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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfumpfnase bis pfundhafer (Bd. 13, Sp. 1810 bis 1812)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfumpfnase, f. stumpfnase Stieler 1333, thüring. fumf-, pfumpfnase theil 41, 527.
 
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pfund, n. , goth. alts. ags. altn. pund, nd. pund, punt, nnl. pond; ahd. phunt, funt, mhd. phunt, pfunt, schon früh entlehnt aus dem lat. indeclin. pondo (von pondus), ein pfund.
1) ein bestimmtes (nach zeit und ort verschiedenes) gewicht, und das damit gewogene, libra, pondus Dief. 327a. 447a, jetzt der hundertste theil eines zentners; plur. pfunde (schweiz. pfünder Gotthelf erz. 4, 143), aber mit vorgesetzter zahl pfund (s. DWB fusz, DWB mann u. a.): goth. Marja nam pund balsanis. Joh. 12, 3 (ein pfund salben Luther, daʒ gewicht der salbe cod. Tepl.); ahd. Nicodemus .. truog thaʒ gimisgi mirrûn inti âlôes, sô was es zihenzug phuntô. Tatian 212, 6 (Nicodemus .. brachte myrrhen und aloen unternander bei hundert pfunden, libras centum. Joh. 19, 39); mhd.

dir wirt ûʒ einem orte ein pfunt.
Marner 11, 3 (vgl. DWB ort 4, b);

nhd. bi dem pfund (pfundweise) wegen. teufels netz 9468; rechte wage, und rechte pfund ... sol bei euch sein. 3 Mos. 19, 36; rechte wage und gewicht ist vom herrn, und alle pfunde im sack sind seine werk. spr. Sal. 16, 11; er thet ... drei pfund goldes zu einer tartschen. 1 kön. 10, 17, s. auch oben Joh. 12, 3. 19, 39; kerzen ..., dero etwan eine bisz in 23 und bisz in 30 pfund hat. Frank weltb. 149b; hagel zu pfunden schwer. Wedel hausb. 167; wie vil pfund meinst, dasz du nackendig wgist? Maaler 318c; zehen pfund schwerer koth. pol. maulaffe 24;

sie gend (geben) den ablasz hin bim lot, bim pfund (pfundweise).
N. Manuel vom papst u. s. w. 1362.

sprichwörtlich und bildlich: sie redten alle sache bei dem pfunt (groszsprecherisch). Meisterlin 136, 4; wer mit dem pfunde wägt, bedarf des centners nit; hundert pfund sorgen bezahlen kein loth borgen. Simrock sprichw. 428; er wuste wohl, dasz im regimente man mit einem gran liebe mehr, als mit einem pfunde furcht ausrichtete. Lohenstein lobrede auf Hofmannswaldau 28;

ein gran verwegenheit ist unter ein gantz pfund
der klugheit schon genug. Cleop. 1, 194;

gebt ihr ein pfund von eurer klugheit ein.
Gökingk 1, 160;

man kann sich überreden, die welt — auszer Frankreich allein — habe bis jetzt durch den sturz Napoleons nichts weiteres gewonnen, als dasz die zentner-last der noth in die hundert pfunde mannigfaltiger nöthe zerschlagen worden ist. Börne 3, 356.
2) ein bestimmtes geldmasz (weil das geld ursprünglich gewogen ward).
a) zunächst griechisch-biblisch: und als er anfieng zu rechnen, kam im einer fur, der war im zehen tautent pfunt (μυρίων ταλάντων) schuldig. Matth. 18, 24; dieser foddert zehen seiner knechte und gab inen zehen pfund (zehn minen, griech. δέκα μνᾶς, goth. taihun dailos, später skattans; er gab in x gewicht cod. Tepl.) und sprach zu inen, handelt, bis das ich widerkome u. s. w. Luc. 19, 13—25 (vgl. Herder ged. 2, 216 ff.), darauf beruht die redensart mit seinem, mit dem anvertrauten pfunde (geistesgaben, anlagen, vgl. DWB talent) wuchern u. ähnl.:

[Bd. 13, Sp. 1811]


so hört mir zu, wie ich die ding
nach meinem pfund zu wegen bring.
Ringwald laut. warh. 12, vgl. 191;

o unglückselger mensch! der sein vernünftges pfund,
mit dem er wuchern soll, auf solchen wechsel legt.
Günther 499;

auch das kleinste element der zeit ist ihm (marquis Posa) ein heilig anvertrautes pfund, womit gewuchert werden musz. Schiller 6, 53;

tausend und tausend geschenke vertheilt an die menschen das schicksal,
während es mir nichts gab auszer die gabe des worts;
doch mit dem einzigen pfunde verstand ich zu wuchern.
Platen 2, 319;

