiefen schauernden wäldern
durch die nacht der wildnisz ihr lied.
Zachariä (1767) 4, 75;

denn ach! der liebe, der sehnsucht klagen
in philomelens gesang ersterben.
Herder ged. 1, 11;

mit der liebe gewalt trifft philomele das herz.
Göthe 2, 132;

hören sie dort die zärtliche philomele schlagen? Schiller 2, 350;

[Bd. 13, Sp. 1830]


und an des lenzes grünem sterbepfühl
weint noch sein kind, sein liebstes, philomele.
Lenau (1880) 1, 37.

philomelenstimme, -ton, stimme einer oder wie einer nachtigall:

nun, o lieber mann, willkommen,
sang ihr filomelenton.
Bürger 122a.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philosoph, m., mhd. philosophîe (d. i. verwendung des feminins für die forschende person. Parz. 643, 14), philosophe (md. schachbuch 166, 29) aus griech.-lat. philosophus, ein der philosophie beflissener oder sie übender, ein weltweiser, ein weiser, ein denker z. b.: das alles sein die wort Theofrasti des philosophen. A. v. Eyb Grisardis 387, 12 Strauch; die philosophen Hedio Josephus wider Apion 154a. 169b. Maaler 318c;

(wir) bekennend den höhesten einig
und dreifeltig in personen
wider alle philosophen.
G. Witzel, Wackernagels kirchenl. 5, 1152, 6 (vom jahre 1541);

was warheit pflegt zu widerfaren ..
.. von heidnischen glerten,
von philosophen, den verkehrten.
Fischart die gelehrten die verkehrten 325 Kurz;

ihre runde hand reizt auch einen philosophen zum kusse. Rabener (1755) 4, 156;

du, der bald zweifler, und philosoph bald war.
Klopstock 1, 11;

und wenn in völkerschaften
auch die philosophen die welt umschwärmten. 1, 10;

philosophen verderben die sprache, poeten die logik.
Schiller 11, 138;

zu einem philosophen gehören hauptsächlich zwei dinge: cultur des talents und der geschicklichkeit, um sie zu allerlei zwecken zu gebrauchen; fertigkeit aller mittel zu beliebigen zwecken, beides musz vereinigt sein; denn ohne kenntnisse wird man nie ein philosoph werden, aber nie werden auch kenntnisse allein den philosophen ausmachen, wofern nicht eine zweckmäszige verbindung aller erkenntnisse und geschicklichkeiten zur einheit hinzukommt, und eine einsicht in die übereinstimmung derselben mit den höchsten zwecken der menschlichen vernunft. Kant 1, 348; der wahre philosoph musz als selbstdenker einen freien und selbsteigenen, keinen sklavisch nachahmenden gebrauch von seiner vernunft machen. 349; warme kaltblütige philosophen. Lessing 11, 462; jeder mann von genie ist ein philosoph, aber nicht umgekehrt. J. Paul Hesp. 2, 131; der philosoph von Sanssouci (Friedrich der grosze). Kästner 1, 71; ich quittirte die philosophen (professoren der philosophie) und besuchte die theologen. Hauff werke (1869) 2, 49; zunächst habe ich mich als philosoph (als studierender in der philosophischen facultät) einschreiben lassen und besuche die collegien, die mir zusagen. Holtei Lammfell2 4, 172; scherzhaft umgedeutet auf saufen: philosaufaus Schuppius 535. 545, auf zopf: philozopf H. Heine suppl. 92; ungewöhnlich ist die starke form dem philosoph J. Grimm kl. schriften 1, 386. — zusammensetzungen, z. b. philosophenstein, stein der weisen Matthisson (1816) 380, lapis philosophorum Murner narrenbeschw. 6, 47; philosophenvolk Frankf. gel. anz. (1772) 585, 10 neudruck.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philosophei, philosophie,f. , mhd. philosophîe, filosofî aus griech.-lat. philosophia, lebensweisheit, als lehre und system an sich oder als richtschnur und regel des handelns: sehet zu, das euch niemand beraube durch die philosophia (διὰ τῆς φιλοσοφίας, durch die weltliche weisheit cod. Tepl.) und lose verfrung. Kol. 2, 8.
a) philosophei, entsprechend dem mhd. philosophîe, philosophî ('durch diese endung ey glaubte man den griech. wörtern das recht der bürgerschaft zu geben'. Lessing 5, 335): mhd. philosophîe Teichner handschrift A 223c, filosofî minnesing. 3, 468k; nhd. philosophei (nun veraltet) Petr. 212b. Hedio Josephus wider Apion 169b. Roth dict. (1571) M 6a;

und der könig fragt die ersten drei (weisen),
was in durch die philosophei
am aller-besten gefiel auf erden.
H. Sachs 7, 290, 25;

was recht und unrecht sei, wie jederman allhier
mit leuten umb sol gehn, und leben nach gebühr,
das kan die göttliche philosophei uns weisen.
Opitz (1645) 3, 311;

