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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
knoblauchsuppe bis knöchelspiel (Bd. 11, Sp. 1451 bis 1454)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) knoblauchsuppe, f. knoblochsuppe. Stieler 1687.
 
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knoblauchwurst, f. wurst mit knoblauch gemacht:

die geliebten knoblauchwürstchen.
H. Heine romanzero 94.


 
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knoblauchzehe, f. nucleus allii, aus der hültschen oder schelfen geschelt, mit der hültschen spica genannt (s. DWB knoblauchhaupt). Frisius 889a, Maaler 246c, une gousse d'ail Rädlein 551a, Frisch 1, 528c, über den namen s. unter DWB knoblauch 1, b; knoblochszehe Stieler 2606, dim. knoblauchszehelein M. Kramer. osterl. knoblochszîwe.
 
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knoble, knoblenblume, f. gleich knollenblume, s. d. Nemnich 4, 1499, offenbar nach knobel 2.
 
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knöchel, m. articulus, condylus, talus, nodus.
I. Formen, verwandtschaft, heimat.
a) wir empfinden knöchel mit recht als verkleinertes knochen (knoche), das übrigens selbst auch einst den knöchel bezeichnete. das masc. von letzterem bezeugt, dasz die bildung aus der alten zeit stammt, als man für die verkleinerung noch das geschlecht des mutterwortes beibehielt (s. gramm. 3, 666). doch knöchel

[Bd. 11, Sp. 1452]


selbst ist ahd. mhd. nicht bezeugt, vielleicht noch nicht vorhanden. wol aber knuchel, aus mhd. zeit, aber aus mitteld. lande: an sînen knuchelin an den handen. Grieshaber vaterländisches s. 272. das u ist nicht verderbnis, sondern der echte vocal, aus dem das o von knochen (s. d.) erst entstand. noch im 15. jh. knuchel (s. II, 1), auch niederrh. Fromm. 2, 441b, im 16. 17. jh. (jedenfalls schon älter) knüchel, s. sp. 1453. im nd., engl. gilt das u noch, s. unter DWB I, d.
b) merkwürdig aber auch knugel, knügel. so in den Wiesbader glossen 2, 16 cnugel vom fingerknöchel (Haupt 6, 321a, vgl. 326), aus dem 12. oder 11. jahrh., jedenfalls westmitteld., denn noch Alberus gibt knügel talus z 3b, talus der knügel am fs, scaurus der dicke knügel hat ll 3b (daneben knöchel condylus z 4b, fingerknöchel), und so noch z. b. in der Wetterau (gesprochen knijel). ebenso in einem mitteld. voc. des 15. jh. knygel internodium Dief. 304c (y für ü?), auch knogel condylus 140b (nrh.). das g zeigt sich wieder im norden: schwed. knoge m. (pl. knogar) knöchel, dial. knugge Rietz 337b, dän. knog und knogle. daneben besteht auch dän. knokkel, schwed. knjokel Rietz 337b, sodasz das g eine altberechtigte nebenform darstellt.
c) aber auch die drittmögliche auslautstufe (k) ist nicht blosz nd.: die selben sch sint oben uszgeschnitten und nider (niedrig) das sie kum den knyckel bedecken. Keisersberg bilg. 94d, y wol für ü? vgl. knickel 1 und knichel internodium Mones anz. 7, 301b (rhein.). auch nürnbergisch knöckla fuszknöchel Grübel 1, 175 (aber als neutr.), wie in einem Nürnb. voc. v. 1530 knockle vel rückglenk, spondylus Dief. 548b, bei H. Sachs knocke (s. d.) knöchel, vgl. unter knöchelfleisch. also ein deutliches und sicheres beispiel, dasz in einem worte alle drei lautstufen entwickelt waren, und das musz schon dem mutterwort knochen (s. d. I, 2) eigen gewesen sein, wie schon hier knocke und nord. knoge (b) beweisen.
d) im nd. u. s. w. herscht, dem md. hd. ch entsprechend, k, und wieder auch beide vocale, o und u: mnd. knokel condylus Dief. 140b, cnokel internodium 304c (nov. gl. 219b), aber auch (nnd.) knukkel brem. wb. 2, 830, hamb. knückel Richey 132, westf. knüekel Fromm. 3, 366, pomm. knüchel Dähnert 244b. ferner nnl. knokkel (und kneukel), mnl. cnokel, aber auch knuckel condylus Dief. n. gl. 107b. altfries. knokele, knokle, neufries. kneukel Richth. 876a. engl. knuckle, wie ags. cnucl, aber auch altengl. knokil Stratm. 116. endlich schwed. knjokel, knokkel Rietz 337b, aber auch altn. knykill (s. II, 5).
e) dem nhd. knöchel wird eben das denken an knochen den sieg verschafft haben, die form wie das ganze wort musz von mitteld. landen aus ins hd. vorgedrungen sein, wie knochen selbst dort seine heimat hat. es ist in den alem., bair. mundarten noch heute zum theil unbekannt (z. b. im Bregenzerwalde), die oberd. wörter sind knoten, knorren, knübel u. a.
f) übrigens gibt es auch ein neutr. knöchel als wirkliches dem. zu knochen, z. b. schweinsknöchel als gericht (ostmd.), vergl. knöchlein und knöcheln 1.
II. Gebrauch und bedeutung.
1) hervorstehendes knöchlein an den gelenken von fusz und hand oder faust, die gewöhnliche bed.: knuchel der gelieder, condilus. voc. th. 1482 q 8b; knuchel an den gelaichen (gelenken), condus. das. (dieser Nürnb. voc. bringt oft md. wörter früh).
a) bes. der knöchel über dem fusze, eigentlich enkel (auch bickel, knoten, knorren, sprungbein): occuus, enkel ader knöchel. Diefenb. wb. v. 1470 sp. 195, knochel dess. gl. 393b, beides md. quellen: und füret mich durchs wasser bis mirs an die knöchel gieng. Ezech. 47, 3; du machst unter mir raum zu gehen, das meine knöchel nicht gleiten. ps. 18, 37. 2 Sam. 22, 37; also balde stunden seine schenkel und knöchel feste. apost. 3, 7;

