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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
phantasieschöpfung bis pharao (Bd. 13, Sp. 1824 bis 1826)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) phantasieschöpfung, f.: Jean Paul ... verwechselte hier (in seinen romanen) wieder die wirklichkeit mit der dichtung, das gesetz des erlebten mit dem gesetze der phantasieschöpfungen. Gervinus4 5, 203.
 
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phantasiespiel, n., vergl. phantasienspiel: wie traumhaft erschien es dem sinnend und müde dasitzenden, als ob die ganze wandlung, die sein leben seit gestern gewonnen, nur phantasiespiel sei. Auerbach ges. schriften 14, 30.
 
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phantasiestück, n. ein (namentlich musikalisches) stück, worin man der phantasie folgt: phantasiestücke und historien von Weisflog (1824).
 
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phantasmist, s. bei phantomist.
 
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phantast, m., aus mlat. fantasta (griech. φανταστής), was fantast th. 3, 1319 (fantaste Luther tischr. 74b, vgl. Staub-Tobler 1, 875): phantast, ein mensch das solche einbildung (phantasei) hat, item vil grillen im hirn. Roth dict. (1571) M 6a;

dasz poeten phantasiren, ist es dann von nöthen?
dasz phantasten, ist es nöthig, müssen sein poeten?
Logau 3, zweite zugabe 151;

[Bd. 13, Sp. 1825]


so mancherlei hüte, so mancherlei phantasten und narren. Butschky rosenth. 865 (401); der, welcher diese (einbildungen der phantasie) für innere oder äuszere erfahrungen hält, ist ein phantast. Kant 10, 171; wer das abenteuerliche liebt und glaubt, ist ein phantast. 7, 387;

man spottet des, der mein (wahrheit) begert,
haist in ein ainfelting phantasten.
H. Sachs 3, 167, 21;

welche .. also poeten oder dichter und phantasten für eins halten. Spangenberg ganskönig, vorr. 5b; so sehr ich dem geistlichen orden zugethan, so redet dieser grobe phantast dagegen. pers. rosenth. 2, 30; ein langweiliger unlustiger phantast. Fischart ehz. 18; und damit sprang der phantast hinterm tisch hervor. Simplic. 2, 359, 5; es wären gantze bücher zu beschreiben, was mancher in eitler und schnöder liebe vertiefte phantast musz ausstehen. Abr. a S. Clara Judas 4, 366; nur phantasten laufen den glänzenden irrwischen nach. Klinger betr. 1, 86; der phantast (schwärmende sekretär) weisz nicht, was er spricht. Tieck 3, 7; Gianettino. ich bin nur lustig, weil Fiesko noch der alte phantast ist. Schiller 3, 101 (Fiesko 3, 8);

hoffnungsloser kummer ist ein phantast.
Lenau (1880) 1, 92.

dimin. das fantestle Zimm. chron.2 2, 499, 39.
 
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phantastenhaft, adj. was phantastisch Stieler 444.
 
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phantasterei, f. was fantasterei, die einbildungen und das treiben eines phantasten: dasselbe narrenwerk und phantasterei. Spangenberg ganskönig, vorr. 5b; ein eitele ausklaubte phantasterei. Paracelsus 2, 77; es würde mancher seine discurse von den cedern in Libanon .. für lauter phantasterei .. gehalten haben. Schuppius 114; er .. erklärt das ihm bisher wahrgeschienene für phantasterei. Göthe 32, 243; religiöse phantasterei. 54, 9; eine jede idee tritt als ein fremder gast in die erscheinung, und wie sie sich zu realisiren beginnt, ist sie kaum von phantasie und phantasterei zu unterscheiden. 56, 27; s. auch bei philisterhaftigkeit.
 
