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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
jachzorn bis jäcklein (Bd. 10, Sp. 2200 bis 2202)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) jachzorn, m. für jähzorn, vgl. DWB jach für jäh oben sp. 2198: so hätte mich der jachzorn verleitet. irrgarten 525; dasz ich mich den jachzorn nicht verleiten lasse. 526; meinen jachzorn um so viel desto weniger miszbilligen. Felsenb. 2, 392; unglücklicher jachzorn! Lessing 1, 150; denn der plötzlichste jachzorn konnte mir auf sekunden, ja minuten, alles bewusztsein rauben. Tieck 5, 440;

ich trotze dich mit diesem blute,
in welchem sich dein jachzorn kühlt.
Günther 202;

der mich verwundet hat, vom jachzorn angetrieben.
Caniz 110.


 
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jachzornig, adj. und adv.: dasz hastige und jachzornige leute nicht alsobald böse leute sein. Schuppius 292; wenn er in gesellschaft verträglich und zu hause jachzornig ist. J. E. Schlegel 3, 365; der jachzornige, mörderische Achilles. Lessing 6, 510; jachzornig, hitzig, unerbittlich. Ramler dichtk. d. Hor. 45.
 
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jacinthe, f. hyacinthus; diese form, deren anlaut sich schon ahd. mhd. nach verlust eines h sich aus i gebildet hat (vgl. unter j sp. 2086), findet sich noch im 18. jahrh. als blumenname:

hier reicht mir die blaue jacinthe den kelch voll kühler gerüche.
Chr. E. v. Kleist (1765) 211 (= 1804 1, 165);

als steinname im masc.: jacinth, edelgestein hyacinthus Maaler 233d.
 
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jäck, m. geck, s. unter DWB jeck.
 
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jäck, m. corvus glandarius, häher. Nemnich 2, 1243.
 
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jäckchen, n. kleine jacke: die reste einer erbärmlichen leidenschaft .., die dich in jetzigen tagen eben so wenig kleiden, als das graue jäckchen und die bescheidene miene, mit denen du nach Madrid kamst (Carlos zu Clavigo). Göthe 10, 105; ein knabe, der eine frisirschürze umgegürtet und ein weiszes jäckchen anhatte. 18, 142; zwei knaben .. in farbigen jäckchen, die man eher für aufgebundene hemdchen gehalten hätte. 21, 4. als narrentracht: im grunde hatten sie nur das bunte jäckchen und den namen abgeschaft, aber den narren behalten. Lessing 7, 80.
 
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jacke, f. eng anliegendes kurzes ermelkleid des oberkörpers, tunica, thorax.
1) das wort ist romanisch, franz. jaque ein waffenrock (seit dem 14. jahrh. bezeugt. Littré 2, 131c), span. jaco, ital. giaco

[Bd. 10, Sp. 2201]


(Diez wörterb. 1, 211), geht aber wol, trotz dagegen erhobenen zweifels, auf das ahd. scecho stragulum (Graff 6, 416) zurück, das sich im mhd. schecke, schegge diplois fortsetzt und noch jetzt im Bregenzer walde ein buntes lederkleid der saumknechte bezeichnet (Schm. 2, 367 Fromm.). die an die franz. schriftform angelehnte form jacke begegnet zufrühest niederdeutsch und niederrheinisch als wattierter waffenrock: diplois jacke Dief. 183b. nov. gloss. 136a (von 1417), mit g für j (vgl. th. 41, 1109) ein gacken Dief. 183b; cento ein gacke, tomento refertus, ut ictus patiatur Trochus M 5a unter den rüstungsstücken; während ein Nürnberger vocabular von 1482 die deutsche und romanische form neben einander bringt: diplois jacke, jecke, scheck Dief. a. a. o.; niederl. jack thorax, diplois, lorica Kilian, engl. jack und jacket.
Ein nachklang dieser bedeutung ist es, wenn jacke später für das kleid des soldaten steht, in gewissen formelhaften wendungen: einen in die soldatenjacke stecken; obgleich unser dienst sehr läszlich ist, und ich in Bologna, wo ich in garnison stehe, meiner bequemlichkeit vollkommen pflegen kann, so wollte ich doch dasz ich diese jacke los wäre. Göthe 27, 177.
2) die jacke ist auch tracht der bauern und geringer leute, Kilian führt als niedersächsisch und friesisch an jacke praetexta toga, vestimentum quod tunicae superinducitur; supparus, supparum; endromis, vestis rudis aut villosa; gallica palla; tunica; und bei Steinbach 1, 801 jacke, ein gemeines bauerkleid, als volksmäszig, also schlesisch;

so schmutzig als er da
in seiner jacke steht, mit ungekämmtem haar
und ohne schuh.
Wieland 18, 148.

