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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
jacobswiese bis jagdapfel (Bd. 10, Sp. 2204 bis 2206)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) jacobswiese, f. einhauige oder einmähige wiese, die um Jacobi gemäht wird.
 
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jacobswirt, m. wirt der die jacobsbrüder beherbergt; daher bettelwirt, wirt für arme leute: der kuedieb spricht zum bettelwirdt

du magst wol ein jacobswirt sein,
wer mag fressen dein pfinning würst,
dein sawr bier trinken wenn in dürst.
H. Sachs 3, 3, 29d;

darnach man ander wirth auch find,
die man nennt jacobswirth allein,
verwessert ist ir bier und wein. 4, 3, 56b.


 
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jacobszwibel, f. allium schoenoprasum, binsenlauch, schnittlauch, und allium fistulosum, hohllauch. Nemnich 1, 187. 181.
 
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jagbar, adj.
1) was gejagt werden kann, mhd. jagebære:

ich sprach: hastu gesehen
daʒ ich dâ jage, ist eʒ jagebære?
Laber 184;

nhd. vom hirsch, wenn er acht- oder zehenender ist: ein hoher und jagbarer hirsch. Schottel 326b; vergl. unten jagdbar.
2) bei Stieler 875 aber in anderm sinne: jagbar, venaticus, venatorius, potestatem venandi habens, mit jagbarkeit, jus venandi, hohe jagbarkeit, potestas insectandi et capiendi majores feras, nieder jagbarkeit, facultas feras minores capiendi.
 
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jagd, f. s. DWB jacht 2.
 
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jagd, f. venatio.
1) während die seltene form jacht (oben sp. 2199) als nomen actionis an ein weit verbreitetes starkes jagen, jug (vergl. unten unter jagen) anlehnt, geht jagd, älter jaget, auf schwachformiges jagen, ahd. jagôn und das von diesem gebildete subst. mhd. jagât, jagit, jaget zurück, welches verschiedener bedeutung und verschiedenen geschlechts begegnet; als fem. jagât, jaget, jagd auf den feind, verfolgung:

die (Ungern) muosten vliehen sunder danc:
manc biderbe ritter si des twanc.
ûf der jagât wart geseit ..
daʒ der fürste wære erslagen. frauend. 529, 17;

beide an dem strîte und an der jaget
entwurchten sie die heidenschaft. livl. chron. 1150.

als masc. der jaid Schm. 1, 1201 Fromm.; am häufigsten jedoch als neutr., wie das masc. in der bedeutung jagd und jagdbeute:

dô wart sîn jagt daʒ rîchewol den Buregonden kunt. Nib. 142, 5, 4 Zarncke;

nasaliert venabulum jagent Dief. 610a, und zerdehnt jacheit ebenda; oft mit vocalisierung der gutturalis jeit, jaid:

daʒ jeit was ergangen, unde doch niht gar. Nib. 885, 1;

welche form noch lange dauert (vgl. auch gejaid): jaid, jaigd, jagung, venatio, venaculum, vulg. jagt voc. inc. theut. k 7a;

wann ich hab mich nach jägers sitten
heut am königlichen jaid verritten
einer hindin nach im walt da hinden.
H. Sachs 3, 2, 23d;

wolt ir mit auf das jäid hinausz?
J. Ayrer 179b (892, 12 Keller).

das früher seltene fem. erlangt seit dem 16. jahrh. die herschaft in der schriftsprache, es war wol längst mitteldeutsch: da kam Esau von seiner jaget. 1 Mos. 27, 30; der ein thier oder vogel

[Bd. 10, Sp. 2205]


