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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfuhlgeruch bis pfuien (Bd. 13, Sp. 1807 bis 1809)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfuhlgeruch, m. odor loci paludosi Frisch 2, 58b.
 
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pfuhlgeschmack, m. geschmack (eines fisches, krebses) nach einem pfuhle, teiche Ludwig 1403. Frisch 2, 58b.
 
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pfuhlicht, pfühlicht, adj. und adv. paludosus, limosus, pfülichte wasser, pfützen Stieler 446: an feuchten pfulichten orten. Luther tischr. 196b; ein pfulichter weg. Ludwig 1403; der reisz musz ein feuchten, wasserechtigen und pfulechtigen boden haben. Tabernaemont. 653a; nach einem pfuhl riechend, schmeckend: die fische schmecken pfulicht. Ludwig a. a. o.:

denn wenn du's (die hände) thetst ins wasser stecken,
darnach sie würden pflicht schmecken. Grobian. (1572) 64b.


 
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pfühlicht, adj. pulvinatus Stieler 2392.

[Bd. 13, Sp. 1808]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfühlisch, adj. und adv. was pfuhlicht: pfülische gegend, pfülisch schmecken. Stieler 446.
 
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pfuhlkarpfen, m., engl. poolcarp, teichkarpfen Ludwig 1403.
 
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pfuhlschnepfe, f. scolopax limosa Nemnich 2, 1254. Brehm thierl. 4, 639: in den meerstetten desz teutschen lands nennet man diese oder dergleichen vögel polschnepf oder pfulschnepf. Heuslin Gesners vogelb. 251.
 
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pfühlzieche, f. pfühl-, küssenüberzug Amaranthes frauenzimmerlex. 1479; spätmhd. pfulzieche (Lexer 2, 267, pfulbenzieche Birlinger 95a vom j. 1491); md. pfulfezieche Michelsen Mainzer hof 29, pfulfziechen Dief.-Wülcker 802 (Frankfurt, vom j. 1631).
 
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pfuhu, m. was uhu, mit anlehnung an pfuch, pfuchen:

und wenn der pfuhu abgericht,
sein wolgelegne zeit ersicht,
so kompt er trötzlich in das feldt
mit seinen eulen ungezelt.
Ringwald laut. warh. 348.


 
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pfui, pfuy, interjection zum ausdrucke des abscheues, ekels, unwillens, der verachtung und des hohnes; gesteigert durch wirkliches oder angedeutetes aus- und anspeien: dasz man sogar, be äuszerst bittrer verachtung, ausspeit, oder doch wenigstens durch pfuy! dieses ausspeien andeutet. Engel 7, 233; pfuy ..! sagte er und spie aus. Siegwart 2, 430;

(da) spie sie, hui und pfui! sein antlitz an.
Bürger 57a.

mhd. phiu, phui aus griech. φεῦ, lat. phui (vgl. pfei, pfi); nd. fu stimmt mit lat. fu bei Plautus (theil 41, 350).
1) ohne rection:

pfui! sprach die jüngst, was hör ich?
Cl. Hätzlerin 164a;

du, nun nicht mehr mein sohn!
pfui! seh ich dich noch an!
pfui! wie dasz ich kann ...
dich ... anschauen?
Gryphius trauersp. 598 P.;

kehr um! pfuy, lasz den bettel gehn!
Günther 387;

so hast du alter knasterbart noch ein junges weib? pfuy! es ist schade für sie. L. Ph. Hahn der aufruhr zu Pisa 24; pfui! ist das männlich? Göthe 14, 134; pfui! rief sie, ... schickt sich das für einen so ehrwürdigen mann? 28, 248;

pfui! pfui! du riechst vom knecht.
Lenau (1880) 2, 328;

verstärkt durch andere beifügungen: pfui ausz! Fischart Garg. 62b. 100a; o pfui! Bürger 82a; pfui doch, pfui doch! Schiller 2, 180; pfui teufel (s. DWB teufel) Ayrer 2998, 36. Göthe 20, 227; pfui spinne! Holtei Lammfell 2, 159; tirol. pfui teigl (teufel)! pfui saggera! Schöpf 502 (vgl. 2, b).
2) mit einem casus der person oder sache, über die man pfui ruft.
a) mit dem accusativ: pfui dich (vgl. pfui dich an bei pfuien), du geschriftlastrær! Megenberg 203, 12; pfui dich, du schanden ritter. 228, 34;

pfui dich, du pöser sathanas! fastn. sp. 508, 18;

pfui dich, paur, das dich der teufel schent. 524, 10;

pfü (= mhd. pfiu) dich du böse welt.
Gengenbach die x alter 797;

pfui dich, pfui dich, du schwarzer vogel.
Uhland volksl. 44. 746;

der bawer ... sprach zorniglich hinwider: pfui dich auch, Liendel, und abermal pfui dich, lieber Liendel! Kirchhof wendunm. 3, 329 (5, 71) Öst.;

wenn sie schreit: pfui dich!
Neumark lustw. 176;

pfuy dich, küsz mich.
Weckherlin 529;

pfui dich, du weicher landgraf, werde hart! Arnim schaub. 1, 81;

wenn er sagt: pfui mich!
Neumark a. a. o.;

pfui euch, kein arbeit mich erschreckt. fastn. sp. 564, 2;

pfui euch, die ihr euch rühmt der geilen buhlerlügen
desz frechen Amadis.
Logau 2, 3, 59;

pfuy sich der groben wüsten saw!
H. Sachs 4, 388, 15;

pfui in, der mirs hin truoc.
H. v. Neustadt Apoll. 8610;

pfui den hundskerl! sagte er, und spie aus. Siegwart 2, 430.
b) statt pfui dich schlechter mensch u. dergl. entsteht durch hinweglassung des pronomens fügung mit dem vocativ: pfuy schlechter mensch! d. j. Göthe 1, 222; pfui (euch) Genueser! Schiller 3, 276 (Fiesko 3, 4); weidmännisch: wenn der leithund eine falsche fert angefallen hat, wird er also bestraft: pfui gesellmann! pfui haas u. dergl. Heppe (1763) 21; augsburgisch pfui has! ein beliebter abweisungsruf Birlinger 94b.
c) mit dem genetiv: pfui unsers unglaubens. Luther tischreden 88a;

[Bd. 13, Sp. 1809]


pfui nur dein, du krieger!
Raber Sterzinger spiele 15, 107;

pfui des bösewichts! Herder krit. wälder 1, 68.
d) mit dem dativ:

pfui mir albern narren.
Tittmann engl. komöd. 140;

pfui dir mit solchen streichen!
Göthe 7, 83;

o pfui, und pfui und wieder pfui
den elenden!
Schiller 1, 269;

oder ein almanach ist der unfläthige kanal, der die indigestionen der musen durch die nasen des publikums stöszet? pfui ihm! wenn er das wäre! 2, 376.
e) der dativ oder accusativ ist abhängig von einer präposition: pfui für dem all! Klinger theater 4, 157; pfui für ein vernünftiges geschöpf! 2, 141; pfuy über euch sklavenseelen! Gotter 3, 486;

pfuy über dich!
Göthe 12, 173;

pfui übers hocken! rief sie, sprang auf und lief ... voran. 21, 141; o pfui, über den kindermord! Schiller 2, 96; pfui über den kalten grusz! Freytag ahnen 1, 234.
f) pfui mit nachsatz:

pfui, das du dich des schemest nicht! fastn. sp. 811, 26;

pfui, dasz mir der bart nicht wachsen will!
Hoffmann gesellschaftsl. s. 83 (vom j. 1594).


3) substantivisch das pfui: da hat sich alsobald die Martha mit dem pfuy verlauten lassen ... pfuy! er (leichnam) stinkt schon. Abr. a S. Clara Jud. 4, 394; er wandte sich von seinem erzeuger mit einem hochmütigen pfui. C. F. Meyer d. heilige 110.
 
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pfuien, verb. , über einen oder etwas pfui rufen.
1) auf, über einen pfuien: biderleute werden sich eurer schemen und auf euch pfuien. Dief.-Wülcker 802 (vom. j. 1436).
2) reflexiv, sich pfuien, über sich pfui rufen, sich schämen; substantivisch und obscen: dy pfuy sy sich, die weibliche scham Raber Sterzinger spiele 5, 136.
3) anpfuien (s. DWB pfuen und theil 1, 420): pfui mich nicht an, ich pfui dich warle wider an! Kirchhof wendunm. 3, 329 (5, 71) Öst.; besonders in den ausrufungen pfui mich an, pfui uns an, pfui dich an (pfui über mich, ich soll mich schämen u. s. w.), die oft nur ein verstärktes pfui vertreten: pfui uns an, wir geben gott die decimas nicht. Luther tischr. 41b; pfui mich an, dasz .. ich mein leben in eitelkeit und wollust zugebracht habe! pers. baumg. 9, 3. 18, nd. fu mi an! ich bin schande wert Dähnert 135b; pfui dich an und zusammengerückt pfuidichan, pfuidian, pfudian (nd. fudikan, futikan, futekan Schambach 284a. Strodtmann 64. Danneil 58a. Schütze 1, 339):

ein buhler, pfui dich an! fastn. sp. 1019, 16;

pfui dich an, so weit ist es kommen! Luther tischr. 36a. 59a; pfui dich mal an! 223a. 226a. 251b; pfuy dich an, wol ein schalk ist das. Eulenspiegel (1519) 4, im neudruck der ausgabe von 1515 s. 6 pfey dich an;

wir sprachen bei sich selbst: pfui, immer pfui dich an!
dasz jenem nicht dein neid die wolfahrt hindern kan!
S. Dach 118 Öst.;

o pfuydian! Elis. Charl. (1871) 347; Henriette. der arme herr graf! hahahaha! Israel. pfui sie an! pfui dasz sie lacht! Engel 6, 263; pfui dich an, du schlechter mensch, denkst du mich zu verunehren? Arnim schaub. 2, 101. — mit einem genetiv, dativ oder einer präposition wie bei pfui: pfui dich an der nerrischen that. amantes amentes E 1b; pfudian mir, pfudian mir selber sag ich noch. engl. kom. 2, V 7b; pfuydian mir und meinem maule. 2, Ss 3b; pfudian auf meinen herrn. 2, T 4a.
Substantivisch: sapperment wie erschrack ich, dasz vorigen tag ich so ein pfui dich an über der tafel eingelegt (mich vollgespien) hatte. Schelmufsky 57 neudruck der vollständigen ausgabe; wird sich die blindheit verantworten lassen, dasz wir bei dem schönen anfange so einen höflichen pfuidian eingeleget haben? Chr. Weise Masaniello 43.
4) auspfuien Wieland in Schmids schwäb. wörterb. 64 (kärnt. auspfuin, verspotten, verhöhnen Lexer 25), verpfuien bei Merck 2, 104.

 

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