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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
kostschule bis köstung (Bd. 11, Sp. 1880 bis 1881)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) kostschule, f. schule wo zugleich kost und wohnung gegeben wird, 'pension'. Campe, schon bei M. Kramer 1719. 1787; eine Frankf. anzeige v. j. 1758: da bei gegenwärtigen zeitläuften einige eltern anstand nehmen möchten, ihre kinder nacher Hanau in die kostschule zu thun, als hat der dasige kosthalter Jean Pierre Güerlange hiermit vermelden wollen, dasz dessen kosthaus bis dahero mit einquartierung fremder truppen verschonet geblieben. Belli Frankfurt 4, 124. französische wörterbücher geben es noch für pension, auch nl. noch kostschool, dazu kostschoolhouder kostschulhalter.
 
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kostschüler, m. pensionär. Campe, auch kostschülerin.
 
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kostspielig , grosze kosten machend, besonders unnütze, ein ziemlich junges wort.
1) so allgemein und unentbehrlich es jetzt ist, erscheint es doch in den wbb. zuerst bei Adelung (1775), und auch da nur beiläufig unter kostbar, als oberdeutsch (?), noch nicht in die reihe aufgenommen; noch M. Kramer 1787 weisz überhaupt nichts davon. es musz um diese zeit emporgekommen und bald beliebt geworden sein: sie (die Römer) stehn zu weit von uns ab, und als fremder mit ihnen zu verkehren ist beschwerlich und kostspielig. Göthe aus meinem leben 2. abth. 1. th. (1816) s. 311, briefl. aus Rom 1. nov. 1786, wie schrieb er aber selber? kostspielige barbarismen. J. Paul paling. 1798 1, 73. Die form ist doch älter, Haltaus (1758) sp. 1125 bringt aus einem Isenburger actenstücke von 1729 bei: man hat aber von seiten der stadt Frankfurt die sache lieber auf kostspielige process-weitläuftigkeiten hinaus treiben wollen. das ganze wort wird aus dem rechts- und amtsstil herrühren.
2) man schwankte aber noch kurz vor 1800 über die form. bei Heynatz antibarbarus (1797) 2, 197 z. b.: 'kostenspielig oder kostspielig, sollte wenigstens kostspillig heiszen', er meint es sei von spillen spalten und empfiehlt dafür 'kostenbringend, kostensplitternd oder allenfalls kostenfressend. eben so verhält es sich mit geldspielig oder geldspillig'; sein gefühl für das wort war noch ziemlich richtig. auch war kostspillig oder kostenspillig damals noch in gebrauch, z. b.: und was dergleichen geldversplitternde und kostenspillige kindereien mehr sind. J. G. Müller Siegfr. v. Lindenberg (1790) 3, 42, geldversplitternd wie vorhin kostensplitternd (s. kostsplitterig), und kostenspillig steht ihm gleich. kostspillig setzt auch Haltaus a. a. o. als das gebrauchte und eigentliche wort an.
3) dieses -spillig aber ist von Schmeller 3, 563 erklärt. es ist mhd. vorhanden als spildec verschwenderisch, ahd. spildigî (und spildî) effusio, spildan, farspildan, verschleudern, verschwenden, alts. spildian tödten, ags. spildan und spillan verderben, von der zweiten gestalt auch hd. eine spur in muspilli. noch jetzt ist spillen nd. und nl. vergeuden, geld verspillen, unnütz verthun Dähnert 448a, kostspillig also geldvergeudend (s. DWB kost geldmittel sp. 1855 mitte). unser kostspielig aber ist davon eine ziemlich gedankenlose umdeutung.
4) ob -spillig nur in nd. oder md. munde bequemer gemacht ist aus spildig (wie kinner aus kinder) oder eine eigne bildung von altem spillen, bleibt weiter zu ermitteln. möglich scheint beides, denn Haltaus 1125 belegt aus dem 16. jh. sowol nd. kostspildinge (kostenvergeudung, durch doppelten haushalt) als hd. kostspillung, vgl. hd. geldspildung 635. so wird auch damals schon kostspillig u. s. w. bestanden haben. s. auch die nebenformen kostspilterung u. s. w.
 
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kostspieligkeit, f. subst. zum vorigen. Campe.
 
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kostspilterung, f. verschwendung der kosten, unnützer aufwand (kost f., geldmittel); wenn die pastores allerlei bauen, ändern und bessern lassen, mithin gemeiniglich unnöthige kostspilterungen veranlaszen. corpus constitt. Brandenb.-Culmbac.

