Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfuhu bis pfund (Bd. 13, Sp. 1808 bis 1810)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfuhu, m. was uhu, mit anlehnung an pfuch, pfuchen:

und wenn der pfuhu abgericht,
sein wolgelegne zeit ersicht,
so kompt er trötzlich in das feldt
mit seinen eulen ungezelt.
Ringwald laut. warh. 348.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfui, pfuy, interjection zum ausdrucke des abscheues, ekels, unwillens, der verachtung und des hohnes; gesteigert durch wirkliches oder angedeutetes aus- und anspeien: dasz man sogar, be äuszerst bittrer verachtung, ausspeit, oder doch wenigstens durch pfuy! dieses ausspeien andeutet. Engel 7, 233; pfuy ..! sagte er und spie aus. Siegwart 2, 430;

(da) spie sie, hui und pfui! sein antlitz an.
Bürger 57a.

mhd. phiu, phui aus griech. φεῦ, lat. phui (vgl. pfei, pfi); nd. fu stimmt mit lat. fu bei Plautus (theil 41, 350).
1) ohne rection:

pfui! sprach die jüngst, was hör ich?
Cl. Hätzlerin 164a;

du, nun nicht mehr mein sohn!
pfui! seh ich dich noch an!
pfui! wie dasz ich kann ...
dich ... anschauen?
Gryphius trauersp. 598 P.;

kehr um! pfuy, lasz den bettel gehn!
Günther 387;

so hast du alter knasterbart noch ein junges weib? pfuy! es ist schade für sie. L. Ph. Hahn der aufruhr zu Pisa 24; pfui! ist das männlich? Göthe 14, 134; pfui! rief sie, ... schickt sich das für einen so ehrwürdigen mann? 28, 248;

pfui! pfui! du riechst vom knecht.
Lenau (1880) 2, 328;

verstärkt durch andere beifügungen: pfui ausz! Fischart Garg. 62b. 100a; o pfui! Bürger 82a; pfui doch, pfui doch! Schiller 2, 180; pfui teufel (s. DWB teufel) Ayrer 2998, 36. Göthe 20, 227; pfui spinne! Holtei Lammfell 2, 159; tirol. pfui teigl (teufel)! pfui saggera! Schöpf 502 (vgl. 2, b).
2) mit einem casus der person oder sache, über die man pfui ruft.
a) mit dem accusativ: pfui dich (vgl. pfui dich an bei pfuien), du geschriftlastrær! Megenberg 203, 12; pfui dich, du schanden ritter. 228, 34;

pfui dich, du pöser sathanas! fastn. sp. 508, 18;

pfui dich, paur, das dich der teufel schent. 524, 10;

pfü (= mhd. pfiu) dich du böse welt.
Gengenbach die x alter 797;

pfui dich, pfui dich, du schwarzer vogel.
Uhland volksl. 44. 746;

der bawer ... sprach zorniglich hinwider: pfui dich auch, Liendel, und abermal pfui dich, lieber Liendel! Kirchhof wendunm. 3, 329 (5, 71) Öst.;

wenn sie schreit: pfui dich!
Neumark lustw. 176;

pfuy dich, küsz mich.
Weckherlin 529;

pfui dich, du weicher landgraf, werde hart! Arnim schaub. 1, 81;

wenn er sagt: pfui mich!
Neumark a. a. o.;

pfui euch, kein arbeit mich erschreckt. fastn. sp. 564, 2;

pfui euch, die ihr euch rühmt der geilen buhlerlügen
desz frechen Amadis.
Logau 2, 3, 59;

pfuy sich der groben wüsten saw!
H. Sachs 4, 388, 15;

pfui in, der mirs hin truoc.
H. v. Neustadt Apoll. 8610;

pfui den hundskerl! sagte er, und spie aus. Siegwart 2, 430.
b) statt pfui dich schlechter mensch u. dergl. entsteht durch hinweglassung des pronomens fügung mit dem vocativ: pfuy schlechter mensch! d. j. Göthe 1, 222; pfui (euch) Genueser! Schiller 3, 276 (Fiesko 3, 4); weidmännisch: wenn der leithund eine falsche fert angefallen hat, wird er also bestraft: pfui gesellmann! pfui haas u. dergl. Heppe (1763) 21; augsburgisch pfui has! ein beliebter abweisungsruf Birlinger 94b.
c) mit dem genetiv: pfui unsers unglaubens. Luther tischreden 88a;

[Bd. 13, Sp. 1809]


pfui nur dein, du krieger!
Raber Sterzinger spiele 15, 107;

pfui des bösewichts! Herder krit. wälder 1, 68.
d) mit dem dativ:

pfui mir albern narren.
Tittmann engl. komöd. 140;

pfui dir mit solchen streichen!
Göthe 7, 83;

o pfui, und pfui und wieder pfui
den elenden!
Schiller 1, 269;

oder ein almanach ist der unfläthige kanal, der die indigestionen der musen durch die nasen des publikums stöszet? pfui ihm! wenn er das wäre! 2, 376.
e) der dativ oder accusativ ist abhängig von einer präposition: pfui für dem all! Klinger theater 4, 157; pfui für ein vernünftiges geschöpf! 2, 141; pfuy über euch sklavenseelen! Gotter 3, 486;

pfuy über dich!
Göthe 12, 173;

pfui übers hocken! rief sie, sprang auf und lief ... voran. 21, 141; o pfui, über den kindermord! Schiller 2, 96; pfui über den kalten grusz! Freytag ahnen 1, 234.
f) pfui mit nachsatz:

pfui, das du dich des schemest nicht! fastn. sp. 811, 26;

pfui, dasz mir der bart nicht wachsen will!
Hoffmann gesellschaftsl. s. 83 (vom j. 1594).


3) substantivisch das pfui: da hat sich alsobald die Martha mit dem pfuy verlauten lassen ... pfuy! er (leichnam) stinkt schon. Abr. a S. Clara Jud. 4, 394; er wandte sich von seinem erzeuger mit einem hochmütigen pfui. C. F. Meyer d. heilige 110.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfuien, verb. , über einen oder etwas pfui rufen.
1) auf, über einen pfuien: biderleute werden sich eurer schemen und auf euch pfuien. Dief.-Wülcker 802 (vom. j. 1436).
2) reflexiv, sich pfuien, über sich pfui rufen, sich schämen; substantivisch und obscen: dy pfuy sy sich, die weibliche scham Raber Sterzinger spiele 5, 136.
3) anpfuien (s. DWB pfuen und theil 1, 420): pfui mich nicht an, ich pfui dich warle wider an! Kirchhof wendunm. 3, 329 (5, 71) Öst.; besonders in den ausrufungen pfui mich an, pfui uns an, pfui dich an (pfui über mich, ich soll mich schämen u. s. w.), die oft nur ein verstärktes pfui vertreten: pfui uns an, wir geben gott die decimas nicht. Luther tischr. 41b; pfui mich an, dasz .. ich mein leben in eitelkeit und wollust zugebracht habe! pers. baumg. 9, 3. 18, nd. fu mi an! ich bin schande wert Dähnert 135b; pfui dich an und zusammengerückt pfuidichan, pfuidian, pfudian (nd. fudikan, futikan, futekan Schambach 284a. Strodtmann 64. Danneil 58a. Schütze 1, 339):

ein buhler, pfui dich an! fastn. sp. 1019, 16;

pfui dich an, so weit ist es kommen! Luther tischr. 36a. 59a; pfui dich mal an! 223a. 226a. 251b; pfuy dich an, wol ein schalk ist das. Eulenspiegel (1519) 4, im neudruck der ausgabe von 1515 s. 6 pfey dich an;

wir sprachen bei sich selbst: pfui, immer pfui dich an!
dasz jenem nicht dein neid die wolfahrt hindern kan!
S. Dach 118 Öst.;

o pfuydian! Elis. Charl. (1871) 347; Henriette. der arme herr graf! hahahaha! Israel. pfui sie an! pfui dasz sie lacht! Engel 6, 263; pfui dich an, du schlechter mensch, denkst du mich zu verunehren? Arnim schaub. 2, 101. — mit einem genetiv, dativ oder einer präposition wie bei pfui: pfui dich an der nerrischen that. amantes amentes E 1b; pfudian mir, pfudian mir selber sag ich noch. engl. kom. 2, V 7b; pfuydian mir und meinem maule. 2, Ss 3b; pfudian auf meinen herrn. 2, T 4a.
Substantivisch: sapperment wie erschrack ich, dasz vorigen tag ich so ein pfui dich an über der tafel eingelegt (mich vollgespien) hatte. Schelmufsky 57 neudruck der vollständigen ausgabe; wird sich die blindheit verantworten lassen, dasz wir bei dem schönen anfange so einen höflichen pfuidian eingeleget haben? Chr. Weise Masaniello 43.
4) auspfuien Wieland in Schmids schwäb. wörterb. 64 (kärnt. auspfuin, verspotten, verhöhnen Lexer 25), verpfuien bei Merck 2, 104.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pful, s. DWB pfuhl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfulb, pfülb, pfülf,pfulg, pfülm, s. DWB pfühl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfulment, n. wie fulment, füllmund (theil 41, 519. Schm.2 1, 715), entstellung und umdeutschung von fundament (schon mhd. und md. volmunt, fullemunt, vollemunt u. a. Lexer 3, 565):

ir sind das pfulment, dem man trwt.
Liliencron volksl. 130, 9 (vom j. 1474);

stein, der sich weder in die muren (mauer) noch in das pfulment fgen wolt. Keisersberg postill 2, 48b; natürliche

[Bd. 13, Sp. 1810]


stützungen und bogen, wie ein pfulment. Bechius Agric. 91; als man ... das pfulment zum letner grbe. Wurstisen 114; sie grben einen brunnen, bewerten den mit eim satten pfulment. buch der liebe 219a;

(sie sagen, es stehe) die christenlich kilch uf im (papste),
und msz das glouben iederman.
da wurde sie ein ful pfulment han!
wär sie nit basz uf Christum gebuwen,
ich wurde dem pfulment nit wol truwen.
N. Manuel vom papst u. s. w. 1301 ff.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfulw, pfulwen, s. DWB pfühl; zusammensetzungen: pfulwenbauch Fischart Garg. 63a; pfulwendrescher groszm. 9 neudruck.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfumpf, adj. was fump theil 41, 527; schweiz. der pfumpf, etwas unschön zusammen gepresztes Seiler Basler mundart 29b (vergl. DWB pampf, pframpf); eine kurze dicke unbehülfliche person Stalder 1, 166; tirolisch was tumpf, vertiefung in einem bache Schöpf 503.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfumpfen, verb. was pampfen, stopfen, stoszen: die do haben dicke feiszte köpf und nit alsbald mögen verston .., man pfumpf oder stosz es denn in sie. Keisersberg post. 3, 10b; ein gtte mosz und gefüllete mosz und ein gepfumpfte, geschlagene, gestampfte oder gerüttelte mosz. 3, 51a. 52b; in einander igelmäszig gekrümt, gepfumpft und gewickelt. Fischart Garg. 237b. vgl. DWB pfrumpfen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfumpfnase, f. stumpfnase Stieler 1333, thüring. fumf-, pfumpfnase theil 41, 527.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
pfund, n. , goth. alts. ags. altn. pund, nd. pund, punt, nnl. pond; ahd. phunt, funt, mhd. phunt, pfunt, schon früh entlehnt aus dem lat. indeclin. pondo (von pondus), ein pfund.
1) ein bestimmtes (nach zeit und ort verschiedenes) gewicht, und das damit gewogene, libra, pondus Dief. 327a. 447a, jetzt der hundertste theil eines zentners; plur. pfunde (schweiz. pfünder Gotthelf erz. 4, 143), aber mit vorgesetzter zahl pfund (s. DWB fusz, DWB mann u. a.): goth. Marja nam pund balsanis. Joh. 12, 3 (ein pfund salben Luther, daʒ gewicht der salbe cod. Tepl.); ahd. Nicodemus .. truog thaʒ gimisgi mirrûn inti âlôes, sô was es zihenzug phuntô. Tatian 212, 6 (Nicodemus .. brachte myrrhen und aloen unternander bei hundert pfunden, libras centum. Joh. 19, 39); mhd.

dir wirt ûʒ einem orte ein pfunt.
Marner 11, 3 (vgl. DWB ort 4, b);

nhd. bi dem pfund (pfundweise) wegen. teufels netz 9468; rechte wage, und rechte pfund ... sol bei euch sein. 3 Mos. 19, 36; rechte wage und gewicht ist vom herrn, und alle pfunde im sack sind seine werk. spr. Sal. 16, 11; er thet ... drei pfund goldes zu einer tartschen. 1 kön. 10, 17, s. auch oben Joh. 12, 3. 19, 39; kerzen ..., dero etwan eine bisz in 23 und bisz in 30 pfund hat. Frank weltb. 149b; hagel zu pfunden schwer. Wedel hausb. 167; wie vil pfund meinst, dasz du nackendig wgist? Maaler 318c; zehen pfund schwerer koth. pol. maulaffe 24;

sie gend (geben) den ablasz hin bim lot, bim pfund (pfundweise).
N. Manuel vom papst u. s. w. 1362.

sprichwörtlich und bildlich: sie redten alle sache bei dem pfunt (groszsprecherisch). Meisterlin 136, 4; wer mit dem pfunde wägt, bedarf des centners nit; hundert pfund sorgen bezahlen kein loth borgen. Simrock sprichw. 428; er wuste wohl, dasz im regimente man mit einem gran liebe mehr, als mit einem pfunde furcht ausrichtete. Lohenstein lobrede auf Hofmannswaldau 28;

ein gran verwegenheit ist unter ein gantz pfund
der klugheit schon genug. Cleop. 1, 194;

gebt ihr ein pfund von eurer klugheit ein.
Gökingk 1, 160;

man kann sich überreden, die welt — auszer Frankreich allein — habe bis jetzt durch den sturz Napoleons nichts weiteres gewonnen, als dasz die zentner-last der noth in die hundert pfunde mannigfaltiger nöthe zerschlagen worden ist. Börne 3, 356.
2) ein bestimmtes geldmasz (weil das geld ursprünglich gewogen ward).
a) zunächst griechisch-biblisch: und als er anfieng zu rechnen, kam im einer fur, der war im zehen tautent pfunt (μυρίων ταλάντων) schuldig. Matth. 18, 24; dieser foddert zehen seiner knechte und gab inen zehen pfund (zehn minen, griech. δέκα μνᾶς, goth. taihun dailos, später skattans; er gab in x gewicht cod. Tepl.) und sprach zu inen, handelt, bis das ich widerkome u. s. w. Luc. 19, 13—25 (vgl. Herder ged. 2, 216 ff.), darauf beruht die redensart mit seinem, mit dem anvertrauten pfunde (geistesgaben, anlagen, vgl. DWB talent) wuchern u. ähnl.:

[Bd. 13, Sp. 1811]


so hört mir zu, wie ich die ding
nach meinem pfund zu wegen bring.
Ringwald laut. warh. 12, vgl. 191;

o unglückselger mensch! der sein vernünftges pfund,
mit dem er wuchern soll, auf solchen wechsel legt.
Günther 499;

auch das kleinste element der zeit ist ihm (marquis Posa) ein heilig anvertrautes pfund, womit gewuchert werden musz. Schiller 6, 53;

tausend und tausend geschenke vertheilt an die menschen das schicksal,
während es mir nichts gab auszer die gabe des worts;
doch mit dem einzigen pfunde verstand ich zu wuchern.
Platen 2, 319;

er ist da,
der grosze, schöne augenblick, der endlich
des hohen pfundes zinsen von mir fodert.
Schiller 5, 2, 203 (don Carlos 2, 2);

er rief seinen knechten .. und gab dem ein v phunt (πέντε ταλάντα, fünf centner Luther und H. Sachs 6, 336, vergl. unten 3), wan dem andern ii, wan dem andern i ... wan der het enphangen daʒ i, der gieng hin, er begrub es in di erd und verbarg den schacz seinʒ herren. cod. Tepl., Matth. 25, 14—18, darauf beruht sein pfund vergraben: sie sollen .. ihr anvertrautes pfund nicht vergraben, ja nicht ein quentlein davon ohne wucher ligen lassen. Butschky Patm. 284 (212);

man sagt, dasz Veît sein pfund oft da und dort vergrabe.
Logau 2, 5, 54;

auf der wangen rosen-bahn
darf man nicht sein pfund vergraben.
Günther 310;

für andre wächst in mir das edle gut,
ich kann und will das pfund nicht mehr vergraben.
Göthe 1, 6;

Spiegelberg. und du (Moor) willst also deine gaben in dir verwittern lassen? dein pfund vergraben? Schiller 2, 35 (räuber, schausp. 1, 2); gegensatz sein pfund zum besten anwenden. Butschky kanzl. 304, wohl anlegen Patm. 809.
b) ein pfund (silbers), nach der älteren karolingischen münzeinrichtung aus 240 pfennigen, d. h. silberdenaren bestehend (altes pfund), nach der neueren im 14. jahrh. ein pfund haller, bestehend aus 80 haller oder 40 pfennige (neues pfund); später gab es auch pfunde zu 30 pfennigen u. a. (neues pfund, wobei aber die verschiedenheit der pfennige in betracht zu ziehen ist), s. DWB haller th. 42, 234, pfennig 7, 1666 und Schm.2 1, 438 f. Lexer 2, 267 f. Hegel in den chron. d. d. städte 1, 225. 238. vgl. franz. livre, engl. pound: mhd.

man gît uns von dem pfunde
niuwan vier pfenninge. Iwein 6398;

wer umb ein pfenning gît ein phunt, ...
der dunkt mich nicht ein wîser man.
Boner 76, 55;

der eine kouft' ein swert bî einem pfunde. minnesinger 3, 249a;

mîn lieber gast, nû siz her zuo, vertrink ein halbeʒ pfunt! 295a;

man gap dâ niht bî drîʒec pfunden,
wan silber, als eʒ wære funden,
gab man hin.
Walther 25, 32;

wol bî hundert phundengab er âne zal. Nibel. 485, 1;

nhd. wiltu mir nit dreiszig pfund umb in geben, so gib mir dry heller. Steinhöwel Es. 42 Öst.; zwentzig Straszburger pfund macht bisz in viertzig guldin. S. Frank 2, 42b;

sie löszten inn kum mit eim pfundt.
S. Brant 3, 21;

(sie) geben ein ablasz für ein pfund
und nemen in nit umb ein haller wider.
Wackernagel kirchenl. 3, 480, 3 (ums j. 1524);

und gib ihm wider sein handschrift,
die zehen pfund silbers betrifft.
H. Sachs 1, 152, 14;

gib ich ir dennoch achzehen pfund (als jahrlohn). 4, 389, 33;

ich wellt, sie hett mein sin,
darumb geb ich ein altes pfundt. Zimm. chron.2 4, 231, 10;

bei dem pfunt, bei strafe eines pfunds (pfennige). chron. der d. städte 15, 397, 7. 9. 12 ff., vgl. unten 5.
c) nach engl. pound (sterling): die eine fragte ihn, wie viel denn ein pfund sterlings an teutscher münze wäre? Schelmufsky 115 des neudrucks der vollständigen ausgabe;

kenner schlichen sich vorüber (im bildersaale des mylord Pembrock),
und standen starr vor einem faun entzückt,
den tausend pfund dem gott der Tiber
und dem pallast Giustinian entrückt.
Clodius Phocion 97;

(ich) setzte ins lotto und gewann
zweitausend pfund.
Gotter 1, 162;

ein zwanzig pfund, die will ich wohl dran wagen.
Schiller 11, 19;

[Bd. 13, Sp. 1812]


der baron (Rothschild) erwog im stillen, dasz in seiner bank das pfund mit zwanzig procent wuchre. Immermann Münchh. 1, 30.
d) ein münzstück oder eine rechnungsmünze verschiedenen wertes: rotwelsch ein gulden Anton 62a, tirolisch 12 kreuzer Schöpf 503, schweiz. 20 bis 30 kreuzer Stalder 1, 166. Gotthelf erz. 2, 172 ( gulden), 48 kreuzer Hebel (1843) 4, 129. vergl. pfunder 2.
3) ein gewicht von einer bestimmten anzahl von pfunden oder zentnern, zunächst = zentner, womit ja auch Luther und H. Sachs das griech.-lat. talentum verdeutschen (s. 2, a und pfunt, talentum, pensans cxx libras voc. 1482 y 8b); mhd. md. und frühnhd. ein pfunt îsen, ein punt îsin, ein pfund eisen (Lexer 2, 268), worunter allerdings auch eine bestimmte anzahl von eisenstangen oder eisenschienen (ein pfunt werkeisin, rateisen Tucher baumeisterbuch 98, 21 ff.) gemeint sein kann, s. das folgende; pfund als fuhr- oder schiffergewicht = 3 zentner Frisch 2, 58b; mnd. puntswâr 300 bis 310 pfund Schiller-Lübben 3, 389b.
4) nach 2, b:
a) eine anzahl von 240 stücken jeder art von dingen Lexer 2, 268. Schm.2 1, 435. Schöpf 503: ein phunt schrot. Zahn urkundenb. des herzogthums Steiermark 1, 455; dreu pfunt schaf. österr. weisth. 1, 296, 6. 21. 27, österr. bergmännisch fasselpfund, 240 stücke leere salzfässer Scheuchenstuel 73.
b) ein halbes pfund wein u. s. w., 120 kleine getränkmasze, die einen eimer ausmachten. Gemeiner Regensb. chron. 2, 77 bei Schm. (vgl. pfunder 1), ein schenkmasz überhaupt, rheinisch ein pfund öl Kehrein volksspr. in Nassau 1, 306; nordthüringisch wird ein pfund schnaps, ein halbes pfund schnaps in eigenthümlich gestalteten gläsern mit recht langen hälsen verschenkt. Kleemann 26a.
5) weidmännisch ein mit dem weidmesser zur strafe gegebener streich (s. das genauere bei fund theil 41, 534): pfunde geben, seine pfunde bekommen u. s. w. Heppe leithund 355, wohlred. jäger 306. Kehrein 226 'wohl mit bezug auf das pfund heller als strafmasz, eine anzahl schläge als strafe'. vgl. oben (2, b) bei dem pfunt.
6) bergmännisch was pfanne 4, b, zapfenpfanne Chemnitzer bergm. wb. 386b. Richter berg- u. hüttenlex. 2, 136. vgl.pfad-, pfud-, pfühleisen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: