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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfusch bis pfuscherheer (Bd. 13, Sp. 1814 bis 1817)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfusch, interjection und m., s. DWB pfuschen (1) 1; vgl. DWB pfutsch.
 
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pfuschbar, adj. in unverpfuschbar Göthe 33, 217.
 
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pfuschen, verb.
1) mit dem laute pfusch schnell abbrennen, verpuffen (von der pfanne abbrennendes pulver pfuscht, macht einen pfusch, einen pfuscher) Adelung. Schm.2 1, 443. vgl. pflischen, pfluschen, pfuchzen, pfutschen.
2) sich huschend bewegen (vgl. DWB fuscheln, fuschen):

fledermaus, die eifrig zwischen meinen locken pfuscht.
Platen 4, 92.


 
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pfuschen, verb. das als fuska auch ins schwedische gedrungene (Möller 594b) und noch dunkle wort ist zuerst bei Stieler nachweisbar, musz aber, wie man aus dem davon abgeleiteten pfuscher ersieht, schon im 16. jahrh. geläufig gewesen sein. Adelung hat es mit dem vorigen pfuschen identificiert, woraus sich zur not der begriff des nutzlosen, eilfertigen und schlechten arbeitens erklären liesze (vgl. DWB pfutschen 2); pfuschen hat aber zunächst die bedeutung des unberechtigten, gegen die zunftordnung verstoszenden geschäftlichen arbeitens (vgl. stören, störer), woraus sich die weiteren bedeutungsabstufungen erst entwickelt haben. vergl. fuschen theil 41, 960 und J. Franck im anz. für deutsches alterthum 11, 30.
1) intransitiv, heimlich und unberechtigt eine nicht zunftgemäsz gelernte, nur dem zünftigen handwerker zukommende arbeit verrichten,

[Bd. 13, Sp. 1815]


ein handwerk unbefugt ausüben (Stieler 1452), sodann ohne beruf und hinreichende kenntnis in die einem andern zukommende thätigkeit eingreifen, sich einmischen (Stieler a. a. o.), endlich überhaupt etwas aus eilfertigkeit, ungeschicklichkeit und unkenntnis mangelhaft machen, stümpern (vgl.pfuschern): pfuschen, ein später erfundenes wort, bezieht sich aufs handwerk, es setzt voraus, dasz irgend eine fertigkeit nach regeln gelernt, auf die bestimmteste weise nach der vorschrift und unter dem schutze des gesetzes ausgeübt werde. Göthe 44, 265; wer pfuscht, darf das rechte nicht gelten lassen, sonst wäre er gar nichts. 49, 42; es kam ihm (Anne Mareili) wohl, ... dasz es sich (bei der arbeit) schicken konnte ohne eben zu pfuschen (vgl. DWB hudeln 1, b). das letztere ist eine eigenschaft, welche von jugend auf erlernt werden sollte ..; es fehlt aber gewöhnlich der lehrmeister dazu. Gotthelf geld und geist (1859) 263;

arzt und henker pfuschten zwar.
Pfeffel 1, 68 Hauff.


Mit genauerer angabe.
a) in ein handwerk u. s. w. pfuschen: ohne durch fleisziges zusehen und hören die grundbegriffe recht gefaszt zu haben, will der küchenjüngling heut zu tage schon ins handwerk pfuschen, dem meister vorgreifen. Rumohr geist der kochkunst 165; pfuscht er jetzt notaren und advocaten ins handwerk. Göthe 8, 200; alsdann müszt ihr mir nicht übel nehmen, wenn ich auch in euer handwerk pfusche. 24, 277; in keine profession wird mehr gepfuscht als in die medicin. rockenphil. 104 (1, 81); Plato ist immer nur halb was er sein möchte. wo er scharf räsonnieren sollte, macht er den dichter; will er dichten, so pfuscht ihm der grübelnde sofist in die arbeit. Wieland 36, 242;

euch ersparts die müh,
dem lieben gott in seine kunst zu pfuschen. 10, 309;

die hand eines bösartigen geistes, der in die herrliche anstalt (des schöpfers) gepfuscht hat. Kant 4, 298; die erfindung eines bösen wesens (teufels), das in das machtwerk des guten (gottes) pfuschte. Klinger 12, 179;

jetzt pfuscht so mancher in theologie,
bibel und scholastik plagen ihn nie.
Kinkel ged. (1857) 424.


