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phantasiegebild bis phantasiespiel (Bd. 13, Sp. 1823 bis 1824)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) phantasiegebild, n.: so lebte das phantasiegebild des teufels fast ein jahrtausend im deutschen volk. Freytag bilder (1867) 2, 2, 353;

ich stürmte sonst durch fluren und gefilde ...
jetzt (im alter) sind mir die nur phantasiegebilde.
W. v. Humboldt sonette 42.


 
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phantasiegestalt, f.:

ihr blütenduftgen phantasiegestalten (vorher traumgestalten),
die mich seit meiner kindheit zartem streben
begleiteten durchs reichbegabte leben.
Humboldt a. a. o. 53.


 
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phantasiekraft, f.: wirklich kann man sagen, dasz er (J. Paul) das übermasz seiner phantasiekräfte darin (im Titan) ausgetobt habe. Gervinus4 5, 230.

[Bd. 13, Sp. 1824]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) phantasieleben, n.: dort im 13. jahrh. suchten die Schlegel die eigentliche blüte deutscher dichtung; und weil das ritterthum selbst schon eine poesie in der wirklichkeit war, so sollte dies phantasieleben in liedern und gesängen wie ein neuer frühling des dichterischen geistes wieder aufgehen. Gervinus4 5, 538.
 
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phantasienspiel, n., vergl. phantasiespiel:

sagt mir gründe,
die nicht ein leeres phantasienspiel.
Werner M. Luther 1, 2.


 
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phantasientrug, m.:

wars eitel traum? wars phantasieentrug?
Maria sah mich an so mild, so freundlich.
H. Heine 16, 124.


 
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phantasiereich, adj.: sie ist ein liebes geschöpf, und warum sollt ich ihr die guten phantasiereichen stunden nicht danken, da ich doch alles vergasz, was mich trübte und kümmerte! Klinger theater 2, 153; phantasiereiche dichter, musiker u. s. w.
 
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phantasiereich, n.: wir haben in Deutschland den übergang von poesie zur politik, aus dem phantasiereich in das der wirklichkeit .. gemacht. Gervinus4 5, 389.
 
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phantasieren, verb. was fantasieren th. 3, 1319, aus mlat. fantasiari (Dief. 225a), dem spiel der phantasie sich hingeben, dadurch ein phantasiegebild erzeugen, sich etwas einbilden, im gegensatze zum klar bewuszten denken (phantasirn, dichten, trachten, mit manicherlei einbildung umbgehn .., item lappenweisze und leichtfertige possen treiben, es sei in worten oder werken. Roth dict. M 6a).
1) intransitiv:

mein sinn sich her und wider wugent,
auf was kurtzweil ich solt begeben
forthin .. mein junges leben ...
in solchem schweren phantasieren
ging ich hin für das thor spaciren.
H. Sachs 7, 202, 23;

ich hab genug nun phantasirt
und vom ganszkönig disputirt.
Spangenberg ganskönig A 8b;

dasz poeten phantasiren, ist es dann von nöthen?
Logau 3, zweite zugabe 151;

es (Lottens bild) stimmt weit mehr mit dem überein, was ihr (Kestner) mir von ihr schreibt als alles was ich imaginirt hatte; so ist es nichts mit uns die wir rathen, phantasiren und weissagen. d. j. Göthe 1, 335; noch lag er (der fieberkranke) da mit glutrothen antlitz und phantasirte. H. v. Kleist 3, 39 (Käthchen von Heilbr. 2, 9) H.;

in den armen seines jüngsten
phantasiert der sieche kaiser.
C. F. Meyer ged. (1883) 249;

kredenzt mir wein, auf dasz berauscht wie Hafis
ich phantasire wild von deiner schönheit.
Platen 2, 45.

gaukeln, spielen, kurzweil treiben (s. phantasie 1, c): im erzählen phantasiren sie mit einem stöcklein, gleich die, so aus der tasche spielen. pers. reisebeschr. 5, 6; daz (zur rede) er dann mit seinen fingern fantasiert. Polychor. Sueton. 36a;

da er mit dem bogen anfieng
zu schieszen und zu fantasieren.
Rollenhagen froschm. 2, 2, 11 (Bb 8a);

auf dem klavier u. s. w. phantasieren (s. phantasie 2, c).
2) transitiv: er (don Quixote) kämpfte sein ganzes leben durch mit fantasierten ungeheuern. Wieland 9, 251;

eins nur vergält mir noch den ruhm,
den ich mir fantasiret.
Bürger (1778) 258.


 
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phantasieschöpfung, f.: Jean Paul ... verwechselte hier (in seinen romanen) wieder die wirklichkeit mit der dichtung, das gesetz des erlebten mit dem gesetze der phantasieschöpfungen. Gervinus4 5, 203.
 
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phantasiespiel, n., vergl. phantasienspiel: wie traumhaft erschien es dem sinnend und müde dasitzenden, als ob die ganze wandlung, die sein leben seit gestern gewonnen, nur phantasiespiel sei. Auerbach ges. schriften 14, 30.

 

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