du ... stärktest meine bein und knöchel.
Weckherlin 70 (ps. 18, 64);

du machtest raum zu gehen aller seiten,
damit mir nicht die knöchel möchten gleiten.
Opitz ps. 18, 13;

(der rock) umschlägt ihr im gehn die wolgebildeten knöchel.
Göthe 40, 285;

reichlich herunterwallt zum wolgebildeten knöchel. 296;

prangende schienen zugleich mit schlieszender knöchelbedeckung.
Voss.

von oberd. wbb. gibt Denzler das wort (noch Schönsleder nicht) nur in diesem sinne: 'knöchel, knoden am fusz, talus', mit seinem heimischen worte es erklärend.
b) der entsprechende knochen an der hand:

traf des Telemachos hand an dem knöchel.
Voss Od. 22, 277

[Bd. 11, Sp. 1453]


ἐπὶ καρπῷ, an der handwurzel, am ballen. so vielleicht im folg.: mit dem zucket er sein schwerdt und traf den herzogen auf sein helm, aber der streich glitschet ab und kame bisz auf den knüchel. Aimon b.
c) die fingerknöchel, an den gelenken: es wundert mich dasz sie nicht einen ring am thor haben, man klopft sich die knöchel wund. kinderm. nr. 178; müszte nicht ... die knöchelseite der hand nach oben gekehret sein? Lessing 8, 114.
d) im pl. als volksmäsziges kraftwort für faust, hand, finger, nl. kneukels (s. DWB knöbel 1, b): wer ihnen (den pfaffen) den bauch, beütel und knüchel gefüllt hat, haben sie in den himmel erhebt. Moscherosch christl. verm. 386, es musz doch pl. sein wie im folg.; einen auf die knöchel schlagen, auf die finger. Steinbach 1, 887, M. Kramers deutsch-holl. wb.; hier thut die gerechtigkeit schon etwas übriges, strickt ihre knöchel aufs rad und pflanzt ihre schlauköpfe auf spiesze. Schiller 150a (Fiesco 1, 9), hier die füsze wol eingeschlossen.
e) knöchel der zehen M. Kramer: bis zô den knuchelen dînre zêen. Fromm. 2, 441b, aus Köln 15. jh.
2) auch von dem gelenke selbst, dem der knöchel eigentlich dient: knuchel oder glaich (gelenk), vertebra. voc. th. 1482 r 1a; articulus, knochl. voc. opt. Lpz. 1501 C 4b.
3) auch von andern gelenkknochen vielleicht, vgl. das nürnb. knockle rückenwirbel unter I, c, nl. knokels (cneukels Binnaert) van den ruggraet, verticuli, vertebrae, spondyli Kilian. das nl. wort gilt auch für knochen überhaupt, daher kneukelhuis beinhaus.
4) knöchel für würfel, als landsch. bei Campe, s. DWB knöcheln 1, knöchelchen 2.
5) eigen condylus .. ein knöchel dʒ an den fingeren wachst. Dasypodius, es musz einen knorrigen, knochigen auswuchs meinen, z. b. gichtknoten. so ist das nd. knukkel auch harter auswuchs, geschwulst (brem. wb. 2, 830), ebenso altn. knykill m. Fritzner, schwed. knokkel auch knotenartige erhöhung überhaupt Rietz 338a, und das ist wahrscheinlich die urbedeutung.
6) ein rest davon auf deutschem boden scheint schles. knöchel, knichel m. kleine bodenerhöhung, hügel. Weinhold 45a, s. DWB knübel ebenso, auch knocke 5.
 
