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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nachgänger bis nachgeberden (Bd. 13, Sp. 57 bis 59)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nachgänger, m. der nachgeht, nachfolgt: nachganger, pedissequus voc. 1482 x 1b; nachgenger, consectator, assecla Maaler 298a; ein nachgenger Bocc. 1, 151a; sie (päpste) folgen nicht sanct Peter .. auch nicht Christo, dessen sie sich nachgänger und vicarien .. schreiben. Aventin (1566) 409a.
 
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nachgängerin, f. pedissequa voc. 1482 x 1b; nachgengerin, ein dienstmagdt die der frauwen nachgadt, pedissequa, consectatrix Maaler 298a.
 
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nachgängig, adj. nachfolgend: das nachgengig recept. Paracelsus opp. (1616) 1, 513b; schweiz. nachgängiger wy, wein der nachgängelt. Stalder 1, 422.
 
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nachgaukeln, verb. intransitiv, gaukelnd nachfolgen: nachgaukelnde zephyren. F. Müller 1, 172; transitiv, gaukelnd nachmachen.
 
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nachgebären, verb. später gebären Stieler 97; partic. nachgeboren: nachgeborn kint, postomus (posthumus) voc. opt.; unter mehreren nachgebornen geschwistern. Göthe 24, 54; mit allen fürsten der nachbarschaft, deren, sowohl regierender, als nachgeborner, keine geringe anzahl am Rhein .. besitzungen hatten. 109; aber unverwischt lebt die kunde von der Hunnenschlacht in den nachgeborenen geschlechtern. Scheffel Ekk. (1871) 222. der nachgeborne, ein nachgeborner, der später geborne, der nachkomme: welches denn manchem der nachgebornen mag zu gute gekommen sein. Göthe 24, 12; das erbtheil der generation .., von welchem der philosoph stets mit achtung spricht, unerachtet er selbst ein nachgeborener ist, der aus des vaters hause geworfen wird. Fichte philos. journ. 3, 314; übertragen: ich muszte mich also bequemen diese kleinen merkzeichen (diakritische zeichen der hebräischen schrift) kennen zu lernen; aber die sache ward mir immer verworrner. nun sollten einige der erstern grössern urzeichen an ihrer stelle gar nichts gelten, damit ihre kleinen nachgebornen doch ja nicht umsonst dastehen möchten. Göthe 24, 201.
 
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nachgebaur, m. ältere und vollere form für nachbaur, nachbar: ahd. nâhcapura, nâhkipuri vicini Steinmeyer gloss. 1, 156, 4; mhd. nâchgebûre Lexer 2, 6; ags. neâhgebûr, nehgebûr, engl. neighbour, nd. nakebûr. — nachgebur, confinis Dief. gl. 141b; nachgepaur voc. 1482 x 1a; syn nechster nachgepur weisth. 1, 146 (v. j. 1473 Schweiz); und andere nochgeburen d. städtechron. 9, 912, 21; nachgebaur Keisersberg lebk. VIII; so ain nachgebaur dem andern sein viech pfent. österr. weisth. 6, 109, 8 (16. jahrh.).
 
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nachgebaurschaft, f. nachgeburschaft, vicinia Dief. gl. 618a.
 
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nachgeben, verb. mnd. nageven Schiller-Lübben 3, 151b.
1) transitiv.
a) hinterdrein, nachträglich, noch dazu geben, pretium addere, reliquum, residuum dare Stieler 655; wunschhut, den mir mein fromer bruder .. nachgegeben (nach verlust des wunschsäckels). engl. komöd. 117 Tittm. einem den schaden nachgeben (den schaden ersetzen). österr. weisth. 1, 59, 4.
b) einem andern oder einem zwecke gegenüber oder zu gefallen mit aufgebung des widerstandes fahren lassen.
α) nachlassen, nachsehen, vergeben: einem seiner jugend halben etwas nachgäben und verschonen, remittere adolescentiae alicujus; der liebe etwan vil nachgäben und nachlassen, largiri amori plusculum. Maaler 297d; dasz man kindern und gesinde zu viel nachgebe und durch die finger sehe. Schuppius 298; man musz einem freunde viel nachgeben, plurima

[Bd. 13, Sp. 58]


amico sunt indulgenda. Stieler 655; vatter, du straffest mich umb recht beschuldung, doch ist es mir nachzugeben. buch d. liebe 205, 3.
β) zulassen, zugestehen, willfahren, erlauben, permittere Maaler 297d. Stieler 655;

am pfinztag sie zum pad begert ..
das hab ich ir als nachgegeben. fastn. sp. 542, 4;

einem den zutritt zu den versammlungen nachgeben. Hippel 10, 223; das die unaufhörlichen plünderungen mir nicht nachgeben wollen, mich über feld auszumachen. Butschky kanzl. 854.
γ) zugeben, einräumen, concedere Stieler 655; da sehe auf, das du den grund nicht nachgebest denen, die wöllen gewalt haben gottes gebot zu endern. Luther 3, 263; ich gebe gerne nach, dasz viel durch ihre vergötterung allzuweit gehen. Lohenstein Armin. 1, 415;

ich hab, ich geb es nach, des herrn bund verhöhnet.
Gryphius bei Campe;

schön ist sie, ja, ich geb es nach.
Wernike 2, 205;

woll! dieses geb ich nach.
Rist Parn. 403.