[Bd. 11, Sp. 1881]


1, 434. bei Schmeller 3, 563 kostenspilterung aus einer baireuth. verordn. v. 1743, vgl. das gleichbed. geldspilterung Stieler 2090. dazu jedenfalls auch kostspilterig, kostenspilterig. in spiltern lebt das alte spildan nach (s. unter kostspielig 3) in frequentativer form.
 
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kostsplitterig, wie das folg.: dasz dem gouverneur (von Philippsburg) die wiederholte erinnerung zu thun wäre, dasz er sich von allen weitern kostsplitterichen reparationen (der festung) enthalten solle. erlasz des reichstags von 1747, Haltaus 1125; noch bei J. Paul kostensplitterig (sp. 1872). es ist vielleicht nur umdeutung des verdunkelten kostspilterig, s. folg.
 
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kostsplitterlich, verschwenderisch, kostspielig: dasz alles und alles aus gemeinem beitrage (gemeindekosten) .. kostsplitterlich ausgeführet werde. Möser patr. phant. 2, 409 (1778 s. 281). gewiss auch kostsplitterung, wie kostspilterung. vgl. kostensplitternd bei Heynatz unter kostspielig 2 und zeitsplitterung zeitverschwendung Steinbach 2, 631.
 
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kosttag, m. bestimmter wochentag für freie kost eines kostgängers: um mir für die ganze vacanz kosttage bei ihnen auszubitten. Bronners leben 1, 131.
 
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kostung, f. gustus, kostunge. voc. inc. teut. n 5a. kostung Stieler 1017, gustatiuncula (imbisz) Trochus Q 2b.
 
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kostung, subst. verb. zu dem zweiten kosten, gewiss schon mhd. kostunge. s. auch köstung.
1) es gehört zu kosten ausgaben oder aufwand machen (spalte 1866): wie wol rustunge und kostunge (des aufzugs) etzwas gestandin. Zerbster procession Haupt 2, 277, d. h. die bestreitung des aufwandes was ordentliches gekostet hat, die sich deckenden kosten und gestehn treffen da einmal zusammen (s. DWB kosten I, c sp. 1865); dasz man auf die kostung nicht zu hart dringe. Luther br. 3, 335. auch im plur., wie kosten selbst: (beamte) die mit teglichen schweren unnötigen und vergeblichen kostungen die fürsten arm machen. Luther 5, 411a.
2) natürlich verflieszt das ausgeben mit dem was ausgegeben wird: kostung der (oder?) zerung, expense. voc. inc. teut. n 5a;

on müwe, kostung und arbait
was die maus in der fallen.
Liliencron volksl. 2, 51b.

Daher mit denselben wendungen wie kosten, kost (sp. 1857): waʒ ein ieder teil .. gewunne (erobert hätte) und mit seiner kostung inne het. Nürnb. chron. 2, 131, 33; er hat mit seiner eigen kostung und darlegung (von geld) .. merklich hilf gethon. Frank chron. 138b u. oft; man sol auf sein und seiner freund kostung zu etlichen stedten des reichs .. schicken. Luther 4, 410b; auf meine kostung. 420a.
3) auch zu kosten beköstigen (sp. 1866 b): mit dem auszug (des heeres) ... kostung, solt ... und andern notdürften. Nürnb. chron. 2, 34, 14. 525, 10 (15. jh.); sol man .. zu sold geben .. über sein zimliche kostung. 285 anm. 2.
4) merkwürdig als m.: mit kleinerem kostung. Paracelsus 1, 930c, es ist im geschlecht mit koste m. verwechselt. noch merkwürdiger kostumb f. Schm. 3, 258, 15. jh.
 
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köstung, f. subst. verb. zu kösten, es fällt aber mit köste zusammen, wie kostung mit koste. daher schmaus, besonders hochzeitschmaus, z. b. in Ostpreuszen: die bauern hatten geld, darum muszten ihre töchter .. mit stattlichen kleidern gehn, wenn sie zur köstung fuhren. Henneberger preusz. landtafel Königsb. 1595 s. 164; zu köstungen, kindelbieren, pfingst- und s. Johannisbier. 259; verbot die groszen köstungen und kindelbier. 385. auch bei Frisch 1, 539b aus der preusz. landsordn. 6, noch bei Hennig preusz. wb. 118, der kösting gibt.

 

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