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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
mildherzigkeit bis mildrichterlich (Bd. 12, Sp. 2213 bis 2216)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mildherzigkeit, f.: er liesz sich bei solchen anlässen grosze komplimente über seine mildherzigkeit machen. Wieland 8, 6; es ist die leichteste sache von der welt, die mildherzigkeit dieses volkes zu besteuern. 62; da es mir nicht um einen angriff auf deine mildherzigkeit zu thun ist. 35, 122.
 
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mildig, adj. und adv. freigebig, gütig (vgl. mild 4 und 5): liberalis mildich Dief. 326c; die wohlthat, welche das durchl. hausz mir mildigst zuflieszen lassen, verbindet mich ... Hahns hist. 2 (1721) s. 2 der dedication;

und der hauszmutter guter wille,
die alles darreicht mildig stille. froschmeus. F 8a (1, 1, 9).


 
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mildigen, verb. mild machen, mildern; in bezug auf eine strafe: auch wer verbodet wirt, der marg vor fure (feuer) zu huden, und des nit thut, der ist der marg zu ewigen tagen verschalden; doch mogen der walpode und der lantman das mildigen. weisth. 3, 489 (Wetterau, von 1401).
 
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mildigkeit, f. das mildesein; bereits im mhd. neben das einfache fem. milde getreten, im 15. jahrh. dieses zurückdrängend, und sich bis ins 18. jahrh. behauptend, zu welcher zeit das alte milde wieder auflebt, um heute beinahe alleinige anwendung zu finden; mildigkeit klingt uns veraltet. es steht nach den verschiedenen bedeutungen des adj. mild: die miltigkeit, gtigkeit, lenitas, benignitas, humanitas, lenitudo, facilitas, mansuetudo, placabilitas, clementia Maaler 290b.
1) nach mild 3, liebende fürsorge für die seinen: zu dem leztin zoch der milde furste ein vingirlin uʒ siner taschin, da mete her pflag sine heimelichen brife zu vorsegiln und wiste iʒ siner betrubetin wertinne und sprach uʒ groʒir mildekeit sines herzin zu or alsus ... daʒ sal dir ein warzeichin si, bi weme ich dir daʒ sende, dem soltu genzlich gloubin. Ködiz 57, 24;

weil Ludwigs mildigkeit die kirchen wohl verpflegt,
wird billig ihm das lob des frommen beigelegt.
Caniz 75;

von gott: got in ewigkeit, nôch sinre groszen miltikeit, der wolte ime alleine nüt behalten sinen schatz der ewigen wunne und fröude die alle zit von ime flieszent. d. städtechron. 8, 233, 1;

allain sein (gottes) güt und mildigkait
söll wir zu lernen sein berait.
Schwarzenberg 156a;

o groszer gott von that! schau, wie die arme erd
von deiner mildigkeit noch einen wunsch begehrt!
Opel und
Cohn 197, 7;

doch hier später auch mit entschiedenem bezug auf mild 6: diese gnadenzeit, die dir die göttliche mildigkeit verleihet. Simpl. 3, 425 Kurz;

unträglich ist dein zorn, den du den sündern dräuest.
doch deine mildigkeit, die du hierbei verleihest,
ist mäszig ohne masz.
P. Fleming 28.


2) nach mild 4, a. b, freigebigkeit: miltigkeit, largitas, liberalitas, legalitas. voc. inc. theut. n 7b; die mildigkeit und freigebigkeit der alten Hamburger. Schuppius 330; wenn der mensch weder in tugend, güte, mildigkeit noch wolthat sich thätig erzeiget. pers. rosenth. 7, 12;