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knöchel, n. knöchlein, s. das vor. I, f, vgl. DWB knöchelchen.
 
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knöchelbirn, f. eine harte birnenart. M. Kramer.
 
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knöchelchen, n. das mitteld. demin. zu knochen, wie löchelchen, sächelchen, büchelchen u. s. w.; bei Rädlein 551a, Steinbach 1, 887 knöchlichen. nd. knökelken Schambach 107a.
1) ossiculum: er (der see) leide keinen todten körper ... sogar das letzte knöchelchen, wenn es zu grunde gesunken sei, müsse wieder heraus. Göthe 20, 274; nur ein knöchelchen des kleinen fingers an der rechten hand habe gefehlt. das.; die knochen und knöchelchen des armes. 23, 30, auch 40, 116. 55, 154.
2) spielknöchelchen Göthe 39, 35, ἀστράγαλοι (s. DWB knöcheln 1): die töchter des Pandaros gemahlt .. mit knöchelchen spielend. 44, 107; das kinderspiel der knöchelchen. 122.
 
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knöchelfleisch, n. nl. kneukelvleesch, knorpot. M. Kramer (1719) 2, 124c, knöckelfleisch 125a, letzteres nürnbergisch (s. DWB knöchel I, c); vgl. DWB knorpelfleisch.
 
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knöcheln ,
1) würfeln, bei Campe als volksmäszig, vor ihm von keinem wb. genannt, obwol der ausdruck in md. landen sicher alt ist, wie die sache:

und unten im saale da knöcheln frisch
Schaumburger grafen um leut und land,
graf Simon schüttelt den becher risch.
Annette von Droste 282;

in den wirthshäusern wurde tapfer geraucht, gekartelt und geknöchelt. Auerbach neues leben (1862) 2, 72. im weimarischen regierungsblatte 1865 s. 358 werden unter verbotenen hazardspielen genannt: 1) passe dix, elfern, knöcheln, paschen, würfeln. heimisch ist es z. b. in Leipzig, wo die kinder mit steinchen knöcheln (die beschreibung des kinderspiels s. unter datschelspiel), besonders im frühjahr, um ostern (vgl. knöchlein gleich knippkügelchen). sie hatten nämlich ursprünglich dazu die knochen des zu ostern geschlachteten lammes (der mann beschenkte z. b. zu ostern seine frau mit einem schafe, s. Murner im kloster 8, 1070), aus denen man den kindern würfel machte, s. Rochholz alem. kinderlied u. kinderspiel s. 447 und dazu kobeln. Junius nom. 213a erwähnt solche spielknöchel von rindern, nl. koten, und von schafen, nl. bickelen. denn auch bei uns brauchte man zu würfeln urspr. knöchlein von geschlachteten thieren (in heidnischer zeit vermutlich von den opferthieren, s. sp. 386), das ist in der sprache in fülle urkundlich bezeugt, z. b. in wirten für würfeln Junius nomencl. 213a, schweiz. wirteln Rochholz a. a. o., von

[Bd. 11, Sp. 1454]


wirten wirbelknochen; ebenso in bickeln 'knöcheln' 1, 1809 von bickel knöchel, dann würfel, knippkügelchen (daher selbst im roman., wie franz. bille beinkugel, davon billard, s. Diez 55); in mhd. ohsenbein würfel (s. knirren) u. a., s. DWB köte. ebenso ist böhm. wend. kostka würfel eig. knöchlein, lettisch kauliñsch würfel das demin. von kauls knochen. alles wie in ἀστράγαλος, talus bei den Griechen und Römern (vgl. knöchelspiel). andere namen des kinderspiels aus dem Elsasz nennt A. Stöber in Frommanns mund. 4, 9, schweiz. barryfeln Stalder 1, 137, sächs. auch tippen u. a.
2) mit der faust schlagen, dazu zerknöcheln. Stieler 996, westf. knüekeln Fromm. 3, 366. knöcheln peinigen, bis aufs blut plagen. Bernd Posen 136, vergl. DWB knöchen und DWB kneckeln. ähnlich nl. knokelen grob, unanständig betasten Kilian 248b.
3) knochen abnagen, z. b. mrh. hühner knöcheln, s. Kehrein 235. anders in ausknöcheln gleich ausbeinen.
4) eigen in mrh. ausknicheln (d. i. knöcheln) ausdifteln, grübelnd herausbringen, s. Kehrein 54, knicheler grübler 234: man meine sie könne keine drei zählen, aber er habs doch herausgeknöchelt, dasz sie eine tochter Evas sei. Horn rhein. dorfg. 2, 252. rechnete man etwa einst auch mit knöcheln?
 
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knöchelspiel, n. das knöcheln, ἀστραγάλισις: die hasardspiele, bei denen es keineswegs mehr wie bei dem altitalischen knöchelspiel um nüsse gieng. Th. Mommsen röm. gesch. 2, 382.

 

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