Hinz. bist auch für die philosophei?
Kunz. was ist sie denn? so sags dabei.
Hinz. sie ist die lehr, dasz Hinz nicht Kunz und Kunz nicht Hinze sei.
Kunz. bin nicht für die philosophei.
Claudius (1775) 1, 207.


b) philosophie, aus franz. philosophie ('die neuere endung ist aus der franz. endung solcher wörter entstanden' Lessing

[Bd. 13, Sp. 1831]


5, 335): philosophy Hedio a. a. o. 152a; von der philosophi ... hat in (Nero) sein mtter gezogen. Polychorius Suet. 66b; die philosophi und ein guter freund seien eine erleichterung .. desz lebens. Zinkgref 1, 166; philosophie ist vernunfterkenntnisz aus blosen begriffen .., das ist der schulbegriff von dieser wissenschaft. nach dem weltbegriffe ist sie die wissenschaft von den letzten zwecken der menschlichen vernunft. Kant 1, 346; philosophie ist die idee einer vollkommenen weisheit, die uns die letzten zwecke der menschlichen vernunft zeigt. 347; philosophie als weisheitslehre 3, 401. 465, als lehre des wissens 407; philosophie ... schlieszt gleichsam den wissenschaftlichen zirkel und durch sie erhalten sodann erst die wissenschaften ordnung und zusammenhang. 1, 349; man kann alle philosophie, sofern sie sich auf gründe der erfahrung fuszt, empirische, die aber, so lediglich aus principien a priori ihre lehren vorträgt, reine philosophie nennen. 4, 4; aus blosem verstande kömmt keine philosophie; denn philosophie ist mehr, denn nur die beschränkte erkenntnisz des vorhandenen. aus bloser vernunft kömmt keine philosophie; denn philosophie ist mehr, denn blinde forderung eines nie zu erreichenden fortschritts in vereinigung und unterscheidung eines möglichen stoffs. Hölderlin Hyper. 1, 148; die philosophie ist gut, und die leute haben unrecht die ihr so gar hohn sprechen; aber offenbarung verhält sich nicht zur philosophie wie viel zu wenig, sondern wie himmel und erde, oben und unten! Claudius (1775) 3, 188; dieser so seltene zustand der seele (genügsamkeit und freiheit), in dem man sagen kann, ich habe genug, ist die höchste philosophie des lebens. Zimmermann über die einsamkeit 4, 131;

auch lernt' er gern ...
die reitzende filosofie,
die, was natur und schicksal uns gewährt,
vergnügt genieszt, und gern den rest entbehrt;
die dinge dieser welt gern von der schönen seite
betrachtet u. s. w.
Wieland 9, 99;

die wichtigste epoche der griechischen philosophie hebt mit Socrates an. Kant 1, 353; speculative philosophie (des Aristoteles, der stoiker). ebenda; platonische filosofie Wieland 36, 224; das, was man seine eigene filosofie nennen kann, stellt er (Aristipp) weniger in ... unterweisungen als in seinem leben dar. 352; unter die gröszten reformatoren der philosophie zu unsern zeiten ist Leibnitz und Locke zu rechnen. Kant 1, 356; die philosophie ist die wahre, die, dasz sie die wahre bleibe, nicht nöthig hat, eine andere lügen zu strafen. Börne 2, 23; jedem alter des menschen antwortet eine gewisse philosophie; das kind erscheint als realist, denn es findet sich so überzeugt von dem dasein der birnen und äpfel als von dem seinigen, der jüngling von inneren leidenschaften bestürmt, musz auf sich selbst merken, sich vorfühlen, er wird zum idealisten umgewandelt. dagegen ein skeptiker zu werden hat der mann alle ursache; er thut wohl zu zweifeln, ob das mittel, das er zum zwecke gewählt hat, auch das rechte sei .. der greis jedoch wird sich immer zum mysticismus bekennen. Göthe 56, 139 f.; unsere philosophie, lange die königin der welt, ist fast zur hure geworden, mit der sich iedes magisterlein sträflich begattet. Schubart, Strausz 2, 395; geschichte der philosophie. Kant 1, 350; philosophie der geschichte des menschlichen geschlechtes. Herder ideen 1, 3 (vergl. Kant 4, 311 ff.); Schellings ideen zu einer philosophie der natur. Göthe an Schiller 399 (4, 6); bei ihm (Jul. Cäsar) kann man recht die philosophie des kriegs studiren. Heinse Hildeg. (1857) 143; wir mögen eine raserei gern mit ein wenig philosophie (vernünftelei) bemänteln. Lessing 7, 76; ihre philosophie (ihr philosophieren), mein herr, bringt sie um den athem. 1, 311; verschonen sie sich mit ihrer philosophie. Leisewitz Jul. v. T. 1, 1; ich sehe, wir haben mit der philosophie der lieben kleinen frau langeweile gemacht. Siegfried von Lindenb.2 1, 198; plural:

welche wohl bleibt von allen den philosophien (philosophischen
systemen)? ich weisz nicht,
aber die philosophie, hoff ich, soll immer bestehn.
Schiller 11, 172;

auch erziehungsschriften .. hat man reichlich angeschafft ..
nebst philosophien (philosophischen lehrbüchern) für kinder.
Platen 4, 91;

scherzhaft abergläubischer weiber pfülosevieh. rockenphil. 761 (5, 41).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philosophieren, verb., im 16. jahrh. (s. Gombert im anzeiger 4, 180 und Germania 29, 389) entlehnt aus franz. philosopher, lat. philosophari, als philosoph oder in der weise eines

[Bd. 13, Sp. 1832]


philosophen tief nachdenkend und methodisch schlieszen und verhandeln, auch blosz durch begriffe vernünfteln, klügeln, nachgrübeln: die magi oder caldei ... philosophirten durch alles leben. Frank weltb. 141a, vergl. chron. (1538) 21b. 251b;

ein weiser fürst ..
der hat gelehrte leut sehr lieb ..
auf das er mit in conversiert,
der weiszheit nach philosophiert.
H. Sachs 7, 290, 12;

hir hört man von nichts, als trawerige sachen ..., leutte, so die ihrige beweinen, ... andere, so trawerig philosophiren. Elis. Charl. (1867) 464; philosophiren heiszt sterben lernen. Bode Montaigne 1, 118; da ... der verfasser durchgängig aus Wolffischen grundsätzen philosophiret. Lessing 9, 416; wenn man uns das geständnisz, falsch philosophirt zu haben, abgewinnt. 7, 76;

Spartacus. sollte sich der mensch nicht einer freiheit schämen,
die es verlangt, dasz er menschen zu sklaven habe?
der consul. ich höre, du philosophirst, Spartacus. 2, 525;

übung im selbstdenken oder philosophiren. Kant 1, 349; es kann sich überhaupt keiner einen philosophen nennen, der nicht philosophiren kann. philosophiren läszt sich aber nur durch übung und selbsteigenen gebrauch der vernunft lernen. 348; unter allen völkern haben die Griechen erst angefangen zu philosophiren. 350; die methode des kritischen philosophirens. 356; übrigens ist das philosophiren, ohne darum eben philosoph zu sein, auch ein mittel der abwehrung mancher unangenehmer gefühle. 304; sobald sie (die processierenden parteien) anfangen zu philosophiren, sind beide halb verloren. Möser 3, 354; philosophiren in der gesellschaft heiszt sich über unauflösliche probleme lebhaft unterhalten. Göthe 31, 172; meine heilsame neigung zu philosophiren. Börne 4, 75;

don Juan zu Diego. auch reinlichkeit ist eines weisen pflicht.
du aber, freund, philosophirst in zoten.
Lenau (1880) 2, 297;

philosophieren von, über: nachlängs thate er von den tributen und anderem mannlich philosophiren. Schuppius 722; es war also die mathematik, über welche Pythagoras sowohl als Plato philosophirten. Kant 1, 179; das philosophiren über die natur. Göthe 54, 106.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philosophin, f. durch motion gebildet aus philosoph: eine reizend schöne philosophin von zwanzig jahren sagte mir einst in Bern: ich fürchte weit weniger die nachtheile der einsamkeit als die nachtheile der groszen welt. Zimmermann über die einsamkeit 4, 361.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
philosophisch, adj. und adv. , im 16. jahrh. gebildet nach lat. philosophicus, franz. philosophique.
1) adj. Hedio Josephus wider Apion 147a. 171a (s. Gombert im anz. 4, 180); philosophisch ezuchtbüchlein von Fischart (1578);