b) pfuschen in mit dativ: man hat mir den vorwurf gemacht, ich pfusche, ich stümpere in den meisten dingen. Göthe 17, 188; worin herum pfuschen. 22, 216. Kant 2, 547; sie werden finden, dasz ich auch in der griechischen literatur gepfuscht habe (hier als ausdruck der bescheidenheit). Lessing 12, 390 (vom jahre 1773).
c) pfuschen an, pfuschend ändern, bessern:

wir pfuschen nicht gern an den werken der alma mater rerum.
Wieland der neue Amadis 1, 18;

sie müssen aber auch meine dreistigkeit verzeihen, dasz ich an ihren worten gepfuscht habe. Zelter an Göthe 180 (2, 24).
2) transitiv, pfuschend, stümperhaft machen, eine gepfuschte arbeit u. s. w.: das widerliche dieser von den gemeinsten steinhauern gepfuschten miszbildungen. Göthe 28, 114. s.nach-, DWB verpfuschen.
 
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pfuschen, n. der substantivisch gebrauchte infinitiv des vorigen (1): vom handwerk kann man sich zur kunst erheben, vom pfuschen nie. Göthe 44, 287; dieser gute freund bleibt sich doch immer gleich. aus dem literarischen pfuschen wird er wohl nie herauskommen. an Knebel 363.
 
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pfuscher, m., s. DWB pfuschen (1) 1.
 
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pfuscher, m. einer der pfuscht; als fuskare auch ins schwedische gedrungen Möller 594b. die form fuscher s. theil 41, 961.
1) der ein handwerk unberechtigt oder stümperhaft betreibt Stieler 1452. Hübner naturlex. 302 (vgl.bönhase): wer nie ein schüler war, der gab auch nie keinen meister, sondern bleibet ein hümpler, störer oder pfuscher. Mathesius Syr. 2, 136a;

kleider machen leute; trifft es richtig ein,
werdet ihr, ihr schneider, gottes pfuscher sein.
Logau 3, 81, 35;

sitzt er (gesell) und arbeitet vor (für) sich, so wird er nicht gelitten, sondern als ein pfuscher aufgehoben. Paulini philos. luststunden (1709) 1, 103; nach der gemeinen sage heists: viel pfuscher verderben das handwerk ... denn wo die pfuscher sind, können die meister das handwerk nicht recht treiben, weil ihnen von jenen alle nahrung entzogen wird. rockenphil. 104 (1, 81); die handwerker in kleinen ... städten nehmen immer mehr und mehr ab; ihre aussicht wird täglich trauriger

[Bd. 13, Sp. 1816]


und die natürliche folge davon ist, dasz sie sich zuletzt in lauter pfuscher verwandeln müssen. Möser 1, 184;

der doctor spiegelt sich und schmähet
derb den pfuscher (schneider).
Pfeffel 2, 86 Hauff;

der dilettant verhält sich zur kunst, wie der pfuscher zum handwerk. Göthe 44, 266; wenn sie (der arzt) sich auf den puls nicht besser verstehn, als auf die herzen der mädchen: so sind sie ein ziemlicher pfuscher. Rabener (1755) 3, 143.
2) überhaupt ein stümper im gegensatze zum meister Stieler 1453:

weil wir hie auf erden doch nur lauter pfuscher sein.
B. Neukirch bei
Hofmannswaldau 1, 145;

die stümper überhaupt ...
sind unter dem Crispin im kleinern vorgestellt,
und scheinen, setzt man sie dem pfuscher an die seite,
so tumm, so arg sie sind, noch klug- und fromme leute.
Günther 492;

ein jeder pfuscher (reimer) drängt sich in sein vorgemach.
Hagedorn (1729) 61, 113 neudruck;

lauschender Amor, den sicher kein pfuscher gemeiszelt hat. Thümmel reise 2 (1791), 186; weil man aber von dem meister erwarten kann, dasz er keine pfuscher ziehen will. Göthe 22, 47; das lehrt dich den pfuscher vom meister unterscheiden. 15, 12; die ihr denn doch nur naturalisten und pfuscher seid. 19, 125; wie heiszt der pfuscher von arzt? 20, 302 (ein pfuscher von barbier Platen 3, 204); dramatische pfuscher werden bis zum unsinn gebracht, um ihr werk auszustellen. 44, 279;

ach die zärtlichen herzen! ein pfuscher vermag sie zu rühren. 1, 369;

Göthe. wie, dasz du (Wieland) nicht deine leier in den winkel warfst .. und gestandst, du seist ein pfuscher? Lenz 3, 222;

was nur einer vermag, das soll nur einer uns schildern,
Voss nur den pfarrer und nur Iffland den förster allein.
aber da meinen die pfuscher, ein jeder schwarzrock und grünrock
sei auch, an und für sich, unsrer beschauung schon werth.
Schiller 11, 113;

als pfuscher pfuschend spielt er noch den kritikus.
Platen 4, 147;

selbst die gebliebenen (werke der klassischen kunst) hat nachhelfender
pfuscher verkehrtheit
... über die maszen entstellt. 2, 283.

auch als ausdruck der bescheidenheit:

geht nun hinaus und heilet euch selbst! ich (der arzt) bin nur ein pfuscher;
wen der mai nicht kann heilen, der sterb' und lasz mich in frieden.
Rückert 3, 222.