er ist da,
der grosze, schöne augenblick, der endlich
des hohen pfundes zinsen von mir fodert.
Schiller 5, 2, 203 (don Carlos 2, 2);

er rief seinen knechten .. und gab dem ein v phunt (πέντε ταλάντα, fünf centner Luther und H. Sachs 6, 336, vergl. unten 3), wan dem andern ii, wan dem andern i ... wan der het enphangen daʒ i, der gieng hin, er begrub es in di erd und verbarg den schacz seinʒ herren. cod. Tepl., Matth. 25, 14—18, darauf beruht sein pfund vergraben: sie sollen .. ihr anvertrautes pfund nicht vergraben, ja nicht ein quentlein davon ohne wucher ligen lassen. Butschky Patm. 284 (212);

man sagt, dasz Veît sein pfund oft da und dort vergrabe.
Logau 2, 5, 54;

auf der wangen rosen-bahn
darf man nicht sein pfund vergraben.
Günther 310;

für andre wächst in mir das edle gut,
ich kann und will das pfund nicht mehr vergraben.
Göthe 1, 6;

Spiegelberg. und du (Moor) willst also deine gaben in dir verwittern lassen? dein pfund vergraben? Schiller 2, 35 (räuber, schausp. 1, 2); gegensatz sein pfund zum besten anwenden. Butschky kanzl. 304, wohl anlegen Patm. 809.
b) ein pfund (silbers), nach der älteren karolingischen münzeinrichtung aus 240 pfennigen, d. h. silberdenaren bestehend (altes pfund), nach der neueren im 14. jahrh. ein pfund haller, bestehend aus 80 haller oder 40 pfennige (neues pfund); später gab es auch pfunde zu 30 pfennigen u. a. (neues pfund, wobei aber die verschiedenheit der pfennige in betracht zu ziehen ist), s. DWB haller th. 42, 234, pfennig 7, 1666 und Schm.2 1, 438 f. Lexer 2, 267 f. Hegel in den chron. d. d. städte 1, 225. 238. vgl. franz. livre, engl. pound: mhd.

man gît uns von dem pfunde
niuwan vier pfenninge. Iwein 6398;

wer umb ein pfenning gît ein phunt, ...
der dunkt mich nicht ein wîser man.
Boner 76, 55;

der eine kouft' ein swert bî einem pfunde. minnesinger 3, 249a;

mîn lieber gast, nû siz her zuo, vertrink ein halbeʒ pfunt! 295a;

man gap dâ niht bî drîʒec pfunden,
wan silber, als eʒ wære funden,
gab man hin.
Walther 25, 32;

wol bî hundert phundengab er âne zal. Nibel. 485, 1;

nhd. wiltu mir nit dreiszig pfund umb in geben, so gib mir dry heller. Steinhöwel Es. 42 Öst.; zwentzig Straszburger pfund macht bisz in viertzig guldin. S. Frank 2, 42b;

sie löszten inn kum mit eim pfundt.
S. Brant 3, 21;

(sie) geben ein ablasz für ein pfund
und nemen in nit umb ein haller wider.
Wackernagel kirchenl. 3, 480, 3 (ums j. 1524);

und gib ihm wider sein handschrift,
die zehen pfund silbers betrifft.
H. Sachs 1, 152, 14;

gib ich ir dennoch achzehen pfund (als jahrlohn). 4, 389, 33;

ich wellt, sie hett mein sin,
darumb geb ich ein altes pfundt. Zimm. chron.2 4, 231, 10;

bei dem pfunt, bei strafe eines pfunds (pfennige). chron. der d. städte 15, 397, 7. 9. 12 ff., vgl. unten 5.
c) nach engl. pound (sterling): die eine fragte ihn, wie viel denn ein pfund sterlings an teutscher münze wäre? Schelmufsky 115 des neudrucks der vollständigen ausgabe;

kenner schlichen sich vorüber (im bildersaale des mylord Pembrock),
und standen starr vor einem faun entzückt,
den tausend pfund dem gott der Tiber
und dem pallast Giustinian entrückt.
Clodius Phocion 97;

(ich) setzte ins lotto und gewann
zweitausend pfund.
Gotter 1, 162;

ein zwanzig pfund, die will ich wohl dran wagen.
Schiller 11, 19;

