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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
pfuhl bis pfuhlgeschmack (Bd. 13, Sp. 1804 bis 1807)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) pfuhl, m. palus. ahd. phuol, mhd. phuol, pfuol, md. pfûl, nhd. mit dehnungs-h pfuhl (doch bis ins 18. jahrh. auch pful); mnd. pôl, pûl, plattdeutsch pool (Rist ged. 101 Gödeke), nnl. poel; ags. pôl (Leo 521, 12), engl. pool, nach Wackernagel handwb. 226b und Weigand2 2, 344 aus lat. palus mit deutscher ablautbildung, vgl. dagegen Kluge 255a. den oberdeutschen mundarten ist das wort fremd geblieben. vgl. DWB pfudel.
1) im eigentlichen sinne eine gröszere tiefere pfütze.
a) im singular: mhd. swîn, daʒ sich weschet, und aber in den phuol vellet. Schönbach altd. pred. 94, 3; swîn, daʒ sich gewelgert hât in dem phuole. 123, 20;

eʒ (schwein) lât den lûtern brunnen
und leit sich in den trüeben pfuol.
Spervogel, minnes. frühl. 29, 32;

und viel daʒ golt in einen phuol.
Wolfram Willehalm 188, 21;

dâ ain pfuol ist oder hül. Megenberg 210, 24. 273, 18;

[Bd. 13, Sp. 1805]


nhd.

darnach er (wolf) bald ein saw vernam,
die lag in einem tiefen kot.
der wolf ir guten abend bot
und sprach ...
wie kömpstu in den pful hinein?
E. Alberus 77;

und weisz doch kunthlich jederman,
dasz man nichts wsters finden kan,
dann ja ein saw in wstem pfl.
Scheidt Grobian. 4953;

mit stinkendem pful beschmäuchen. Wiedemann august 81; unten (im krater) ist ein kleiner pfuhl, der etwa sechszig schritt im umfang haben mag. Stolberg 8, 177;

du kennst nun auch den pfuhl und den frosch.
Göthe 1, 354.


b) im plural, mhd. phüele, pfüele: in den pfüelen oder lachen. Megenberg 258, 32; (die binse) wehset gern in pfüelen und an mosigen steten. 390, 23; nhd. pfüle, pfühle aber (nach md. pfûle) auch pfule, pfuhle:

er lescht sein durst aus bösen pfülen.
Alberus contrafactur A 2a;

sichrer ists sich zu begeben
in rauschend wasser ...
denn in den stillen tieffen pfülen.
Waldis Es. 103b;

faul wasser, so .. ausz mistpfützen geschöpft worden, oder ausz andern faulen pfülen. Colerus 2, 51b; in die pfule, see, sumpfe. Brotuff chron. H 2b;

(da ich) durch grünbewachsne pfule mühsam schwamm.
Herder ged. 2, 119;

schwachformig: umb die brunnen oder pfulen. Hedio Jos. antiqu. 4, 70b (s. Gombert ergänzungen zu Weigands wb. 1877 s. 5).
2) übertragen, nur im singular.
a) zunächst biblisch von der hölle, gedacht als feuriger pfuhl, in dem pech und schwefel brennen (s.feuer-, höllenpfuhl): mhd.

er warf in in der helle pfuol. Wigalois 105, 14;

nhd. steckest du darfur in tiefstem pful (der hölle). fastn. sp. 176, 22;

lebendig wurden diese beide in den feurigen pful geworfen, der mit schwefel brandte. offenb. 19, 20, vgl. 20, 10. 14. 21, 8 (in den see deʒ prinnenden feures cod. Tepl.);

dort in dem heiszen pful.
Opitz (1645) 3, 319;

schaut den pful der schwartzen geister! hier ist nichts denn nacht und plage.
Gryphius trauersp. 152 P.;

bisz gott die ungläubige in den feurigen pfuel stürtzet. J. Andreä bei Schuppius 614; das erheben des satans aus dem brennenden pfule. Lessing 11, 137;

hier lieget ihr in ew'gen ketten,
nichts kann euch aus dem pfuhl erretten ...
da liegt, krümmt euch in schwefel-flammen! der junge
Göthe 1, 83;

Lucifer. das wurmgezücht, ... dasz sie nur alle in meinem pfuhl drunten zerstäubten! F. Müller Faust 19, 12 neudruck; der tausend legionen schuldloser engel ... mit sich hinab in den tiefen pfuhl der verdammnis zog. Schiller 2, 101 (räuber, schausp. 2, 3);

was geht der Schwed' mich an? ich hasz ihn, wie
den pfuhl der hölle. 12, 303 (Wallensteins tod 3, 15);

ihres vaters
mörder hassend wie den pfuhl der hölle.
Platen 4, 239.


b) sonst bildlich: mhd. ungelouben, sünden, jâmers, riuwen, bannes u. s. w. pfuol Lexer 2, 268; nhd.

du Babylon, sitz und pfitz der hurerei, schul und pful aller sünden.
Weckherlin 296;

der wird .. mich wol zu rechter zeit
erretten ausz dem pful der wiederwärtigkeit.
Rist Parnasz 637;

dasz du mich in den pfuhl meiner leiden zurück stieszest. Musäus märchen (1815) 4, 209;

nur wir, auf blindes glück, als schiffer ohne karten,
durchkreuzen ihn, den faulen pfuhl der zeit.
Lessing 1, 95;

gedankenwechsel ist, was gleich dem stosz
und gegenstosz kämpfender wogen bricht,
bricht den gelehrten schaum und hellet auf
des tiefstudierers stehnden pfuhl.
Herder 1, 71 H.;

zu dieser wildnisz freches städtelebens,
zu diesem wust verfeinerter verbrechen,
zu diesem pfuhl der selbstigkeit gewendet!
Göthe 9, 377 (nat. tochter 5, 7);

während die bürgerschaft auch nichts taugte, denn ein pfuhl ist Italien vom mittelalter her gewesen, wie es vom kaiserthum her war. Niebuhr 2, 493.
 
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pfühl, m. n. , mundartlich auch f., pulvinus. ahd. phulawi, pfuliwi (houbitphuliwi Tatian 52, 3), pfulwi, mhd. pfülwe n. und ahd. phulwo, mhd. phulwe, pfulwe, pfülwe, pfülw, md.

[Bd. 13, Sp. 1806]


pfule, pful, mnd. pûl, pole m., schon vor der ahd. zeit entlehnt aus lat. pulvi- (pulvinus, pulvinar) gramm. 2, 187. 189. das dem lat. v entsprechende ahd. mhd. w hat sich mundartlich noch erhalten oder zu b verhärtet, zu f (v) aspiriert oder in g gewandelt, wofür die nachfolgenden stellen belege bieten. Luther schreibt auch pföl Hesek. 13, 18 (md. pfoil Kulmer recht 4, 51, nd. pöl brem. wb. 3, 351), Günther pfiehl (78. 199. 663. 927) neben pfühl; das dehnungs-h ist erst im 18. jahrh. durchgedrungen.
1) im eigentlichen sinne, ein gröszeres mit federn gefülltes ruheküssen, besonders als bettunterküssen oder etwas die stelle desselben vertretendes; synekdochisch auch das bett, das lager (pfühl heiszen in dem bette diejenigen schmahlen und langen küssen, so zu denen häupten und füszen geleget werden. Amaranthes frauenzimmerlex. 1479, vgl. Weinhold d. d. frauen2 2, 108 f. Schultz höf. leben 1, 73), plumarium, pulvinar, pulvinus Dief. 442c. 473a. nov. gloss. 295b. 309a, mit den formen pfulwe, pfulbe, pfulb, pfulg, pful, md. und nd. pulbe, polwe, polfe, pule, pul: mhd.

dâ diu houbet wâren hin gekêret
dâ was ie hôher gemêret
mit einem phulwen sîdîn. Mor. von Craon 1155;

pfülw und linder bette
was Achilles niht gewent.
Konrad troj. krieg 13766.


nhd.
a) ältere und mundartliche formen mit erhaltenem w (b, f, g):