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phantastisch, adj. und adv., nach mlat. fantasticus, fantastice (griech. φανταστικός), franz. fantasque, fantastique, vgl. fantästig, fantästisch theil 3, 1320 und dazu Staub-Tobler 1, 875 (17. jahrh.): die groben fantastischen münchen. Luther hauspost. (1545), wintertheil 49b; ein junger schulmeister in fantastischen kleidern. Zinkgref 2, 37; was für phantastisches gesicht und grundloser lugen-zeug darinn (im alcoran), wird ohne das den mehristen bekand sein. Abr. a S. Clara auf, auf ihr christen 12, 26 neudruck; wo ich gehe, wandelt er an meiner seite, nehret in meinem herz .. diese phantastischen (traumhaften) qualen. Geszner 4, 192; nun war es wenigstens bequemer, den phantastischen Grisaldo zu dramatisiren als das schicksal Konradins. Klinger theater, vorr. A 5a;

(habt ihr) so ganz und gar phantast'sche grillen euch
in kopf gesetzt?
Platen 3, 228;

wenn auch bei phantastischen gewittern
mir nerv und ader ... zittern.
Lenau (1880) 2, 76;

ein phantastisch wahrheitsloses schauspiel.
C. F. Meyer ged. (1883) 24.

substantivisch: der es zu seiner aufgabe zu machen schien, das phantastische mit dem wirklichen leben aufs innigste zu verbinden. Tieck 4, 20.
 
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phantom, n., aus franz. fantome vom griech. φαντασμα: auf einmal stand unter dem breiten schatten einer linde eine göttliche erscheinung vor ihm da ... ich bin Salomo, sagte mit vertraulicher stimme das phantom. Lessing 1, 155;

du, edler mann, du wirst an ein phantom
von gunst und ehre keinen anspruch machen.
Göthe 9, 186 (Tasso 3, 4);

(ein band,) das mich an diese welt allmächtig bindet.
ach, ein phantom vielleicht!
Schiller 5, 2, 237 (don Carlos 2, 8);

um auf fernem boden ein schimmerndes phantom, das ihn doch immer floh, zu verfolgen. 8, 208; deine schöne hoffnungsfreude, das holde phantom, unsers künftigen glücks hat einen augenblick auch mich getäuscht. Hölderlin Hyper. 2, 96; dasz sie mich (den teufel) zu einem lächerlichen phantom gemacht haben. Hauff werke (1869) 2, 40;

der mond, gespiegelt im entfernten strom,
betrachtete sein eigenes phantom.
Platen 3, 167;

an uns vorüber schosz ein fackellauf,
ein glüh phantom, den grauen see hinauf.
C. F. Meyer ged. (1883) 66;

plural: gleich schwarzen phantomen
entklettern die gnomen ...
dem dunstigen schacht.
Matthisson (1825) 1, 146;

[Bd. 13, Sp. 1826]



mancher (pestkranke) dehnet sich noch im mördrischen schlaf und stöszet
dumpfes röcheln hervor, oder winselt von grausen phantomen
warnend umgeben.
Lenz 3, 27;

wilde phantome! naht euch aus euren klüften. 3, 47;

schwachformig: lasz es auch fantomen sein. Schiller 2, 394, phantomen 5, 1, 139;

dem erwachenden blick die leeren phantomen (träume) verschwinden.
Zachariä (1767) 4, 7.


 
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phantomist, m.: sie (die imaginanten) wurden phantomisten genannt, weil ein hohles gespensterwesen sie anzieht, phantasmisten, weil traumartige verzerrungen und incohärenzen nicht ausbleiben. Göthe 38, 130.
 
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pharao, pharo, faro, n., aus franz. pharaon, ein hasardkartenspiel, so genannt nach dem ägyptischen königstitel Pharao, der früher als bezeichnung des herzkönigs galt: oder wollen wir uns zum pharao (var. pharo) sezen und die zeit mit spielen betrügen? Schiller 3, 22 (Fiesko 1, 7); zusammensetzungen pharaobank, -tisch, -spiel (schwed. pharaospel Möller 574b) u. s. w.:

hier, wo am pharotisch ...
der spieler stille reihen auf glück und unglück warten.
Zachariä (1767) 1, 189;

plötzlich krachen raketen ..., die spieler laufen mit verwunderung von der pharaobank und nehmen unbefangen das eben verlorne geld mit, die croupiers ihnen nach. Arnim Hollins liebeleben 64 Minor; der gnädige herr sizen oben am pharotisch (var. pharaotische). Schiller 3, 448 (kab. 4, 1); die ruhe ... habe ich oft am pharotisch (var. farotisch) wiedergefunden. 4, 327.

 

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