fehet auf der jaget. 3 Mos. 17, 13. Dasypodius und Maaler aber verzeichnen es noch nicht; ersterer hat dafür jagung, venatio.
2) jagd, die weidmännische verfolgung und erlegung des wildes.
a) sowol im allgemeinen, als beschäftigung, kunst oder gewerbe, und hier ohne plur.; man theilt sie in hohe und niedere jagd (auf groszes und kleines wild), letztere auch der kleine jaid (Schm. 1, 1201 Fromm.), wie sonst kleines weidwerk; auch mitteljagd (an etlichen orten, darzu rehe und frischlinge gezehlet werden) öcon. lex. 1107; es heiszt der jagd ergeben sein, von der jagd leben; völker, die nur von dem leben, was ihnen die jagd gewährt; die jagd auf löwen, bären, hirsche, hasen, walrosse, walfische; die jagd lernen, sich der jagd widmen; weil er fleiszig auf der jagd gewesen. Ernst histor. bilderhaus 2 (1686), 858; die jagd geht auf, wird eröffnet, was gewöhnlich am 1. sept. geschieht; sie hatten .. durch thäler und schluchten, wie auf gewaltsam hetzender jagd, den geraden weg .. genommen. Göthe 15, 321.
b) im einzelnen falle, eine jagd, plur. jagden; es heiszt eine jagd halten, anstellen, eröffnen, schlieszen, abblasen; auf die jagd gehen, auf der jagd sein; es geselleten sich ein rind, ziegen und schaf zum lewen, und zogen mit einander auf die jaget in einen forst. Luther 5, 271a; zu winterszeit soll man die jagt umb mittag anstellen. Sebiz feldb. 575; so bald du von der jagt kompst. 581; begab sich einsten mit wenig leuten auf die jagd. Ernst histor. bilderh. 2, 860; wann sein herr lustig war und etwan auf die jagd reiten ... wolte. Schuppius 40; ich will ein paar stunden auf die jagd reisen. Gellert 4, 364; man musz oft die jagd abblasen, ob man gleich nichts gefangen hat. Simrock sprichw. 273; der sanct Hubertustag, .. an welchem der fürst .. die jährliche grosze jagd zu veranstalten pflegte. Immermann Münchh. 1, 177; so werde ich die jagd morgen mitmachen. 178;

der löwe ging mit seinen freunden,
dem tiger und dem bär, friedselig auf die jagd.
Gleim 3, 373;

dich reizt nicht mehr der jagden muntre lust.
Schiller braut von Messina v. 639;

auf des hochlands bergigten heiden,
wenn die tobende jagd erscholl. Maria Stuart 3, 1;

im wilden drang der jagd.
Göthe 9, 254;

willkommen zu der edlen jagd (: behagt).
Bürger 70a;

die jagd war aus; ich sprengte hin und her;
umsonst! da war kein keiler mehr. 104b;

mit hörnerschall und lustgesang,
als ging es froh zur jagd (: schlacht). 112b;

kam über mich der friede
nach mancher stürmischen jagd (: magd).
Uhland ged. 374;

jagd machen auf ein wild; der hund macht jagd auf den hasen;

den eber fliehn, bevor der eber nachsetzt,
das heiszt den eber reizen, uns zu folgen
und jagd zu machen, wo ers nicht gemeint. Shakesp. Richard III, 3, 2;

so möchte man irr werden, und also die jagt verhindern. Sebiz 633.
Composita sind gebildet nach der thiergattung die gejagt wird (bären-, enten-, fuchs-, hasen-, löwen-, tigerjagd u. a.), oder nach der art des jagens (bei-, hetz-, kuppel-, mit-, parforcejagd und andere).
3) jagd, die jagenden, theilnehmer an einer jagd: seine jagd ging über unsere felder, und verwüstete die erndte. Klinger 3, 112; also, beorderte der fürst, musz die jagd sich auf diese seite ziehen. Göthe 15, 321;

hört er (der hirsch) im nahen busch ein jägerhorn erschallen,
sieht eine jagd von dem gebirge fallen.
Gleim 3, 316;

ein starker trupp von reitern, welcher sich
durch zufall von der jagd getrennt gesehn.
Göthe 9, 286;

seid ihr gewisz, dasz uns die jagd nicht folgt?
Rudenz. die jagd ist dort hinaus.
Schiller Tell 3, 2.

die wilde jagd, das wütende heer, vergl. mythol. 872; in freierem sinne (vergl. unten 7):

wetter auch! wo ihr nach uns fragt,
wir heiszen des Friedländers wilde jagd,
und machen dem namen keine schande.
Schiller Wallenst. lager, 6. auftr.;

das ist Lützows wilde, verwegene jagd.
Körner.