[Bd. 12, Sp. 2214]


sô mûʒ (wenn ein karger guten wein trinkt) sîn karkeit sinken,
daʒ er durch grôʒe trunkenheit
eine kleine miltikeit
underwîlen doch begêt. d. Wiener meerf. 691;

weil Stapolenses saget frei,
die miltigkeit im mittel sei.
du bist zu milt und der zu karg.
H. Sachs fastn. sp. 1, 96, 464;

so willst du, geizhals, länger scharren?
so willst du mit der mildigkeit
bisz auf die letzten stunden harren?
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 326;

doch wer die mildigkeit als eine tugend übt,
der sehe, was und wie, ja wenn und wem ers giebt.
Chr. Weise zeitvertr. 2, 81;

nicht nur den lebenden nützt ihre mildigkeit;
o nein! sie weis sich auch die todten zu verbinden.
wenn wird ein kind zur gruft gebracht,
um dessen sarg ihr kranz sich nicht verdient gemacht?
Gellert 1, 33;

das beste war, in seiner neuen haut
den jungen herrn (als geschenk der götter) stillschweigend anzunehmen,
und sich der mildigkeit der götter nicht zu schämen.
Wieland 18, 168;

gastfreiheit (mild 4, c): mit dem werk hat gott uns exempel gegeben, und gepreiset die mildigkeit, das wir gerne herbergen sollen, und den frembdlingen guts thun. Luther 4, 104b;

eur miltigkeit dank wir euch gern (herold zum wirt). fastn. sp. 566, 21;

mildigkeit im gegensatz zu verschwendung: ihr mitleiden ist allzu empfindlich, und hindert beinah die gerechtigkeit, und ihre mildigkeit ist beinah verschwendung. M. Mendelssohn bei Lessing 4, 223;

wenn dus also verschwenden wilt
on not, on nutz, zum uberflusz,
so sagt dir Marcus Tullius:
es sei kein rechte miltigkeit,
sonder ein lauter verwegenheit.
H. Sachs fastn. sp. 1, 96, 487;

aber auch in den sinn verschwendung (vergl. mild 4, d) übergehend: liberalitas mildikait l. liederlichait Dief. 326c.
3) an die vorige bedeutung angeschlossen, aber mit entschiedenerer hervorhebung der gesinnung, die solche freigebigkeit erzeugt; güte, willigkeit, barmherzigkeit (nach mild 5): pei dem vogel (laurus) verstên ich ainen gedultigen menschen, der seinr tugent niht vergiʒʒet in glück und in ungelück. der fleugt in dem glück und praitt die flügel seinr miltichait über arm läut. Megenberg 203, 22; dis (siebente) gebot hat auch ein werk, welches gar viel guter werk in sich begreift, und vielen lastern wider ist, und heiszt auf deudsch miltigkeit, welchs ist ein werk, das von seinem gut jederman willig ist zu helfen und dienen. Luther 1, 253b; die erfullung des siebenden gebots. armut des geistes, mildikeit, willikeit seiner guther zu leyen und geben. krit. gesamtausg. 1, 255, 10; des hern Christus wolthätigkait und miltikait. Melanchthon hauptart. d. h. schrift verdeutscht 5;

ihr musen! ist es nicht ein unverdienter lohn,
den eure mildigkeit um haar und scheitel windet.
Günther 492.


4) mildigkeit (nach mild 6), güte, freundlichkeit, sanftmut: miltigkeit, lenitas, lenitudo, humanitas, clementia Dasyp.; er kan durch seine mildigkeit iedermann gewinnen, omnium animos comitate sibi conciliat, seu devincit. Stieler 1276; den mördern von barmherzigkeit und mildigkeit predigen. Schuppius 520; die unbegreifliche geduld, womit die meisten völker des erdbodens sich zu allen zeiten von einer kleinen anzahl von Isfandiarn und Eblissen haben misbrauchen lassen, ist der stärkste beweis der ursprünglichen mildigkeit der menschlichen natur. Wieland 7, 53; ich weisz, was meine mutter ausgestanden hat, von der unbestechlichkeit, unerschütterlichkeit meines vaters. endlich, leider nach ihrem tod, ging ihm eine gewisse mildigkeit auf. Göthe 21, 168;

ein herr, der wie er will, ohn alles ansehn handelt,
sein ausspruch musz geschehn, und seine tyrannei
wird durch kein kläglich thun in mildigkeit verwandelt.
Günther 618;

untreue wird durch mildigkeit erzeugt.
kein alter spreche künftig, kein geschlecht,
zur schonung eines schuldigen, das wort.
Göthe 7, 243;

in ungewöhnlich knappem ausdruck:

wenn meines standes mildigkeit mir auch
der schonung süsze pflicht nicht auferlegte (Domingo zu Philipp).
Schiller don Carlos 3, 4,