(sie) künnen pfulwen understrowen
eim ieden undern ellenbogen.
S. Brant 18, 21;

und machend pfulwen under die häupter. Keisersberg dreieckecht spiegel Aa 6a; ire bett und pfulwen. post. 3, 63b; sie schüttelt all augenblick die pfulwen (des kranken). Fischart Garg. 72a;

also hälts podagra ir kunden
inn rain leinwat und pfulwen gwunden. podagr. trostb. (1577) C 6b;

papst kan den teuffel auf den pfulben (im texte auf ein küssen) binden. bienenk. (1580) 50a am rande; sich uf pfulben legen. Zimm. chron.2 3, 386, 9; auf ein zeit het er einen sammaten pfulben aufgetrennet. Agricola sprichw. nr. 58; sammaten pfülben und tapeten. Kirchhof wendunm. 61a; in mangel dieser ding möchten bett und pfülben das best thun. disc. milit. 24; dabei herrlich küssen und pfulgen, als dann solch bett wol würdig was. Bocc. 99. 213b; ich bin von einem pfülgen auf ein bett gesessen. Frank sprichw. 1, 42b; oder streck ihn auf ain bret, darauf soll liegen ain pfulgen. Braunschweig chir. 95; pulvinus, ein pfülf. Alberus dict. pp 3b; bracht ich euch bette und pfulf, küssen, leinlachen. ehbüchlein C 3b; ein klein pülf. archiv für hess. gesch. 6, 121; henneb. der pfülef Spiesz 183; bair. der pfülbm, der pülv (Aschaffenburg) und die pfulgen Schm.2 1, 425; schweiz. der pfulwen, pfulmen, pfulf und die pfulbe, pfülbe, der pfulben, pfulmen, pfulf Stalder 1, 116; ohne deckbett und ohne pfulben. Hebel (1843) 3, 313; wehmüthig sank Jobst in den pfülmen zurück. G. Keller Seldw.4 1, 233; Jobst lag .. mit dem kopfe am fuszende und mit den füszen auf den pfülmen. 212; appenz. der pfolber (mit anlehnung an polster) Tobler 48a; schwäbisch der pfulben, pfulgen Schmid 64. Birlinger 95a (der pfülben noch bei Wieland in den kom. erz. 2. aufl. s. 140 und Musar. 2, in den werken 10, 193 pfühl, 9, 53 polster).
b) aufs md. zurückgehende formen ohne w: weh euch, die ir küssen machet den leuten unter die arme, und pföle zu den heubten. Hesek. 13, 18;

für sein ruhbett die erden,
fur pfulen (schwachformig) einen stein.
Weckherlin 619;

kleines pfuhl, pulvillus Aler 1531b; pfül, plur. pfüle Stieler 1392; einen pfül unterlegen Steinbach 2, 185; pfühl (nun besonders in gehobener rede):

der buhler küszt den pfühl.
Günther 638;

pfühl und tuch mit thränen netzen. 846;

umsonst macht keine magd das pfühl. 1050;

die ihre schöne brust so oft zum pfühl ihm machte.
Wieland 10, 193;

(ein bett) mit leichten aufgedunsnen pfühlen
und küssen aufgeschmückt. 18, 86;

ein bettgestell mit einem sammtnen pfühle. Klelia u. Sinibald 4, 223;

er wirft sich auf den pfühl und wartet unverdrossen. 236;

ach! auf dem weichen pfühle
schlafe, was willst du mehr.
Göthe 1, 98;

dann schon bestieg sie
eingeladen herrlichen pfühl. 41, 210;

[Bd. 13, Sp. 1807]



wölbte eures (der blumen) kelches krone
nicht die tochter der Dione
schwellend zu der liebe pfühl?
Schiller 11, 10;

drum machten wir (gedruckt mir) die eisbedeckte erde,
den harten stein zu unserm pfühl. 12, 301 (Wallensteins tod 3, 15);

(lasz uns) die gewölbe über uns
zur decke nehmen, und den stein zum pfühl. 13, 199 (jungfr. von Orleans 1, 4);

und wer den toten ihre harten pfühle
miszgönnt.
Platen 2, 122;

die sterne sind vielleicht nur pfühle,
worauf ihr haubt die liebesgötter legen. 3, 171;

den sarg nahm er zum ruhebette,
zum pfühle nahm er den schild.
Uhland (1879) 2, 10;

auf dem moose, welches wie ein pfühl die schöne last umquoll, ruhte die reizendste jungfrau und schlummerte. Immermann Münchh. 3, 166;

es versinken ihre panzer
in des mooses weiche pfühle.
Lenau (1880) 1, 334;

wohl netzt' ich heisz mit thränen meine pfühle.
Geibel neue ged. (1883) 67;

da mit ersticktem ach
sank sie ins pfühl.
P. Heyse ges. werke 2, 15;

und als die morgensonne hell
auf's pfühl des kranken schien.
F. Dahn ged., zweite samml. 1, 113;

die schönen augen fielen zu
und auf den pfühl, darauf sie ruhte,
gleich einer toten sank die gute. 1, 204;

bildlich:

ach auf dem pfühl der offenbarung
schläft's sich so sanft!
Gotter 1, 400;

wenn nun zum pfühl die sonne gleitet.
F. Dahn a. a. o. 316.


2) etwas pfühlähnliches, zur stütze dienendes: in der baukunst ein tragendes, rundlaufendes glied, z. b. am säulenfusz vorkommender groszer rundstab (lat. torus, franz. tore) Müller-Mothes 746b. mathem. lex. 1, 1007. Voch baulex. 212a; nd. pöl die unterlage des eisens, wodurch der mühlstein (läufer) getrieben wird Schambach 157b; kurhessisch pfälf balken am pfluge, worauf das vorderende des grendels ruht Pfister nachträge zu Vilmar 202, vergl. DWB pfühlbaum. eine weinbergslage bei Würzburg heiszt der pfülben (im pfülben werden für most preise bezahlt wie sie seit dem jahre 1822 nicht vorgekommen sind. Frankf. journal 12. nov. 1872) und darnach auch der dort wachsende wein, der pfülben ist gut gerathen, ein glas pfülben trinken u. dergl.
 
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pfühlbaum, pfuhlbaum, m., bergmännisch einer der zwei horizontalen balken des obersten schachtgeviers eines haspelschachtes, in den die haspelstützen eingezapft sind Veith 365. Bechius Agric. 86 f. 122 ff. Hertwig bergbuch 301; die aufrecht stehende welle eines göpels, an welcher der korb, um den sich das seil auf- und abwindet, befestigt ist. Chemn. bergm. wb. 386a.
 
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pfühlchen, n. pulvillus Stieler 2392; schweiz. pfülwlein Maaler 318b, vorarlbergisch pfülfle Frommann 3, 303.
 
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pfühleisen, n., bergmännisch was pfadeisen Chemnitzer bergm. wb. 382b. Veith 362.
 
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pfuhlen, pfühlen, verb. pfuhlicht sein, nach einem pfuhl riechen, schmecken Stieler 446. Ludwig 1403.
 
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pfühlen, verb. mit einem pfühl versehen, darauf betten:

(da sah ich) auf einem bett, gepfühlt von weichem moose ..
die liebste schlummernd.
Rückert 1, 183;

du ruhest weichgepfühlt am ufer strombespült. brahm. 5, 137.


 
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pfuhlfisch, m. der schlammbeiszer, cobitis Nemnich 1, 1085 (vgl. moosfisch): fossilis, peiszker oder pfulfisch wird dieser fisch genandt von seiner art, dieweil er in den boden, gestad und erden hineingräbt, in demselbigen sich verschleuft. Forer Gesners fischb. 160b; pfulfische, fische aus einem teich. Ludwig 1403.
 
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pfuhlfrosch, m. rana lutaria, palustris Stieler 567.
 
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pfuhlgeruch, m. odor loci paludosi Frisch 2, 58b.
 
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pfuhlgeschmack, m. geschmack (eines fisches, krebses) nach einem pfuhle, teiche Ludwig 1403. Frisch 2, 58b.

 

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