2) intransitiv, geringeren widerstand leisten oder denselben aufgeben.
a) nicht stand halten, weichen, sich für überwunden erklären (im kampf oder wortstreite), dem wunsch oder willen eines andern sich fügen. mit persönlichem subject:

gib unterweilen nach, kannst du gleich überwinden,
durch folgen kann man oft die freunde sehr verbinden.
Opitz bei
Steinbach 1, 574;

so lobst du disz und meinst, dasz ich nur nach soll geben?
Opitz (1646) 1, 202;

wolan ihr fürsten und ritter, ihr wollts, wir geben nach.
Wieland Oberon 1, 64;

wer im streit nachgiebt, giebt stoff zu gelächter.
Platen (1847) 2, 219;

sie wurde ersucht, die einwilligung des vaters zu erlangen, der denn auch, obgleich .. ungern, nachgab. Göthe 26, 327; allerdings kann der orthodox so nachgebend nicht sein, so lange noch eine möglichkeit unversucht ist, die sache bis in den kleinsten buchstaben zu retten. Lessing 10, 22; ein allzu schwacher nachgebender vater. Schiller 2, 337; sprichwörtlich: der gescheidere, der klügere gibt nach; der nachgibt, gilt auch einen mann; je mehr man nachgibt, je mehr soll man nachgeben; besser nachgeben als zu schaden kommen. Wander 3, 835;

strenge gegen sich selbst, nachgebend gegen die freunde.
Herder 1, 179 Hempel.

mit dativ: Theagenes thet wie ein geschickter fechter und ringer auf den fechtschulen, gabe den ersten streichen nach, bisz er die stärke des widersachers erfahren kundt. buch d. liebe 227, 3; das sind die früchte, wenn man weiberrathe nachgiebt. Gotter 3, 68;

alle riethen nachzugeben,
nachzugeben gröszrer macht.
Herder Cid 17;

ich gab dem zuge meines herzens nach. Schiller 5, 56;

nicht zeit ists jetzt, der schwäche nachzugeben. 12, 293;

wie wenig es mir hätte ziemen wollen, den widerspenstigen bauern auch nur ein haar breit nachzugeben. Göthe 15, 34; ich hab seinem willen in etwas nachgegeben. Aler 1431.
Mit abstractem subjecte:

hier gab dein stark gemüthe nach.
Günther bei
Steinbach 1, 574;

die ächte anmuth gibt blosz nach und kommt entgegen, die falsche hingegen zerflieszt. Schiller 10, 123.
b) nachlassen, schwächer werden: noch jetzt .. füllt sich meine seele mit jener stimmung, die leise mit der dämmerung hereinbrach und dann wieder nachgab, wenn das sonnenlicht mit dem sternenlicht gewechselt hatte. Bettina tageb. 48. bair. nachgeben auf einem fusze, mit einem fusze leiser auftreten als mit dem andern, ein wenig hinken. Schm. 1, 866 Fromm.
c) geringer sein, nachstehen, mit dativ:

ir könt latin und alle sprach,
musz jederman euch geben nach.
Waldis Äsop 4, 2, 84;

ich dacht es wohl vorhin! die sich itzt zu mir macht,
gibt kaum der ersten nach.
A. Gryphius (1698) 1, 222;

an gelehrsamkeit etc. gibt er keinem nach. Aler 1431a;

ihr gebt an stärke nicht den alten helden nach.
Zachariä renomm. 5, 234;

an eifer gab er keinem märtirer nach.
Wieland Oberon 6, 24.

[Bd. 13, Sp. 59]



d) von sachen: schlaff, weich, locker werden, weichen: die gespannte saite, der boden gibt nach, die wand gibt dem drucke nach u. s. w.; weder das gewicht der kleider, noch die anstrengung durch lose asche zu klimmen (auf dem Ätna), welche bei jedem tritte nachgab, konnten uns erwärmen. Göthe 37, 208.
e) weidmännisch: eine zu fest gezogene schraube lockern; beim suchen dem hunde mehr seil geben; die hunde geben nach, lassen ab vom verfolgen eines wildes. Jacobsson 3, 116a. Kehrein 214.
 
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nachgeben, n. nachgiebigkeit: wir gewinnen im nachgeben. Göthe 8, 124. sprichwörtlich:

dür (theuer) kauffen und nachgeben
wurt man zu lest wol innen. meister Altschwert 163, 34;

dann zu der zit (jetzt) das nachgeben fründ, die warheit hass bringt. Terenz (deutsch 1499) 11b; nachgeben machet freude, nachgeben ist der jugend verderb, obsequium parit amicos, mollis educatio liberorum pestis. Stieler 655; nachgeben stillt vil krieg. Frvnk sprichw. 2, 178a.
 
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nachgebend, part. u. adj. nachgiebig, s. DWB nachgeben 2 a.
 
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nachgeberden, verb. die geberden eines andern nachahmen, annehmen. intransitiv: nirgends eine spur ... von nachgeberdendem (mimischem) festreigen der anmut und der feierlichkeit. Voss antisymb. 1, 172. mit dativ:

nachgeberdend ihm (dem Nestor)
hub so der Traum zu Agamemnon an.
Bürger 149b.

reflexiv: sich nachgebehrden, comparare se ad gestum alterius, vultu simulare. Stieler 79.

 

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