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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfusten bis pfütze (Bd. 13, Sp. 1817)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfusten, verb. was pusten Kehrein weidmannsspr. 227.
 
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pfutsch, interj. was futsch Schm.2 1, 445. Schöpf 504. Lexer kärntn. wb. 26 (davon der pfutsch, pfütsch, eine schnelle bewegung, eine wertlose sache).
 
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pfutschen, pfütschen, verb. behend sein, schlüpfen (davon pfutschkönig zaunschlüpfer, zaunkönig) Schöpf u. Lexer a. a. o.; etwas in aller hast verrichten Schm. 1, 445. vergl. DWB futschen, DWB pfuschen (1).
 
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pfutschen, verb. was pfuschen (2) Kramer hoch-niedert. wb. 161a, auch mit der bedeutung von paschen, schmuggeln, davon der pfutscher 161b.
 
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pfutschnasz, s. DWB pfütznasz.
 
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pfutteln, plur. s. DWB kutteln 2, b.
 
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pfuttern, s. DWB pfnuttern.
 
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pfützauster, f.: die pfützostern oder seeostern werden in den meerpfützen oder seen gefunden. Forer Gesners fischbuch 148a (meerpfütze theil 6, 1855 nachzutragen).
 
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pfützchen, n. dim. zu pfütze, vergl. pfützlein: pfutzchen, lacunula Dief. 316a (vom j. 1517);

(er) fällt in ein pfützchen jämmerlich.
Gleim 6, 267.


 
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pfutze, m. was butze 2, c:

stich pfutzen auf, und tödt die seyren.
Scheidt Grobian. 465;

dim. pfützlin, ein bläterle, pustula Maaler 318b; solche pfützlin oder grindbützlin gehnd hinweg mit einem kleinen schüpplin, so sie nachlassen, wann sie verdorren. Ryff chirurg. 68b. s. bützlein 2.
 
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pfütze, f. , ahd. nach den mundarten puzza, pfuzza, buzza, fuzze f., puzzi, pfuzi, puzz n.; mhd. pfütze f., bütze, butze f. m.; md. phutze, putze, puzze, putz f. m.; nhd. pfütze (früher und mundartlich auch pfutsche, pfütsche, pütsche,

[Bd. 13, Sp. 1818]


pfitze pfitz, pfitsche pfitsch, auch noch als m. oder n., s. unten); nd. pute, putte, ags. pyt m., altn. pyttr mit ital. pozzo (ziehbrunnen), pozza (pfütze), franz. puits (brunnen) aus lat. puteus, brunnen, grube, cisterne Diez4 255.
1) der gegrabene brunnen, ziehbrunnen, die cisterne, puteus, cisterna Dief. 474c. 124a, nov. gloss. 310a. 93b; ahd.:

thô gisaʒ er muadêr ...
bî einemo brunnen,thaʒ uuir ouh puzzi nennen.
Otfrid 2, 14, 8;

ther puzz ist filu diofer. 2, 14, 29;

thiu fuzze teof ist (puteus altus est) Tatian 87, 3; thê dâr gab uns den phuzi (qui dedit nobis puteum), her tranc von imo ebenda; welîches ... ohso in phuzzi fellit (in puteum cadet) 110, 2; du bist puzza dero quekkon waʒʒero (puteus aquarum viventium) Williram 71, 1 im gegensatz zu der flieʒʒente brunno 71, 4; mhd. gevellit der (ochse oder esel) in eine phze. Schönbach altd. pred. 133, 21; wir lesen, daʒ her Jeremias ... wart gelâʒen in eine phutze eines mannes, der hieʒ Abdimelech. 18, 7; vereinzelt auch frühnhd.: Hieremias .. must .. darumb gefangen, in ein pfitz geworfen werden. Frank chron. 30a;

Reinhart und Bartman (steinbock) von den ziegen
zusamen in ein pfützen stiegen,
das sie sich beide mochten trenken.
Waldis Es. 3, 27, 2;

neben brunnen: und wurdent all brunnen und pfitzen in blt verwandelt. historienbibel 211 Merzd. (2 Mos. 7, 19); die pflagen usz einer pfützen oder brunnen wasser zu schöpfen. Keisersberg passion (1514) 34c; kurh. pütsche, die einen tiefen und weiten tümpel bildende quelle der Ems. Vilmar 301.
2) lacus, palus Dief. 316a. 408b: da sich bemelter flusz (die Brenta) in die adriatische see und pfizen ausgeust. Ernstinger reisbuch 39; flusz Tanais, der sich in die mäotischen pfützen ausleeret. Stumpf chron. 2a. vergl. DWB lache 4, meerpfütze bei pfützauster.
3) besonders die in einer kleinen flachen erdvertiefung angesammelte und stehen gebliebene oder stehende (unreine, schmutzige) flüssigkeit, lache, kleiner pfuhl oder sumpf. vergl. wasser-, regen-, mistpfütze.
a) eigentlich, mhd. (md.):