(sie) mischten under die göttlich worheit
ir eitel philosophisch thorheit. die gelehrten die verkehrten 337 Kurz;

die christlich lehr vermummet wart
in philosophisch gedanken zart. 377;

und theten alle christlich lehren
in philosophisch tand verkehren. 729;

philosophische subtiligkeit. Ayrer proc. 2, 11; jeder philosophische denker baut, so zu sagen, auf den trümmern eines andern sein werk. Kant 1, 348; philosophische erkenntnisz ist speculative erkenntnisz der vernunft. 350; philosophische vernunftwahrheiten. 398; ein philosophischer kopf ist ja noch lange nicht ein philosoph. Lessing 11, 462; der arzt ... ein philosophischer kopf aus der schule des Hippokrates. Heinse Hildeg. (1857) 122; philosophischer (philosophische probleme behandelnder) roman. Schiller 11, 139;

es fehlt der sinn für das höhere,
der unsre zeit so philosophisch macht.
Platen 3, 45;

philosophische zeichen nennen die sterndeuter den steinbock und wassermann, weil sie durch ihren einflusz den menschen zur weltweisheit geschickt machen sollen. mathem. lex. 1, 1008; lasz dir sagen, dasz mein volk keinen glauben an deinen goldmacher hat, dasz seinem filosofischen golde nicht traut. Wieland 31, 24; gib diesz geld nicht frevelhaft weg; es ist philosophisches (von einem adepten gemachtes) gold. es bringt segen! Göthe 14, 138 (Groszkophtha 1, 5), vergl. DWB goldkünstler, goldmacher; philosophische facultät (einer universität). Kant 1, 211 ff.; scherzhaft pfylosoviehische facultät der superklugen weiber. rockenphil. 35 (1, 24).
2) adverb:

laszt uns unverdrüszlich leben
recht auf gut philosophisch (mit gleichmut, gelassen wie ein philosoph).
Weckherlin 72 Gödeke;

[Bd. 13, Sp. 1833]



ein höflicher satyr (Canitz), der philosophisch dachte
und höflich lebete.
Bodmer krit. ged. 19 (1, 488) neudruck;

desz spott ich, der es (mein lied) unbegeistert,
richterisch und philosophisch (kalt logisch klügelnd) hört.
Klopstock Wingolf (1798) 1, 5

(ders mit klüglingsblicken
höret und kalt von der glosse triefet. werke 1, 6);

ich bin desto gelassener ... desto philosophischer gesinnt. Lessing 1, 260;

der leser an den dichter. lerne lieber prosa sprechen,
denn wir reden philosopisch.
Platen 1, 192.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
phiole, f., ahd. fialâ (Graff 3, 495), aus griech. φιάλη, mhd. viole aus mlat. fiola (trinkschale), franz. fiole, kugelförmige glasflasche mit langem halse:

ich grüsze dich, du einzige phiole!
die ich mit andacht nun herunterhole.
Göthe 12, 42;

rasch wurden .. teste, phiolen und andere zubehör angeschafft. Siegfr. von Lindenberg2 2, 223; (man fand bei ihm) lebendigen merkur in phiolen. Schiller 4, 220.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
phlegma, flegma, n. das griech.-lat. phlegma,
1) wässerigkeit im geblt. Roth dict. (1571) M 6b, der (vermeintliche) schleim im blute, die schleimblütigkeit als grundlage des phlegmatischen temperaments, die natürliche trägheit: phlegma bedeutet affectlosigkeit, nicht trägheit (leblosigkeit), und darf man den mann, der viel phlegma hat, darum sofort nicht einen phlegmatiker oder ihn phlegmatisch nennen, und ihn unter diesem titel in die klasse der faullenzer setzen. Kant 10, 322; das mädchen ist ganz geschaffen, das phlegma eines überladenen gehirns durch das flüchtige salz ihres umgangs zu reitzen, aufzulösen und vor einer gänzlichen vertrocknung zu bewahren. Thümmel reise 3 (1794), 140; die knappen warfen ihm etliche dutzend kiesel in die rippen, das brachte ihn doch einigermaszen aus seinem phlegma. Siegfr. v. Lindenb.2 2, 201; das phlegma der erdkugel. J. Paul Kampanerthal 3; das phlegma, das wir in heiszen kampfestagen oft verwünschen, ist es doch wieder, was einzelmenschen und ganzen völkerschaften die kraft der ausdauer verleiht. Auerbach ges. schriften 15, 53; davon phlegmatisch (natur, temperament), phlegmatiker, s. oben Kant 10, 322.
2) in der chemie der wassergehalt einer geistigen flüssigkeit, die beim destitlieren zurückbleibt, eigentlich und übertragen:

(die kastraten sind) wie wein von einem chemikus
durch die retort getrieben,
zum teufel ist der spiritus,
das flegma ist geblieben.
Schiller 1, 269.

vergl. geist 12, a.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: