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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
jaaffe bis jachgetauft (Bd. 10, Sp. 2198 bis 2199)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) jaaffe, m. affe der zu allem ja sagt: es seind (es gibt) jaaffen, schmeichler, kutzenstreicher, niemands widerstreiten in zorn (aiunt aio, negant nego). Keisersberg irrig schaf 23a.
 
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jabruder, m. für einen der zu allem ja sagt, keine eigene meinung vertritt. vgl. DWB jaherr.
 
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jach, adj. und adv. schnell, heftig, nebenform zu gach (theil 41, 1125) und gähe, gäh, gäch (ebenda 1144), sowie zu jähe (s. dort).
1) als adv., schnell, rasch, mit ungestüm, von heftigen oder stürzenden bewegungen; häufig seit dem vorigen jahrhundert bei dichtern norddeutscher heimat, später erst auch bei süddeutschen:

doch jach, wie windeswirbel fährt,
und rührig laub und staub empört,
ward seiner lebensgeister
verzweiflungsmuth nun meister.
Bürger 52b;

und jach durchzuckte sie weh auf weh. 62a;

jach fahren tausend höllenhunde,
laut angehetzt, empor vom schlunde. 71b;

jach erhebst du dich von meiner seite. 99b;

rasselnd stürzt er; herbei sprang jach der glänzende Aias. 228b;

wie bebt des waldstroms brücke,
der tosend sich ergeuszt,
und bäum und felsenstücke
jach in die tiefe reiszt.
Matthisson ged. 129;

sie sprengte jach davon.
Joh. Friedr. Kind gedichte;

bringt ihm ein falscher tritt gefahr,
und vom gerüste stürzt er jach.
Platen 60;

da plötzlich wankt und weicht von seinem tritt
ein stein und reiszt ihn jach zum abgrund mit.
Lenau Faust 10;

und an der morschen schwelle
da fiel das fräulein jach (: stach).
Uhland ged. 406;

da jach kommt leben in den stein!
Freiligrath glaubensb. 168;

so schafft er sich und seinem volke noth,
bis jach ein heer vor seinem zelte scharrte,
bis ihm sein England wild die stirne bot. 278;

als ausruf:

doch schalkhaft sprach
ein dirnchen: jach!
dort fliegt sie; tapp ihr nach!
Voss 5, 278.


2) älter aber als adj., vornehmlich in bezug auf seelisches, verlangen, begierden: jach, vehemens, celer. voc. inc. theut. k 7a; jach, jäh praeceps, inconsideratus Schottel 1340; affecten gehören zum gefühl, so fern es, vor der überlegung vorhergehend, diese selbst unmöglich oder schwerer macht. daher heiszt der affect jäh oder jach. Kant 5, 235; deine wangen machen, dasz mein jaches lippenpaar sich sehnt das grübgen zu ergänzen. Wiedemann juni 52;

weil unterdessen meint der könig von Circassen,
Angelica sei fortgerennt auf dieser straszen,
und sieht Orlando jetzt und Ferrau heisz und jach
in ihrer schlacht, so rennt er diesem wege nach.
D. v. d. Werder 12, 51, 3;

gewöhnlich nur in der verbindung jach sein, während jäh attributiv gebraucht wird: die anschlege eins endelichen (cogitationes robusti vulg.) bringen überflusz, wer aber allzu jach ist, wird mangeln. spr. Sal. 21, 5;

und war der herzog nicht so jach (wäre der herzog nicht so flink gewesen),
er sandt ihm seine waffe nach.
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 420;

zu, auf, mit etwas jach sein: ir füsze sind jach blut zu vergieszen. Luther 3, 531b; jach zum zorn sein, praecipitem in iracundiam ferri Stieler 876;

[Bd. 10, Sp. 2199]


und sei mit fordern nicht zu jach.
B. Ringwald laut. warh. 119;

(die augen) die sonst send jach,
zu sehen nach
allen üppichen sachen!
J. Ayrer 429b (2190, 18 Keller);

dem guten folg ich auch gar faul und langsam nach,
aufs bös ich aber bin geschwinde frisch und jach.
D. v. d. Werder Ariost 9, 2, 4.

am häufigsten aber unpersönlich, mir ist, wird jach: so wird inen so jach nach dem reich gottes und seiner hülf, das sie gleich mit gewalt hinzu dringen und reiszen es zu sich. Luther 1, 437a; das .. inen jach ist zum raube, wenn sie hungern. 3, 234a; also ist den schwermern auch so jach nach der deutelei und gleichnis, das sie dafür nichts bedenken können. 476a; findet sichs denn das sie ja nicht zu im wil, so sol uns nicht so jach nach ir sein. 4, 471b; uns sei so bange und jach nach irem concilio. 8, 214b; warumb ist denn vielen so jach gen hof. Kirchhof wendunm. 56a; aber ihm war so jach zur thür hinausz. 138b;

z Christo hien sei jedem jach.
Murner schelmenzunft 41b;

bei Rückert noch:

dem vater und dem bräutigam wards allen beiden jach. 435.


 
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jach, f. für jähe, eile, schnelligkeit (s. d.): zur weltlichen narung ist jederman (dat.) jtzt jach und eile mit seinen kindern. Luther 4, 440a;

darumb wolauf mit eil und jach,
wer mit uns wil der kumb hernach.
H. Sachs 3, 3, 3a.


 
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jach, conj. auch, für joch (s. d.): wo aber das durch einig ursach, wie die jach were, zwuschen der zeit nit entscheiden wirde. urk. Max. 40.
 
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jäch, s. unter jähe.
 
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jäch, jäche, interj.:

komm her, und lasz dich loben,
jäch, evoe.
Opitz 3, 78;

recht, eleleu; jaha, jüch, jäche! (: wache). 81.


 
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jächen, verb. fugare, pellere, propellere, in fugam vertere, conjicere, dare, bei Stieler 876; sich mit einander jächen, cursu contendere. ebenda; jächen, propellere, in fugam vertere Steinbach 1, 802. es kann zuerst aus wörterb. des 15. jahrh. belegt werden: fugare jächen, jechen Dief. 250a, und ist vornehmlich ostmitteldeutsch: desgleichen hat er den Carlstad .. hin und her in der welt gejecht. Luther 5, 489b; solch zeter und blutgeschrei erreget Cain sein gewissen, und jechet in, das im die ganze welt zu enge war. Mathes. hist. von Jesu Christo 1, 62. noch heute düringisch, meisznisch, schlesisch, in den bedeutungen sowol haschen, von kindern: die kinder jächen sich auf dem hofe, als auch scheuchen: jäche den hund fort; er hat die hühner aus dem garten gejächt.
 
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jächer, m. eilender, sich überstürzender, hastender: ein jächer gibt keinen guten jäger. Schottel 1125b; vgl. nachher jachern. bei Stieler aber, nach dem vorhergehenden verbum jächen, ist jächer fugans, expulsor 876.
 
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jachern, verb., frequentativbildung zu jach, und daher eigentlich hast und eile malend, düringisch ist es für schnaufendes laufen, hetzen in gebrauch, das kind jachert herum, wenn es sich dabei auszer atem läuft; eben so hessisch jackern schnell reiten, schnell fahren Vilmar 181; anderswo heiszt jachern ausgelassen lärmen: hernach ward .. sauball gespielt, gelacht und gejachert. Hermes Soph. reise 3, 275; wovon niederd. jachtern wol weitergebildet ist (obschon das letztere auch als frequentativbildung von jagen genommen wird, vgl. DWB erjachtern theil 3, 861): jachtern wild herumlaufen, fortwährend auf den beinen sein Schambach 93a; spielend herumlaufen, wie kinder einander jagen Schütze 2, 184; sonst auch schnaufend, laut lachen: ich besuchte sie (die theegesellschaften) den ganzen winter, selbst wenig theil nehmend, weil der ewig mit aufgesperrtem maul lachende und jachternde frivole ton der thees nicht in mein fach gehört. Passow leben (1839) 111.
 
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jachgetauft, part. festinato opere ab obstetrice aqua lustrali tinctus. Serz 73b. vgl. DWB jachtaufe.

 

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