 
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pfuscherarbeit, f.: auch pfuscherarbeit wird manchmal gute arbeit. Engel L. Stark 86.
 
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pfuscherei, f. das treiben und werk eines pfuschers, das gepfusche. Stieler 1453:

wie mich vor kurtzer zeit ein ungereimter bogen
mit meiner pfuscherei im dichten durchgezogen.
Günther 415, vgl. 511;

als es (das volk) aber hernach die pfuscherei des werkes erwog, verfiel solches erst in verachtung. Bode Montaigne 4, 196; (leute) so in einer kunst, von der sie nicht die ersten elemente kennen, pfuscherei treiben. Kant 3, 399; nur die zeichen (im kalender), die den gemeinen mann zur pfuscherei an seiner gesundheit verleiten können, müszten .. weggelassen werden. 9, 126;

ihr fühlet nicht, wie schlecht ein solches handwerk sei!
wie wenig das dem ächten künstler zieme!
der saubern herren pfuscherei
ist, merk ich, schon bei euch maxime.
Göthe 12, 12;

du narr! begünstige die pfuscherei,
so bist du überall zu hause. 56, 100;

verlust von zeit und kräften, die man auf eine solche pfuscherei gewendet hat. 20, 215; die lust der Deutschen am unsichern in den künsten kommt aus der pfuscherei her. 49, 42; indem sie sich auf der breiten fläche des dilettantismus und der pfuscherei, zwischen kunst und natur hinschleichen. 36, 213, vergl. 23, 161; die fehler eines meisters kommen allemal von der meisterschaft her und schaden daher nicht; dahingegen das schnitzelwerk nur die scham der pfuscherei verdeckt. Zelter an Göthe 120 (1, 304); was an dem stücke (Herders Aeon und Aeonis) gut ist ..., diesz ist ihnen abgeborgt, und mit der eigenen erfindung beginnt die pfuscherei. Schiller an Göthe 780 (6, 26); plur. wir sehen .. allenthalben, wo sie (natur) in ihrer reinheit glänzet, unsere eiteln und thörigten pfuschereien gar mächtig von ihr beschämt werden. Bode Montaigne 2, 103; ich bin der augenblicklichen anmaszlichen pfuschereien in jedem fache so satt,

[Bd. 13, Sp. 1817]


dasz ich nicht darnach mehr zum fenster hinaus sehen mag. Göthe an Zelter 136 (1, 366); was sie von den pfuschereien in der villa Borghese schreiben, ist freilich traurig ... des bauens und anlegens aus dem stegreife und ohne risz und plan ist kein ende. an Meyer bei Riemer 22.
 
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pfuscherhaft, adj. und adv. in der weise eines pfuschers. Stieler 1452: schlechte pfuscherhafte gewerbtreibende sind nicht selten die gröszte plage der gemeinde und quelle des schlimmsten proletariats. Stüve wesen und verfassung 248; wenn man bei ... bauten ... ein handwerk ums andere entbehren musz, und lieber ungeschickt und pfuscherhaft eingreift, als dasz man sich meistermäszig verspäten liesze. Göthe 23, 44; das englische der Gita Govinda habe ich nun auch gelesen und musz den guten Dalberg leider einer pfuscherhaften sudelei anklagen. an Schiller 816 (6, 94); die kostbaren und vielen decorationen dieser oper (zauberflöte) .. sind so pfuscherhaft zusammengesetzt und so schlecht gemalt, dasz man das gesicht wegwendet mit verdrusz wenn es in dem nämlichen augenblicke angelockt und hingerissen war. Zelter an Göthe 31 (1, 75); davon die pfuscherhaftigkeit.
 
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pfuscherheer, n. grosze menge von pfuschern:

getrost! izt würgt das pfuscherheer
mit henkers hand das volk nicht mehr,
das mittel ist jetzt ausgedacht,
dasz man sie all — zu doktors macht.
Schiller 1, 272.

 

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