vgl. bauerjacke.
3) auch männliche, wie weibliche tracht anderer stände, ein theil der hauskleidung (vgl. unter jäcklein einen beleg aus dem 16. jh.): jacke, foeminarum amiculum manicatum, .. gefütterte jacke, amiculum pelliceum Stieler 892; eine weisze jacke, so rein als ein advocatengewissen. Kotzebue 3, 355;

festlich prangte der greis in gestreifter kalmankener jacke.
Voss 2, 268.

arbeitskleidung, vgl. matrosenjacke, DWB stalljacke.
4) die bunte jacke, das kleid des harlekins, vgl. DWB buntjacke, auch hanswurstjacke, harlekinsjacke; die recension wird also eine rechte harlekinsjacke werden. Schiller an Göthe 1, 127.
5) sprichwörtliches und redensarten. einem was in die jacke werfen, donis aliquem corrumpere, oppugnare pecunia, fidem muneribus labefactare Stieler 892; es ist besser dasz ich dem affocaten etliche thaler vor seine hülfe in die jacke werfe. causenmacher 76; dasz ich dem herrn ephoro und regierenden bürgermeister, jedem etwa ein dutzent thaler .. in die jacke würfe. Felsenb. 2, 43; einem die jacke voll machen, einen betrunken machen, voll trinken, ebrium reddere Frisch 1, 481c; sich die jacke voll schlagen, sich voll essen; einem die jacke voll lügen, schlagen, einen tüchtig belügen, schlagen; das ist eine alte jacke, eine alte geschichte; es ist jacke wie hose, beides gleich; birnenschnitze in der jacke, ungeschält:

hier in diesem gröszern sacke
birnenschnitz in ihrer jacke,
brauchbar doch auf jeden fall.
Rückert 227;

vgl. engl. potatoes with their jackets, kartoffeln in der schale.
6) jacke, bekleidung der hunde beim schweinhetzen. Frisch 1, 481c.
 
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jacke, f. corvus monedula, die dohle. oberdeutsch. Nemnich 2, 1245. vgl. DWB gacke 41, 1128.
 
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jäckel, jäkel, eine der koseformen des eigennamens Jacob, wie Hans in allgemeinere verwendung gekommen, vgl. Wackernagel kl. schr. 3, 162 f. es bezeichnet
1) einen beliebigen, irgend jemand, mit niedrigem nebenbegriff; in sprichwörtlichen wendungen: aber wan wir nun das vatterland bedienen und berathen sollen, da stehen wir an: da sehen wir allererst, wo Jäckel in den bohnen gesessen, wann sie nun sind auszgelochen. Philander 2, 13; das heiszet dann, wie in nechster vorrede geandet, Hans hienuber, gans heruber. Jäckel hienausz, Jockel herein; gans ubers meer und wider heruber. s. 180, in zusammensetzungen: hurenjäckel, schmirjäckel, taubenjäckel (Schm. 1, 1204 Fromm.), wo es einen auf etwas närrisch erpichten ausdrückt.
2) einen bauren, bauerburschen: (Grandgosier, bei jahrmärkten) fochtelt mit den bauren herumb, stach inen die kannen, häfen und krüg zum kopf, jagt den Jäkel mit dem karrenmesser vom kegelblatz, trug im die Kett (Käthe) von der seiten. Garg. 51b; auch einen verächtlich dummen menschen: ein armer Jeckel und ascherprödel oder abersel. Mathesius Sar. 53b. so

[Bd. 10, Sp. 2202]


braucht Luther Jäckel verächtlich in bezug auf einen unfähigen prediger, der Jacob heiszt: immer weg mit diesem Jäckel. 5, 174; ich bin meins theils aus dem bericht uber die masze auf den Jäckel unlustig worden, das er so mit faulen zoten umgehet. ebenda;

sie (die frau) sol den man für keinen lapen
Jäckel halten oder tiltapen. meisterges. vom j. 1608, Berliner handschr.

einen narren: bist du auch ein Jekel, so thue es auch. Luther 4, 165a; einen sticht der Jeckel: in Reinbeck stach die nonnen der Jeckel, dasz priörin, subpriörin und der ganze convent 1528 ihr kloster .. verkauften. Biernatzki schleswig-holstein. volksbuch 1846 s. 159.
3) eine ausgestopfte, an stricken gezogene menschenfigur hiesz Jäckel, Jackel. Schm. 1, 1204 Fromm.
4) gerätname: eines groszen schmiedehammers und eines groszbauchigen kruges. Schm. a. a. o.
vgl. auch Jäcklein, Jockel.
 
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jäcklein, n. kleine jacke, parvum amiculum Stieler 892: leibröcke oder jecklin von dammaschken, seidenatlas, doppel kartek. Leipziger stadtordn. 1544 B 2a.
 
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jäcklein, koseform des namens Jacob (s.Jäckel); als bezeichnung von schelmen: ir lose grattel-jäcklein laszt ihn kein rhu. Garg. 146a; von narren:

stoszt an gecken Jecklins garten
die sauw.
Murner luth. narr 216.

 

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