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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kreiscasse bis kreiscontingent (Bd. 11, Sp. 2153 bis 2156)
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kreiscassierer, m. aerarius circuli. das.
 
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kreisch, m. kreischender schrei: als sie plötzlich einen hellen kreisch that und ihm ohnmächtig in die arme sank. ammenmärchen 2, 62 (Weimar 1792). es ist z. b. thür., sächs., mundartlich gesprochen krêsch. schon mhd. bei Jeroschin 2775 als angstschrei, 15350 vom schreien im kampfgetümmel. dagegen nrh. krîsch m. Karlmeinet 42, 46, noch heute beide formen nd. Schamb. 113a. nl. krijsch Kil., mnl. crijs. vgl. krisch.
 
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kreischen, n. d. i. kreis-chen, kleiner kreis: den sogenannten weltleuten suche ich nun abzupassen ... worum sich ihre ideen drehen ... und wo ihr kreischen sich zuschlieszt. Göthe an fr. v. St. 2, 284. s. kreis 8.
 
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kreischen , grell, scharf schreien, ein mitteld. wort (nicht östr. bair. schwäb. schweiz.), schon bei Jeroschin:

dâ si (die gespieszten kinder) der pîn enzwischin
zabiltin unde krischen. 1603,

also krîsche kreisch gekrischen starkf., wie noch am mittlern (Schm. 2, 395) und Niederrhein, westerw., wetterauisch, hess. (vgl. auskreischen 1, 897), westthür., henneb. (s. Fromm. 2, 287. 282), siebenb. (Schröer 73a) und nd.; auch altnrh. kreisch praet. Karlm. 163, 4 (plur. praet. kreischen Harff pilg. 33, 21). dazu als subst. durch den ganzen ablaut krîsch, kreisch und krisch m. Ebenso mnl. crîschen, praet. crêse hor. belg. 3, 83. 82. altd. bl. 1, 210 (dem. crîschelen das.), nnl. krijschen kreesch gekreschen (doch auch schwachformig), und nd. krîschen krêsch (kreisch) ekrêschen Schamb. 113a, Dähnert, Danneil, krîsken brem. wb. s. darüber krähen a. e., auch kreuschen, kröschen, krieschen, kreitschen.
1) von menschen, thieren.
a) in den formen kreischen, kreischet u. dgl.: ich kreisch, κρίζω. Alberus q 1a etymologisierend; hörten sie überall heulen, weinen, weheklagen, kreischen, das ihnen nicht anders dauchte, denn er in der helle were. Henneberger pr. l. 47; hie billet einer von der messe, hie kreischet der ander von guten werken. Luther 4, 382b (1556 423b); dort kreischet Brand von Bern wie ein fuchs. das.; ropfte mich am wambs und hosen, mit kreischen und rufen hieher Wälscher u. s. w. Philander 2, 58;

[Bd. 11, Sp. 2154]


dasz eh ein kreischend ross soll durch die wellen gehn,
wenn sie in höchstem zorn die sternen fast besprützen,
als iemand (mich treulos befindet).
A. Gryphius 1, 393;

kreischende bewunderung. Lessing 7, 119; ihre gegner fangen immer mehr an über ihr journal zu kreischen, dasz es sich verschlimmere. Herders lebensb. I, 2, 373; ich hörte die eule schrauen und die heimchen kreischen. H. L. Wagner Macbeth 44;

wankte sie hin, vor dem frosch, der emporsprang, jüngferlich kreischend.
Voss Luise l. h. 1, 134;

die rohen kreischenden töne des weltwesens. Göthe 25, 191; die messe tobt und kreischt. Göthe und Werther 218; während der bischof in kreischendem tone die benediction sang. Bronner leben 3, 172; er entwich ... dem kreischenden gedränge (des maskenballs). J. Paul Tit. 2, 106; die männer jauchzten, die mädchen kreischten (beim hochzeittanze). Immermann Münchh. 3, 61;

mit wildem, kreischend lautem lachen.
Chamisso 4, 23;

in den lauten eichenwäldern ...
wo der falk noch kreischen kann.
Rückert 20;

im kreischen dieses aars, mags auch die sinne stören,
ist für die seele doch ein süszer klang zu hören.
Lenau neuere ged. 39.

bildlich, z. b. vom meere:

es gähnt die nacht, es kreischt das meer.
Heine romanzero 83.


b) praet. krisch, part. gekrischen:

sie rissen und krischen wie zween wilde bärn.
Soltau 2, 4. Ambr. lb. 215, 9;

als sie bei dem hochgericht vorüber gingen, schrien oder krischen die raben. Weidners Zinkgref 3, 210; du lumpigter flegel! krisch er, ich will dich lernen meinem hund begegnen! Stilling jug. (1779) 49; sie krisch convulsivisch. ders. leben 4, 22; hierauf kehrte das jungvolk in den ort zurück, während alle laut krischen, zum zeichen ihrer trauer über die begrabene kirmes. Schmitz Eifel 1, 50; die brautthränen müssen gekrischen werden, die braut die sie nicht vor der hochzeit kreischt, musz sie darnach kreischen. Eifeler sprichwort das. 180, s. dazu e.