4) jagd, der ort des jagens, jagdrevier: es sein zwei fürnemme stuck, welche innsonderheit ein erbgut zu ziren pflegen, schöne jagten und herrliche fischereien. Sebiz 464; derjenige, welcher mit seinen jagden an einen andern gränzet. Göchhausen not. ven. 263.
5) jagd, das jagdrecht: so sind doch etliche wildmeister .. dermaszen gewissenlosz, dasz sie mannichen landsassen nicht

[Bd. 10, Sp. 2206]


allein umb die jagt, sondern auch umb die mast, hut, trift und ganze forstgerechtigkeit bringen, wiewol ers mit warheit befugt ist. Löhneys regierkunst (1679) 371a; die hohe jagd, .. da man die hirschen fällen darf. Frisch 1, 483b, ebenda in diesem sinne mittel-jagd, niedre jagd (verschieden von oben 2); die niedere jagd war mit dem echten eigenthum verknüpft. Möser osnabr. gesch. 1, 361; die jagd, eine jagd pachten;

der herbst, die jagd, der markt ist nicht mehr mein.
Schiller theilung der erde.


6) das jagdbare wild: repphühner, schnepfen, enten und allerlei jagd. Göthe 37, 240; auch in diesem sinne die eintheilung in hohe, mittlere, niedere jagd: oft heiszt jagd auch das wildpret, so sich in einer gegend befindet, und in diesem verstande theilt man die jagd, in manchen gegenden in die hohe und niedrige jagd, .. in andern gegenden aber, wo dreierlei jagdten sind, in die höhere, mittlere und niedere jagd ein. Jacobsson 2, 301a.
7) jagd, in freierem sinne, das verfolgen einer person oder sache, das haschen, jagen nach etwas: ich wil mein netze über in werfen, das er in meiner jaget gefangen werde. Hes. 12, 13; hat es auch hüpsch frauenzimmer allhier, dasz ich biszweilen kan auf die kutzeljagt gehen? engl. komöd. 2, L 5; litteratores, die es sonst für keine kleine sache halten, auf anonyme und pseudonyme schriftsteller jagd zu machen. Lessing 10, 220; wie läppisch und unnütz diese ganze namenjagd sei. 224; hier habe ich lust, eine kleine hasenjagd in unserer litteratur anzustellen. Schiller an Göthe 1, 116; die akademie soll selbst auf bedeutende personen, besonders durchreisende, jagd machen, sie modelliren lassen. Göthe 44, 46; als ein starkgerüsteter korsar jagd auf uns machte. Shakesp. Hamlet 4, 6; jagd auf die feinde machen; ein schiff macht jagd auf ein anderes; die jagd nach germanismen. J. Paul vorsch. d. ästh. 2, 175;

und ihr (der weisheit) triumph ist, wo sie kann,
das herz durch die vernunft zu hetzen,
und sich an dieser jagd zu letzen.
Gotter 1, 441;

wieder so ein spürhund, gebt nur acht,
der die jagd auf den herzog macht.
Schiller Wallenst. lager, 6. auftr.

auch der gegenstand solches jagens, beute: o gold, du mühsame jagd des menschengeschlechts! Klinger 6, 144.
8) jagd, wildes tobendes treiben, wie bei einer jagd: in den saal! wo wir als buben unsere jagd trieben. Göthe 42, 27; jagd, vulg. tumultus, similis venantium clamori et strepitu, was habt ihr da für eine jagd? quid hic tumultuamini? quem tumultum excitatis? Frisch 1, 483b; niederd. jagd hebben, holen streit haben, halten, sich zanken Schütze 2, 183; auch eine tobende menge selbst (vgl. oben 3): da kommt die ganze jagd angehetzt.
9) in Holstein und Hamburg jagd auch menge, ohne den nebenbegriff des tobenden: en ganse jagd kinder, en jagd lüs, en jagd klêder (viel kleider). Schütze 2, 184.
 
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jagd-, an stelle der composita mit diesem worte erscheinen in der ältern sprache gewöhnlicher solche mit jag-, welche an alphabetischer stelle nachzusehen.
 
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jagdalbum, n. album zur erinnerung an eine jagd oder an jagden.
 
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jagdamt, n. praefectura venatoria. Steinbach 1, 20.
 
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jagdanzug, m. anzug, kleidung für die jagd.
 
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jagdapfel, m. eine sorte wolschmeckender äpfel. Campe.

 

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