= die mildigkeit, die mein stand heischt.

[Bd. 12, Sp. 2215]



5) mildigkeit, nach mild 10, d: seit einigen jahren haben sich in den marmorbrüchen zu Carrara adern und schichte aufgethan, die dem parischen marmor weder an feinheit des korns, noch an farbe und mildigkeit weichen. Winkelmann 3, 35; die eine eigenschaft ist dessen (des parischen marmors) mildigkeit, das ist, er läszt sich arbeiten wie wachs (gegenüber sprödem carrarischen marmor). 5, 100.
 
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mildiglich, adv. in milder weise, mhd. milteclîche, milteclîchen: miltiglich, large, liberaliter, legaliter. voc. inc. theut. n 7b; miltigklich, clementer Dasyp.; miltigklich, gütigklich, mite Maaler 290b; mildiglich liberaliter Frisch 1, 663b; besonders
1) von spendenden personen, freigebig, reichlich (vgl. mild 4): miltiglich geben, largiri. voc. inc. theut. n 7b; einfeltiglich hab ichs gelernt, mildiglich teil ichs mit, ich wil jren (der weisheit) reichthum nicht verbergen. weish. Sal. 7, 13; er gibt almosen mildiglich, liberalitatem exercet in dandis eleemosyniis. Stieler 1276;

Cicero lobt den milten mehr,
spricht, der mensch hab kein gröszer ehr,
denn gelt verschmehen in seim lebn
und das frei miltigklich auszgebn.
H. Sachs fastn. sp. 1, 92, 324;

ich opfre meinen dienst den groszen; die hingegen
mit mehr, als ich bedarf, mich mildiglich verpflegen.
Caniz 149;

mit hervorhebung der gesinnung, aus der gutes erwiesen wird, gütig, gnädig, willig: do trat der erber furste bi den pristir .. unde gruste itslichen besundern fruntlich unde gutlich, beide di aldin unde di jungin. sundirlichen nam he die jungisten schulkinder fruntlich an sinen arm unde kuste itslicheʒ mildeclich an sinen munt. Ködiz 54, 33; das were wol fein, löblich und christlich, da auch billich jederman mildiglich zu (zu stiften, spitalen und siechenhäusern) geben und helfen solte, sonderlich die oberkeit. Luther 3, 394a; wir bitten dich (gott) herzlich, du woltest, .. uns hinfurt zu bessern, deine barmherzigkeit mildiglich verleihen. 8, 369a; o herr, lasz den heilsamen unerschöpflichen brunn deiner göttlichen barmherzigkeit, den du allen buszfertigen sünden so mildiglich offen zeigest, gegen mir nicht versperret sein. Schuppius 444; die 2 andern dritt-theile seines vermögens vermachte Carolus mildiglich an die xxi erz-bischöfl. kirchen des reichs. Hahns hist. 1 (1721) 88, not. h;

(ich) hoff, mir armen
werd jr euch miltigklich erbarmen (der gesell zur magd).
H. Sachs fastn. sp. 1, 39, 78;

lasz mich (gott) mildiglich bethauen
deines segens überflusz.
Caniz 11;

da legt sie ihn gar mildiglich
in ihr schneeweiszes bette.
Overbeck ged. 161.