der geier ... hat ausgekrischen.
Rückert 2, 171;

entgegen krisch es mir, das huhn.
Z. Werner (Ostpreusze) 24. febr. 98.


c) sonst ist jetzt die schwache bildung herschend, wol nicht aus veranlassung des folg. worts, vielleicht in folge einer alten nebenform (wie bei mhd. schrîen):

und laut kreischten sie auf, da erwachte der edle Odysseus.
Voss Od. 6, 117;

doch jetzt Agamemnon dem herscher
kreischt' er (Thersites) hell entgegen mit schmähungen. Il. 2, 222.


d) auch vor freude kreischt man: darumbe alse si noch (weder) geswîgen noch envollen gesprechen enmugen, sô mûʒen si krîschen, dat is jubilieren (die mystisch verzückten). Germ. 6, 155, mrh. 14. jh.;

die schönste dirn im blumenkranz
wird oben drauf gepackt (auf den heuwagen).
hell kreischt sie, dalderaldei!
gewiegt von duftendem heu.
Voss ged. 1825 3, 119.


e) das schmerzliche kreischen gilt auch milder für weinen (wie schreien, schweiz kreien gleichfalls), so nrh. Fromm. 5, 281, westerw., auf der Eifel, s. vorhin Schmitz.
f) es ist auch trans. möglich (vgl. vorhin thränen kreischen bei Schmitz unter b):

ach die anderen dämonen ...
kreischen immerfort dazwischen
schadenfroh ein hartes nein.
Göthe 40, 391.

sich heiser kreischen u. dgl.
2) von dingen: ob einige man in den wald fuere in dem mei, und hat einen kreischenden wagen oder ein pferd mit einer schellen (wodurch das wild geschreckt würde). weisth. 2, 582, von der Eifel, vgl. DWB kirren;

die sackpfeif schönmacht süsz getön
und thut gar hart da kreischen. Ambr. lb. 164, 62;

kreischt der wetterhahn (im sturme).
Voss (1825) 3, 139;

kreischende fuhrmannswagen. J. Paul lit. nachl. 4, 173; so kreischt uns ein griffel ins ohr, der einen stein hinunterkrallet (kratzt). Herder 4, 253; weil die ballade noch unter der feile kreischt. Bürger 465a, wie ein werkstück beim schlosser.

[Bd. 11, Sp. 2155]



3) so besonders von dem was in der pfanne oder sonst zischend, sprazelnd, in hohem tone schreiend gebraten, geröstet wird, wie schrîen Helmbr. 1398. Parz. 184, 25, vgl. DWB sengen eig. 'singen machen'; es ist das förmliche küchenwort: es soll auch keiner speck oder fett beim feur durch unachtsames gesinde oder kinder kreischen lassen (als feuergefährlich). Knaut altzell. chron. 8, 595 bei Frisch; vögel, so man gekocht, hernach nach abgegossenen wasser in zwiebel oder schweinenschmalz legen und sie wol kreischen lassen, und wann sie wol gekreischet, dasz sie nicht zu feucht und nicht zu träge (l. tröge, trocken), so richte sie an. Colerus hausb. 3, 102 das.; liesz ein par handvoll kukelskörner zu pulver stoszen, alsdann sovil rockenen brodes klein darunter rümmeln, und beides zusammen in einem tiegel mit ungesalzener putter mäsziglich kreischen. Butschky Patm. 582 (vgl. Hoffmanns spenden 1, 85);

so laszt der glieder öl auf glimmen rösten kreischen.
Lohenstein;

von ochsen welche man zerfleischt (beim opfer)
und deren fett und mark auf glimmen kohlen kreischt.
Brockes 6, 355;

die butter überm feuer kreischt, wenn sie gischtend aufzugehen anfängt (Leipzig). das gehirne kreischt, das blut schäumt und gischt. Wiedemann sept. 24. s. weiter das folg. kreischen.
4) von 'schreienden' farben: so kreischend diese (die farben) auch gegen einander abstechen. Klinger 11, 3; diese tollen farben, die alle zu gleicher zeit auf mich los kreischen. H. Heine werke (Philadelphia) 6, 402; den unangenehmen kreischenden eindruck der weiszen gläser. Zelter an Göthe 2, 132.
 