des heiʒen bluotes pfütze (blutlache)
gap im dô kumberlîchen rouch.
Konrad troj. krieg 35712;

nu werft en in die pfütze.
Reinbot v. D. Georg 4698;

dîn golt und dîn gestaine
wirfe ich in die puze (var. phuze). Rolandslied 150, 5;

sie trunken ûʒ den putzen.
Albrecht v. Halberstadt 448b;

nhd. wer zeigen dt ein gte strosz
und blibt er in dem pfütz und mosz,
der ist der sinn und wiszheit blosz.
S. Brant 21, β;

wann er (St. Urban) dann nit gut wetter geit, so wird er in die pfitzen geleit. Fischart Garg. 50a; eine pfütze voller frösche. Schütz altes Preuszen 39; stinkende pfütze (statt aus einer stinkenden pfütze) trinken. pers. baumg. 1, 12;

(volk,) geboren umb die flut und umb die rawen pfützen.
Opitz (1645) 3, 302;

wann der karr steckt im pfützen.
J. Doman, Gödeke elf bücher 1, 230b;

man musz lernen ... an statt weins oder biers wasser und faule pfützen versuchen. Weise die drei klügsten leute 305; weil er (esel) aus einer pfützen gesoffen. polit. maulaffe, vorrede; allen pfitzen die augen ausztreten. 192; zu einem pfütz werden, stagnare Aler 1536b; wem die nase jucket, der wird in eine pfitze fallen. rockenphil. 631 (4, 61);

die pfützen, die (bei regenwetter) voll wasser stehn.
Brockes 2, 446;

wenn nach starken regengüssen .. auf den vertiefungen des ackers wasser stehen bleibt, und pfützen macht. Lessing 6, 206; pfützen zusammengeleiteten regenwassers. Göthe 27, 52;

hier wars, wo mir die noth bewies,
dasz man durch sie aus pfützen trinken lerne.
Wieland Idris 3, 25;

die frösche singen das klaglied in pfützen (im morast Voss).
Stilling georg. 1, 378.

bair. der pfutsch, die pfütsch Schm.2 1, 445, wetterauisch die pitsch Weigand2 2, 345; bergmännisch das im grubenbau sich ansammelnde tagwasser, s. DWB pfützeimer, DWB pfützen.
b) übertragen und bildlich (in bezug auf den trüben und schmutzigen, faulen und stinkenden inhalt der pfützen) mhd. (md.) der werlde, der sünden, der untugenden pfütze passional

[Bd. 13, Sp. 1819]


5, 61. 193, 16. 369, 69; die gebot, dâ mit man den sunder sol ziehen ouʒ der phuzen der unreinen sunden. Schönbach altd. pred. 18, 11; nhd. wie der teufel das liebe evangelium durch des bapsts grewel in einen misthauffen und pfützen gefrt hat. Luther 5, 410a; so sind wir von den hellen bornen zu den pfutzen gerathen, und daraus warm, faul, stinkend wasser gesoffen. tischr. 1, 53; (Luther pflegte zu sagen) die Juden trinken ausz den quellen (der offenbarung), die Griechen ausz dem ablauf und die Römer oder Lateiner ausz der pfützen. Zinkgref 1, 184; die heimlich pfütz und grundsuppe der laster. Frank morie encom. 7, 7 Götzinger; hie meint etwan ein kaufmann oder kriegsknecht .., wann er ein pfennigle ausz so vil raubs hinwerf, so hab er einmal die gantze pfütz der sünden auszgelärt und gefegt. 74, 9;

trenkt sie ausz der hellischen pfütschen (s. DWB pfuhl, höllenpfuhl)!
H. Sachs 3, 24, 6;

und stürtzt ihn von der höch herab
in die pfütschen als ungemachs. 8, 629, 15;

welcher uns hat erlösen thon
ausz der pfütschen als ungemachs. 6, 279, 30;

ewigkeit. ihr blinden! ...
die ihr vor wahrheit nichts als falsche träum erwischt,
und bei den pfützen euch an statt der quell erfrischt!
Gryphius trauersp. 149 P.;

Babylon, ein sitz und pfitz der hurerei.
Weckherlin 296;

über dir mag auch Fortuna gaukeln ...
menschen bald auf schwanken tronen schaukeln,
bald herum in wüsten pfüzen drehn.
Schiller 1, 181;

Bourgognino. schenken sie mir (die von Gianettino Doria genothzüchtigte) Bertha, ich mache sie glücklich. Verrina. haben sie lust, junger mensch, ihr herz in eine pfüze zu werfen? 3, 37 (Fiesko 1, 12);

wenn er bei mir am (im) pette leit,
so ligt er bei mir als ein scheit ..,
sein folen in fremde lachen er schwemt
und muet den ser in fremden pfutzen. fastn. sp. 144, 34;

in rauhem silen er also zeucht
und kein loch noch pfutzen fleuht. 347, 13;

du woltes nie rains wasser nützen,
du thest recht sam ain sau in einer pfützen,
die sich unsauber köste fleist. 658, 1.

 

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