2) von dingen, die gespendet werden, reichlich (vgl. mild 4, f und g): und da Moyses het aufgehaben die hand, er schlug den stein zwir mit der rut, die wasser giengen aus miltigklich, also das das volk trank und die vieh. bibel von 1483 76b (egressae sunt aquae largissimae 4 Mos. 20, 11); und der herr Christus selbs solch zagen hat müssen fülen im garten, das der blutschweis mildiglich von jm flos. Luther 6, 59a; wie dem herrn Christo zu sinn und mut ist gewesen im garten, da er mildiglich blut schwitzete. 77a; dasz mir die zehern und threnen für freuden miltiglich über die backen laufen. M. Neander menschenspiegel 27; dasz das blut mildiglich herunter (von den händen) fleust. pers. rosenth. 1, 42 anm. a; (der vater) betrübte sich über diesen brief, ... doch machte ihm auch die list der jugend, so darinne stack, mildiglich zu lachen. pol. maulaffe 9; (ein weinfasz) daraus der edle wein mildiglich auf die gassen flosz. 236; diese (thränen) flossen so mildiglich meine wangen herab. ehe eines mannes 157;

gleich wie ein fruchtbar regen
nach groszer sonnen hitz vons hohen himmelsschlosz
sich miltiglich ergeust in seiner (gottes) erden schosz.
C. Kirchner bei
Opitz 1624 s. 181;

das leben quillt dort mildiglich
aus sich.
Claudius 8, 91;

auch ausführlich: dasz ich das so miltiglich und zu gemeinen nutzen aller künstler an das liecht kommen lasz. A. Dürer proport., vorrede A 2.
3) mildiglich sanft (vgl. mild 10, b):

o seht mein weiszes röschen,
wies mildiglich erröthet.
Overbeck ged. 113;

und wiederum ging auf der mond,
zur seit ihm wenge sterne;
er schwebte klar und mildiglich
durch die blaue himmelsferne.
Freiligrath dicht. 2, 49.

[Bd. 12, Sp. 2216]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) mildlich, adv. freigebig, gnädig:

got is rechte alse de queckebrunne,
van deme alle schonheit vluʒet.
mildliche he sine schonheit guʒet
up alle sine creaturen. Marienlieder in Haupts zeitschr. 98, 4;

sanft: wo ist der geist,
der mildlich fleuszt
in lieb und sehnen?
der geist, der fromm und still
was gott will immer will?
der lächelt aus thränen?
Arndt ged. (1840) 364.


 
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mildling, m.?: die gestalt der bäume belangend, so hüte man sich vor masiche und abgeschrobte, nehme aber schön aufgeschossene, dick von holz und schön von klarheit, da das aug oder die spalte ihren mildling wol bezeiget. Hohberg 3, 1, 337a.
 
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mildmütig, adj. munificus, beneficus. Stieler 1300.
 
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mildredend, part.:

drum ist mirs auch unmöglich, im unglück dich zu verlassen,
weil mildredend du bist und fertiges sinns und enthaltsam. Odyss. 13, 332 (ἐπητής).


 
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mildreich, adj. reich an milde, freigebig, gütig: mildreich, liberalis, munificus Stieler 1583; mildreich, liberalis Frisch 1, 663b; damit uns aber gott probier und seine miltreiche gnade erzeig. Paracelsus opp. 2, 679 A; die mildreiche brabäntische proposition an die herren staaten. Opel u. Cohn 126; der mildreiche gott. pers. rosenth. (1775) s. 257; eine mildreiche stiftung. Rabener werke 2, 274;

und auch zu miltreichem exempel
wölst auch all kleinat schicken dar
die könig Nebucadnezar
vor jaren ausz dem tempel numb (nahm).
H. Sachs 3, 1, 134b;

gott hat durch seine güt und sehr mildreichen segen
euch uberschwemmet ganz.
C. Kirchner bei
Opitz (1624) 181.


 
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mildrichterlich, adj.: will anwald das hochadelich, miltrichterlich ampt hiemit angerufen haben. Ayrer proc. 2, 2.

 

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