[Bd. 13, Sp. 1812]


der baron (Rothschild) erwog im stillen, dasz in seiner bank das pfund mit zwanzig procent wuchre. Immermann Münchh. 1, 30.
d) ein münzstück oder eine rechnungsmünze verschiedenen wertes: rotwelsch ein gulden Anton 62a, tirolisch 12 kreuzer Schöpf 503, schweiz. 20 bis 30 kreuzer Stalder 1, 166. Gotthelf erz. 2, 172 ( gulden), 48 kreuzer Hebel (1843) 4, 129. vergl. pfunder 2.
3) ein gewicht von einer bestimmten anzahl von pfunden oder zentnern, zunächst = zentner, womit ja auch Luther und H. Sachs das griech.-lat. talentum verdeutschen (s. 2, a und pfunt, talentum, pensans cxx libras voc. 1482 y 8b); mhd. md. und frühnhd. ein pfunt îsen, ein punt îsin, ein pfund eisen (Lexer 2, 268), worunter allerdings auch eine bestimmte anzahl von eisenstangen oder eisenschienen (ein pfunt werkeisin, rateisen Tucher baumeisterbuch 98, 21 ff.) gemeint sein kann, s. das folgende; pfund als fuhr- oder schiffergewicht = 3 zentner Frisch 2, 58b; mnd. puntswâr 300 bis 310 pfund Schiller-Lübben 3, 389b.
4) nach 2, b:
a) eine anzahl von 240 stücken jeder art von dingen Lexer 2, 268. Schm.2 1, 435. Schöpf 503: ein phunt schrot. Zahn urkundenb. des herzogthums Steiermark 1, 455; dreu pfunt schaf. österr. weisth. 1, 296, 6. 21. 27, österr. bergmännisch fasselpfund, 240 stücke leere salzfässer Scheuchenstuel 73.
b) ein halbes pfund wein u. s. w., 120 kleine getränkmasze, die einen eimer ausmachten. Gemeiner Regensb. chron. 2, 77 bei Schm. (vgl. pfunder 1), ein schenkmasz überhaupt, rheinisch ein pfund öl Kehrein volksspr. in Nassau 1, 306; nordthüringisch wird ein pfund schnaps, ein halbes pfund schnaps in eigenthümlich gestalteten gläsern mit recht langen hälsen verschenkt. Kleemann 26a.
5) weidmännisch ein mit dem weidmesser zur strafe gegebener streich (s. das genauere bei fund theil 41, 534): pfunde geben, seine pfunde bekommen u. s. w. Heppe leithund 355, wohlred. jäger 306. Kehrein 226 'wohl mit bezug auf das pfund heller als strafmasz, eine anzahl schläge als strafe'. vgl. oben (2, b) bei dem pfunt.
6) bergmännisch was pfanne 4, b, zapfenpfanne Chemnitzer bergm. wb. 386b. Richter berg- u. hüttenlex. 2, 136. vgl.pfad-, pfud-, pfühleisen.
 
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pfundapfel, m. eine art groszer äpfel Nemnich 3, 438. Staub-Tobler 1, 374.
 
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pfundbirne, f. 1) eine grosze kochbirne Nemnich a. a. o. Stieler 167. Weismann lex. bipart. 2, 285b. 2) eine walzenschnecke, voluta pyrum Nemnich 2, 1579.
 
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pfundbude, s. pfundhaus.
 
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pfunden, pfünden, verb., intransitiv pfunden, ein pfund wiegen Stieler 1451 (vergl. DWB lothen 2), pfünden absolut und transitiv, abwägen Bode bei Campe 3, 644a, mnd. punden Schiller-Lübben 3, 386a; bair. auspfunden, pfundweise verkaufen Schm.2 1, 436.
 
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pfunder, pfünder, m.
1) mhd. im Münchner stadtrechte s. 286, 7 ein halber pfunder welschwein, s. pfund 4, b und Schm.2 1, 435.
2) der pfunder, pfundner, ein ehemals in Tirol übliches münzstück von zwölf kreuzern Schm. a. a. o. Schöpf 503.
3) pfünder, einer der pfündet, abwägt Campe, besonders der öffentlich angestellte wäger: den hopfen sollen die geschworne pfunder nach inhalt ihres eides .. einem jeden recht wägen. Danziger willkür (1783) 212. mnd. pundere Schiller - Lübben 3, 386b, abgeleitet von punder, einer groszen schnellwage 386a, punderen damit wägen 387a.
4) pfünder in acht-, zwölfpfünder u. s. w., ein so und soviel pfunde schieszendes geschütz Ludwig 1404; mit 24pfündern nach regimentern kegeln. Lichtenberg 4, 232; schweiz. ein vierpfünder (vier pfund wiegendes) zuckerstöckli. Gotthelf geld u. geist (1859) 224. vgl. pfündner.
 
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pfundgarn, n. schlechtes, grobes garn, nnl. pondgaren. Kramer 1, 297b.
 
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pfundgeld, s. bei pfundzoll.
 
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pfundgewicht, n., pound-weight Ludwig 1404, holsteinisch pundloot Schütze 3, 245, vgl. pfundmasz, -stein:

zehn dirhem schuldig bin ich einem schlechten wicht,
von dem ein einzger gran mir ist ein pfundgewicht.
Rückert Bostan 51, 2.


 
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pfundhafer, m. avena sativa, der schwere pfundhafer Nemnich 1, 552.

 

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