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kreischen , causativum zum vorigen, mhd. kreischen = 'krîschen machen' (wie das kind schweigen, mhd. sweigen, = 'swîgen machen'), praet. kreischte; das mhd. wort ist bezeugt in erkreischen bei Frauenlob:

swie lancsein gotes rihte komt, sîn zorn doch swinde erkreischet. spr. 65, 19,

macht gewaltig schreien, schmerzt gewaltig; vergl. auch DWB kreizen, DWB kreisten. s. übrigens unter 3.
1) in gewöhnlichem gebrauche, wenigstens landschaftlich, ist es nur für sieden, rösten u. dgl.
a) z. b. butter kreischen, über dem feuer zum zerflieszen bringen, eigentlich 'kreischen machen', die butter gibt dabei einen scharf zischenden klang von sich (s. das vorige kreischen 3), die bezeichnung vom klange ist wie klengen 3 (s. d. sp. 1147); gekreischte butter Colerus hausb. 3, 190 bei Frisch; nim das mark aus den hirschknochen und ungenützt wachs, kreische es durcheinander. dess. hausbuch 1640 s. 267.
b) dasz nur der kreischende klang das wesentliche ist, zeigt folgendes; die buchdrucker kreischen das kochende leinöl ab, d. h. reinigen es durch hineinlegen eines stücks brot; so (kochendes) schmalz kreischen, durch eingespritztes wasser reinigen (Weigand), was mit jenem klange geschieht. s. auch DWB auskreischen, abkreischen, durchkreischen.
c) braten, rösten: frixura, kreyschunge des vleisches. voc. v. 1414 bei Dief. 248b, mrh. (ei ist in dem voc. gleich mhd. ei):

der ... von glut das fleisch gekreischt.
Lohenstein Epich. 120, 518.


2) quälen, peinigen (vom ursprunge s. b).
a) so im 16. 17. jh.: wer fromme und friedliche leute plagen und kreischen hilft, der dienet .. dem leidigen teufel. Mathesius hochzeitpred. P 1b; und wird ihr herzleid in alle ewigkeit sie wieder kreischen und peinigen. X 2b; alle die in versuchung fallen und von todesgedanken geengstigt, gequelet und gekreischet werden. dess. fastenpred. 26a;

die hitze (fieber) die dich kreischt.
Fleming 617 (sonn. 3, 27);

(dein gott u. s. w.) entrisz dich dieser brunst,
die dich hier wieder kreischt. 205,

gleichfalls von tödlicher krankheit, fieberhitze;

das mark verschwindet aus, das reisen macht mir bange,
das meine beine (gebein) kreischt. 16.


b) zur erklärung dieses gebrauches reicht der gebrauch u. 1 nicht aus, er könnte aber auf das mittelalterliche sieden und braten der ketzer zurückgehen (s. z. b. welsch. gast 12685, Mai 165, 26, Rein. vos 1754, Theoph. ed. Hoffm. 449, vgl. DWB braten 2, 310 unten), und im folg. scheint das nachzuklingen:

dasz man die glieder nicht in pech und schwefel kreischet.
B. Schmolk schr. II, 2, 1040.

zwar mag dabei an die hölle gedacht sein, aber das dort vorgestellte sieden und braten, von dem man so viel sprach, hatte

[Bd. 11, Sp. 2156]


ein schreckliches vorbild in der wirklichkeit an jener behandlung der ketzer.
c) auch folgendes quälen mit gekreischtem schmalz ist noch selbst zugleich ein solches kreischen: dasz man sie in einem gemächlichen feuer mit gekreuschtem schmalz in stiefeln gegossen quälen solte. Kirchhof wendunmut 1602 1, 621.
3) das verhältnis zum vorigen kreischen.
a) die unterscheidung dieses kreischen vom vorigen ist sicher gestellt durch das kreischunge jenes voc. von 1414 (s. 1, c) und durch die volksm. aussprache krêschen (fett, talg auskrêschen) in Schlesien, der Lausitz, Sachsen (Leipz.), das man auch nd. erwarten sollte.
b) doch musz eine vermengung beider früh eingetreten oder das vorige auch causativ gewesen sein, denn dasselbe rhein. voc. bei Dief. gibt frixare mit smelzen, krischen wieder, ein nahverwandtes voc. frixus mit gekreschin (für gekrischen), ein nd. sogar mit gecrisschet, ein rhein. mit gekriset (nd. gecristet), die jedoch kurzen vocal haben könnten als eigne ableitung vom plur. des starken krîschen; vgl. auch 'frixura chrisung des fleisches' Fromm. 4, 299a aus einem bair. voc., kressung des fl. Dief. n. gl. 183a aus einem oberd.; s. dazu DWB krieschen.
c) aber umgekehrt gilt das sächs.-schles. krêschen auch intr. (Weinh. 47a), die butter krêscht, brät; desgl. ist in den nebenformen kreuschen, kröschen (s. d.) beiderlei bed. enthalten.
 
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kreischer, m. schreier: stattkreischer (Bacchus) Opitz 1, 445, der die stadt mit geschrei erfüllt;

heb dich weg, du alter kreischer!
Uhland ged. 194.


 
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kreischstimme, f. kreischende stimme: noch zankten sie mit grellen kreischstimmen. Benzel-Sternau b. Campe; durch nichts ausgezeichnet als durch seine gewaltige kreischstimme. Mommsen röm. gesch. 3, 167.
 
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kreischusz, m. s. kreidenschusz.
 
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kreiscommissarius, m. commissar für kreissachen. Adelung.
 
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kreiscontingent, n. truppencontingent eines reichskreises. daselbst.

 

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