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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfuscherei bis pfusten (Bd. 13, Sp. 1816 bis 1817)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfuscherei, f. das treiben und werk eines pfuschers, das gepfusche. Stieler 1453:

wie mich vor kurtzer zeit ein ungereimter bogen
mit meiner pfuscherei im dichten durchgezogen.
Günther 415, vgl. 511;

als es (das volk) aber hernach die pfuscherei des werkes erwog, verfiel solches erst in verachtung. Bode Montaigne 4, 196; (leute) so in einer kunst, von der sie nicht die ersten elemente kennen, pfuscherei treiben. Kant 3, 399; nur die zeichen (im kalender), die den gemeinen mann zur pfuscherei an seiner gesundheit verleiten können, müszten .. weggelassen werden. 9, 126;

ihr fühlet nicht, wie schlecht ein solches handwerk sei!
wie wenig das dem ächten künstler zieme!
der saubern herren pfuscherei
ist, merk ich, schon bei euch maxime.
Göthe 12, 12;

du narr! begünstige die pfuscherei,
so bist du überall zu hause. 56, 100;

verlust von zeit und kräften, die man auf eine solche pfuscherei gewendet hat. 20, 215; die lust der Deutschen am unsichern in den künsten kommt aus der pfuscherei her. 49, 42; indem sie sich auf der breiten fläche des dilettantismus und der pfuscherei, zwischen kunst und natur hinschleichen. 36, 213, vergl. 23, 161; die fehler eines meisters kommen allemal von der meisterschaft her und schaden daher nicht; dahingegen das schnitzelwerk nur die scham der pfuscherei verdeckt. Zelter an Göthe 120 (1, 304); was an dem stücke (Herders Aeon und Aeonis) gut ist ..., diesz ist ihnen abgeborgt, und mit der eigenen erfindung beginnt die pfuscherei. Schiller an Göthe 780 (6, 26); plur. wir sehen .. allenthalben, wo sie (natur) in ihrer reinheit glänzet, unsere eiteln und thörigten pfuschereien gar mächtig von ihr beschämt werden. Bode Montaigne 2, 103; ich bin der augenblicklichen anmaszlichen pfuschereien in jedem fache so satt,

[Bd. 13, Sp. 1817]


dasz ich nicht darnach mehr zum fenster hinaus sehen mag. Göthe an Zelter 136 (1, 366); was sie von den pfuschereien in der villa Borghese schreiben, ist freilich traurig ... des bauens und anlegens aus dem stegreife und ohne risz und plan ist kein ende. an Meyer bei Riemer 22.
 
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pfuscherhaft, adj. und adv. in der weise eines pfuschers. Stieler 1452: schlechte pfuscherhafte gewerbtreibende sind nicht selten die gröszte plage der gemeinde und quelle des schlimmsten proletariats. Stüve wesen und verfassung 248; wenn man bei ... bauten ... ein handwerk ums andere entbehren musz, und lieber ungeschickt und pfuscherhaft eingreift, als dasz man sich meistermäszig verspäten liesze. Göthe 23, 44; das englische der Gita Govinda habe ich nun auch gelesen und musz den guten Dalberg leider einer pfuscherhaften sudelei anklagen. an Schiller 816 (6, 94); die kostbaren und vielen decorationen dieser oper (zauberflöte) .. sind so pfuscherhaft zusammengesetzt und so schlecht gemalt, dasz man das gesicht wegwendet mit verdrusz wenn es in dem nämlichen augenblicke angelockt und hingerissen war. Zelter an Göthe 31 (1, 75); davon die pfuscherhaftigkeit.
 
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pfuscherheer, n. grosze menge von pfuschern:

getrost! izt würgt das pfuscherheer
mit henkers hand das volk nicht mehr,
das mittel ist jetzt ausgedacht,
dasz man sie all — zu doktors macht.
Schiller 1, 272.


 
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pfuscherin, f. eine pfuschende weibliche person im gegensatz zur meisterin. Stieler 1453: dasz sie (die thessalischen zauberinnen) in ihrer eigenen kunst, gegen eine meisterin wie sie (Circe), nur pfuscherinnen sind. Wieland 35, 221;

ich gäb' als eine pfuscherin
in eure schule gern mich hin.
P. Heyse ges. werke 2, 108.


 
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pfuscherisch, adj. und adv. was pfuscherhaft: der allergröszte verdrusz, den man diesem pfuscherischen volke anthun kann. Göthe an Meyer bei Riemer 45.
 
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pfuschern, verb. ein pfuscher sein, als ein pfuscher etwas machen (s. DWB fuschern 2): die im apostelampt bisher gepfuschert hat. Wiedemann febr. 33; unwissende, die gern in der metaphysik pfuschern möchten. Kant 4, 121;

schnickschnack! versetzte der papa;
wer pfuschern will, macht salbe.
Overbeck ged. 84.


 
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pfuschkunde, m.: der barbiergesell hat auszer den kunden, die er für seinen herrn rasiert, noch viele pfuschkunden (die er heimlich, zu eigenem vortheil rasiert) u. dergl.
 
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pfuschmakler, m. gegensatz zum vereidigten makler z. b. in Köln.
 
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pfuschung, f. das pfuschen, die pfuscherei. Stieler 1453.
 
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pfuschwerk, n. gepfuschtes werk. Rückert 2, 187.
 
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pfusten, verb. was pusten Kehrein weidmannsspr. 227.

 

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